Artikel in "Essay"

Von Jochen Mai // 2 Kommentare

Das Handicap-Prinzip – Oder warum die Schürze weiß ist

Und?! Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Köche ausgerechnet weiße Schürzen tragen, wo doch Eigelb, Schokolade und Tomatensaft die hartnäckigsten Flecken verursachen? Oder warum Frauen Stilettos tragen, obwohl sie damit nur kleine Schritte machen können und nachher den Rücken umso deutlicher spüren? Warum einfach, wenn’s auch umständlich geht?

Weil es wirkt! Tatsächlich erfüllt die freiwillige Behinderung einen evolutionären Zweck. Das sogenannte Handicap-Prinzip geht auf das israelische Biologenpaar Amotz und Avishag Zahavi zurück, das diese Theorie 1975 entwickelte. Die Beiden fragten sich unter anderem, was ein Wesen attraktiv macht und warum beispielsweise der Pfau diese wahnsinnig langen Federn hat, obwohl sie weder zum Fliegen taugen noch beim Stolzieren stützen. Bei ihren Beobachtungen fand das Forscherpaar heraus: Sexuelle Signale werden vom anderen Geschlecht vor allem dann als besonders wertvoll eingestuft, wenn sie kostenintensiv erworben und gepflegt werden müssen. Ihre These: Der Pfau stecke in einer evolutionären Zwickmühle. Sein Schwanz behindere ihn zwar, aber ohne ihn pflanzt er sich nicht fort, weil die Weibchen umso mehr auf ihn fliegen, je größer sein – Sie wissen schon – ist. mehr

Von Jochen Mai // 4 Kommentare

Ausdruck – Der wahre Charakter zeigt sich in der Krise


In der Stadt Wu kam ein Schüler enttäuscht zu seinem Meister zurück. Er hatte erfolglos versucht, Orangen auf dem Markt zu verkaufen und wetterte nun zornig gegen die Menschen, die seine Orangen nicht kaufen wollten, egal wie sehr er sie anpries. Da schüttelte der Meister seinen Kopf und strich sich durch seinen langen weißen Bart: „Es liegt vielleicht an Dir und nicht an den Orangen!“ „Niemals, Meister“, beschwerte sich der Junge. Da nahm der Meister eine Orange und fragte seinen Schüler: „Wenn ich diese Orange nun auspresse, was kommt dabei heraus?“ „Natürlich Orangensaft, Meister“, antwortete der Junge. „Richtig“, sagte der Meister. „Und wenn ich mit einem Holzbalken darauf schlage, was kommt dann heraus?“ „Immer noch Orangensaft, Meister!“, entgegnete sein Schüler. „Du sagst die Wahrheit“, sagte der Meister und fragte ein drittes Mal: „Wenn nun aber ein Maulesel darauf tritt, was wird dann herauskommen?“ Da knurrte der Schüler: „Meister, warum fragt ihr mich das? Es wird natürlich auch dieses Mal Orangensaft herauskommen. Es kommt immer Orangensaft heraus.“ „Du bist weise, mein Schüler“, antworte da der Meister mit ruhiger Stimme. „Die Orange antwortet immer mit dem, was in ihr drin ist – ganz gleich, was ihr zugefügt wird. So ist es auch mit den Menschen: Setze Sie unter Druck und sieh, was dabei herauskommt. Reagieren sie mit Hass, Zorn und Neid, so ist es das, was in ihnen steckt.“

[Chinesische Erzählung, Quelle unbekannt]

Von Jochen Mai // 22 Kommentare

Faules Stück – Die Kunst der Demotivation

Als ich das letzte Mal einem Motivationsseminar beiwohnte – aus rein journalistischem Interesse natürlich –, versuchte mir der Mensch am Mikro zu verkaufen, jeder könne ein Starverkäufer, Topmanager oder zumindest reich werden. Er selbst war eher so eine Art verkrachte Existenz, ein Desperado der Meta-Ebene und des esoterischen Brimboriums. Ich hielt ihn für einen Blender. Die meisten anderen leider nicht. Seitdem bin ich überzeugt: Keiner von uns ist so blöd, wie wir alle zusammen. Und man sollte niemals die Macht dummer Menschen in einer großen Gruppe unterschätzen. mehr

Von Jochen Mai // 4 Kommentare

Knitterpartie – Wer scheitert, wird dadurch nicht wertlos

Der Redner hielt einen 50-Euro-Schein in die Luft: „Wer von Ihnen möchte diesen 50-Euro-Schein haben?“, fragte er sein Publikum. Zahlreiche Hände gingen hoch. Da nahm er den Schein und zerknüllte und zerknautschte ihn, riss Ecken hinein bis der Schein nur noch ein unansehnliches Knäuel war. Wieder fragte er: „Wer von Ihnen möchte jetzt noch diesen 50-Euro-Schein haben?“ Wieder gingen fast alle Hände hoch. „Na, gut“, sagte der Redner und warf das Schein-Knäuel auf den Boden. Dann stampfte er mit seinen schmutzigen Schuhen darauf herum, wischte sie daran ab und erzählte dazu eine Geschichte von dem schmierigen Trottoire, durch den er zuvor gegangen war. Dann hielt er das zerschundene Stück Papier mit zwei spitzen Fingern hoch: „Wer von Ihnen möchte diesen 50-Euro-Schein jetzt noch haben?“ Es waren nur ein paar Hände weniger, die aufzeigten. Das Gros wollte ihn noch immer haben. Egal, was er mit dem Geldschein anstellte, wie schmutzig oder zerknittert er auch war, der Wert blieb gleich: 50 Euro.

[Erzählung, Quelle unbekannt]

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Von Jochen Mai // 2 Kommentare

Memento mori – Der Kluge plant vor

Früher hielten sich die Könige Narren am Hofe. Die durften ihnen die Wahrheit sagen – egal, wie schmerzvoll diese war. Und war sie zu schmerzvoll, hieß es eben: „Er ist halt ein Narr.“ Ein König hielt sich gleich ein paar Narren, die ihn regelmäßig amüsierten und indirekt berieten. Dem gescheitesten von ihnen machte er ein besonderes Geschenk: Er gab im einen kostbaren Narrenstab mit goldenen Glöckchen und sagte: „Du bist gewiss der größte Narr, den es gibt. Behalte diesen Stab als Auszeichnung und gib ihn erst weiter, wenn du jemanden findest, der noch närrischer ist als du!“ Da nahm der Narr den Stab und behielt ihn viele Jahre. mehr

Von Jochen Mai // 6 Kommentare

Parkbank – Das Wesen der Raffinesse

Eine Frau geht in eine New Yorker Bank. Sie sagt, sie möchte morgen für eine Woche nach Europa reisen und brauche dafür dringend einen Kredit von 5000 Dollar. „Nun“, sagt der Bankmanager, „das machen wir gerne, aber welche Sicherheiten bieten Sie uns dafür?“ Darauf zeigt die Blondine auf einen nagelneuen Rolls-Royce, der draußen auf der Straße steht und dessen Papiere und Schlüssel sie dabei hat. „Das geht natürlich in Ordnung“, sagt der Bankmanager. Der Wert des Rolls-Royce übersteigt schließlich den Kreditrahmen bei weitem. Ein Bankangestellter nimmt die Wagenschlüssel an sich und parkt den Rolls-Royce in der Tiefgarage der Bank. Danach bekommt die Frau das Geld und verreist. mehr

Von Jochen Mai // 1 Kommentar

Moralerlass – Die Macke der Moralisten

Es ist leicht, sich über andere moralisch zu entrüsten. Genauso wie viele die Frage umtreibt, ob jemand Erfolg haben darf, der amoralisch handelt? Dazu gibt es ein gutes Lehrstück aus der Ära von US-Präsident Bill Clinton. Allerdings lautete die Frage damals: Kann man ein guter Präsident sein und sich gleichzeitig von seiner Praktikantin fellatieren lassen? Auch wenn der Annex und sich dabei erwischen lassen politisch korrekterweise gestrichen wurde, so lastete die Frage doch schwer auf dem amerikanischen Gewissen. Für Clinton fiel das Urteil damals mit einem knappen „Im Prinzip ja“ aus. Was auch daran lag, dass die amerikanische Öffentlichkeit in puncto Sitten zweierlei Maß anlegt. Denn so laut die Empörung über den oralen Nebenjob der Praktikantin ausfiel, so groß dürfte auch die Bewunderung mancher Mit-Machthaber ausgefallen sein, die sich insgeheim dachten: ein Tausendsassa, dieser Bill! mehr

Essay, Job 1
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Erfolg in 7 Worten

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  1. Seien Sie da. Der beste Weg, einem Kollegen oder Freund zu helfen, ist auch der einfachste: Sorgen Sie dafür, dass der Betreffende sich nicht allein gelassen fühlt. Hören Sie zu, spendieren Sie einen Kaffee, gehen Sie zusammen essen. Und sagen Sie – beiläufig – was Sie an dem Kollegen schätzen. Nur eines dürfen Sie auf gar keinen Fall: ungefragte Ratschläge verteilen, belehren, beurteilen, kritisieren.
  2. Reden Sie nichts klein. “Ach, das wird schon wieder!”, “Morgen ist die Welt wieder in Ordnung.”, “Sei nicht so dünnhäutig…” – Kommentare wie diese streuen nur noch Salz in die Wunde. Und sie sind verletzend, weil sie die wahren Gefühle und Sorgen des Betroffenen ignorieren und stattdessen nur die eigene Perspektive transportieren. Stellen Sie lieber Fragen und zeigen Sie Verständnis.
  3. Haben Sie Geduld. Manche denken, wenn man sich um den betreffenden Kollegen kümmert, müsse der sich doch bitte bald wieder einkriegen. Fatal! Das erzeugt nur zusätzlichen Druck, den der andere spürt. Dahinter steckt schon der unterschwellige Vorwurf: Du bist so nicht ok. Besser: Lassen Sie dem anderen die Zeit, die er oder sie braucht. Und puffern Sie jeden Druck ab – das hilft wirklich.
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Drei Wege, wie Sie einem niedergeschlagenen Kollegen wirklich helfen