Artikel in "Essay"

Von Jochen Mai // 2 Kommentare

Tippender Affe – Kennen Sie das Infinite-Monkey-Theorem?

Die Wissenschaft treibt manchmal seltsame Blüten. Kennen Sie zum Beispiel das Infinite-Monkey-Theorem? Es besagt, dass ein Affe nur unendlich lange und zufällig auf einer Schreibmaschine herumtippen muss – und schon entstehen dabei so ziemlich ganz sicher mit der Zeit alle Werke William Shakespeares. Man muss nur lange genug warten. Um den Prozess zu beschleunigen, könnte man freilich auch unendlich viele Affen an unendlich viele Tastaturen setzen, sie unendlich lange tippen lassen und hätte irgendwann sogar alle Bücher der deutschen Nationalbibliothek zusammen. In der Theorie jedenfalls, die sich aber mathematisch ernsthaft beweisen lässt (wovon ich Sie allerdings verschone). mehr

Essay, Job 2
Von Jochen Mai // 2 Kommentare

Spracharithmetik – So wird das was mit der Karriere

Nehmen wir an, Sie fragen sich gerade: Wie mache ich Karriere? Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich ausgerechnet diese Frage stellen, liegt gerade hoch – immerhin haben Sie diesen Beitrag angeklickt (oder lesen ihn im Feedreader). Naturgemäß wissen auf diese Frage eine Menge Leute eine Menge Antworten: Die einen, indem sie Beobachtungen und Erfahrungen aus verschiedenen Bereichen zu fundierten Erkenntnissen und eigenen Ideen addieren. Andere, indem Sie Kaffeesätze lesen und Ihr Honorar zu ihrem Bankkonto addieren. Funktioniert beides, unterscheidet sich nur in der Zahl derer, die damit tatsächlich Karriere machen. Spracharithmetik funktioniert nicht viel anders, hat aber wenigstens noch Unterhaltungswert.

Spracharithmetik? Ja, richtig gelesen. Ein Beispiel: Wer Karriere machen will, muss zu jeder Zeit mehr als 100 Prozent leisten. Dann gilt er als sogenannter Leistungsträger und Held der Arbeit. Wer weniger malochen will, spielt entweder beim 1. FC Köln, wird Literaturkritiker oder Florida Rolf. Das Tückische daran: Nicht jedes Engagement ist gleich viel wert. Die Über-100-Prozent-Arbeitskraft wollen also gezielt eingesetzt werden. Die Frage ist nur: Womit? Tja, und genau an dieser Stelle hilft die Spracharithmetik. So geht’s: Ersetzen Sie dazu zunächst das Alphabet mehr

Essay, Job 2
Von Jochen Mai // 3 Kommentare

Ohrensausen – Tinnitus ist noch viel zu wenig erforscht

Bei mir piept’s. Es fing an, als ich meine Uhr mithilfe der Zeitansage stellen wollte. Seitdem piept es. Man könnte auch sagen, ich pfeife aus dem rechten Loch. Oder man sagt Tinnitus aurium dazu. Aber nur, wenn man Latein kann. Sonst sagt man lieber Klingeln der Ohren.

Etwa drei Millionen Deutsche leiden zeitweilig darunter. Also ungefähr 67,8 Prozent der Leser dieses Blogs. Etwa zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung sind sogar dauerhaft davon betroffen. Frauen und Männer gleichermaßen. Interessant daran finde ich, dass die Anzahl der Tinnituspatienten in den vergangenen Jahren stark gestiegen ist. In Deutschland spricht man deshalb auch von einer Volkskrankheit. Wissenschaftlich ist allerdings noch nicht abschließend geklärt, ob die Zahl der Erkrankungen gestiegen ist oder die Zahl derer, bei denen es piept. Ich hätte da aber eine Theorie.

Tinnitus ist noch sehr wenig erforscht. Auch dieser Text ändert daran nichts. Die Menschen wissen zwar heute, dass man mit einem einzigen Bleistift eine Linie ziehen kann, die 40 Kilometer lang ist oder dass die Stadt Los Angeles eigentlich El Pueblo la Nuestra Senora de Reina de los Angeles de la Porciuncula heißt. Aber nichts davon hat mit Tinnitus zu tun. Nur soviel ist bekannt: Tinnitus ist ein Symptom. mehr

Von Jochen Mai // 1 Kommentar

Wutlos, nicht wehrlos – Eine Parabel über Ärgerkontrolle

Auf der Passage nach Mumbai stehen ein Tourist und ein angesehener Swami nebeneinander im Zug. Unvermittelt spricht der Tourist den Swami an und fragt, ob er denn auch in der Kunst der Selbstbeherrschung geschult sei.„Aber natürlich bin ich das“, entgegnet der Swami.

„Und dabei hast du auch all deine Wut gebändigt?“, fragt der Tourist.
„Ja, das habe ich.“
„Das heißt, du kannst jetzt all deinen Ärger kontrollieren?“
„Ja, das kann ich.“
„Und wenn du nicht willst, dann ärgerst du dich auch nicht?“
„Nein, dann ärgere ich mich nicht.“
„Ist das auch wirklich wahr, Swami?“
„Ja, das ist wahr.“

Nach einer kurzen Pause fragt der Tourist erneut: mehr

Von Jochen Mai // 3 Kommentare

Charakterverstärker – Social Media sind das Kokain der Moderne

Prolog

„Sag mal, was ist eigentlich so besonders an Kokain?“

„Es intensiviert deine Persönlichkeit.“

„Okay, aber was, wenn du ein Arschloch bist?“

Social Media

In den vergangenen Tagen wurde hier viel über Social Media geschrieben, denn das Thema beschäftigt zurzeit zahlreiche Unternehmen. Aus gutem Grund: Social Media sind ein Phänomen, das die Gesellschaft und Wirtschaft verändern wird. Die Effekte sind unabhängig davon, ob die Unternehmen mitmachen oder nicht. Geschrieben und kommentiert wird über sie, ihre Kultur und ihre Produkte so oder so. Aber: Wenn sie mitmachen, zwingen sie Social Media zu mehr Transparenz und zu mehr Präsenz. Der Prozess ist zugleich unumkehrbar.

Nur allzu oft wird die Frage, ob man Social Media nutzt oder nicht, allein unter Marketing- oder Hype-Gesichtspunkten diskutiert. Es gilt als modern, eine Facebook-Fanpage zu haben, einen oder mehrere Twitter-Accounts, Profile bei YouTube, Vimeo, Xing oder Linkedin. Wohl wahr, verkehrt ist das nicht. Aber es ist kein zwingender Grund – und schon gar nicht ist es ungefährlich. mehr

Von Jochen Mai // 7 Kommentare

Kehr ich heim nach Ithaka – Was uns Odysseus und Kalypso lehren

Man kann sich darüber nur wundern, dass Menschen noch immer so vehement nach Unsterblichkeit, nach ewiger Jugend und unvergänglichem Ruhm streben. Dabei lehrt uns schon Homers Ilias eine wichtige Lektion darüber.

Es war am Ende des zehnjährigen Trojanischen Krieges, den Odysseus schließlich mit einer List für die Griechen entschied. Die eitlen Trojaner waren auf einen geschenkten Gaul hereingefallen und hatten so den Untergang ihrer bis dahin uneinnehmbaren Stadt eingeleitet. Odysseus war nicht nur der strahlende Held, sondern vor allem froh, den Kriegsschauplatz endlich verlassen und zu seiner geliebten Frau Penelope auf die Insel Ithaka zurückkehren zu können. mehr

Von Jochen Mai // 26 Kommentare

In Reih und Glied – Warum Warteschlangen wertvoll sind

Es gibt ein paar Dinge, die uns Menschen vom Tier unterscheiden. Texte schreiben und lesen zu können, gehört definitiv dazu. In Warteschlangen zu stehen aber auch. Kein Löwe würde sich je in eine Reihe stellen und warten, bis er einen Happen von der saftigen Antilope am Ende der Reihe abbeißen darf. Und keine Amsel würde eine Nacht lang aufgereiht neben anderen Amseln auf einem Ast hocken, nur um am nächsten Morgen die ersten Karten für das nächste Nachtigall-Konzert zu ergattern. mehr

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  1. Seien Sie da. Der beste Weg, einem Kollegen oder Freund zu helfen, ist auch der einfachste: Sorgen Sie dafür, dass der Betreffende sich nicht allein gelassen fühlt. Hören Sie zu, spendieren Sie einen Kaffee, gehen Sie zusammen essen. Und sagen Sie – beiläufig – was Sie an dem Kollegen schätzen. Nur eines dürfen Sie auf gar keinen Fall: ungefragte Ratschläge verteilen, belehren, beurteilen, kritisieren.
  2. Reden Sie nichts klein. “Ach, das wird schon wieder!”, “Morgen ist die Welt wieder in Ordnung.”, “Sei nicht so dünnhäutig…” – Kommentare wie diese streuen nur noch Salz in die Wunde. Und sie sind verletzend, weil sie die wahren Gefühle und Sorgen des Betroffenen ignorieren und stattdessen nur die eigene Perspektive transportieren. Stellen Sie lieber Fragen und zeigen Sie Verständnis.
  3. Haben Sie Geduld. Manche denken, wenn man sich um den betreffenden Kollegen kümmert, müsse der sich doch bitte bald wieder einkriegen. Fatal! Das erzeugt nur zusätzlichen Druck, den der andere spürt. Dahinter steckt schon der unterschwellige Vorwurf: Du bist so nicht ok. Besser: Lassen Sie dem anderen die Zeit, die er oder sie braucht. Und puffern Sie jeden Druck ab – das hilft wirklich.
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Drei Wege, wie Sie einem niedergeschlagenen Kollegen wirklich helfen