Artikel in "Psychologie"

Von Jochen Mai // 7 Kommentare

Wozu statt warum – Wir stellen uns oft die falsche Frage

Wenn etwas schief läuft im Leben, in der Liebe oder im Job, dann sind wir schnell bei der Analyse und fragen uns: Warum?

    Warum ist das passiert?
    Warum ist es überhaupt so weit gekommen?
    Warum ist das gescheitert?
    Warum passiert das immer mir?

Überhaupt: Warum ich? Doch die Frage nach dem Warum zielt ausschließlich nach hinten, forscht in der Vergangenheit nach vermeintlichen Ursachen, hadert mit dem Schicksal oder suhlt sich im Selbstmitleid. Gewiss, es ist nicht falsch, nach dem Grund zu fragen, insbesondere um daraus zu lernen. mehr

Von Jochen Mai // 1 Kommentar

Optische Illusion – Wer das Unerwartete erwartet, übersieht Wichtigeres

Daniel Simons, ein Psychologie-Professor am Beckman Institut der Universität von Illinois beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit selektiver Wahrnehmung. Dabei handelt es sich um einen unserer schwerwiegenderen Defekte, bei dem wir nur noch jene Dinge hören und sehen, die wir hören und sehen wollen und alles andere ausblenden. Nun gibt es Menschen, die darum wissen und deshalb versuchen, ihre Sinne stets wach und ihre Wahrnehmung weit zu öffnen. Keine gute Idee. Denn Simons jüngste Studien kommen zu dem Befund: Wer das Unerwartete erwartet, übersieht dabei oft noch Wichtigeres. mehr

Von Jochen Mai // 1 Kommentar

Kindersegen – Kinder machen nicht glücklicher, aber ehrlicher

Deutschland vergreist – und das liegt vor allem daran, dass immer weniger Deutsche Kinder kriegen (wollen). Nun gab es in der Vergangenheit zahlreiche Untersuchungen und Artikel dazu: Die einen beklagen die fehlenden Betreuungsangebote, andere dass sich Kinder kaum noch einer leisten kann. Und wieder andere monieren, dass sich Kind und Karriere noch immer nicht vereinbaren lassen. Auch die Forschung ist nicht arm an Erklärungsversuchen, von denen ich allerdings eine besonders gravierende hier einmal herauspicken will: Das New York Magazine hat dazu gerade eine lesenswerte Titelgeschichte veröffentlicht, Tenor: “Ich liebe meine Kinder. Ich hasse mein Leben.” Ein Auszug: mehr

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Am Limit – Kurze Deadlines sorgen für mehr Spaß

MerkzettelDie traurige Wahrheit ist: Wir schieben nicht nur lästige Aufgaben, wie Fensterputzen oder die Steuererklärung verfassen, vor uns her – wir prokrastinieren sogar Dinge, die uns eigentlich Spaß machen. Als die beiden Verhaltensökonominnen Suzanne Shu von der Anderson School of Management an der Universität von Kalifornien in Los Angeles und Ayelet Gneezy von der Rady School of Management an der Universität von Kalifornien in San Diego typische Fälle von Aufschieberitis untersuchten (pdf), stellten sie verblüfft fest: “Sobald Menschen selbst für eine erfreuliche Aufgabe ein längerer Zeitraum zur Verfügung steht, dann erwarten sie zwar eher, diese Aufgabe auch in Angriff zu nehmen, tun es aber seltener”, sagt Suzanne Shu.

Bei ihren Experimenten dazu erhielten 80 Probanden Geschenkgutscheine für einen Café-Besuch, die entweder schon nach drei Wochen (42 Teilnehmer) verfielen oder erst nach zwei Monaten (38 Teilnehmer). Nun passierte das eigentlich Erstaunliche: Weil diejenigen Teilnehmer mit der langen Frist annahmen, den Gutschein ganz sicher einlösen zu können, schoben sie den Café-Besuch immer weiter hinaus – bis es zu spät war. Der ideale Zeitpunkt – er kommt eben nie. Am Ende lösten aus dieser Gruppe gerade einmal sechs Prozent der Probanden die Gutescheine ein – deutlich weniger als aus der Gruppe mit der strammen Deadline von wenigen Wochen (da waren es immerhin 31 Prozent).
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Von Jochen Mai // 9 Kommentare

Psycho-Sammelsurium – Wie wirken Moral, Fakes, Füße, Geld?

Moral macht stark

Die gute Tat – sie hilft nicht nur anderen, sie macht auch den Helfer stärker. Wie jetzt eine Harvard-Studie zeigen konnte, können moralische Handlungen und selbst der Gedanke daran, anderen zu helfen, die mentale Stärke eines Menschen deutlich erhöhen. Der Psychologie-Doktorant Kurt Gray erklärt sich das mit einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung:

People perceive those who do good and evil to have more efficacy, more willpower, and less sensitivity to discomfort. By perceiving themselves as good or evil, people embody these perceptions, actually becoming more capable of physical endurance.

Damit verkehrt Gray manche Vorstellung von angeborenem Selbstbewusstsein ins Gegenteil. Oder wie er sagt: “Gandhi oder Mutter Teresa sind womöglich gar nicht mit einer außergewöhnlichen Portion Selbstbewusstsein auf die Welt gekommen, sondern haben dies erst gewonnen, weil sie so vehement versucht haben, anderen zu helfen.”

Imitate machen unehrlich

Hand aufs Herz: Wie viele Ihrer Sonnenbrillen sind Markenoriginale und wie viele sind typische Raubkopien, wie man sie heute an jedem Strand kaufen kann? Eine Studie von Francesca Gino von der Universität von North Carolina in Chapel Hill hat jetzt herausgefunden: Wer Fake-Produkte trägt, fühlt sich bald selbst wie eine Mogelpackung und neigt deshalb auch vermehrt zu Unehrlichkeit.

Die Forscherin verteilte dazu an 300 Probandinnen zunächst original Chloé-Sonnenbrillen im Wert von 300 Dollar das Stück. Der einen Hälfte sagte sie jedoch, die Brillen seien Fälschungen. Dann sollten alle ein paar Matheaufgaben lösen, bei denen es sogar Geld zu gewinnen gab. Nun passierte das Erstaunliche: Von jenen Teilnehmerinnen, die dachten, sie würden eine Fakebrille tragen, schummelten ganze 70 Prozent. Bei den anderen waren es nur 30 Prozent.

Das Ganze wiederholte sich auch bei einem zweiten Lügentest und schließlich auch bei einem dritten Versuch, als es um ethische Fragen ging. Die Trägrinnen der Imitate logen häufiger und fanden auch öfter, dass Menschen generell unehrlich und unethisch seien.

[Quelle: Economist]

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Von Jochen Mai // 4 Kommentare

Blau klickt besser – #0044CC ist das 80 Millionen Blau

Blau ist nicht irgendeine Farbe – es ist die globale Lieblingsfarbe. Egal, wo auf diesem Planeten. Als etwa Mihoko Saito 1996 an der japanischen Waseda Universität 586 japanische Studenten nach ihrer Lieblingsfarbe befragte, nannten 33,5 Prozent Blau als absoluten Farbfavoriten. Rot folgte erst mit 26 Prozent der Stimmen auf Platz 2. Grob geschätzte 9000 Kilometer westwärts sah das nicht anders aus. Auch in Großbritannien nannte die Mehrheit von über 200 Teilnehmern eines Experiments an der Universität Newcastle unter der Leitung von Anya Hurlbert Blau als bevorzugte Farbe. Diese Wirkung machen sich manche zunutze. So wirken Soldaten zum Beispiel sofort weniger bedrohlich, sobald sie blaue Helme aufsetzen. Auch „blaumachen“ klingt irgendwie artiger und aktiver als „schwänzen“ oder gar „nichts tun“. Überdies wird der Farbe sogar nachgesagt, sie fördere die Kreativität, Konzentration und habe eine beruhigende Wirkung, weshalb sogar schon manche Büros einen blauen Anstrich erhalten haben. Oder eben jetzt auch dieser Blogeintrag.
Das ist aber nicht irgendein Blau. Es ist das 80 Millionen Dollar Blau! Blau mit dem Hexadezimal-Code #0044CC wird – so eine Microsoft-Studie am meisten geklickt. Um das herauszufinden, wurden den Nutzern der Suchmaschine Bing unterschiedliche Blautöne bei Links präsentiert und gemessen, welcher öfter geklickt wurde als andere. Das Ergebnis war eindeutig. Jetzt hofft das Unternehmen auf Mehreinnahmen in Millionenhöhe bei der Online-Werbung. Google verwendet übrigens auch ein Blau, um seine Links klickfreundlicher zu gestalten. Dessen Blau ist allerdings etwas heller. Und das Karrierebibel-Blaufrisch (links) liegt irgendwo dazwischen.
Von Jochen Mai // 7 Kommentare

A1I: Wie viel Multitasking steckt in Ihnen?

Gerade bei den Kollegen von Imgriff entdeckt (und die haben es vom Software-Entwickler Clarke Ching): Ein Multitasking-Selbsttest, der nicht mehr als ein, zwei Minuten dauert. mehr

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Erfolg in 7 Worten

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  1. Seien Sie da. Der beste Weg, einem Kollegen oder Freund zu helfen, ist auch der einfachste: Sorgen Sie dafür, dass der Betreffende sich nicht allein gelassen fühlt. Hören Sie zu, spendieren Sie einen Kaffee, gehen Sie zusammen essen. Und sagen Sie – beiläufig – was Sie an dem Kollegen schätzen. Nur eines dürfen Sie auf gar keinen Fall: ungefragte Ratschläge verteilen, belehren, beurteilen, kritisieren.
  2. Reden Sie nichts klein. “Ach, das wird schon wieder!”, “Morgen ist die Welt wieder in Ordnung.”, “Sei nicht so dünnhäutig…” – Kommentare wie diese streuen nur noch Salz in die Wunde. Und sie sind verletzend, weil sie die wahren Gefühle und Sorgen des Betroffenen ignorieren und stattdessen nur die eigene Perspektive transportieren. Stellen Sie lieber Fragen und zeigen Sie Verständnis.
  3. Haben Sie Geduld. Manche denken, wenn man sich um den betreffenden Kollegen kümmert, müsse der sich doch bitte bald wieder einkriegen. Fatal! Das erzeugt nur zusätzlichen Druck, den der andere spürt. Dahinter steckt schon der unterschwellige Vorwurf: Du bist so nicht ok. Besser: Lassen Sie dem anderen die Zeit, die er oder sie braucht. Und puffern Sie jeden Druck ab – das hilft wirklich.
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Drei Wege, wie Sie einem niedergeschlagenen Kollegen wirklich helfen