Großes Stühlerücken in deutschen Vorständen: Laut einer aktuellen Studie (pdf) der Strategieberatung Booz & Company musste mehr als jeder fünfte Vorstandsvorsitzende (CEO) 2009 seinen Posten freiwillig oder zwangsweise räumen. Damit erreicht die Fluktuation in deutschen Chefetagen mit 21,3 Prozent einen historischen Höchststand – im Vorjahr waren es noch 4,3 Prozentpunkte weniger. Zum Vergleich: Der europäische Wechselquoten-Durchschnitt liegt bei 15,2 Prozent (Vorjahr 15,1 Prozent), weltweit sind es 14,3 Prozent (Vorjahr 14,4 Prozent). Damit sind beide Vergleichswerte weitgehend stabil geblieben, während sich das Postenkarussell in Deutschland beschleunigte.

Die weltweit heißesten Stühle standen – wen wundert’s – im vergangenen Jahr in den Vorstandsetagen der internationalen Banken und Versicherungen. 17,2 Prozent der CEOs des Finanzsektors mussten 2009 ihren Schreibtisch räumen. Ein knappes Drittel davon (5,3 Prozent) sogar unfreiwillig und vor Ablauf der Vertragslaufzeit. Im Vergleich dazu erwies sich der Pharma- und Healthcare-Bereich geradezu als Hort der Stabilität: Lediglich 10,3 Prozent des weltweiten Spitzenpersonals wechselte hier, und nur 0,6 Prozent davon gingen unfreiwillig.

Mit einer Wechselquote von 16,9 Prozent im Zehnjahresschnitt erweist sich der Telekommunikationssektor jedoch als die weltweit unberechenbarste Branche für Führungskräfte: Jeder zweite dieser Abgänge erfolgte unfreiwillig vor Ablauf der eigentlichen Vertragslaufzeit. Der durchschnittliche CEO war beim Amtsantritt übrigens 48,9 Jahre alt und 55,7 Jahre beim Ausscheiden.

Vor allem die „Schönwetterkapitäne“ seien in den letzten drei Jahren von Bord gegangen, sagt Booz-Geschäftsführer Stefan Eikelmann. Gleichzeitig machen die Autoren zwei weitere Trends aus: Zum Einen wählen die Aufsichtsräte für Spitzenjobs immer häufiger interne Kandidaten aus und räumen diesen zweitens immer weniger Zeit ein, um messbare Ergebnisse zu liefern. So verkürzte sich die durchschnittliche Amtszeit eines Vorstandsvorsitzenden im vergangenen Jahrzehnt von 8,1 auf 6,3 Jahre.

„Neue CEOs müssen heute innerhalb kürzester Zeit die entscheidende Strategie entwickeln. Diese muss kurzfristig den Gewinnerwartungen der Aktionäre gerecht werden sowie langfristig Marktanteile und Wachstum sichern“, erklärt Booz-Geschäftsführer Stefan Eikelmann die Ergebnisse. „Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass Spitzenleute mit einer langen Historie im Unternehmen die besseren Voraussetzungen für die CEO-Position zugetraut werden.“

Seit der Jahrtausendwende erhielten in 80 Prozent der CEO-Nominierungen Eigengewächse den Vorzug gegenüber Unternehmensfremden. Zu Recht – wie die Studie ebenfalls zeigt: So erzielten diese in den vergangenen sieben Jahren marktbereinigt eine durchschnittliche Aktienrendite von 2,5 Prozent, die externen Kandidaten erwirtschafteten dagegen nur eine Durchschnittsrendite von 1,8 Prozent.

Allerdings scheint sich der deutschsprachige Raum diesbezüglich etwas anders zu ticken. Hierzulande erzielten externe CEOs in den vergangenen drei Jahren deutlich bessere Ergebnisse als intern aufgestiegene Vorstandsvorsitzende. In Deutschland, Österreich und der Schweiz erreichten die externen Spitzenkräfte eine durchschnittliche Aktienrendite von 8,8 Prozent, 4,3 Prozent mehr als die Eigengewächse.