Ein Gastbeitrag von Anna Pietrus

Wer schon einmal eine neue Stelle angetreten hat, weiß, was alles schieflaufen kann: Keiner da, der einen in Empfang nimmt, das E-Mailkonto ist nicht eingerichtet oder der Arbeitsplatz ist noch mit den Utensilien des Vorgängers bestückt. Alles schon vorgekommen. Macht es aber nicht besser. Deshalb: Hier eine Liste der dicksten Fehler, die Personaler und Chefs begehen können, damit ihre jüngsten Mitarbeiter schon am ersten Arbeitstag an ihrer Arbeitgeber-Entscheidung zweifeln.

Achso: Das tun übrigens 15 Prozent aller neuen Mitarbeiter, wie eine Studie des Human Capital Institutes herausfand. Mindestens ebenso ernüchternd: 77 Prozent gehen am ersten Arbeitstag früher nach Hause, weil sie aufgrund von Mängeln in der Vorbereitung des Arbeitsumfeldes nicht loslegen können. So weit muss es allerdings gar nicht erst kommen, wenn Sie die folgende Liste wie eine Checkliste verwenden…

  1. Vergessen: Weder der Pförtner noch die Assistentin wissen darüber Bescheid, dass ein Neuer kommt. Grund ist, dass ihnen keiner mitgeteilt hat, wer heute alles seinen ersten Arbeitstag hat. Folge: Lange Diskussionen bereits am Empfang. Wenn dann der Chef noch signalisiert, er hat wegen wichtiger Meetings keine Zeit, ist der missglückte Einstand perfekt.
  2. Kein Einlass: Um Sicherheitskontrollen oder einfach den Eingang in ein Unternehmen zu überwinden, braucht es ID-Karten, Codes oder einen Schlüssel. Werden Mitarbeitern diese Utensilien am ersten Tag vorenthalten, kann das als Misstrauen verstanden werden. Unabhängig davon, dass es für die Neuen mit Aufwand verbunden ist. Und die Kollegen ebenfalls ärgert, wenn sie beim Zugang helfen müssen.
  3. Kein Anschluss: Weder das Telefon noch der Internetzugang, geschweige denn das E-Mail-Fach sind eingerichtet. Selbst wenn der neue Kollege arbeiten wollte, er könnte nicht, weil er wie abgeschnitten dasitzt. Die Krönung: eine Botschaft aus der IT-Abteilung, dass das Freischalten mindestens eine Woche dauert.
  4. Extrawurst: Ärgerlich ist es, wenn die neuen Kollegen unterschiedliche oder lückenhafte Infos zum Unternehmen erhalten. Schnell macht per Flurfunk die unprofessionelle Vorbereitung die Runde. Folge: Interner Imageschaden. Besser: Online-Kurse, die allen die gleichen Informationen zum Unternehmen liefern.
  5. Herrschaftswissen: Nur die Personalfachkraft weiß, wo Betriebsvereinbarungen, Infos zum Betriebsausflug, zur Berufsgenossenschaft, Urlaubsanträge, Arbeitsanweisungen oder Verhaltensregeln mit sozialen Netzwerken liegen. Alles in einem (Online-) Handbuch sammeln und am ersten Tag übergeben, macht mehr Sinn.
  6. Du bist alleine: Wer geht mit wem, wann zum Mittagessen? Wo sind die Toiletten? Für neue Kollegen gleicht der neue Arbeitsplatz oft einem Dschungel. Fettnäpfchen lauern überall. Sie alleine zu lassen, passiert in vielen Firmen. Helfen kann ein Paten-System. Ein erfahrener Kollege gibt Antworten und schafft Vertrauen.
  7. Doppelte Einführung: Dumm, wenn mehrere Mitarbeiter in kurzen Abständen im neuen Job starten. Jedes Mal muss der Chef begrüßen und die Fachkollegen ihre Einführungsreferate halten. Was für ein Zeitfresser. Das merken auch die Neuen. Ideal ist ein Einführungstag, der einmal im Monat stattfindet und an dem alle neuen Mitarbeiter teilnehmen.
  8. Leitbild? Vergessen! Kurios ist, wenn „Anfänger“ anonym und mit der Gehaltsabrechnung das Firmenleitbild ausgehändigt bekommen. Wer will, dass Werte und Ziele gelebt werden, muss darüber am ersten Tag berichten. Gut kommt an, wenn das langjährige Mitarbeiter übernehmen. Etwa, indem sie von Meetings erzählen, in denen über einen Leitsatz diskutiert wurde. Oder sie Fehler machen und darüber reden durften statt sie vertuschen zu müssen.
  9. Leg einfach los: Frisch von der Uni und vom Arbeiten noch keinen Plan. Leider lassen viele Unternehmen speziell Berufsanfänger ohne Führung in den Job stolpern. Dabei wären Fahrpläne mit Meilensteinen, die die erwartete Arbeitsleistung betreffen, hilfreich und fair.
  10. Geschenke sind nur für Kunden: Am ersten Arbeitstag zu erfahren, was die firmeneigene Marketingmaschine alles ausspuckt, ist interessant. Nichts davon zu bekommen, ist doof. Wie soll ein neuer Mitarbeiter stolz zuhause berichten, was es in der Firma alles gibt, wenn er nichts davon zeigen kann?

Über die Autorin

Anna Pietrus ist HR-Managerin des weltweit agierenden E-Learning-Anbieters Skillsoft mit Sitz in Düsseldorf.