Als Selbstständiger oder Freiberufler ist gerade die Anfangszeit häufig stressig. Vieles ist neu, eine Menge beachtet und noch mehr bürokratische Hürden genommen werden. Knapp bei Kasse sind Gründer sowieso. Und natürlich stellt sich bald auch die Frage nach dem eigenen Geschäftskonto. “Brauche ich das überhaupt und reicht da nicht erst einmal das private Girokonto?” So denken viele. Spätestens aber nach der ersten Steuererklärung, in der die Einnahmen und Ausgaben mühsam im normalen Girokonto ausgefiltert werden mussten, eröffnen die meisten Gründer dann doch lieber ein Geschäftskonto. Dabei handelt es sich aber lediglich um ein Konto, das ausschließlich für unternehmerische Belange genutzt wird. Im Kern ist es auch weiterhin ein Girokonto.

Es ist daher durchaus möglich, ein zweites kostenfreies (privates) Girokonto als Geschäftskonto zu nutzen. So bietet beispielsweise die Commerzbank ein kostenloses Girokonto bei comdirect.de für private Transaktionen an. Bei vielen Banken wird das allerdings nicht gern gesehen, manche kündigen das Konto sogar, wenn es für geschäftliche Belange verwendet wird. Und trennen sollten Sie Konten auf jeden Fall!

Wer sein privates Girokonto auch betrieblich nutzt, verliert schnell die Übersicht und die Kontrolle. Und wenn erst mal die Steuerprüfung kommt, das Konto vielleicht sogar noch sperrt, haben Sie auch privat kein Geld mehr. Ersparen Sie sich also eine stressige Buchführung – und starten Sie gleich mit einem Geschäftskonto. Worauf Sie vor der Eröffnung eines solchen Kontos als Selbstständiger oder Freiberufler achten sollten, zeigt die folgende Checkliste…

Bevor Sie das für Sie am besten geeignete Geldinstitut auswählen, sollten Sie sich allerdings fragen, wie Sie das Konto nutzen wollen. Also ob das Geschäftskonto bei einer Filialbank oder bei einer Onlinebank eröffnet werden soll. Das muss sich nicht unbedingt ausschließen. Es gibt aber wichtige Unterschiede bei der Nutzung: So ist zum Beispiel das Geschäftskonto bei einer Onlinebank für Bargeldtransaktionen, wie es beispielsweise im Handel und Gastronomiebereich üblich ist, ungeeignet. Auch lässt sich über das Einrichten eines Kontokorrentrahmens (siehe weiter unten) sicher besser verhandeln, wenn man den Kundenbetreuer persönlich trifft, als am Telefon über die Hotline einer Onlinebank. Sollen jedoch primär bargeldlose Transaktionen unabhängig von Zeit und Ort über das Konto gesteuert werden, empfiehlt sich eine Onlinebank mit einem gratis Geschäftskonto. Diese Konten sind in der Führung meist günstiger.

Aber auch darauf sollten Sie achten:

Kontoführungsgebühren

Es gehört inzwischen zum Alltagsmarketing vieler Kreditinstitute mit einem kostenlosen Geschäftskonto zu werben. Gerade Existenzgründer und Unternehmer fallen in das Beuteschema solcher Lockrufe. Achtung: Kostenlose Geschäftskonten werden oftmals von Onlinebanken angeboten, deren Kompetenzspektrum nur auf bestimmte Berufsgruppen wie zum Beispiel Freiberufler zugelassen ist. Schauen Sie hier also ganz genau hin – und vergleichen Sie: monatliche Kosten, Kosten für beleghafte und beleglose Buchungen, Kosten für Bargeldabhebungen und für weitere Zusatzleistungen, wie etwa ob die Bank oder deren Callcenter 24 Stunden täglich erreichbar sind. So manches anfängliche Top-Angebot sieht dann schnell wieder durchschnittlich aus.

Kreditrahmen

Arbeitnehmer haben ein festes Einkommen. Deshalb kommen sie auch leichter an Darlehen. Existenzgründer haben das Geld häufig nötig, bekommen es aber trotzdem nicht – weil eben das regelmäßige Einkommen, beziehungsweise die Umsätze fehlen. Wer ein Geschäftskonto eröffnet, kann aber auf Antrag einen sogenannten Kontokorrentkredit in Anspruch nehmen, also eine zeitlich limitierte Überziehungsoption, falls Sie kurzfristig Liquiditätsengpässe überbrücken müssen. Häufig wird dieser nach den ersten drei Zahlungseingängen auf das Geschäftskonto automatisch gewährt. Falls Ihre Einnahmen stark schwanken und die Höhe des Kontokorrentkredits daher eine wichtige Rolle spielt, sollten Sie die Konditionen der Geldinstitute zuvor intensiv vergleichen.

Beratungsportfolo

Zwar bieten inzwischen fast alle Banken ein Konto für geschäftliche Belange an, nicht jede Art von Existenzgründung wird dabei aber immer optimal abgedeckt. Idealerweise stellt die Bank Ihnen nicht nur das Konto bereit, sondern berät Sie auch gleich bei Ihrem Vorhaben – falls Sie das wollen. Wichtig ist dann natürlich ein Geldinstitut auszuwählen, das bereits über Erfahrungen in Sachen Start-ups und in Ihrer Branche verfügt. Und auch wenn die Geldinstitute häufig bei der Existenzgründung beraten – nicht wenige verfolgen dabei auch eigene Interessen. So kann es vorkommen, dass einem der Berater bei der Kontoeröffnung auch gleich mit einer Versicherung behilflich sein möchte. Vorsicht! Gerade als Gründer sollten Sie erst einmal Geld verdienen, bevor Sie es absichern. Und eine Bank, die Sie so “berät”, ist vielleicht doch nicht so edel, wie sie vorgibt.

Bankautomaten

Da es sich bei einem Geschäftskonto im Kern um ein Girokonto handelt, sollten Sie natürlich mit einer entsprechenden Girokarte an diversen Bankautomaten darauf zugreifen und Geld abheben können. Aber wo geht das (auch im Ausland?) und was kostet Sie das? Das sollten Sie unbedingt in Erfahrung bringen!

Boni

Mit Speck fängt man Mäuse – und mit Boni die Mäuse der Bankkunden. Ein solcher Eröffnungs-Bonus kann schon mal rund 100 Euro betragen. Dennoch ist es ratsam, solche Boni vorerst außer Acht zu lassen. Sind am Schluss noch mehrere Banken im Rennen, können Sie die Boni gerne den Ausschlag geben lassen. Aber bitte erst dann! Wichtiger sind eher solche Dreingaben wie kostenfreies Onlinebanking, eine Girocard oder günstige Kreditkarte.