Chef als Freund
Nur fünf Prozent der Deutschen sind auf den sozialen Netzwerken mit ihrem Vorgesetzten vernetzt und 57 Prozent würden eine Freundschaftsanfrage ablehnen. Aber auch im alltäglichen Büroleben können sich viele Arbeitnehmer eine freundschaftliche Beziehung zum Vorgesetzten nicht vorstellen. Doch was, wenn ein guter Freund aus dem Büro nebenan plötzlich befördert wird? Da drängt sich die Frage auf: Kann man überhaupt mit dem Chef befreundet sein? Welche Probleme eine Freundschaft zum Chef mitbringen kann und ob eine solche Freundschaft eine Zukunft hat...

Eine Freundschaft mit Hindernissen

Es sollte von vornherein klar sein, dass die Freundschaft zu einem Vorgesetzten immer etwas anderes ist, als die Freundschaft zu einem Kollegen der gleichen Hierarchiestufe. Ihr Freund, der gleichzeitig Ihr Chef ist, verfügt über Entscheidungsgewalt, die Ihren beruflichen Werdegang entscheidend beeinflussen kann. Aus dieser Kombination ergeben sich ganz automatisch Probleme, die Ihrer Freundschaft im Weg stehen können.

  • Schlechte Arbeitsatmosphäre. Wenn Sie der Liebling des Chefs sind, werden das sicherlich auch Ihre Kollegen mitbekommen. Unter einer solchen Situation kann die Arbeitsatmosphäre der gesamten Abteilung leiden, da andere sich benachteiligt fühlen und Sie möglicherweise aus der Gruppe ausgeschlossen werden.
  • Schwierige Beförderungen. Auch wenn Sie tatsächlich in Ihrem Team die beste Arbeit leisten, wie rational werden es Ihre Kollegen wohl sehen, wenn Sie von Ihrem Freund eine Beförderung erhalten?
  • Komplizierte Abmahnungen. Doch auch der entgegengesetzte Fall ist mit Komplikationen verbunden. Wie wird sich Ihr Chef verhalten, wenn Sie Mist gebaut haben und er Sie dafür abmahnen muss? Wird sich die nette Seite des Freundes oder die autoritäre Seite des Vorgesetzten durchsetzen?

Wahrlich keine optimale Ausgangssituation für eine freundschaftliche Beziehung, doch ist es trotzdem möglich, mit dem eigenen Chef befreundet zu sein?

Kann man wirklich mit dem Chef befreundet sein?

dotshock/shutterstock.comDer nette Kollege, mit dem Sie seit Jahren das Büro geteilt und an Wochenenden gemeinsam über den cholerischen Chef gelästert haben, wird plötzlich befördert und steht auf einmal eine Gehalts- und Entscheidungsstufe über Ihnen. Im ersten Moment geht es sicherlich auch um Neid, dass nicht Sie die Beförderung erhalten haben, doch wie sieht es aus, wenn Sie den ersten Schreck überwunden haben? Kann eine Freundschaft zwischen Chef und Mitarbeiter funktionieren? Diese sechs Fragen können Ihnen helfen zu entscheiden, ob Ihre Freundschaft eine Zukunft hat.

  1. Wie lange sind Sie bereits befreundet?

    Sind Sie schon seit langer Zeit befreundet und haben gemeinsam schon viel erlebt oder handelt es sich bei Ihrem neuen Vorgesetzten um einen netten Kollegen, der vor Kurzem in Ihre Abteilung gewechselt ist und mit dem Sie sich gut verstanden haben? Je länger Ihre Freundschaft besteht, desto eher werden Sie den Problemen trotzen können, die sich möglicherweise ergeben.

  2. Wie gut kennen Sie sich?

    Haben Sie mit Ihrem Freund über alles gesprochen und ihm vielleicht sogar Ihre Geheimnisse anvertraut? Das stärkt natürlich die Freundschaft, kann jedoch in der neuen Situation auch zu unangenehmen Momenten führen. Wer möchte schon, dass der eigene Chef alles über einen weiß? Hier gilt es abzuwägen und mit Ihrem Freund zu besprechen, wie Sie gerade in der beruflichen Zusammenarbeit miteinander umgehen.

  3. Wie gut können Sie Arbeit und Privates trennen?

    Am Sonntag treffen Sie sich mit Ihrem Freund auf ein gemeinsames Bier und keine zwölf Stunden später sollten Sie die gleiche Person wieder Herr Müller nennen und für ihn ein paar Dokumente ausdrucken gehen? Nicht jedem fällt es leicht, zwischen beruflichem und privatem Kontakt zu unterscheiden. Seien Sie ehrlich zu sich selbst und hinterfragen Sie, ob Sie dazu in der Lage sind.

  4. Wie ist die Atmosphäre in ihrem Job?

    In manchen Büros herrscht lockere Stimmung, während andere zum Lachen in den Keller gehen. Eine lockere Arbeitsatmosphäre, auch zwischen Chef und Mitarbeiter, wird es Ihnen leichter machen, die Freundschaft weiterhin aufrecht zu erhalten. Vergessen Sie jedoch nicht, dass Ihrem Chef gegenüber ein gewisser Respekt angebracht ist. Denn Ihrem Freund die Meinung zu geigen, fällt wahrscheinlich deutlich leichter, als dies dem Vorgesetzten gegenüber zu tun.

  5. Wie werden Ihre Kollegen reagieren?

    Gibt es eine Kollegin, die ständig nörgelt und sich beschwert oder kam es schon einmal zu Mobbing und Gruppenbildung? Wenn Sie antizipieren können, wir Ihre Kollegen auf die neue Situation reagieren, können Sie auch einschätzen, wie Sie mit der Situation umzugehen haben. Haben Sie das Gefühl, durch die Freundschaft zum Chef ausgeschlossen zu werden?

  6. Wie geht es Ihnen mit der Freundschaft?

    Im Endeffekt müssen Sie für sich selbst entscheiden, ob Sie mit der Situation und Nähe zum Boss zufrieden sind. Sie können auch mit Ihrem Freund darüber sprechen, um gemeinsam eine Lösung für das Problem zu finden. Ehrlichkeit und Offenheit sind hier besonders angebracht.

Natürlich wünscht sich wohl jeder eine gute Beziehung zum Chef. Das erleichtert manches und hilft der Karriere. Doch diese Freundschaft kann auch zum Bumerang werden - wenn Ärger in der Freundschaft das professionelle Verhältnis belastet oder umgekehrt Beef im Job die Freundschaft. Womöglich müssen Sie zwischen Nähe oder mehr Distanz entscheiden, denn nur selten gelingt es, Beruf und Privates grundsätzlich zu trennen.

3 Verhaltensweisen für Kollegen, die plötzlich Chefs Liebling sind

  1. Diskret bleiben. Auch wenn Sie gerade in der Gunst des Chefs stehen, sollten Sie Vertrauliches für sich behalten - vor allem das, was Sie über Kollegen wissen. Sie mutieren sonst schnell vom Favoriten zum Verräter. Gilt auch umgekehrt: Herrschaftswissen, das Sie aufgrund Ihrer Nähe erlangen, dürfen Sie nie ausplaudern. Vertrauenstest!
  2. Kollegial bleiben. Bisher haben Sie sich locker mit den Kollegen in der Kaffeeküche getroffen, auf dem Flur mit der Assistentin gequatscht? Machen Sie damit weiter. An diesen Stellen beginnt das, was Kollegen beobachten, wenn sie sagen: Der hebt ab. Bleiben Sie freundlich, bescheiden und prahlen Sie nicht mit dem Kontakt zum Boss. Favoriten wechseln schneller als Kollegen.
  3. Vernetzt bleiben. Günstlinge stehen stets in der Gefahr, sich ihrer Sache zu gewiss zu sein. Dabei sind sie nur Chefs Liebling. Und wechselt der Boss, verändert sich meist auch der Hofstaat. Pflegen Sie also auch weiterhin Kontakte über den Chef hinaus. Suchen Sie sich weitere Mentoren. Vor allem: Überzeugen Sie durch Leistungen.

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