Chefluegen
Ihr Chef ist kein Heiliger. Vielleicht ist er sogar ein Lügner. Vielleicht lügt er Ihnen dreist ins Gesicht, weil er Sie ködern, ruhigstellen oder abservieren will - ohne, dass Sie es merken. Karrierebibel zeigt Ihnen sieben typische Cheflügen. Sieben Sätze Ihres Chefs, bei denen Sie hellhörig werden sollten ...

Cheflügen: Klar, mach ich!

Es gibt Lügen, die auf Übertreibung beruhen oder auf Auslassung. Es gibt kleine und große Lügen, destruktive Lügen, soziale Lügen, bösartige Lügen. Die Autorin Carol Kinsey Goman hat das in ihrem Buch "The Truth about Lies in the Workplace" vor einigen Jahren schön zusammengefasst.

Was sie auch festgestellt hat: Manche Menschen sind bessere Lügner als andere. Kreative Menschen zum Beispiel seien besser darin, anderen einen Bären aufzubinden. Das Gleiche gelte für Charismatiker und dominante Persönlichkeiten. Extrovertierte lügen häufiger als Introvertierte. Auch Intelligenz helfe bei der Kunst des Lügens. Geltungssucht befördere sie ebenfalls.

Bauarbeiter und Banker lügen, Alte, Junge, Frauen, Männer. Sie schwindeln ihre Kollegen an, Kunden und den Pförtner. Und dann wären da noch die Chefs. Geschäftsführer, Team- oder Abteilungsleiter - sie lügen wie gedruckt. Manche jedenfalls, manchmal.

Karrierebibel zeigt Ihnen sieben typische Cheflügen. Wenn Ihr Chef einen der folgenden Sätze in den Mund nimmt, sollten Sie vorsichtig sein:

7 typische Lügen vom Chef

  1. „Wir sind hier eine große Familie“



    Warum er es sagt: Hier sind Teamplayer gefragt, keine Stinkstiefel. Das soll rüberkommen. Die Verbundenheit untereinander ist groß. Wer sich in den Dienst der gemeinsamen Sache stellt, profitiert.

    Was es bedeuten kann: Einer für alle, alle für einen - nämlich für Ihren Chef. Familie bedeutet nach Lesart vieler Chefs Unterwürfigkeit. Ich bin das Oberhaupt; schwarze Schafe, die aus der Reihe tanzen, brauchen wir in dieser Familie nicht. Ihr Firma mag eine Familie sein - aber weniger wie die Waltons, sondern eher wie die Sopranos. Zerstritten, chaotisch, anstrengend - in Wahrheit besteht auch Ihre Abteilung aus lauter Einzelkämpfern, das heile Familienidyll existiert ganz sicher nicht.

  2. „Ich spreche mit dem Geschäftsführer über Ihr Gehalt“



    Warum er es sagt: Um Sie zu beruhigen. Einen Kompromiss anzubieten. Zufriedenzustellen.

    Was es bedeuten kann: Klassische Ausrede. Heißt übersetzt: „Die Gehaltserhöhung kannst du dir abschminken, ich rede hier mit niemandem.“ Ihr Chef will schlicht seine Ruhe haben und sie so schnell wie möglich loswerden. Was meistens auch funktioniert. Denn wer bettelt schon gerne immer und immer wieder nach mehr Gehalt? Un-an-ge-nehm. Option für Sie: Direkt nachhaken. Wann sprechen Sie mit dem Geschäftsführer? Wann kann ich damit noch mal zu Ihnen kommen? Das bringt Ihren Chef in Erklärungsnot - und Ihnen möglicherweise eine verbindliche zweite Chance.

  3. "Sie können mir alles anvertrauen"



    Warum er es sagt: Ihr Chef demonstriert Volksnähe. Spielt den Kümmerer, will zeigen, das Sie mit Feedback jederzeit zu ihm kommen können. Ein Chef als Kumpel, an dessen Schulter man sich zur Not ausheulen kann - das klingt erst einmal prima.

    Was es bedeuten kann: Mitarbeiter, die man als Informationsquellen anzapfen kann - nützlich! Die Loyalität Ihres Vorgesetzten gilt aber erstens sich selbst und zweitens der Firma. Vertrauliches verwendet er im Zweifel gegen Sie. In Wahrheit birgt alles, was Sie ihm anvertrauen, eine Gefahr. Deshalb: Diskretion wahren. Auch Kritik hört Ihr Boss nicht gerne - selbst dann nicht, wenn er Sie vorher dazu animiert hat. Darum: Nicht den Speichellecker spielen, aber möglichst konstruktiv und nicht bloßstellend in aller Öffentlichkeit kritisieren.

  4. „Überstunden sind hier die Ausnahme“



    Warum er es sagt: Um während des Vorstellungsgesprächs Bedenken zu zerstreuen, den attraktiven Arbeitgeber zu mimen. Ihnen die Vorzüge als Arbeitgeber anzupreisen und den Job schmackhaft zu machen.

    Was es bedeuten kann: Das müssen Sie selbst herausfinden. Denn die Aussage ist sehr schwammig und wenig konkret. Was ist denn unter 'Ausnahmen' zu verstehen: Alle zwei Tage oder einmal in drei Monaten? Das können Sie ganz offen - nicht schnippisch, sondern höflich und humorvoll - fragen: Wie oft kommen denn diese Ausnahmen so vor? Sie hätten zwar keine Überstunden-Allergie, aber gerne etwas genauere Informationen über den Job, den Sie die nächsten Jahre ausüben sollen.

  5. „Ihre Idee behalte ich im Hinterkopf“



    Warum es es sagt: Um Anerkennung und Wertschätzung für Ihren pfiffigen Vorschlag auszudrücken. Schön.

    Was es bedeuten kann: Danke für nichts, landet in Ablage P. Die Zeit, um Ihre Folien noch mal herauszukramen, habe ich nicht und die Lust dazu erst recht nicht. Spätestens morgen hab Ihren Vorschlag auch schon wieder vergessen. OK, möglicherweise war Ihr Geistesblitz wirklich von minderer Qualität, aber ein konstruktives Feedback - gerne auch kritisch - haben sie auf alle Fälle verdient. Daher ruhig einen neuen Termin anberaumen nach dem Motto: Danke, ich komme dann nächste Woche deswegen noch mal rein! Wann passt es Ihnen?

  6. „Ich will Sie besser machen!“



    Warum er es sagt: Wie du mir, so ich dir. Du unterstützt mich, im Gegenzug schieb ich dich dafür die Karriereleiter rauf. Wir können beide voneinander profitieren.

    Was es bedeuten kann: Mach brav, was ich dir sage und am Ende kriegst du dafür von mir genau gar nichts. Warum sollte Ihr Chef daran interessiert sein, einen Konkurrenten aufzubauen? Ganz bestimmt nicht, weil er Sie so doll lieb hat. Das wahrscheinlichste Szenario ist: Ihr Chef will Sie - wie die anderen Mitarbeiter auch - klein und auf Abstand halten. Sein eigenes Standing im Unternehmen interessiert ihn, nicht Ihres. Der Fairness halber sei noch mal erwähnt: Selbstverständlich sind nicht alle Chefs so.

  7. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht“



    Warum er es sagt: Danke für Ihre langjährige Leistung in unserem Unternehmen. Wir wissen Ihren Einsatz zu schätzen und bedauern über alle Maßen, Ihnen kündigen zu müssen. Das ist leider alternativlos.

    Was es bedeuten kann: Eine - in vielen Fällen - reine Höflichkeitsfloskel. Klingt einfach besser als: Over and out, du bist draußen! Die Entscheidung fiel Ihrem Chef in Wahrheit kinderleicht, hat er in einem Wimpernschlag getroffen. Bleibt Ihnen selbst nur noch ein eigener Schwindel en retour: Ich habe wirklich gerne hier gearbeitet!

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