Community Manager bewegen sich in einem ständigen Spannungsfeld, das ihren Job alles andere als einfach macht. Einerseits sollen Sie Fans zu mehr Engagement motivieren, auf Fragen und Wünsche eingehen und Ideen und Themen aufgreifen. Andererseits müssen sie jedoch auch darauf achten, Störer und Trolle möglichst schnell in ihre Schranken zu weisen. Community Manager müssen daher die von ihnen betreuten Kanäle ständig im Auge behalten und schnell, jedoch besonnen reagieren. So weit zur Theorie. In der Praxis zeigt sich jedoch: So mancher Community Manager vermeidet die Konfrontation mit störenden Fans und hofft darauf, dass sich die Community selbst darum kümmern wird. Das kann funktionieren – oder auch gewaltig schief gehen. Denn im Community Management müssen klare Grenzen gezogen werden. Nur so lässt sich eine lebendige Community auf Dauer schützen.
Natürlich bedeutet das nicht, dass Community Manager mit Argusaugen auf jedes kleine Fehlverhalten warten und dieses sofort ahnden müssen. Vieles regelt eine aktive Community selbst – wenn ein entsprechender Umgangston unter den Fans herrscht. Genau diesen Umgangston beeinflussen und gestalten Community Manager jedoch nachhaltig. Tatsächlich sind sie primär dafür verantwortlich, wie die Fans innerhalb der Community miteinander kommunizieren.
Vorbildlicher Kommunikationsstil
Wenn Community Manager selbst einen vorbildlichen – also höflichen und wertschätzenden – Ton anschlagen, prägt das über kurz oder lang auch die Community. Dabei geht es jedoch nicht nur um die Formulierung der eigenen Kommentare und Beiträge, auch das Verhalten ist wichtig. Die schönsten Beiträge können beispielsweise keine Wirkung entfalten, wenn gleichzeitig Kommentare und Fragen von Fans unbeantwortet bleiben. Sicher beinhalten nicht alle Kommentare eine Frage, doch auch für ausführliche Gedanken und Impulse der Fans kann und sollte sich ein Unternehmen – also der zuständige Community Manager – bedanken. Wenn Fans Zeit und Energie investieren, um auf Beiträge zu antworten und die Diskussion zu bereichern, ist ein kurzes Dankeschön auf jeden Fall angebracht und bringt Wertschätzung zum Ausdruck.
Klare Richtlinien und Grenzen
Ein vorbildlicher Kommunikationsstil alleine reicht jedoch nicht aus, um eine respektvolle und aktive Community zu schaffen. Dazu bedarf es zusätzlich klarer Regeln und Ansagen. Es wird immer verärgerte Fans geben, die ihrem Unmut mit Schimpfworten oder völlig unangemessenen Beiträgen Luft machen. In diesem Fall sind Community Manager gefordert, schnell und eindeutig zu reagieren. Einerseits müssen sie auf den Ärger des Fans eingehen und nach Lösungen suchen, andererseits jedoch auch klar machen, dass Tonfall und Wortwahl nicht angemessen sind und auf der Seite nicht geduldet werden.
Diese Aufgabe lässt sich nur dann sinnvoll und nachhaltig erfüllen, wenn es klare Kommentarrichtlinien oder Hinweise zu erwünschten Umgangsformen gibt, auf die im konkreten Fall verwiesen werden kann. Daher sollten entsprechende Richtlinien zum Standard einer jeden Unternehmensseite gehören. Sind diese klar und verständlich formuliert, können Sie Fans auch als Orientierung und Leitfaden dienen und so manche Unsicherheit beseitigen.
Konsequente Moderation
Neben verärgerten Fans werden sich irgendwann jedoch auch Trolle auf die Seite eines Unternehmens verirren. Werden Kommentare und Beiträge abgegeben, die eindeutig nichts mit der Seite oder den Inhalten zu tun haben und nur stänkern wollen, gibt es zwei mögliche Reaktionen. Möglichkeit eins: Der Community Manager löscht die entsprechenden Kommentare mit Hinweis auf die Kommentarrichtlinien. Dieses Vorgehen kann bei eindeutig rassistischen oder anderweitig diskriminierenden Äußerungen sinnvoll sein und möglicherweise für Ruhe sorgen. Es ist jedoch ebenso möglich, dass eine solche Löschung die Trolle erst richtig animiert und diese dann massiv kommentieren.
Daher sollte Möglichkeit zwei unbedingt in Betracht gezogen werden. Hier gehen Community Manager auf die Kommentare ein und stellen Rückfragen zum Inhalt. In den meisten Fällen entlarven sich die Trolle spätestens durch die Antwort auf eine solche Rückfrage als Stänkerer, die zum Thema nicht beizutragen haben. Kommt keine Antwort, ist die Botschaft für alle andere Fans ebenfalls klar. Doch die Rückfrage darf nur ein Teil der Reaktion sein. Der andere Teil muss aus einer klaren Verwarnung und dem Hinweis auf die Kommentarrichtlinien bestehen. Aktive Fans werden sich meist ebenfalls um solche Trolle kümmern, doch die Moderation der Diskussion ist Aufgabe des Community Managers. Hält sich ein Kommentator trotz Verwarnung nicht an die Regeln, werden seine Kommentare gelöscht und er eventuell geblockt.
Viele Unternehmen schrecken vor dem letztgenannten Schritt zurück und halten diesen vielleicht für zu extrem. Das ist er jedoch ganz und gar nicht. Auch Unternehmen und Community Manager müssen sich nicht alles gefallen und sich nicht als Prellbock oder Zielscheibe missbrauchen lassen. Viel wichtiger: Werden Störer und Trolle nicht konsequent aussortiert, leidet darunter früher oder später die Community. Denn Fans, die sich wirklich für das Unternehmen interessieren, werden schnell das Weite suchen, wenn ein unhöflicher und respektloser Umgangston auf einer Seite herrscht. Um das zu verhindern sind klare Grenzen und Ansagen unverzichtbar.
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Hans
Schade, dass man Regeln für 100 Leute aufstellen muss, wegen der zwei, die sich daneben benehmen.
Reicht nicht der Appell an die “Manieren”, die uns unsere Oma beigebracht hat?
Jeder sollte Trolle aus seiner Community rausschmeißen können, ohne um Erlaubnis zu fragen oder erst einige Kommentare lang weichgespült nett zu sein. Bei meiner Party zuhause setze ich mich auch nicht mit jemandem, der meine Gäste anpöbelt, an den Wohnzimmertisch und diskutiere das aus bei Fenchel-Tee und Plätzchen. Raus. Fertig.
Die Diskussion über einen Online-Türsteher gibt’s hier:
> http://karrierebibel.de/tursteher-oder-warum-strikteres-community-management-immer-wichtiger-wird
Natürlich gilt das nur für echte Trolle. Nicht für genervte Kunden, die sich übertrieben emotional über Mist beschweren, den wir verzapft haben.
Dennoch: Lieber einmal um Entschuldigung bitten, als hundert mal um Erlaubnis.
Diese Regel gilt nicht, wenn Onkel Hubert nach zuviel Glühwein am zweiten Weihnachtstag über Cousine Petra lästert :) Das muss man/n wohl aushalten :)
Schöne Feiertage wünscht mit Gruß aus Berlin
- Hans Steup
Hans
… mh, wohl mal wieder die alt-Taste vergessen bei den Absätzen :)
Marcel G.
Hallo Hans, grundsätzlich stimme ich dir zu, dass man mit Trollen rigoroser umgehen dürfen sollte, jedoch ist das Erkennen eines Trolls nicht immer leicht, denn die Grenzen zwischen verärgertem Fan und Troll können fließend sein. Und ich möchte im Grunde ja keine Diskussion im Keim ersticken.
Weihnachtliche Grüße aus Bremen, Marcel Gabor
Jochen Mai
Hallo Marcel,
ich finde aber auch, dass sich der verärgerte Fan genauso an Regeln des guten Umgangs halten muss. Ich bin immer wieder überrascht, welchen Ton manche im Internet anschlagen. Das würden sie sich nie trauen, wenn sie einem persönlich gegenüberstehen. Aber noch viel entscheidender ist: Sie möchten so am wenigsten selbst behandelt werden, messen also mit zweierlei Maß.
Ich bin ja nun schon eine Weile im Netz unterwegs und habe mir manches Mal bei solchen verbal Halbstarken – also wenn sie besonders großzügig beim Austeilen waren – den Test gegönnt, ihren Stil zu spiegeln. Also ähnliche Worte, ähnlicher Satzbau, ähnlicher Ton… Hossa, ist dann aber was los! Sofort wird umgeschaltet auf persönlichen Angriff, offene Aggressionen und der inzwischen unglaubwürdige Hinweis, das sei ja jetzt toooootal unprofessionell. Will sagen, hier wird der Mangel an eigenem Benehmen und Kinderstube damit gerechtfertigt, dass es im Internet a) keine Zensur geben dürfe, dass das b) was ganz anderes sei als Trollen und sich c) der andere doch bitteschön “als Profi” alles gefallen lassen müsse.
Und genau das sehe ich komplett anders. Nur weil man im Internet – theoretisch – alles schreiben kann, legitimiert das niemanden, dies auch ungefiltert zu tun. Kritik rechtfertigt keine Unverschämtheiten, zumal unter Fremden und auf anderer Leute Seite. Und wer anderer Meinung ist, ist deswegen nicht automatisch im Recht und muss eben dieses Recht (anderer Meinung zu sein) auch seinem Gegenüber eingestehen, ohne den gleich zum Idioten abzustempeln. Aber genau das machen viele. Im Grunde ist es das breite Unvermögen diskutieren zu können, das sich hier im Netz zuweilen offenbbart. Und ich finde, wenn einer derart dokumentiert, dass er oder sie nicht höflich bleiben und respektvoll diskutieren kann, gibt es keinen Grund vom Hausrecht keinen Gebrauch zu machen. Es stört nur alle anderen, die es eben doch können.
Hans
Marcel, Du und ich haben ja auch so unsere Erfahrungen mit der Gastronomie.
Eines von glücklicherweise wenigen Erlebnissen: Während des Berlin-Marathons diskutierte eine Besuchergruppe samstags um 19 Uhr lauthals im vollbesetzten Restaurant mit dem Service über zwei unbesetzte aber reservierte Tische. “Entweder geben Sie uns die Tische oder wir schreiben schlechte Bewertungen auf Tripadvisor.” Sie bekamen die Tische nicht. Wir bekamen drei 1-Sterne-Bewertungen auf Tripadvisor.
Meiner Erfahrung nach ist es pure Zeitverschwendung mit solchen Leuten zu “kommunizieren”. Alfred (Michael Caine) sagt über den Joker sinngemäß zu Batman: “Mit manchen Menschen ist weder zu argumentieren, noch zu verhandeln. Sie wollen einfach nur die Welt brennen sehen.”
Das trifft auf einige Leute zu. Vor allem, wenn sie sich maskiert hinter einer Hecke verstecken können, während sie mit Pflastersteinen nach Dir werfen. Ähnliche Erlebnisse, die es auf Qype und Co. schaffen, haben wir einmal pro Quartal. Und wie Du weißt, die freie Meinungsäußerung eines anonymen Profilneurotikers steht auf diesen Plattformen über der Glaubwürdigkeit eines renommierten Restaurants.
Ich habe mir abgewöhnt, mit solchen Leuten zu “diskutieren”. Let it be, oooh, let it be.
- Hans