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"Sharing ist caring." - Dieser Satz ist in den Social Media immer wieder zu lesen. Aus guten Gründen, ist das Teilen von Inhalten für wachsende Reichweite und Sichtbarkeit doch unverzichtbar. Das geht jedoch noch einen Schritt aktiver: Wer qualitativ hochwertigen Content anderer Autoren und Blogs für seine Kommunikation nutzt, kann damit seine eigene Reputation stärken. Content Curation lautet das Schlagwort, hinter dem sich zahlreiche Chancen verbergen.

Content Curation: Fremdinhalte richtig nutzen

Manche Unternehmen, Freelancer und Bewerber verzichten ganz bewusst darauf, Inhalte anderer Seiten aufzugreifen oder zu teilen. Ihr Grundsatz: Wenn ich meinen Fans, Kunden und Kontaktpartnern gute Inhalte aus anderen Quellen präsentiere, mache ich mir selbst Konkurrenz und lenke von meinen Inhalten ab.

Das ist - sorry für die Formulierung - Bullshit. Wenn andere Quellen und Autoren wirklich gut sind, werden Leser, Fans und Netzwerkpartner ohnehin auf sie stoßen und sie lesen. Sind Sie jedoch der- oder diejenige, der auf lesenswerte Inhalte aufmerksam macht, bieten Sie Ihren Netzwerkpartnern damit echten Mehrwert und stärken so Ihre Reputation.

Dazu kommt noch ein anderer Aspekt: Durch aktive Content Curation lässt sich viel für die eigenen Inhalte und Kommunikation lernen. Wer aktiv und gezielt Content Curation betreibt, wird dadurch automatisch...

  • ... zahlreiche Blogs und Quellen lesen.
  • ... nach neuen Quellen und Inhalten Ausschau halten.
  • ... ein Gefühl für gute und schlechte Inhalte entwickeln.
  • ... Aufbau und Struktur zahlreicher Artikel und Videos wahrnehmen und verstehen.

Content Curation ist nicht nur eine Bereicherung der eigenen Kommunikation, sondern auch Lernfeld für die eigenen Inhalte. Um die Inhalte Dritter sinnvoll kuratieren und teilen zu können, ist die korrekte Quellenangabe wichtig.

Korrekt ist hier nicht im wissenschaftlichen, sondern im fachlichen Sinne zu verstehen. Den Urheber eines Artikels, eines Videos oder einer Grafik zu nennen, versteht sich von selbst. Darüber hinaus sollte eine Verlinkungen ebenfalls selbstverständlich sein - mit do-follow Link! Bei qualitativ hochwertigen Inhalten sind do-follow Links völlig unproblematisch, ja sogar sinnvoll. Und wenn sich bei einer Quelle die Frage stellt, ob Sie diese wirklich verlinken wollen, ist sie vermutlich auch nicht für Ihre Content Curation geeignet.

Content Curation: Reputationsaufbau durch Einordnung

Alexander Supertramp / shutterstock.comLeser, Fans, Kunden und Netzwerkpartner profitieren von gut gemachter Content Curation fast automatisch, ähnliches gilt für Ihre Reichweite und Sichtbarkeit. Damit Content Curation auch dem Reputationsaufbau dient, reicht reines Teilen allerdings nicht aus. Zwar liefert bereits eine systematische und gezielte Auswahl passender Inhalte einen Hinweis auf Ihre Kompetenz, wirklich sichtbar wird sie dadurch jedoch nicht.

Ihre eigene Kompetenz kommt erst dann zur Geltung, wenn Sie fremde Inhalte mit eigenen Ergänzungen teilen und mit passenden Kommentaren versehen. Diese Kommentare erfüllen gleich mehrere Funktionen. Sie...

  • ... ordnen die geteilten Inhalte ein.
  • ... verdeutlichen, was Sie an den Inhalten positiv finden.
  • ... bringen Ihre Kompetenz zum Ausdruck.
  • ... geben Ihrer Content Curation die persönliche Note.

Erst ergänzende Kommentare und Hinweise Ihrerseits machen geteilte Inhalte zu wichtigen Bausteinen Ihrer Kommunikation und Reputationspflege. So können Sie beispielsweise auch Inhalte teilen, mit denen Sie nicht zu 100 Prozent übereinstimmen. Wenn Sie im begleitenden Kommentar deutlich machen, warum Sie beispielsweise einen Artikel teilen und in welchen Punkten Sie inhaltlich nicht zustimmen, werten auch solche Inhalte Ihre Kommunikation auf.

Diese Einordnung und Kommentare stellen für Ihre Leser und Netzwerkpartner zusätzlichen Nutzen dar. Die Leitfrage für die Einordnung kann daher lauten: Wie werte ich den Content durch meine Einordnung auf?

Content Curation stärkt das Netzwerk

Sergey Nivens/shutterstock.comStrategisch eingesetzte Content Curation kann jedoch nicht nur Kommunikation bereichern, sondern auch dem Netzwerkausbau dienen. Wollen Unternehmen beispielsweise den Kontakt zu einem Influencer vorbereiten - oder Bewerber die Aufmerksamkeit potenzieller Arbeitgeber erregen - kann Content Curation ein wichtiges Element der Kontaktanbahnung sein.

Sehen Sie Content Curation auch unter Netzwerkaspekten, spielt bei der Recherche nach Inhalten nicht nur deren Qualität sondern auch deren Urheber eine Rolle. Ist ein entsprechender Influencer oder Arbeitgeber beispielsweise im eigenen Blog oder auf Twitter sehr aktiv, können diese Inhalte in Ihre Content Curation integriert werden.

Regelmäßige Re-Tweets - mit eigener Einordnung (!) - und das gezielte Teilen passender Blogartikel sind dann erste Schritte. Weiterführend können Sie passende Tweets in eigene Blogartikel einbette und/oder Artikel gezielt zitieren und verlinken.

Damit diese Maßnahmen tatsächlich zur Kontaktanbahnung führen und die Basis für eine tragfähige Beziehung darstellen können, sind drei Aspekte entscheidend:

  1. Fachliche Einordnung

    Geteilte Inhalte des jeweiligen Influencers oder Unternehmens können von positiven Kommentare begleitet werden. Wird darin jedoch offensichtlich - und zu viel - gelobt oder geschmeichelt, verkehrt sich die Wirkung ins Gegenteil. Für eine sinnvolle und positive Wirkung ist es wichtiger, die Inhalte mit fachlich fundierten Kommentaren zu versehen, die dem Urherber inhaltlich schmeicheln oder ein fachliches Kompliment ausstellen.

  2. Dosierter Einsatz

    Gezieltes Teilen kann Aufmerksamkeit erregen und Sie auf das Radar von Influencern oder Arbeitgebern bringen. Das funktioniert jedoch sowohl positiv als auch negativ. Wird ein Influencer innerhalb kürzester Zeit mit dutzenden Links Ihres Blogs und zig Re-Tweets fast schon überflutet, wird es das definitiv wahrnehmen - allerdings eher negativ. Integrieren Sie seine Inhalte jedoch dosiert in Ihre Kommunikation, können Sie die Aufmerksamkeit nach und nach auf sich ziehen.

  3. Umfassende Strategie

    Content Curation kann ein wichtiger Aspekt der Kontaktanbahnung sein, reicht alleine jedoch nicht aus. Erregen Sie mit geteilten Inhalten die Aufmerksamkeit eines Influencers oder Arbeitgebers, ist der erste Schritt getan. Eine tragfähige - und perspektivisch nützliche - Beziehung wird daraus jedoch nur, wenn Sie gezielt Kontakt aufnehmen. Content Curation kann Ihnen auch dabei helfen. Fragen Sie einfach nach, ob Sie beispielsweise Tweets in Ihre Blogartikel einbetten dürfen. Das ist aus rechtlicher Sicht sinnvoll und bietet eine hervorragende Möglichkeit, den Kontakt zu vertiefen.

Content Curation: Automatisiertes Teilen erleichtert die Arbeit

Ein klassischer Content Curation Workflow umfasst Recherche, Analyse, Aufbereitung und Publikation passender Inhalte. Spätestens bei der Publikation kann eine gewisse Automatisierung sinnvoll sein. Egal ob Social Media Team, Freiberufler oder Bewerber: Sie werden vermutlich nicht Zeit haben, jeden Tag Artikel händisch zu teilen.

Planungsfunktionen der Netzwerke - wie sie beispielsweise Facebook bietet - oder Tools wie Hootsuite, Buffer und andere können die Publikation Ihrer kuratierten Inhalte entzerren und teilweise automatisch übernehmen.

Die Planung erleichtert Ihnen zwar die Arbeit, ist jedoch nicht das Ende der Content Curation. Auch wenn Beiträge lange im Voraus geplant werden, sollten Sie diese nach der Veröffentlichung im Auge behalten und auf eingehende Kommentare und entsprechendes Feedback reagieren. Das Community Management fällt durch Content Curation nicht weg!

Wollen Sie Ihre Content Curation zudem strategisch weiterentwickeln, lohnt sich aktives Monitoring der geteilten Beiträge. Statistiken und Daten - egal ob aus den Statistiken der Netzwerke selbst oder über Tools erhoben - helfen Ihnen dabei...

  • ... das optimale Timing für die jeweiligen Netzwerke zu erkennen.
  • ... das Interesse an geteilten Themen einzuschätzen.
  • ... die Auswahl künftiger Themen zu optimieren.
  • ... mehr über Ihre Leser, Netzwerkpartner und Kunden zu erfahren.

Monitoring und Auswertung sollten daher feste Bestandteile einer strategischen Content Curation sein. Sie geben Auskunft darüber, ob die Kommunikation die individuell festgelegten Ziele erreicht und die gewünschte Wirkung erzielt und wo im Zweifel optimiert und nachgesteuert muss.

Tools und Dienste für die Content Curation

Grundsätzlich gibt es zahlreiche Methoden, mit denen Sie RSS-Feeds und andere Quellen automatisiert in Ihren Twitter-Feed einspeisen können. Einer davon ist der Dienst Twitterfeed. Er tut genau das, was der Name bereits vermuten lässt und ermöglicht die Einbindung eines beliebigen RSS-Feeds in Ihren Twitterstream und andere Netzwerke. So können Sie nicht nur Beiträge sozialer Netzwerke - wenn ein RSS-Feed für das Profil vorhanden ist - sondern auch Inhalte von Blogs und Seiten einbinden.

Twitterfeed

Das automatische Re-Tweeten anderer Twitter-Accounts gestaltet sich seit der API-Änderung im Mai 2013 jedoch schwieriger. Denn mit der neuen API hat Twitter auch die bis dahin verfügbaren RSS-Feeds für Twitter-Accounts abgeschaltet. Der Umweg führt jetzt über ein Twitter RSS Feed Script von Amit Agarwal und Mitchell McKenna. Mit Hilfe der passenden Anleitung lässt sich das Script - etwas technisches Verständnis vorausgesetzt - recht einfach einrichten.

Den so erzeugten RSS-Feed sollten Sie jedoch durch eine Yahoo-Pipe und erst dann via Twitterfeed in Ihren Twitterstream schicken. So können Sie beispielsweise @-Mentions, Re-Tweets oder bestimmte Hashtags und Schlagworte vorab herausfiltern.

Manuelle Auswahl, automatisiertes Teilen

Der dritte - und von mir bevorzugte - Weg ist eine Mischung aus manueller Auswahl und automatisiertem Teilen. Hierzu nutze ich den bekannten Dienst Buffer, in dem ich einmalig einen Veröffentlichungszeitplan angelegt habe. Den Account versorge ich regelmäßig mit neuen Beiträgen, die dann auf Twitter, Facebook und LinkedIn - andere Netzwerke sind ebenfalls möglich - automatisiert geteilt werden.

Auch eine Automatisierung über den Dienst If this then that ist möglich und bietet enorme Flexibilität. Weitere Dienste und Tools für das Sammeln und Verbreiten von Informationen im Rahmen der Content Curation bietet die folgenden Infografik von Tech Cult.

Content-Curation-Simplified

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