Chatchawan/shutterstock.comMehr Reichweite, höhere Sichtbarkeit und gesteigerte Interaktion - all das, ohne neuen Content zu erstellen. Klingt zu gut um wahr zu sein, das kann nicht funktionieren? Doch, kann es - wenn Sie Ihren Content mehrfach teilen und systematisches Content Recycling betreiben. Natürlich sollen Sie nicht zum Spamer werden und Ihre Fans und Leser mit den immer gleichen Inhalten zumüllen. Auf keinen Fall. Allerdings können selbst die besten Inhalte im ständigen Informationsstrom der sozialen Netzwerke untergehen. Ihr Content - und Ihre Leser - haben daher eine zweite Chance verdient. Mindestens.

Content Recycling: Ein Dienst am Leser

Durch systematisches und strukturiertes Content Recycling können Sie einerseits Ihre Reichweite erhöhen, Ihren Lesern andererseits allerdings auch Mehrwert bieten. Es handelt sich also nicht um einen rein egozentrischen Ansatz, sondern viel mehr um eine Dienstleistung für Leser und Fans. Denn längst nicht alle Leser nutzen den RSS-Feed, um über Artikel auf dem Laufenden zu bleiben. Wer Blogs und Seiten nur in den sozialen Netzwerken folgt, kann schnell Artikel übersehen - und ist froh, wenn diese nochmals geteilt werden.

Die entscheidende Frage für manche Blogger ist jedoch: „Lohnt sich erneutes Teilen von Inhalten überhaupt?“ Laut einem Artikel von Kissmetrics ist die Antwort ein klares Ja. Das Team des Analytics Anbieter hat sich die Zahlen und Wirkung von Content Recycling angeschaut und dadurch einige nützliche Erkenntnisse gewonnen.

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Die absoluten Zahlen sind im Beispiel zwar nicht überragend, doch es wird deutlich, dass der Beitrag beim zweiten Teilen mehr Klicks und Interaktion erhalten hat, als beim ersten Mal. Diese Tendenz können wir aus unserer eigenen Erfahrung mit erneut geteiltem Content bestätigen. Es gibt Beiträge, die erst beim zweiten Teilen wirklich wahrgenommen und intensiv geteilt werden.

Entgegen mancher Vorurteile handelt es sich beim Content Recycling übrigens keinesfalls um Betrug am Leser - solange Sie nicht so tun, als würde es sich um neue Inhalte handeln. Richtig guter Content verliert nicht an Wert und fundierte Artikel sind auch Tage und Wochen nach der ersten Veröffentlichung - speziell für die neu dazu gekommenen Fans und Leser - interessant.

Content Recycling: Reichweite durch gezielte Anpassung

Wer jetzt allerdings einfach seine alten Tweets, Facebook- und Google+-Beiträge kopieren und erneut teilen will, sollte diese Strategie noch mal überdenken. Das Team von Kissmetrics weist in seinem Artikel auf einen wichtigen Aspekt hin: Die individuelle und gezielte Anpassung des Contents - auch und vor allem beim erneuten Teilen. Wie an folgenden Beispiel-Tweets deutlich wird, sollten Sie den begleitenden Teaser und Kommentar bei jedem Teilen neu anpassen.

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Dabei sollten Sie nicht nur verschiedene inhaltliche Aspekte des Artikels beleuchten, sondern - vor allem auf Twitter - auch auf aktuelle Themen und Diskussionen eingehen. Haben Sie beispielsweise einen Artikel mit Tipps zum Bloggen verfasst, sollten Sie die dazu laufenden Diskussionen in Ihrem Teaser aufgreifen und so das bereits vorhandene Interesse am Thema für Ihren erneut geteilten Content nutzen.

Die Anpassung im Rahmen des Content Recyclings geht jedoch über reines Umformulieren hinaus. So können und sollten Sie erneut geteilte Inhalte auch mit Bildern anreichern und die Optik Ihrer Beiträge variieren. Dadurch beugen Sie - vor allem auf Google+ und Facebook - einem zu einheitlichen und langweiligen Erscheinungsbild Ihrer Seite vor und setzen gleichzeitig optische Ausrufezeichen, die Ihren Content zusätzlich interessant machen.

Mehrwert durch Struktur und Planung

Selbst wenn Sie all Ihre Beiträge bei jedem Teilen neu gestalten, ist der Grat zwischen sinnvollen Content Recycling und Spam schmal. Sinnvoll ist das erneute Teilen von Inhalten nur dann, wenn Sie Ihren Fans und Lesern dadurch tatsächlich Mehrwert bieten und ihnen dabei helfen, ältere, jedoch nach wie vor relevante, Artikel zu entdecken.

Das Kissmetric Team empfiehlt in seinem Artikel dafür folgenden Zeitplan:

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Dieser Zeitplan ist natürlich nicht in Stein gemeißelt und deckt sich auch nicht vollständig mit unseren eigenen Erfahrungen. Es ist korrekt, dass mehrfaches Teilen auf Twitter in recht kurzen Zeitabständen möglich ist. Durch den hohen Tweet-Durchsatz wirkt mehrfach geteilter Content hier kaum störend, sondern wird eher als Mehrwert und Dienstleistung gesehen.

Auf Facebook kann dagegen auch das Teilen nach mehreren Wochen als nervend oder problematisch empfunden werden, während auf Google+ die Abstände zwischen mehrfachem Teilen aus nur wenigen Tage bestehen können. Hier gibt es keine allgemeingültigen Regeln. Welchen Content Sie wie oft teilen können, hängt auch von Ihrer Fanbasis und Ihren Lesern ab.

Bis zu einem gewissen Grad sind Sie bei der Suche nach der optimalen Frequenz daher auch auf Trial and Error angewiesen. Damit Content Recycling Ihren Lesern Mehrwert - und Ihnen größere Reichweite - bietet, sollten Sie einige Punkte beachten:

  • Erwecken Sie bei erneut geteilten Content niemals bewusst den Anschein, dass es sich um neuen Content handelt.
  • Experimentieren Sie bewusst mit den Uhrzeiten und der Gestaltung des neu geteilten Contents.
  • Monitoren Sie die Wirkung des mehrfachen Teilens aktiv. Reagieren Sie zeitnah auf negative Veränderungen.
  • Richten Sie Ihr Content Recycling immer auf maximalen Nutzen für Ihre Leser aus.
  • Lassen Sie auch Ihre Intuition einfließen, wenn es um die Grenze zwischen sinnvollen Content Recycling und Spam geht.

In der Praxis erleichtern Dienste und Tools wie Buffer, Hootsuite oder andere das erneute Teilen von Content. Einige dieser Tools bieten automatisiertes Scheduling an und teilen die Inhalte dann - so die Anbieter - zum optimalen Zeitpunkt. Wenn Sie eine solche Funktion nutzen, sollten Sie die Wirkung des erneut geteilten Contents noch aufmerksamer als sonst beobachten. Auch die besten Algorithmen liegen manchmal daneben und wenn sich schlechtes Timing mehrfach wiederholt, sollten Sie auf manuelle Planung umsteigen.

Content Recycling braucht guten Content

Shutterstock / Sergey NivensBei aller Planung und Strategie rund um das Content Recycling könnte ein Aspekt zu kurz kommen: Die Qualität des geteilten Contents. Damit sind nicht die Teaser und begleitenden Kommentare, sondern die geteilten Artikel gemeint. Mehrfaches Teilen ist nur sinnvoll, wenn Sie über Content verfügen, der Ihren Lesern Mehrwert bietet und nutzerrelevant ist.

Bevor Sie Artikel erneut teilen, sollten Sie sich diese genau anschauen und bei Bedarf überarbeiten und aktualisieren. Dadurch stellen Sie nicht nur sicher, dass Sie qualitativ hochwertigen Content teilen, sondern werten auch Ihr Blog und den Artikel auf.

Gestalten Sie Ihr Content Recycling nutzerorientiert und sehen Sie es als Dienst am Leser, können Sie Ihre Reichweite mehr oder weniger nebenbei steigern. Klar ist jedoch: Mit dem Kopieren alter Tweets und Beiträge ist es nicht getan.

Mehr Tipps für Reichweite

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[Bildnachweis: Chatchawan und Sergey Nivens by Shutterstock.com; Screenshots by kissmetrics-com]