Shutterstock / Dusit"Facebook ist die größte Online-Video-Plattform" - diese Meldung sorgte für wenigen Wochen für einige Furore. Ein genauer Blick zeigt: So ganz eindeutig sind die Zahlen nicht, eine klare Aussage zum Verhältnis von Youtube und Facebook lässt sich nicht treffen. Doch sowohl die Meldung als auch die Reaktionen darauf zeigen, welchen Stellenwert Video inzwischen für soziale Netzwerke und die Online Kommunikation haben. Es ist das am schnellsten wachsende Medium, dass in manchen Themenbereichen sogar Textblogs und Beiträge überflügelt. Daraus ergibt sich eine Konsequenz: Corporate Video wird für Unternehmen - zumindest perspektivisch - unverzichtbar.

Corporate Video: Bitte immer strategisch integriert

Corporate Video - also die Nutzung von Video-Formaten für die Unternehmenskommunikation - scheint auf den ersten Blick weitgehend selbsterklärend und einfach zu sein. Schließlich gibt es dutzende Videos und Kanäle auf von Unternehmen auf Youtube und den sozialen Netzwerken. Deren Ansätze können einfach kopiert und adaptiert und dann für die individuellen Themen genutzt werden.

Theoretisch kein Problem. In der Praxis ist es jedoch nicht ganz so einfach. Denn viele der Unternehmensvideos verfehlen ihre Wirkung und entwicklen sich zu Fehlschlägen. Der häufigste Grund: Videos werden als eigenständige Formate gesehen und geplant.

Der sinnvolle und erfolgreiche Einsatz hängt jedoch entscheidend davon ab, dass Videos gezielt in die Kommunikationsstrategie des Unternehmens integriert werden und diese mit Mehrwert ergänzen. Corporate Video sollte...

  • ... bestehende Themen weiterführen und aus neuen Perspektiven aufgreifen.
  • ... Artikel und Beiträge ergänzen.
  • ... echten Mehrwert bieten und die Vorteile des Mediums tatsächlich nutzen.

Hier sollten Unternehmen vor allem bedenken, dass Video nicht in allen Fällen und Themen das richtige Medium ist. Komplizierte Sachverhalte, die sich nur schwer visualisieren lassen, werden oft besser durch Texte erklärt.

Konkrete Bedienungs-Tipps oder Tutorials zu Produkten lassen sich dagegen hervorragend durch Videos abbilden. Corporate Video ist kein Allheilmittel, bietet bei bestimmten Themen jedoch Potenzial. Dieses sollten Sie gezielt nutzen.

Mobile Videoproduktion

Eine der häufigsten Fragen beim Thema Corporate Video lautet: "Mit welchem Equipment sollen wir unsere Videos denn produzieren?" Eine überraschend einfach Antwort: Für viele Formate reichen aktuelle Smartphones und etwas Zubehör völlig aus. Da wir uns in verschiedenen Artikeln bereits umfassend mit der mobilen Videoproduktion befasst haben, verweisen wir an dieser Stelle auf die dafür relevanten Artikel.

Corporate Video: Formate für Unternehmensvideos

Die grundlegenden - und häufig in der Kommunikation verwendeten - Videoformate sollten Unternehmen fürher oder später selbst konzipieren und produzieren können. Zu diesen Formaten zählen:

  • Video-Interviews
  • Aufzeichnung von Diskussionsrunden
  • Videoblog-Beiträge und Video-Tagebücher
  • A day in the life Formate, auch als Blick über die Schulter bekannt
  • Videos von Events und Messen
  • Team- und Mitarbeitervorstellungen

Wem diese Formate zu primitiv oder einfach vorkommen: In der Praxis können Konzeption, Umsetzung und Produktion solcher Videos bereits viel Zeit in Anspruch nehmen und beträchtlichen Arbeitsaufwand mit sich bringen. Ja, die beschriebenen Formate gehören zu den Standards und Basics. Einfach oder gar leicht sind sie dennoch nicht umzusetzen.

Promovideos und Unternehmensporträts mit Unterstützung

Geht es um Unternehmensporträts, umfangreiche Reportagen, Promovideos oder gar Musikvideos, sollten Unternehmen allerdings externe Unterstützung dazu holen. Das muss nicht bedeuten, dass das gesamte Video von einem externen Film-Team erstellt wird. Doch bei größeren Projekten gibt es immer wieder Szenen und Einstellungen, die ohne das entsprechende Equipment und vor allem die notwendige Erfahrung nicht oder nur in schlechter Qualität umsetzbar sind.

Um Kosten zu sparen und das gesamte Projekt schneller und effizienter abwickeln zu können, ist es sinnvoll…

  • … das externe Team bereits bei Planung und Konzeption einzubinden.
  • … die Erfahrung und Kreativität des Teams für die Gestaltung des Videos zu nutzen.
  • … gemeinsam im Vorfeld festzulegen, welche Szenen und Einstellungen von Mitarbeitern des Unternehmens und welche vom externen Film-Team gedreht werden können/sollen.
  • … den Zeit- und Drehplan exakt vorzubereiten.
  • … die verwendete Technik und die Dateiformate abzustimmen.
  • … die Nachbearbeitung im Vorfeld zu besprechen und zu planen.

Nicht alle Videostudios oder Film-Teams sind allerdings bereit, mit unternehmenseigenen Teams zusammenzuarbeiten. Gerade bei Promovideos kann es sinnvoll sein, die Videoproduktion vollständig dem externen Team zu überlassen.

Und bevor sich jetzt der eine oder andere auf den Schlips getreten fühlt: Natürlich gibt es Unternehmen und Social Media Teams, die auch anspruchsvolle Video-Projekte sinnvoll umsetzen können und hervorragende Ergebnisse erzielen.

Auch wenn einige Formate vermutlich nie vollständig inhouse produziert werden können, ist es sinnvoll, die dafür notwendige Kompetenz soweit wie möglich im Unternehmen aufzubauen. Je mehr Know How und Können Ihre Mitarbeiter mitbringen, desto autonomer können Sie Ihre Corporate Videos produzieren und die Angebote und Vorschläge externer Dienstleister beurteilen.

Corporate Video FAQ

Quelle: shutterstock/ollyyFalls Sie noch grundsätzliche Zweifel am Nutzen von Videos - oder Fragen zum Thema Corporate Video - haben, hilft Ihnen möglicherweise unser Corporate Video FAQ weiter.

Hier beantworten wir zehn der häufigsten Fragen zum Thema. Ist Ihre Frage jedoch nicht dabei, haben Sie natürlich Möglichkeit, diese in den Kommentaren zu stellen. Wir beantworten sie dann gerne.

  1. F: Ist Video als Medium für uns überhaupt geeignet?
    A. Die kurze Antwort: ja. Die ausführliche Version: Videos können in allen Branchen und bei allen Themen zum Einsatz kommen und sinnvoll sein. Herangehensweise, Strategie und Konzept müssen natürlich individuell angepasst werden und manche Themen und Branchen sind sicherlich schwerer zu vermitteln als andere.
  2. F: Bei uns gibt es aber gar nichts spannendes zu sehen. Werden unsere Videos dann nicht langweilig?
    A: Erstens sollten Sie niemals unterschätzen, wie spannend und interessant scheinbar alltägliche (Produktions-)Abläufe sein können. Es gibt auf Youtube zahlreiche Unternehmen - die Krones AG ist eines der bekanntesten Beispiele - die unter anderem ihrer Produktion filmen. Und diese Videos kommen gut an. Zweitens lässt sich fast jedes Thema mit Symbole und einer individuellen Bildsprache darstellen.
  3. F: Schaut sich das denn überhaupt jemand an?
    A: Das mögliche Publikum ist riesig, doch die Frage bezieht sich natürlich auf die konkreten Videos eines Unternehmens. Hier lautet die Antwort: Mit der richtigen Strategie ja. Durch die Vernetzung des Youtube-Kanals mit bestehenden Social Media Präsenzen, einer gezielten Optimierung des Kanals und der Videos, der Einbindung von Videos und Blog-Artikel, möglicherweise auch dem Schalten von Werbung und vielen weiteren Maßnahmen kann die Sichtbarkeit der Videos enorm gesteigert werden.
  4. F: Videos sind teuer. Lohnt sich der Aufwand für uns?
    A: Diese Frage können Sie schlussendlich nur selbst beantworten. Ja, Videos haben ihren Preis. Doch erstens können Unternehmen nach und einige Formate selbst produzieren und die Kosten dadurch senken. Und zweitens können Videos eine enorme Aufmerksamkeit und Reichweite erzielen, die Reputation stärken und sogar Leads generieren.
  5. F: Wir sind bereits in den Social Media aktiv. Brauchen wir unbedingt Videos?
    A: Nein, noch nicht. Aktuell können Sie bei einem soliden Social Media Engagement sicherlich auf Videos verzichten. Doch dadurch vergeben Sie viel Potenzial und Chancen. Dazu kommt, dass Video in den nächsten Jahren voraussichtlich das führende Medium in den sozialen Netzwerken wird und dadurch noch an Bedeutung gewinnen wird.
  6. F: Manche Youtuber nehmen ihre Videos mit dem iPhone auf. Können wir das nicht auch?
    A: Die kurze Antwort: Ja, das können Sie und ja, die Bildqualität reicht dafür aus, wir haben sogar die passenden Tipps rund um mobile Video für Sie. Aber nein, Sie sollten das nicht tun. Denn gute Videos hängen nicht nur von der Kamera, sondern vom Können hinter der Kamera ab.
  7. F: Unsere Mitarbeiter wollen aber nicht vor die Kamera. Sind Videos trotzdem möglich?
    A: Aber natürlich. Viele erfolgreiche Video-Formate kommen ganz ohne Akteure vor der Kamera aus. Erklärvideos mit Zeichnungen, Unboxings, Tutorials zu Produkten, Slideshows mit Audio-Kommentar - all das sind nur einige Beispiele für Videos, die ohne Menschen vor der Kamera auskommen. Und ein Tipp: Wenn Ihre Videos online gut ankommen, könnte sich die Einstellung Ihrer Mitarbeiter ändern.
  8. F: Wir haben gar keine interessanten Themen. Dann ist Video für uns doch sinnlos?
    A: Das wage ich einfach mal zu bezweifeln. Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitern, fragen Sie nach, warum diese im Unternehmen arbeiten und was sie am Unternehmen schätzen. Machen Sie sich klar, wo Ihre Stärken liegen und was Ihr Unternehmen auszeichnet. Gehen Sie die Kundenanfragen aus dem Support-Center durch und beantworten Sie häufig gestellte Fragen.
  9. F: Wir sind noch gar nicht in den sozialen Netzwerken aktiv. Sind Videos dann wirklich sinnvoll?
    A: Ja und nein. Wenn sie noch gar keine Präsenzen haben, sollten Sie diese natürlich erst strategisch und mit einem ordentlichen Konzept aufbauen. Doch es ist absolut sinnvoll, Videos von Anfang in Ihre Kommunikation zu integrieren und diese als Teil Ihres Social Media Konzepts von Beginn an mitzudenken.
  10. F: Können wir unsere Videos nicht selbst drehen?
    A: Ja, können Sie - nach einiger Zeit und bei bestimmten Formaten. Mitarbeiter-Interviews, Azubi-Vlogs, Einblicke ins Unternehmen, Tutorials - all das sind Formate, die Sie mit einiger Erfahrung, der passenden Ausrüstung und viel Übung selbst filmen können. Doch mit externer Unterstützung fällt Ihnen der Einstieg garantiert leichter und geht deutlich schnell vonstatten.

Strategien und Themen: Entwickeln Sie Video-Serien

Wollen Sie Corporate Video dauerhaft in Ihre Kommunikation integrieren und die Wirkung maximieren, sollten Sie Serien-Formate entwickeln. Die Vorteile solcher Video-Serien werden beispielsweise am Strom-Duell von Yello deutlich. Die zehnteilige Video-Serie erreichte nicht nur zahlreiche Zuschauer, es bildete sich vor allem eine feste Zuschauerschaft, die das Format und die jeweiligen Videos teilten, kommentierten und die Serie an sich weiterempfahlen.

Die aus unserer Sicht wichtigsten Erfolgsfaktoren und Aspekte für gute Video-Serien - wohlgemerkt im Unternehmenskontext - finden sich im Stromduell wieder:

  • Es gibt eine übergeordnete Storyline, in die sich die einzelnen Folgen einfügen und die Zuschauern einen Rahmen bietet.
  • Jede Folge behandelt einen anderen Aspekt des Meta-Themas und funktioniert auch als eigenständiges Video.
  • Dennoch wird dem Zuschauer durch die übergeordnete Story - und einen Teaser zur nächsten Ausgabe - Lust auf die gesamte Serie gemacht.
  • Das Thema hat zwar mit dem Unternehmen zu tun, bietet jedoch hohen Unterhaltungs- und/oder Nutzwert für die Zuschauer.
  • Die Videos sind von Länge und Aufmachung her für das Medium - konkret: Youtube - und die Zielgruppe angepasst.
  • Es gibt eine durchgehende Botschaft, die jedoch nie offensiv, sondern immer subtil und durch die Story kommuniziert wird und zum Unternehmen passt.
  • Die Serie - und jedes einzelne Video - ist im Corporate Branding gehalten, ohne die Zuschauer dadurch zu nerven.

Bei der Themenwahl für Video-Serien sollten Sie das Prinzip der Nutzerrelevanz berücksichtigen. Entscheidend: Bei Video-Serien ist die Nutzerrelevanz nicht nur auf den praktischen Nutzen der Informationen, sondern auch auf deren Unterhaltungswert bezogen. Sicher sollte ein gewisser Informationsgehalt gegeben sein, doch je nach Unternehmensreputation und Ausrichtung ist ein hoher Unterhaltungswert durchaus sinnvoll und angemessen. Die infrage kommenden Themen sollten dabei an einigen Kriterien messen:

  • Bietet das Themen genug Nutz-/Unterhaltungswert für mehrere Ausgaben?
  • Passt das Thema auch zu den Unternehmenswerten und dem Unternehmenskern?
  • Können Sie von Beginn an genug Ideen für die ersten fünf oder mehr Ausgaben der Serie entwickeln?
  • Lassen sich daraus eigenständige und dennoch in gewisser Weise zusammenhängende Themen und Facetten herausarbeiten?
  • Ist die übergreifende Story interessant genug, um Zuschauer über mehrere Folgen zu binden?
  • Lässt sich das Thema auch auf anderen Kanälen parallel und ergänzend verarbeiten und kommunizieren?

Corporate Video Trend: Nutzen Sie Mini-Videos

Neben Youtube und Vimeo sollten Unternehmen auch die Mini-Video-Netzwerke Vine und Instagram im Auge behalten. Diese können die großen Videoplattformen zwar nicht ersetzten, diese jedoch hervorragend ergänzen. Instagram-Videos lassen sich beispielsweise als Teaser und Ankündigung für längere Videos einsetzen, wie es unter anderem die BBC praktiziert. Sie stellt auf Instagram Kurzzusammenfassungen und Previews längerer Reportage ein und nutzt das Netzwerk dazu, ihre Produktionen zu bewerben.

Außerdem können Unternehmen Instagram und Vine für Behind the scenes oder Making of Szenen nutzen und Mini-Videos gezielt für die sozialen Netzwerke produzieren. Unserer Meinung nach sind Mini-Videos jedoch nur als Ergänzung einer umfassenden Videostrategie für Unternehmen wirklich sinnvoll. Eine rein auf Mini-Videos basierende Kommunikation oder Strategie dürfte es - zumindest im deutschsprachigen Raum - dagegen schwer haben.

Mini-Videos: Strategien und Tipps

Wenn Sie sich umfassend mit Mini-Videos beschäftigen wollen, empfehlen wir Ihnen die folgenden Artikel:

[Bildnachweis: Dusit und ollyy by Shutterstock.com]