Heimarbeit, Telearbeit – was bei Angestellten zunimmt, ist für viele Freiberufler längst Alltag und nicht wenige ätzt das mit der Zeit gewaltig an. Einsam und beunruhigend still ist es häufig im Homeoffice. Kein Kollege, der mal kurz mit einer Tasse Kaffee in der Hand vorbei schneit, kein Plausch auf dem Flur oder in der Teeküche. Nur Freunde, die man anrufen kann – oder das Internet, die sozialen Netzwerke wie Facebook oder Twitter bleibt, um daheim nicht ganz zu vereinsamen.
Bei allen Jubelarien auf den mobilen, unabhängigen und vernetzten Telearbeiter der Zukunft – er bleibt oft auch ein Einzelkämpfer, bedroht von sozialer Isolation und Inspiration hemmender Einöde. Und das betrifft gar nicht mal so wenige: Laut Schätzungen arbeiten hierzulande rund 600 000 Menschen selbstständig auf Auftragsbasis. Hinzu kommen noch einmal rund 3,5 Millionen Arbeitnehmer, die per Telearbeit von zu Hause für ihren Arbeitgeber tätig sind. Das entspricht etwa zehn Prozent aller Beschäftigten.
Das moderne Gegengift heißt Coworking Spaces oder zu deutsch: Bürogemeinschaften. Dort können sich Kreative, Designer, Journalisten, Anwälte und Kaufleute stundenweise einen Schreibtisch mieten, inklusive Telefon- und Internet-Anschluss sowie soziale Kontakte zu anderen Coworkern. Die meisten dieser Büro-WGs bieten obendrein bunte Sitzecken, Konferenzräume sowie verglaste Einzelzimmer, in die man sich zurückziehen kann, wenn man Ruhe zum Telefonieren oder Nachdenken braucht.
Ursprünglich stammt die Idee aus New York. Weil die Mieten dort astronomisch hoch sind, entstanden dort zu Beginn des Jahrtausends mehrere dieser Bürogemeinschaften. Aber auch hierzulande entstehen derzeit immer mehr dieser Coworking-Offices. Beobachter schätzen ihre Zahl bundesweit auf rund 50 – Tendenz stark steigend.
Kein Wunder. Die Betreiber bekommen von der Wissenschaft allerhand Rückenwind. So zeigen inzwischen mehrere Studien: Wer kreativ und produktiv sein will, braucht Kollegen. So ließen etwa Wissenschaftler der Universität von Bologna eine Gruppe von Studenten jeweils alleine und im Team Briefe eintüten, Ergebnis: Studenten, die in Teams arbeiteten, waren produktiver. Vor allem die weniger Produktiven wurden durch die bloße Anwesenheit von Kollegen motiviert – ihre Leistung stieg um fast 40 Prozent. Zu vergleichbaren Resultaten kommt auch eine Untersuchung des Massachusetts Institute of Technology. Hier registrierten die Forscher wie lange sich Callcenter-Beschäftigte mit ihren Kollegen unterhielten. Heraus kam: Entgegen dem Klischee ist der Büroplausch alles andere als kostspielige Zeitverschwendung. Die Produktivität jener Kollegen, die sich oft und intensiv mit anderen unterhielten, lag um fast zehn Prozent über der der konzentrierten Malocher.
Kreativitätsforscher kennen das Phänomen auch als „freie Assoziation“. Im ungezwungenen Gespräch können die sonst linearen Gedanken abschweifen, die grauen Zellen tanken Frischluft und kommen so auf neue Ideen. Und in der Coworking-Atmosphäre funktioniert dies besonders gut, weil hier Konkurrenzkämpfe oder hierarchische Barrieren keine Rolle spielen. Die Büro-Kollegen arbeiten für unterschiedliche Auftraggeber und verschiedene Branchen. Das erhöht eher noch das assoziative Potenzial.
Mein Kollege Konrad Fischer hat bei der Wiwo vor kurzem eine schöne Liste zusammengestellt, wo Sie die besten Coworking-Büros in Deutschland finden:
1. Kommentar
Monika Birkner
23.12.09 um 11:23 Uhr
Coworking ist mit Sicherheit ein wichtiger Zukunftstrend, gerade für die Solo-Arbeiter. Auch in Frankfurt gibt es seit kurzem ein Coworking Space. Die beiden Betreiber Bastian Klein und Oskar Mahler haben dazu in meinem Blog ein paar Interview-Fragen beantwortet. http://blog.monika-birkner.de/8k9
2. Kommentar
Johannes Volckmann
01.09.10 um 15:53 Uhr
Hallo an alle Interessierten der Coworking Szene
Mit dem heutigen Tag (01.09.2010) gibt es nun auch in Karlsruhe einen CoWorking-Space. Die CoWorking-Oase findet ihr in einem modernisierten Industriegebäude mit bester Infrastruktur und Anbindung. Mehr Infos unter http://www.coworking-oase.de. Wir freuen uns auf euren Besuch.
Herzliche Grüße in die Runde und vielleicht bis bald
Johannes Volckmann
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