Seien wir ehrlich: Jeder macht es - im Büro immer wieder mal aufs Handy schauen, Facebook checken, private Mails beantworten, Karrierebibel lesen, sowas. So ganz legal ist das nicht. Arbeitszeit ist Arbeitszeit, und der Arbeitgeber bezahlt nicht für die private Nutzung des Smartphones während derselben. Klar, die meisten Chefs drücken hierbei ein Auge zu. Sind ja nur ein paar Minuten. Aber beim Daddeln im Büro ist in den meisten Fällen schluss mit lustig. Computerspiele am Arbeitsplatz sind wohl bei den meisten Arbeitgebern (außer Spieleentwicklern) tabu. Allerdings zu Unrecht. Computerspiele können kreativ machen und zugleich die Laune heben, das zeigen sogar Studien...

Daddeln im Buero Computerspiele Handy

Daddeln im Job: Warum wir am Arbeitsplatz öfter spielen sollten

Computerspiele am Arbeitsplatz genießen nicht gerade den besten Ruf. Gemacht hat es aber schon jeder Zweite im Büro. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Umfrage der Hamburg Media School unter mehr als 1000 Nutzern zweier Games-Portale im Internet.

Resultat: Mehr als die Hälfte der Befragten hat schon im Büro gedaddelt, 16 Prozent spielen mehrmals pro Woche, über 12 Prozent sogar täglich. Im Durchschnitt wird dann 28,6 Minuten am Stück gespielt. Ob das dann während der Mittagspause passiert oder während der Arbeitszeit blieb bei der Erhebung allerdings offen.

Immerhin: Die Hamburger Forscher konnten ebenfalls zeigen, dass die Computerspiel-Pausen durchaus positive Auswirkungen hatten. Wer zum Beispiel nach einer anstrengenden Textaufgabe beim Daddeln entspannte, war danach viel konzentrierter als Probanden einer Kontrollgruppe.

Das deckt sich auch mit anderen Forschungsergebnissen. Wissenschaftler der Penn State Universität konnten zum Beispiel zeigen, dass Daddeln regelrecht kreativer macht.

Damals ließen Shyam Sundar und Elizabeth Hutton 98 Studenten populäre Videospiele spielen und danach Kreativitätstests absolvieren. Dabei zeigte sich: Glückliche wie traurige Probanden erreichten nach dem Spiel einen kreativen Höhepunkt, wütende und entspannte Spieler aber nicht.

Mit anderen Worten: Die Erregung, die beim Spielen entsteht, ist für kreative Impulse weniger relevant als der Gemütszustand hinterher. Auch andere Studien zeigen, dass wir - sobald wir spielen - in den "Flow" geraten – also einen produktiven Glückszustand.

Arbeitsrecht: Wie viel private Smartphone-Nutzung ist im Job erlaubt?

Arbeitsrecht: Wie viel private Smartphone-Nutzung ist im Job erlaubtHat der Arbeitgeber die private Handynutzung während der Arbeitszeit ausdrücklich verboten, riskieren Sie eine Abmahnung, im Wiederholungsfall sogar die Kündigung, wenn Sie sich nicht daran halten.

Der häufigere Fall aber ist, dass es im Betrieb keine sogenannte klare Weisungslage gibt. Heißt: Die private Handynutzung ist nicht ausdrücklich verboten, eindeutig erlaubt ist sie aber auch nicht. In dem Fall dürfen Arbeitnehmer zumindest von einer sogenannten sozialadäquaten Nutzung des Smartphones während der Arbeitszeit ausgehen. Das bedeutet: Mal eben kurz private Mails checken oder SMS versenden ist okay.

Problematisch wird es allerdings immer dann, wenn Mitarbeiter das exzessiv und stundenlang betreiben, sprich: bezahlte Arbeitszeit privat verdaddeln. Dann kann es sogar schon beim ersten Mal - ohne Abmahnung - zur Kündigung kommen. Das sind aber seltene Ausnahmen.

Erst daddeln, dann denken

Auch andere Studien zeigen: Wer (im Büro) Computerspiele spielt, erholt sich schneller und leistet danach mehr.

Immer wieder weisen Wissenschaftler darauf hin, dass das Spielen intellektuell anspruchsvolle Schwerstarbeit sei:

  • Strategien entwickeln
  • Entscheidungen treffen
  • Physisch reagieren
  • Und das alles unter Zeitdruck, der mit jedem Level steigt...

Computerspiele tragen "erheblich dazu bei, kulturelle und berufliche Anforderungen besser zu bewältigen", ist der Psychologe Peter Vorderer von der Annenberg School for Communication in Los Angeles überzeugt.

So lernen die Spieler etwa...

  • Teamfähigkeit und Führungsstärke (bei Multiplayer-Games)
  • Sie trainieren logisches Denken
  • Sie verringern Komplexität (bei Strategiespielen) und
  • schulen gleichzeitig ihre Konzentrationsfähigkeit und Stressresistenz (bei Arcade-Shootern).

Kurzum: Ein bisschen Daddeln ab und an ist gut für Geist und Nerven.

Videospiele helfen gegen den geistigen Verfall

Videospiele helfen gegen geistigen VerfallDas zumindest glauben Wissenschaftler der Universität von Iowa um Fredric Wolinsky. Konkret: Ältere Menschen, die zehn Stunden lang Videospiele gespielt hatten, konnten ihre kognitiven Fähigkeiten soweit verbessern, dass sie wieder das Leistungsniveau eines drei Jahre jüngeren Menschen erreichten.

Schon seit Jahren beschäftigen sich Forscher mit der Frage, wann wir geistig altern und wie sich dieser Prozess stoppen oder zumindest verlangsamen lässt. Die Ergebnisse dazu fallen recht unterschiedlich aus. Einige Studien zeigen, dass das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Problemlösungskompetenzen bei Menschen mittleren Alters allmählich abnehmen. Andere Wissenschaftler behaupten, dass der Verlust dieser Fähigkeiten bereits ab einem Alter von 28 Jahren einsetzt.

Unbestritten aber ist, dass es passiert. Und an der Stelle kommen nun ausgerechnet Computerspiele ins Spiel.

Wolinsky und seine Kollegen teilten 681 Personen in vier Gruppen ein, die jeweils noch einmal getrennt wurden in Probanden von 50 bis 64 Jahren und in Probanden, die über 65 Jahre waren. Der einen Gruppe wurden elektronische Kreuzworträtsel zum Lösen gegeben, die anderen sollten ein bisschen mit dem Videospiel "Road Tour" daddeln.

Dabei geht es - kurz gesagt - darum, unterschiedliche Fahrzeugtypen zu identifizieren. Dabei stehen jeweils vier Optionen zur Auswahl, allerdings gibt es mit ansteigendem Level mehr Ablenkungen, um es den Spielern immer schwerer zu machen. Ziel ist also, die mentale Geschwindigkeit und Agilität bei zunehmenden Störquellen zu trainieren.

Ergebnis: Jene Gruppen, die das Spiel mindestens zehn Stunden gespielt hatten, egal ob zu Hause oder im Labor der Universität, konnten ihre kognitiven Fähigkeiten deutlich verbessern. Schon nach zehn Stunden entsprach ihr geistiges Leistungsvermögen dem eines drei Jahre jüngeren Menschen. Probanden, die vier zusätzliche Stunden mit dem Spiel trainierten, waren sogar vier Jahre geistig fitter.

Oder anders gesagt: Der Rückgang der kognitiven Fähigkeiten konnte damit nicht nur verhindert werden, im Gegenteil: Die Geisteskraft nahm sogar wieder zu.

Zugegeben, ähnliche Studie gab es schon vorher, an einigen war auch Wolinsky beteiligt. Genau aus dem Grund fügte er in sein aktuelles Experiment die Kontrollgruppe der Kreuzworträtsellöser ein.

Resultat: Jene Probanden, die das Videospiel gespielt hatten, schnitten in anschließenden Tests jedes Mal deutlich besser ab als diejenigen, die die Kreuzworträtsel gelöst hatten - sowohl bei Konzentration, Lösungsgeschwindigkeit oder Informationsverarbeitung. Die Unterschiede in Altersjahren ausgedrückt reichten von eineinhalb bis fast sieben Jahren im Vergleich zu gleichaltrigen Menschen.

Ego-Shooter trainieren, schneller zu entscheiden

Selbst die oft verschmähten Ego-Shooter wie Call of Duty oder Counter Strike sind besser als ihr Ruf.

Davon sind Kognitioinswissenschaftler um Daphne Bavelier von der Universität von Rochester überzeugt. Sie haben in ihren Experimenten zeigen können, dass Ego-Shooter und andere Computerspiele allerlei Alltagsaktivitäten wie Multitasking, Fahren, Navigieren, Lesen oder Freunde im Gewühl nicht verlieren verbessern können. Vor allem aber helfen sie dabei, blitzschnelle Entscheidungen zu treffen. Und dann auch noch gute.

Bei den vorausgegangenen Versuchen ließen Bavelier und ihre Kollegen ihre Probanden im Alter von 18 bis 25 Jahren einige Wochen lang insgesamt 50 Stunden Computerspiele spielen. Allerdings ballerte die eine Hälfte der Teilnehmer ausschließlich mit Ego-Shootern wie Call of Duty oder Unreal Tournament während die anderen Strategie- oder Rollenspiele wie The Sims absolvierten. Danach mussten die Spieler diverse Tests über sich ergehen lassen, bei denen es vor allem darum ging, zügige Entscheidungen zu treffen.

Und siehe da: Die Anzahl der richtigen Antworten war zwar in beiden Gruppen gleich – doch waren die Actionspieler um rund 25 Prozent schneller. Und das, obwohl alle Probanden zuvor ausgewählt wurden, weil sie eigentlich gar keine Computerspiele mochten.

Falls Sie also Ihr Chef beim Daddeln im Büro erwischt, sagen Sie ihm ruhig, dass Videospiele mehr können als Daumen auf dem Touchscreen Salsa tanzen lassen...

[Bildnachweis: Dean Drobot by Shutterstock.com]