Ich gebe zu, ich bin bei dieser Sache ein wenig befangen. Mein Team und ich geben hier im Blog ja ständige irgendwelche Ratschläge oder Empfehlungen raus. Und natürlich ist es viel leichter anderen Tipps zu geben als selbst einen Rat zu anzunehmen. Besonders wenn es ans Eingemachte geht. Aber was würden Sie sagen: Wer weiß besser was gut für Sie ist – ein Fremder oder Sie selbst?

Was für eine Frage, natürlich ich selbst!, werden Sie jetzt vermutlich denken.

Doch nicht so schnell. Es gibt da ein paar interessante Studien, die etwas anderes sagen. Doch der Reihe nach…

Angenommen, Sie stehen kurz vor einem Date, einem Rendezvous mit einem oder einer Fremden. Doch bevor Sie sich zu der Person an den Tisch setzen, haben Sie zwei Optionen, sich über diese Person zu informieren:

  1. Sie könnten sich ein Foto samt einer Kurz-Autobiografie ansehen.
  2. Oder Sie hören die Einschätzung von jemand, der diese Person kurz zuvor gedatet hat, wobei dieser Ratgeber Ihnen ebenfalls fremd ist.

Wenn Sie wie die meisten Menschen sind, dann wählen Sie Option 1: Die meisten Menschen wollen sich lieber ein eigenes Bild machen, wie Daniel Gilbert und seine Kollegen bereits 2009 bei Experimenten herausgefunden haben. Was die Forscher jedoch auch feststellten: Die Mehrheit lag damit falsch. Mit dem Rat des Fremden wären sie deutlich besser gefahren.

Es wird aber noch besser…

Stellen Sie sich jetzt vor, Sie bekämen die Gelegenheit in ein frisches Weihnachtsplätzchen zu beißen. Wieder gibt es zwei Optionen, um herauszufinden, ob sie es auch genießen werden:

  1. Sie stellen sich vor, wie Sie es essen.
  2. Ein Fremder sagt Ihnen, wie Sie dreingeschaut haben, als Sie den Keks zum ersten Mal gesehen haben.

Na? Jetzt sind Sie schon etwas vorsichtiger mit der Eigenwahrnehmung. Und zwar zu Recht: Diesmal waren es der Psychologe Allen McConnella von der Universität in Miami und seine Kollegen, die das genau so untersuchten und bemerkten: Der fremde Beobachter war viel besser darin einzuschätzen, ob den Probanden der Keks auch wirklich schmecken würde.

Und was lässt sich daraus lernen?

Gleich drei Dinge: Wir sind a) nicht besonders gut darin, einzuschätzen, was uns wirklich gefällt. Dafür sind b) andere Leute, Fremde, umso besser darin – selbst wenn sie dabei nur unser Gesicht betrachten. Und c) auch wenn es schwerfällt, sind Empfehlungen von Dritten oft besser als gedacht.