Als Betreiber einer Seite, die viele Tipps und Ratschläge gibt, kann man bei diesem Thema natürlich nicht unbefangen sein. Und doch ist es gerade auch deshalb für die Leser, also Sie, so interessant. Die Tatsache, dass man zwar viele gute Ratschläge (v)erteilen kann, diese aber trotzdem nur selten umgesetzt werden. Selbst wenn diese gut und richtig sind. Der Psychologe Art Markman von der Universität von Texas in Austin hat sich mit dem Phänomen eingehender beschäftigt – und eine recht spannende Erklärung gefunden.

Das Problem des Dilemmas liegt in der Konstruktion von Ratschlägen und Empfehlungen aller Art. Wer immer sich damit beschäftigt, einen Rat zu geben, beginnt damit die Situation oder das Problem zu analysieren. Dabei begibt derjenige sich dann geistig auf einen immer höheren Abstraktionsgrad (so wie ich jetzt gerade beim Schreiben dieser Zeilen). Das Ergebnis, also die Empfehlung oder der Tipp, tendiert dann dazu, sich auf den idealen Lösungsweg zu fokussieren (was ja eigentlich auch richtig ist). Nur ist das eben eine gedachte Idealhandlung, entstanden durch das abstrakte Zerlegen eines komplexen Problems.

Auf der anderen Seite steht da der- oder diejenige, die den Rat empfängt. Und diese Person denkt so gar nicht abstrakt über ihr Problem nach. Und schon gar nicht bei dessen Bewältigung. Vielmehr konzentrieren wir uns alle, wenn wir mit irgendetwas konfrontiert werden, besonders gerne auf die Details – auch weil diese sich zum Teil durch kleinere Aktionen in Mini-Erfolge verwandeln lassen und wir so glauben, der Lösung schon einen guten Schritt entgegen gekommen zu sein. Doch leider orientieren sich diese kleinen Schritte so gar nicht an der Ideallösung.

Die beste Lösung ist zuweilen die zweitbeste

Oder kurz: Während sich der Ratgeber auf die große, ideale Lösung konzentriert, sieht Betroffene erst mal nur so weit wie sein unmittelbares Problem drängt. Also so gar nicht ideal. Oder wie Art Markman es schreibt:

Putting this together, giving advice puts people in a mindset to think abstractly about situations. As a result, advice tends to focus on ideal courses of action. When people are actually in a situation, though, they tend to focus on the details, and so they often carry out actions that are easy to perform, even if those actions don’t live up to the ideals.

Dumm gelaufen.

Wie sich das Dilemma lösen lässt?

Vielleicht so: Das Ideale und Perfekte mag zwar der Feind des Guten sein. Manchmal ist der beste Rat aber eben doch nur der zweitbeste.