Der Ehrliche ist der Dumme. Heißt es. Es heißt aber auch: Ehrlich währt am längsten. Ja was denn nu? So ganz trivial ist das mit der Ehrlichkeit nicht. Irgendwie gibt es da immer eine Spannung zwischen moralischem Anspruch und Opportunität. Das dachte sich wohl auch eine Gruppe von Forschern aus den USA, Großbritannien und Russland. Allerdings konzentrierten die sich bei ihren Untersuchungen (PDF) vor allem auf unterschiedliche Level von, sagen wir, authentischem Selbstausdruck. Im Klartext: Die 533 Probanden haben entweder gesagt, was sie dachten oder nicht. Resultat: Ehrlichkeit ist in den meisten Fällen eine gute Idee – nur nicht im Job.

Die Forscher verglichen das jeweilige Maß an Aufrichtigkeit mit der Lebenszufriedenheit und dem aktuellen Wohlbefinden ihrer Versuchsteilnehmer. Und tatsächlich: Innerhalb der Familie und unter Freunden tat es den Betroffenen enorm gut, Tacheles zu reden – allerdings immer noch höflich. Man muss ja nicht gleich zum Arschloch mutieren, nur weil man ein Problem offen ausspricht. Die Aussprache aber wirkte in jedem Fall befreiend und steigerte die Stimmung und das Wohlbefinden.

Ganz anders auf der Arbeit: Nicht selten hatte allzu große Offenheit hier negative Konsequenzen. Selbst bei der Frage “Wie geht es dir heute?” ist eine allzu ehrliche Antwort mitunter gefährlich… Gell, du Jammerlappen!?

Spaß beiseite: “Seine wahren Gefühle auszusprechen”, stellt der Studien Co-Autor Oliver Robinson von der Universität von Greenwich fest, sei im Job nur selten klug. “In bestimmten Situationen ist es wesentlich klüger, taktvoll zu lächeln, zu schweigen oder positiver zu klingen als es der Wahrheit entspricht.”