Online-Ruf
Wissen Sie, was man über Sie weiß? Nicht? Sollten Sie aber! Das Internet wächst und wächst, es kennt Antworten zu Karrierefragen, Kommentare zum Klimawandel oder Rezepte für Boeuff Stroganoff. Und immer öfter weiß es auch Wissenswertes über die Fragensteller selbst: Hobbys, Wohnort, Job, der Streit mit dem Chef, die Affäre mit der Kollegin, die eigenen sexuellen Vorlieben, verhuschte Nacktfotos auf dem Kunstledersofa – alles lässt sich problemlos mit ein paar Suchmaschinen-Klicks zusammenrecherchieren. Selbst das, was andere in bester Absicht über jemanden schreiben, Schnappschüsse, die Fremde oder Freunde auf ihre Seiten laden, sogar das Verhalten in virtuellen Diskussionen – all das kann den eigenen Ruf ramponieren. Oder wie Kurt Tucholsky es formulierte: "Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint."

Internet Repuatation und Personal Branding werden immer wichtiger

Und tatsächlich: Immer mehr Personaler werten diese Fundsachen systematisch aus, durchforsten die Online-Vita eines Kandidaten, achten auf Lücken oder Widersprüche im Lebenslauf, auf eine seriöse Darstellung sowie darauf, ob jemand die Schlüsselpersonen seiner Branche kennt und umgekehrt. Profiling heißt das im Fachjargon. Eine US-Umfrage hat dazu ermittelt: 22 Prozent der Arbeitgeber nutzen bereits virtuelle Netzwerke zum Reputations-Check, 9 weitere Prozent haben dies zumindest vor. Vor allem die folgenden Punkte interessieren die Personaler:

  • 41 Prozent suchen nach Hinweisen auf Alkohol- oder Drogenkonsum.
  • 40 Prozent interessiert, ob sie dort diskreditierende Fotos in den Profilen finden.
  • 29 Prozent schätzen so die kommunikativen Fähigkeiten ein.
  • 28 Prozent fahnden nach übler Nachrede über Ex-Arbeitgeber oder -Kollegen.
  • 27 Prozent achten auf falsche oder zweifelhafte Qualifikationen.
  • 22 Prozent schrecken unprofessionelle Profilnamen ab.
  • 21 Prozent suchen nach Links, die etwa auf kriminelles Verhalten hinweisen.
  • 19 Prozent achten darauf, ob vertrauliche Informationen des letzten Arbeitgebers preisgegeben werden.

Nun gibt es zugleich immer mehr Dienstleister, die versprechen, die – freiwillig oder unfreiwillig – beschmutzte Weste wieder reinzuwaschen, einige gegen Geld. Um es gleich zu sagen: Ich halte von einigen dieser Dienste nicht viel.

Juristisch kann man nur etwas gegen unliebsame Einträge machen, wenn diese von Dritten ohne eigene Zustimmung eingestellt wurden – und wenn der Seitenbetreiber bekannt ist. Andernfalls bleibt man auf Goodwill angwiesen.

Und was einmal im Netz steht, kann, wer geübt ist, auch nach der vermeintlichen Löschung noch finden – etwa auf Seiten wie Wayback.

Hinzu kommt: Nahezu alle bieten standardisiert einen Dienst zur permanenten Ruf-Überwachung an. Einen Service, den man etwa bei Google auch gratis bekommt: Einfach einen oder mehrere Google-Alert(s) mit dem eigenen Namen oder Namenszusätzen, wie Wohnort, Arbeitgeber, gelernter Beruf oder auch Schimpfwörter, wie (sorry) "Schlampe" oder (nochmal sorry) "Arschloch" einrichten – und schon bekommt man Post, sobald dazu ein Eintrag im Internet erschienen ist.

Und sich selbst gründlich zu googeln ist ja nun wirklich nicht schwer und vielleicht sogar interessant. Falls Sie dennoch neugierig geworden sind: Hier ein Überblick über die derzeit bekanntesten Rufverbesserer sowie eine Liste diverser Software-Anbieter, Reputations-Dienste und Personensuchmaschinen:

Rufverbesserer / Reputationsschutz

  • Dein Guter Ruf

    Auch der konstenpflichtige Dienst Dein Guter Ruf bietet im Wesentlichen drei Services an: Suchen, Schützen, Entfernen. Die „Suche“ bietet einen Überblick zur eigenen Online-Identität. Das „Schützen“ hilft etwa Eltern, im Dialog mit dem eigenen Kind, die Online-Risiken zu reduzieren. Beim „Entfernen“ sollen – möglichst in Kooperation mit Seitenbetreibern – unliebsame Einträge und Fotos, die negativen Einfluss auf das Privatleben der Auftraggeber haben, aus dem Internet entfernt werden. Die Preise bei Dein Guter Ruf: 9,95 Euro für den Identitäts-Report, 24,95 Euro pro entferntem Eintrag.

  • Saubere Weste

    Mit Saubere Weste ist ein neuer Dienstleister für einen besseren Ruf im Netz gestartet. Die Versprechen sind vollmundig: "Wir suchen das Internet für Sie nach jeglichen Informationen über Sie persönlich, Ihre Firma, Ihr Kind ab und stellen diese in einem monatlichen Bericht für Sie übersichtlich und ausführlich zusammen. Wir entfernen und korrigieren negative, unerwünschte Einträge im Internet für Unternehmen und Personen. [Und] Wir arbeiten mit auf Image-Verteidigung spezialisierten Top-Anwälten Deutschlands zusammen. Schützen Sie mit uns Ihren Namen und Ihren guten Ruf!" Die Preise sind es aber auch: 9,99 Euro für einen monatlichen Reputations-Bericht, 29,99 Euro für das Entfernen rufschädigender Einträge, pro entfernten Eintrag!

  • Webreputation

    Der im Februar 2008 gestartete Dienst ist etwas anders und konzentriert sich vornehmlich auf Geschäftskunden. So können etwa Unternehmen Produktnamen und andere Suchbegriffe im Internet überwachen, wobei Webreputation auch Foren, Blogs und Bewertungsportale im Auge behält. Zudem bietet der Dienst Maßnahmen zur Rufverbesserung an. Das Kernverfahren auch hier: Positive Einträge verdrängen schlechte, andere sollen möglichst gelöscht werden. Preise: leider nur auf Anfrage.

Überwachungs-Software

  • BrandsEye

    Brands Eye bietet gleich mehrere Pakete für Blogger (Kosten: einen Dollar im Monat), kleinere Unternehmen (95 Dollar/Monat) und Konzerne (350 Dollar/Monat) an. Dabei werden dann sämtliche Erwähnungen der Marke (oder Suchbegriffen) im Netz verfolgt, kumuliert und daraus eine Art Reputationswert ermittelt. Ein Unterscheidungskriterium von anderen Diensten ist, dass der Nutzer die einzelnen Suchtags nach eigenen Kriterien gewichten kann.

  • Buzzlogic

    Die Software Buzzlogic soll einen Überblick schaffen über das Gerede (englisch: Buzz) über Sie im Internet. Dazu erstellt das Programm eine Art Dashoboard darüber, wer über Sie was bloggt. Diese Informationen können Nutzer dann auswerten, weiterleiten oder gar eine Watchlist der bedeutendsten Quellen anlegen. Der Dienst richtet sich an zwei Hauptzielgruppen: Marketingexperten und PR-Berater. Erstere sollen so besser verstehen, wie sich ihre Produktmarke entwickelt, die zweite Gruppe soll so gezielt Kontakte zu den Markenbildern aufbauen können.

  • Buzzmetrics

    Von Nielsen kommt Buzzmetrics, eine Software, mit der Kundenkommentare webweit (grafisch) dargestellt und überwacht werden können. Die Applikation ThreatTracker alarmiert – ähnlich wie der Google-Alert – in Echtzeit über neue Reputationsveränderungen, beziehungsweise neues Feedback.

  • Radian6

    Mit Radian6 können mehrere Schlüsselbegriffe im Netz beobachtet warden. Das Dashboard verfolgt diese automatisch und analysiert, wo diese in Blogs, Microblogging-Diensten, Videos oder anderen Webseiten auftauchen und verfasst daraus einen (grafischen) Bericht.

  • Sentiment Metrics

    Sentiment Metrics macht im Prinzip dasselbe wie alle anderen auch: Suchbegriffe in Blogs, Foren, Social Networks überwachen und daraus Reports erstellen. Diese Berichte unterscheiden allerdings sofort zwischen gutem Feedback, negativem oder neutralem und sind grafisch hübsch aufbereitet, so dass man sie auch nach Gruppen, Orten, Alter und Geschlecht der Klatsch-Quellen sortieren kann.

  • Trackur

    Trackur erstellt einen sogenannten “Monitoring Plan” für Privatpersonen (Kosten: 18 Dollar im Monat), für kleinere Unternehmen (88 Dollar/Monat) und Konzerne (197 Dollar/Monat). Wie bei den anderen Diensten auch, werden dazu vorher festlegte Suchbegriffe permanent überwacht und in einem Dashboard aufbereitet. Interessant ist vielleicht noch: Trackur wurde von einem der führenden Experten für Reputationsmanagement entwickelt: Andy Beal.

  • Visible Technologies

    Visible Technologies bietet gleich zwei Services an: TruCast verfolgt, analysiert und wertet die Reputation in Social Media aus – mit dem Vorteil, dass der Nutzer darauf direkt aus der Software heraus reagieren und kommentieren kann; TruView wiederum soll die Reputation online schützen, in dem es – ähnlich wie bei ReputationDefender’s Dienst „MyEdge“ – die Google-Einträge versucht zu manipulieren, mit den positiven Einträgen on top.

Personen-Suchmaschinen

  • Naymz

    Naymz arbeitet nach dem Blog-Prinzip: Möglichst viele vernetzte Personen sollen für das eigene Profil bürgen und es bekannter machen. Schließlich stufen Google & Co. stark vernetzte Seiten höher ein als schwach vernetzte. Tags, Kommentare, Links zu anderen ID-Diensten und Netzwerken können ergänzt werden. Die Seite verleiht zusätzlich einen Reputationsindex, "Rep-Score" genannt, von 10 bis 1 (1 = höchster Wert), der den Verlinkungs- und Repuatationsgrad des eigenen Netzwerks berücksichtigt. Die Aussagekraft ist allerdings gering. Nett: Nicht-Mitglieder können den dort Registrierten über eine Eingabemaske auch direkt eine Mail schicken. Zudem kann man bei Google sogenannte „sponsored links“, also gekaufte Suchbegriffe auf sein eigenes Profil umleiten. Der Preis ergibt sich aus der Häufigkeit der Nachfrage. Funktionale Oberfläche ohne viel Firlefanz.

  • Yasni

    Die Deutsche Personen-Mitmachsuchmaschine (Eigenwerbung) listet zunächst nur Verweise aus Netzen wie Xing oder Stayfriends sowie eine Auswahl aus Webtreffern. Die Yasni-Nutzer können diese allerdings zu einem persönlichen Profil verbinden und so zeigen, was zu ihnen gehört und was nicht. Als Kontrollinstanz dienen die restlichen Nutzer, die die Glaubwürdigkeit des Profils bewerten und damit vor Identitätsraub schützen sollen. So entsteht gleichzeitig ein Netzwerk, das den Googlerang des eigenen Profils erhöht. So jedenfalls der Plan.

  • Zoominfo

    Der Dienst ist eine Hybrid aus Suchmaschine und Netzwerk. Interessierte können mit Zoominfo gezielt nach Unternehmen, Personennamen oder Jobangeboten suchen. Wer mehr über eine Person weiß, kann die Suche auch nach Ort, Unternehmensgröße oder Gehaltsklasse eingrenzen. Letzteres funktioniert bisher allerdings nur für den US-Markt.

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