Trotz Feierabend läuft der Jobfilm weiter: 37 Prozent der Fach- und Führungskräfte in Deutschland können nach der Arbeit nicht abschalten und grübeln auch daheim noch über Job, Projekte und Probleme, bei 48,5 Prozent taucht dieser Zustand immerhin noch gelegentlich auf. Nur bei 14,4 Prozent der Angestellten ist nach Dienstschluss auch wirklich Feierabend im Kopf. Das ist das Ergebnis einer Stellenanzeigen-Umfrage, an der rund 900 Fach- und Führungskräfte teilgenommen haben.

Dieses Grübeln ist jedoch extrem gefährlich. Unsere Gedanken haben enorme Macht. Wir reflektieren ständig unser Verhalten, analysieren uns, kritisieren uns, loben uns, schmieden Pläne. Dieser innere Dialog prägt unser Handeln und unsere Gefühle zu 95 Prozent! Mehr noch: Dieses ständige Reflektieren ist einer der größten Stressoren. Das belegt etwa ein Experiment von William Gerin von der Columbia Universität: Je 30 Frauen und Männer sollten sich an eine Situation aus dem vergangenen Jahr erinnern, bei der ihnen der Kragen geplatzt war. Noch während sie das Übel ihren Versuchsleitern schilderten, schnellten bei allen Blutdruck und Herzfrequenz nach oben. Sie zeigten sämtliche Symptome von akutem, starkem Stress. Damit war der Versuch nicht vorbei: Kurz darauf wurden die Teilnehmer in einen Ruheraum geschickt – im ersten Durchlauf war dies ein karges Wartezimmer, beim zweiten bot der Raum reichlich Ablenkung in Form von Zeitschriften, Geschicklichkeitsspielen und einer Pinnwand mit bunten Postkarten. Effekt: Bei jenen, die sich ablenken konnten, kreisten nur noch 17 Prozent der Gedanken um den Ärger, bei den isolierten Grüblern dagegen waren es 31 Prozent – fast doppelt so viel. Sie beruhigten sich auch erst elf Minuten später als die Zerstreuten. Fazit: Ständiges Grübeln hält den Stresslevel auf konstantem Niveau – unabhängig vom Ereignis.

Wer schon nicht abschalten kann, sollte deshalb wenigstens mit jemanden über die Dinge reden, die ihn beschäftigen. Reden hilft – was der Volksmund schon lange weiß, ist längst auch wissenschaftlich belegt. Egal, ob über Probleme im Projekt, Ärger daheim oder generellen Frust im Büro – die Aussprache erleichtert die Seele nicht nur, sie verbessert auch nachhaltig die Stimmung, wie Untersuchungen des Psychologen Matthew Lieberman von der Universität von Kalifornien in Los Angeles ergaben. Sobald wir Bedrückendes benennen und uns darüber mit anderen austauschen, wird das Gehirn wesentlich stärker aktiviert als wenn wir über den Kummer nur grübeln. Das wiederum hat zur Folge, dass die negativen Emotionen schneller nachlassen sowie zügiger und besser verarbeitet werden.