Wie wählen Sie eigentlich Ihre Arbeit-Outfits aus? Am wichtigsten wird vermutlich die seriöse Wirkung der kombinierten Kleidungsstücke sein. Und Sie werden darauf achten, dass der Schnitt Ihrer Figur und ihrem Körperbau schmeichelt. Vielleicht erwägen Sie sogar aktuelle Trends. Aber denken Sie auch darüber nach, welche Wirkung die Farben Ihrer Kleidung auf Mitmenschen haben könnte? Nein? Riesenfehler! Dass der psychologische Effekt von verschiedenen Tönen alles andere als esoterischer Schnickschnack ist, haben verschiedene Experimente immer wieder bewiesen. Nicht nur an den Wänden nehmen Farben Einfluss auf unsere Aufmerksamkeit oder Kreativität, auch direkt am Körper ist ihre suggestive Kraft nicht zu vernachlässigen.

Ein Mann sieht Rot. Frau aber auch

Liebe, Feuer, Streit, Leidenschaft, Schmerz – all diese Eigenschaften verbinden wir mit Rot. Entsprechend ist es auch keine Überraschung, dass die wohl intensivste Farbe den größten emotionalen Einfluss hat. So zeigten Forscher der Universität Rochester männlichen Probanden das Foto einer durchschnittlichen Frau mit blauem Pullover. „Allenfalls mittelmäßig attraktiv“, lautete das Urteil der Herren. Änderten die Psychologen die Farbe des Oberteils aber zu Rot, zeigten die Teilnehmer plötzlich großes Interesse an der Dame und waren sogar bereit, 100 Dollar für ein gemeinsames Date auszugeben.

Umgekehrt schreiben auch Frauen Männern in Rot mehr Attraktivität zu. Forscher derselben Universität ließen weibliche Probanden das schwarz-weiß Foto eines Mannes im Poloshirt bewerten. War der Rahmen rot statt weiß, vergaben sie im Schnitt einen Punkt mehr für sein Aussehen. Bei späteren Experimenten befanden sie auch Männer im roten T-Shirt als attraktiver und sagten ihnen sogar machtvollere Positionen nach.

Rot kann jedoch auch anders. So verbinden wir in manchen Situationen Aggressivität und Dominanz mit dieser Farbe. Ähnlich wie Worte einer Sprache hat der Farbton als Zeichen mitunter verschiedene Bedeutungen. Das bewies die Verhaltensbiologin Sarah Pryke von der Macquarie Universität in Sydney mit einem Versuch zum Verhalten von Prachtfinken. Sie züchtete dafür verschiedene Linien, die jeweils einen roten, schwarzen oder blauen Schopf besaßen. Effekt: Ein Kampf ums Futter enstand nie – die beiden anderen Finken gaben in jder Situation sofort dem rotschopfigen Artgenossen den Vorzug. Obwohl sie dieser Version ihrer Rasse vorher noch nie begegnet waren.

Der Ton macht die Musik

Natürlich sind wir Menschen keine Finken. Dennoch rät Knigge- und Stil-Beraterin Christina Tabernig von Rot beim Erstkontakt oder Vorstellungsgepräch ab. Wer diese Farbe trägt, müsse sich bewusst sein, dass er oder sie damit automatisch im Mittelpunkt steht und alle Aufmerksamkeit auf sich zieht – womöglich auch dann, wenn man es gar nicht will. Deshalb sollte eine Frau ein rotes Kleid oder Kostüm ausschließlich dann wählen, wenn sie qua Funktion (Sie präsentiert etwas) oder ganz bewusst herausstechen will. Dass die Farbe zugleich unterschwellig eine sexuelle Botschaft transportiert, sollte sie sich aber ebenfalls bewusst machen und bei der Auswahl des Schnitts berücksichtigen. Bei den Herren sollte diese Farbe ohnehin nur in der Krawatte auftauchen und auch nur, wenn die Signalwirkung ausdrücklich erwünscht ist.

Generell gilt daher: Farbakzente wie das modische Colour-Blocking werden idealerweise nur am oberen Teil des Körpers durch einen Schal oder eine Krawatte gesetzt.

Das Dilemma: „Farben ziehen das Auge an. Wir wollen aber, dass unser Gegenüber das Gesicht anblickt”, sagt Christina Tabernig. Das werde durch das sogenannte Konstrastdreieck unterstützt. Dieses entsteht durch die Form eines geschlossenen dunklen Blazers oder Sakkos zusammen mit der weißen Füllung durch ein helles Hemd oder eine Bluse und zuletzt mit dem Farbtupfer einer Krawatte oder eines Schals. Zudem sollte das Outfit nach oben hin stets heller werden, weil das zusätzlich das Gesicht frischer erscheinen lässt.

Auch die Farbe, die sich die (amerikanische) Polizei gern zunutze macht, sollte beim Erstkontakt lieber im Schrank bleiben: Schwarz, gilt als Zeichen hoher Autorität und Macht. Und das könnte abschrecken. Stattdessen empfiehlt Tabernig einen braunen Anzug, falls es die Branche erlaubt. „Mit dieser Farbe verbinden wir Natur, Wärme und Freundlichkeit.“

Umgekehrt kann die Wirkung von Schwarz freilich auch gezielt eingesetzt werden, zum Beispiel bei Vertragsverhandlungen, um seinen Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen. Das freundliche Gegenstück – der weiße (Hosen-)Anzug – darf übrigens nur im Sommer getragen werden. An Männern wirkt das allerdings immer latent unseriös bis flippig. Apropos…

Diese Farbkombinationen gehen gar nicht:

  • Braun (außer Leder)+Schwarz
  • Braun+Grau
  • Rot+Rosa
  • Rot+Lila
  • Lila+Gelb
  • Schwarz+dunkles Blau (außer Nachtblau)
  • Weiß+Cremefarben
  • mehr als drei verschiedene Farben
  • zwei nah aneinander liegende Schattierungen derselben Farbe

Auf den Typ kommt es an

Auch wenn manche Kombinationen überhaupt nicht zusammenpassen – es bleiben aber noch zahlreiche Optionen übrig. Nur: Wie lassen sich die richtigen Farbtöne, abgesehen von persönlichen Vorlieben, auswählen?

Wichtig ist dafür vor allem das individuelle Erscheinungsbild. Extrem kleinen Menschen empfiehlt die Image-Beraterin Petra Schreiber zum Beispiel Ton-in-Ton-Kombinationen, die den Körper optisch strecken. Umgekehrt sei es für große Menschen ratsam, das Outfit zu unterbrechen: entweder durch verschiedenfarbige Ober- und Unterteile oder einen farblich abgesetzten Gürtel. Bei der Wahl aber immer berücksichtigen: Helle Töne tragen auf.

Auch die Persönlichkeit kann durch die Farben gespiegelt werden. Modische Pastelltöne strahlen zum Beispiel Freundlichkeit aus. Diese aber nur einzeln verwenden, sonst wirkt das Outfit zu süßlich und mädchenhaft. Knalligere Outfits dagegen vermitteln eher Kreativität und Selbstbewusstsein.

Ebenso hilfreich ist die Einteilung in die Vier-Jahreszeiten-Typen. Wer sie noch nicht kennt: Hellere Menschen mit blonden Haaren werden eher dem Sommer und Frühling zugeteilt. Solche Sommertypen sollte sich auf milde Farben wie Flieder oder Taupe beschränken. Der Frühlingstyp mit gold- oder pfirsichtöniger Haut darf zu knalligen Farben wie Rot oder hellem Grün greifen. Dunkelere Typen mit rötlich braunen Haaren gehören dem Herbst an. Ihnen rät Petra Schreiber zu gedeckten Farben, wie Creme, Lachs oder dem angesagten Mint. Für den Wintertypen mit schwarzen oder platinblonden Haaren eignen sich wiederum leuchtende Farben wie Königsblau oder ein eisiges Rosa.

(Bildnachweis: Austin Reed, Heine, Heine, Heine)

Falls Sie sich in das Thema noch etwas tiefer einlesen wollen, haben wir noch diese Infografik. Sie befasst sich vor allem mit der Frage, wie einzelne Farben je nach Geschlecht wahrgenommen werden.

Lieblingsfarbe: bunt