Depressionen im Studium Glaswand traurig
Depressionen werden gerne als Krankheit des 21. Jahrhunderts bezeichnet - immer mehr Menschen halten den Leistungsdruck im Job und im Studium nicht aus und bekommen schwere psychische Störungen. Überraschend: Es trifft auch immer mehr Studenten - die Studienzeit wird zum Albtraum, obwohl sie den jungen Akademikern als aufregende und ereignisreiche Zeit in der Erinnerung bleiben sollte. Die gute Nachricht ist: Haben Sie die ersten Anzeichen der Krankheit erkannt, können Sie eine ausgewachsene Depression im Studium vermeiden und vorbeugen...

Depressionen: Definition

Der Begriff Depression stammt vom lateinischen Wort deprimmere, was meist mit niederdrücken übersetzt wird. Es ist eine schwere psychische Störung, die sich aus stressbedingter Erschöpfung entwickelt und sich im Interessenverlust, in Antriebslosigkeit und Niedergeschlagenheit äußert – allgemein: in einer negativen und gedrückten Stimmung.

Natürlich hat jeder Mensch mal Frust und schlechte Laune. Bei Depressionen beherrscht diese Gemütslage aber das Leben und senkt erheblich die Lebensqualität des Betroffenen. Diese Krankheit kann in jedem Alter und in allen sozialen Gruppen entstehen.

Depressionen im Studium: Jeder Fünfte ist betroffen

Depressionen im Studium bücher lernenDas Studentenleben hat sich stark gewandelt. Nach den Vorlesungen müssen viele Kommilitonen noch zum Studentenjob hetzen oder verbringen den Abend in der Bibliothek beim Lernen. In der vorlesungsfreien Zeit werden Praktika und Prüfungen absolviert oder weitere Ferienjobs angenommen. Statt süßem Studentenleben und Partyabenden erleben viele ihr Studium bereits als Fulltimejob, aber ohne Urlaub.

Hinzu kommt: Die Regelstudienzeit von sechs Semestern für einen Bachelor und vier Semestern für einen Master ist neben Prüfungen und Jobs kaum zu schaffen. Die zunehmende Sorge um den Berufseinstieg nach dem Studium tut ihr Übriges dazu.

Laut einem Report der Techniker Krankenkasse aus dem Jahre 2015 (PDF) leiden die Hälfte der Studentinnen und jeder vierte Student an stressbedingter Erschöpfung. Rund 21 Prozent der Studierenden bekamen im Jahr 2013 diese Diagnose – Tendenz steigend.

Davon nahmen wiederum vier Prozent therapeutische Hilfe in Anspruch und bekamen Antidepressiva verordnet – laut der Techniker Krankenkasse 43 Prozent mehr als im Jahr 2006.

Dabei gaben die Studenten folgende Faktoren als Stressauslöser an:

  • Prüfungen (52 Prozent)
  • Lernstoff (28 Prozent)
  • Doppelbelastung von Studium und Nebenjob (26 Prozent)
  • Angst vor schlechten Noten (26 Prozent)
  • Arbeitslosigkeit nach dem Abschluss (23 Prozent)

Depressionen im Studium vorbeugen

Entscheidend ist, möglichst frühzeitig zu erkennen, ob und wie Ihnen das Studium zusetzt und eine aufkommende Depression rechtzeitig festzustellen. Hat diese sich erst einmal vollends entwickelt, werden Sie ohne ärztliche und gegebenenfalls medikamentöse Hilfe kaum einen Ausweg finden.

Die folgenden Empfehlungen können dabei helfen, einer Depression vorzubeugen:

  • Achtsam sein

    Eine Depression entsteht nicht plötzlich aus dem Nichts – sie kommt schleichend, entwickelt sich aus anhaltenden Stressfaktoren und steigt langsam an. Hat sie erst Ihren Alltag im Griff, raubt sie Ihnen die Lust am Lernen und am Umgang mit Kommilitonen - dann ist es schwer, sie wieder aus Ihrem Leben zu verbannen.

    Achten Sie auf Ihren Gemütszustand: Merken Sie hier und da starke Stimmungsschwankungen und eine Art Achterbahn der Gefühle im Alltag, muss das noch keine Depressionen sein. Wird dieser Zustand aber chronisch und steuern Sie auf einen stabilem Tiefpunkt über mehrere Wochen oder sogar Monate zu, ist es Zeit gegenzusteuern. Nehmen Sie sich eine Pause von einigen Tagen, schalten Sie richtig ab und unternehmen Sie etwas, dass Sie aufheitert.

    Quält Sie wiederum ein Gedanke und lässt Sie nicht los, versuchen Sie ihm entgegenzuwirken: Haben Sie zum Beispiel Angst, dass Sie nach dem Abschluss keine Arbeitsstelle finden? Schauen Sie sich passende Stellenangebote im Internet an, um eine Vorstellung von zukünftigen Jobs und deren Anforderungen zu bekommen. Vielleicht können Sie ja im Studium die Fächer noch entsprechend anpassen? Oder suchen Sie sich ein Praktikum. Teils eröffnet es gute Chancen auf einen Job nach dem Abschluss.

  • Die Ursache suchen

    Wann hat Ihre Dauerlaune angefangen? Was war der Auslöser? Häufig sind es am Anfang die Kleinigkeiten, die sich zu einem größeren Problem aufschaukeln – eine schlechte Note oder Kritik am Referat, ein Gespräch mit einem Kommilitonen oder eine stressige Situation zu Hause... Kennen Sie die Ursache, können Sie Gegenmaßnahmen einleiten.

    Mitunter entstehen Depressionen nicht im Kopf, sondern im Körper – durch den Mangel an Vitamin D, allgemein auch als Winterdepression bekannt. Diese Krankheit tritt häufig bei Studenten auf, die die meiste Zeit in Universitätsgebäuden und Zuhause vor dem Lernstoff verbringen. So bekommen sie nicht viel von den Sonnenstrahlen ab - und damit dem wichtigsten Vitamin D-Lieferanten. Effekt: Wichtige Nährstoffe können nicht verarbeitet werden.

    Immerhin: Diese Ursache lässt sich - im Gegensatz zu psychischen Störungen - schneller beseitigen. Entweder Sie gehen zum Lernen häufiger in die Sonne oder Sie nehmen entsprechende Nahrungsergänzungsmittel ein – besprechen Sie dies zur Sicherheit sowie die genaue Menge und Zusammensetzung aber bitte mit Ihrem Arzt.

  • Nicht unter Druck setzen lassen

    Der ständige Vergleich von Noten und von Erfolgen zu anderen Kommilitonen lässt den Druck stetig steigen. Hat der oder die andere schon genaue Zukunftspläne, und Sie hängen noch in der Luft? Hat er oder sie einen Praktikumsplatz in einem tollen Unternehmen - Sie haben sich aber noch keine Gedanken darüber gemacht? Die wiederholte Konfrontation mit den Erfolgen anderer Kommilitonen vermittelt manchem das Gefühl, ein Versager zu sein. Was aber Blödsinn ist!

    Setzen Sie sich nicht unter Druck – es wird immer jemanden geben, der besser ist: bessere Noten, besserer Arbeitsplatz, besseres Praktikum. Werden Sie sich bewusst, dass es um Ihre eigene Zukunft geht – und die ist nicht mal in Stein gemeißelt. Auch mit Ihren Noten und Ihrer Leistung können Sie einen Spitzenjob bekommen – sogar, wenn Ihr Notendurchschnitt nicht mit einer Eins beginnt.

  • Realistische Ziele aufstellen

    Wie soll Ihre Zukunft aussehen? Haben Sie sich bewusst für dieses Studium entschieden, weil Sie schon immer einen bestimmten Beruf ausüben wollten? Dann steht Ihr langfristiges Ziel vermutlich schon fest. Lag die Entscheidung für ein Studienfach eher an den eigenen Fähigkeiten – zum Beispiel, weil Sie schon immer gut in Mathematik waren und deshalb Wirtschaftswissenschaften studieren – wissen die meisten noch nicht, in welche Branche Sie später gehen. Das kann ebenfalls verunsichern. Lässt sich aber mit etwas Recherche (zum Beispiel hier auf der Seite) leicht beheben.

    Bei einer aufkommenden Depression sollten Sie allerdings das besondere Augenmerk auf die kurzfristigen Ziele richten: Was müssen Sie bis zum Ende der Woche erledigen, um das Lernpensum zu schaffen? Welche Referate stehen nächste Woche an und wie lange brauchen Sie für die Vorbereitung? Nutzen Sie visuelle Hilfsmittel wie Kalender oder Post-its, die Sie gut sichtbar in der Wohnung platzieren. Sie können auch Listen machen, in denen Sie eine größere Aufgabe in kleinere splitten, zum Beispiel bei einer Seminararbeit:

    • Schritt 1: Die Recherche durchführen
    • Schritt 2: Das Gerüst der Hausarbeit und der Präsentation erstellen
    • Schritt 3: Die Präsentation erstellen
    • Schritt 4: Das Referat halten
    • Schritt 5: Die Hausarbeit schreiben

    Führen Sie sich den Plan vor Augen und bis wann die Schritte durchgeführt werden müssen. Oft helfen die kleinen Erinnerungen in der Wohnung dabei, sich selbst weniger unter Druck zu setzen. Und denken Sie anschließend an das gute Gefühl, wenn Sie den Zettel wegwerfen, sobald eine Aufgabe fertig ist.

  • Hilfe suchen

    Es sind meistens die Freunde oder die Familienmitglieder, die Ihre Depression zuerst bemerken – Sie selbst ahnen am Anfang wahrscheinlich nichts davon. Vielleicht schämen Sie sich auch oder halten es für ein Zeichen von Schwäche – beides zu Unrecht. In dieser Situation sind Sie stark auf die Hilfe der Menschen in Ihrer Umgebung angewiesen – schon ein Gespräch in ruhiger Atmosphäre kann Ihnen Erleichterung bringen.

    Haben sie die Anzeichen einer Depression erkannt, werden Freunde versuchen, mit Ihnen darüber zu sprechen . Schotten Sie sich dann bitte nicht ab. Es wird Sie niemand zwingen, einen Arzt oder Psychologen aufzusuchen (obwohl das keine schlechte Idee ist). Versuchen Sie es im Zweifel erst mit anderen Methoden: einen Ausgleich zum Alltagsstress, zum Beispiel durch Sport an der frischen Luft, ausgewogene Ernährung mit ausreichender Menge an Nährstoffen und regelmäßige Gespräche mit Freunden und Verwandten.

Depression ist eine komplizierte Krankheit, die schwer zu behandeln ist, wenn sie zu weit fortgeschritten ist. Deshalb ist es wichtig, sie bereits bei den ersten Anzeichen zu behandeln und Gegenmaßnahmen einzuleiten. Auch dieser Artikel kann und soll die Behandlung durch einen Facharzt nicht ersetzen, sondern lediglich Anhaltspunkte liefern.

Uns ist vor allem daran gelegen, dass Sie gesund bleiben und auf sich achten.

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