Ein Gastbeitrag von Wirtschaftsingenieur Simon Hilkert
Wer kennt diese Situation nicht? Während man die Präsentation vorbereitet, auf die der Chef schon ungeduldig wartet, versagt mal wieder die Technik. Die PowerPoint-Präsentation möchte einfach nicht vom Beamer an die Wand.
Viele Male ist mir das bereits passiert. Jedes Mal scheitert es an einem anderen Grund. “Ruhig bleiben! Lösungen suchen!”, denke ich mir, “Du wirst die Situation schon klären können.”
- Ist der Beamer an?
- Steht die Kabelverbindung?
- Wurde die Bildübertragung eingeleitet (Windows-Taste + P)?
- Wurde der Beamer vom Laptop erkannt?
Doch nichts führt zu einer Lösung des Problems. “Wäre auch zu schön gewesen, wenn es heute einmal ausnahmsweise klappen würde”, fluche ich vor mich hin und greife verzweifelt zur letzten Möglichkeit: Systemneustart.
Doch auch das hilft nicht. Der Chef gibt entnervt auf. “Dann verschieben wir die Präsentation auf ein anderes Mal. Bis dahin haben Sie die Technik bitte im Griff.”
Sofort rufe ich beim IT-Helpdesk an und lasse einen Techniker kommen. Der IT-Spezialist spult dasselbe Prozedere ab, das ich eben schon durchgeführt habe und fragt anschließend: “Haben Sie es auch schon mit einem Neustart des Betriebssystems versucht?”.
Ich nicke nur und weiß, dass nun genau das kommt, was ich schon zu oft in meinem kurzen Berufsleben beobachten musste.
Der Techniker startet das Notebook neu und siehe da – der Beamer wirft das Bild wie erwartet an die Wand. “Den Weg hätte ich mir sparen können, Herr Hilkert. Das nächste Mal starten Sie den Laptop einfach selbst neu!”
Ich versuche mich noch rauszureden, “Genau das habe ich doch gemacht!”, wohl wissend, dass man meinen Äußerungen keinen Glauben mehr schenken wird.
Der IT-Spezialist grinst hämisch und erwidert bloß. “Sicherlich haben Sie es selbst ausprobiert und wir IT-ler haben einfach einen Goldenen Finger.
Tolles Ergebnis: Der Chef ist sauer, dass die Präsentation nicht geklappt hat und ich bin von dem Kollegen aus der IT bloßgestellt worden. Doch was hat der Techniker, denn anders gemacht als ich? Nichts. Dafür hat einmal mehr das Phänomen zugeschlagen, welches ich seit dieser Begegnung nur noch den Goldenen-Finger-Effekt nenne.
Was steckt dahinter? Ist es der Vorführeffekt? Purer Zufall? Ist der ITler tatsächlich besser im Neustarten von Computern?
Den Grund dieses Effekts kann ich nicht benennen. Als rational denkender Mensch komme ich hierbei einfach zu keiner erklärbaren Lösung. Aber auch andere Menschen haben dieses Phänomen beobachtet. Höchstwahrscheinlich haben auch Sie dieses Phänomen schon einmal erlebt. Einige meiner Kollegen jedenfalls hatten ähnliche Situationen. Und immer hat der IT-Spezialist das Problem gelöst, indem er dieselbe Lösungsmethode wie die Kollegen zuvor wiederholt hat.
Das aber erstaunlichste am Goldenen-Finger-Effekt ist: Wenn ich das ganze Prozedere bei fremden Computern (zum Beispiel Kollegen und Familie) anwende, klappt es in der Regel auch bei mir. In der Regel jedenfalls. Dann sage ich mir: “Ich habe zumindest einen halben Goldenen Finger.”
Für eine Karriere im IT-Helpdesk reicht diese Hälfte allerdings nicht.
Über den Autor
Simon Hilkert, 24, ist Student des Wirtschaftsingenieurswesens an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.







andreb
Ich glaube das hat etwas mit Wahrscheinlichkeitsrechnung zu tun.
Wenn die Wahrscheinlichkeit das der “Versuchsaufbau” funktioniert bei 90% liegt, so liegt die Wahrscheinlichkeit dafür das es nicht funktioniert bei 10%. Die Wahrscheinlichkeit das beim ersten einstöpseln etwas nicht geht liegt demnach bei 10%, also alles prüfen, Runterfahren, hochfahren, geht noch nicht (weil wieder die Wahrscheinlichkeit von 10%). Der It Technicker der dann komm hat einfach nur Glück. I.d.R funktionieren solche Vorträge ja auch dann nicht wenn man in Eile ist, weil halt doch mal ein Fehler passiert….