Ein Gastbeitrag von Mara Brinkmann
Gegensätzlicher könnte das Ergebnis kaum sein: Laut der aktuellen Umfrage einer Online-Jobbörse hatten rund 60 Prozent der Arbeitnehmer schon einmal eine Beziehung zu einem Kollegen. Das britische Boulevardblatt Daily Mail hingegen berichtet, jeder fünfte Arbeitnehmer hasst seinen Kollegen. Es ließe sich daraus leicht folgern, in deutschen Unternehmen ist das Klima so Friede, Freude, Liebe – auf der britischen Insel dagegen ein Hauen und Stechen. Aber das wäre zu kurz gesprungen.
So extrem die beiden Umfrageergebnisse auseinander liegen – so naheliegend ist ihre gemeinsame Frage: Wie viel Nähe unter Kollegen ist richtig?
Lieber morgens kurz kühl grüßen und das Zwischenmenschliche auf ein paar berufliche Mails und Meetings begrenzen? Oder bei der Weihnachtsfeier auch mal auf den Schoß des Kollegen setzen? Schwierige Frage mit unterschiedlichen Komplikationen. Da ist zum Beispiel…
Szenario 1: Die Liebesbeziehung am Arbeitsplatz.
Passiert häufig, da der Arbeitsplatz ein Ort ist, an dem man sich intensiv kennenlernt. Wir können dort beobachten, wie jemand auf Stress reagiert und welche Stärken und Schwächen er oder sie hat. Und vorsortiert ist der Auswahlpool auch schon: Wer in einem Team arbeitet, hat oft ähnliche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Interessen und verfolgt gleiche Ziele. Schwieriger aber wird es, wenn die Beziehung nicht zwischen Teammitgliedern, sondern Vorgesetzten und Angestellten entsteht. Neutralität und Gleichberechtigung anderer Kollegen gehen dann in vielen Fällen verloren. Was das Betriebsklima empfindlich stört. Auch schwierig: Wenn das Unternehmen in Schwierigkeiten gerät, können beide oder nur ein Arbeitsplatz bedroht sein. Das bedroht nicht nur die finanzielle Situation, sondern auch die Loyalität unter den Partnern.
Szenario 2: Der Kollege wird zum Freund.
Freunde am Arbeitsplatz können zwar die Freude auf den Arbeitstag und somit die Motivation deutlich erhöhen, führen jedoch auch zu Belastungen. Was privat gut funktioniert, kann beruflich schief gehen. Die Freundschaft muss Belastungen und Stresssituationen ertragen, die im Privatleben nicht auftauchen: Das Marketing hätte gerne mehr Budget, das Controlling will sparen – solche Konflikte, die im Beruf im Idealfall auf sachlicher Ebene ausgetragen werden, können eine Freundschaft belasten. Oder die Freunde kungeln – zum Nachteil des Arbeitgebers. Bei Anstellungen auf selber Ebene können zudem Konkurrenzgefühle die Freundschaft auf die Probe stellen. Und was ist beispielsweise bei Fehltritten des Freundes? Muss man dann bedingungslos zu ihm stehen?
Szenario 3: Hass.
Glaubt man der britischen Studie gibt es eben auch das: blanken Hass unter Kollegen. Für den Arbeitsalltag nicht wirklich förderlich. Intrigen und das Verbreiten von Klatsch und Tratsch rauben nicht nur eine Menge Zeit, sondern vor allem Nerven und Vertrauen. Frauen tratschen dabei mehr und aus anderen Gründen als Männer. Hier stehen vor allem Neid und Angst vor Bedrohung der eigenen Position im Vordergrund. Bei Männern werden vor allem faule Kollegen Opfer von Lästerangriffen.
Darf es ein bisschen näher sein?
Das Verhältnis zu Kollegen – es bleibt ein Spannungsfeld. Wichtig in jeder Lage aber bleibt auch:
- Reden Sie mit den Betroffenen und gehen Sie offen mit der Situation um. Für eine Beziehung heißt dies nicht, sie am Arbeitsplatz auszuleben, sondern Kollegen und Vorgesetzte über die Situation zu informieren.
- Schaffen Sie klare Verhältnisse. Wenn Sie Berufliches und Privates strickt trennen möchten und den Kontakt zu Kollegen in der Freizeit meiden, führt dies bei einigen Kollegen sicher zu Unmut. Mit einer Erklärung erreichen Sie jedoch eher Verständnis, als mit Ignoranz und Schweigen.
- Sind Sie in der Situation als Vorgesetzter, stellen Sie Regeln auf. Damit ist nicht ein Verbot von Privatbeziehungen am Arbeitsplatz gemeint, sondern beispielsweise ein Vorgehensplan für Konfliktsituationen. An diesen haben sich alle Mitarbeiter zu halten, egal, in was für einem Verhältnis sie zueinander stehen. Passen Sie sich verschiedenen Bedingungen entsprechend an und versuchen Sie, unterschiedliche Interpretationen von Arbeitsverhältnissen zu akzeptieren.
Ein klares Richtig oder Falsch gibt es hierbei leider nicht. Das richtige Maß an Nähe unter Kollegen – es ist von der jeweiligen Situation abhängig. In jedem Fall aber sollten Sie versuchen, mögliche Probleme zu verbalisieren und offen anzusprechen – je früher, desto besser.
Über die Autorin
Mara Brinkmann ist Mitarbeiterin von Karrierefaktor. Sie betreut das Portal redaktionell und ist für Kooperationen mit weiteren Plattformen zuständig. Außerdem kümmert sie sich um die Social Media Auftritte bei Twitter und Facebook. Karrierefaktor stellt – wie die Karrierebibel auch – Tipps rund um die Themen Karriere, Bewerbung, Social Media und Weiterbildung bereit und bietet Berufseinsteigern, Studenten sowie Fach- und Führungskräften wichtige Informationen für den beruflichen Erfolg.
Bewerbungstipps: Die perfekte Bewerbung
Bewerbungsvorlagen: 16 kostenlose Muster zum Download
Denksport: 50 Brainteaser für Jobinterviews
Smalltalk-Tipps:



Bewerbungs-Dossiers zu Mappe, Anschreiben, Lebenslauf, Bewerbungsfoto und Zeugnissen.
Die besten Tipps und Dossiers für das Vorstellungsgespräch: So überzeugen Sie jeden Personaler.

Kevin Pliester
Wir haben auch das Problem, dass die Frau unserer Geschäftsführers einen Platz in unseren Reihe gefunden hat.
Man kann ihr nichts anhaben, egal wie sie zu einem reagiert. Sie ist total faul und lässt sich natürlich auch nichts sagen, weil man direkt Probleme mit dem “größten Übel” hat.
Sehr nützlicher Beitrag, für alle Liebenden unter uns.
Michael
Guten Morgen,
bei allen genannten Punkten gibt es meiner Meinung nach nur eine einzige Lösung: Professionalität. Man wird immer mal wieder Kollegen und Vorgesetzten begegnen, die man persönlich nicht leiden kann. Das spielt jedoch in meinen Augen beruflich keine Rolle, denn erstens kann man sich Kollegen nun einmal nicht aussuchen und zweitens (viel wichtiger) sollte doch der Erfolg des Unternehmens im Vordergrund stehen. Da hat jeder etwas von. Zu dieser Professionalität gehört es, sich zu begrüßen, auch wenn man nicht auf einer Wellenlänge liegt, es gehört dazu sich respektvoll zu behandeln, aber auch die Grenze aufzuzeigen, dass sich dies auf den beruflichen Sektor bezieht. Mit dieser Einstellung bin ich bisher gut gefahren, bewahre mich so vor überschwänglichen Lästerarien und Hass auf Kollegen verspüre ich schon gar nicht.
heroes
Klasse Artikel!
Gerade soche Beiträge über Kollegen und Tipps zum Umgang mit Mitarbeitern sind der Grund warum ich gerne auf eurer Seite bin.
Pingback: Kunterbunte Blogger-Welt: Fastenkur, Dark Knight, Bubble Tea | Jeden Tag ein Tipp