Es gibt Tage, die fangen schwach an und lassen dann stark nach. Arbeitstage nach einem verlängerten Wochenende gehören dazu. Die Tage zwischen den Jahren irgendwie auch. Vor allem aber der erste Tag nach einem längeren Urlaub – dann, wenn der Wecker zur gefühlten Nachtzeit klingelt und man zurück in die karge Bürozelle und den längst überquellenden Schreibtisch muss.
Nächste Woche ist es soweit, dann enden auch die Sommerferien der beiden diesjährigen Späturlaubsländer Bayern und Baden-Württemberg. Doch statt Arbeitseifer folgt bei vielen doch nur Abgeschlagenheit. Der häufigste Grund: ein kleiner Jetlag. Wer, sagen wir, zwei Wochen lang bis in die Puppen feiert, fläzt und morgens bis 10 Uhr ausschläft, bringt seinen Biorhythmus kräftig durcheinander. Normalerweise erreicht die Ausschüttung des Stresshormons Kortisol zum Aufwachen im Morgengrauen ihren Höhepunkt. Langes Ausschlafen oder die Zeitumstellung im Urlaub verschieben diesen Prozess aber um Stunden nach hinten oder vorne. Studien zeigen, dass wir unsere innere Uhr nur maximal um drei Stunden pro Tag verstellen können. Wer also beispielsweise in den Ferien in andere Zeitzonen reist (oder es ordentlich krachen lässt), braucht entsprechend einen oder gar mehrere Tage, um in den alten Alltagsrhythmus zurückzufinden.
Hinzu kommt, dass langer Urlaub latent dumm macht. Das fand der Erlanger Gedächtnisforscher Siegfried Lehrl heraus. Er wies nach, dass nach drei Wochen Nichtstun der Intelligenzquotient um 20 Punkte sinkt – ein größerer Verlust als der Abstand zwischen dem durchschnittlichen Studenten-IQ und dem Durchschnitts-IQ der Bevölkerung. Die beruhigende Nachricht: Nach zwei, drei Tagen gewohnter geistiger Beschäftigung wird das alte Level zwar wieder erreicht, trotzdem bedeutet das: Wer nach zwei Wochen Faulenzen am Strand in das Großraumbüro zurückkehrt, muss sich nicht nur körperlich, sondern auch geistig akklimatisieren. Als Faustregel gilt: So lange es gedauert hat, die Hektik des Alltags abzustreifen, so lange dauert es auch, um intellektuell wieder auf Touren zu kommen.
Meine Kollegin Liane Borghardt hat sich in der aktuellen WirtschaftsWoche mit dem Problem des Rückkehrertiefs genauer beschäftigt und dazu Mitarbeiter aller Ebenen bei der Düsseldorfer Agentur Ogilvy befragt, wie sie das Problem lösen. Ein paar Tipps der Betroffenen vorab:
- Noch vor dem ersten Arbeitstag, etwa freitags, die Kollegen anrufen und sich umhören, was los ist, was es Neues gibt oder was einen erwartet.
- Den ersten Arbeitstag, Montag, frei nehmen. Vorteile: Die erste Woche fällt kürzer aus und auch die Kollegen sind dienstags meist besser gelaunt.
- Um besser in den Job zu finden, sonntags früher ins Bett gehen und montags zwei Stunden eher im Büro erscheinen. Dann ist man der Erste und kann schon mal ungestört seine Post und E-Mails abarbeiten.
- Urlaubsfotos auf den Bildschirmschoner packen, und so noch etwas von den Urlaubsimpressionen zehren.
Und wie finden Sie wieder in den Job zurück?







Thomas
Wenn die Nachurlaubs-Arbeitswoche Montags beginnt, checke ich bereits am Wochenende davor die aufgelaufenen E-Mails (bei vielen Firmen geht das ja heutzutage per Fernzugriff).
Vorteil: im Office angekommen, muß man sich nicht durch Trash kämpfen (der ist im Orkus des Mail-Clients verschwunden) und durch Querlesen der wichtigen Mails hat man schon einen ersten Überblick was war, was ist & was sein wird.
Und: die Zahl der zu bearbeitenden Mails ist um einiges kleiner, was die Motivation fördert denn killt. ;-)
Alex
Sehr hilfreiche Tipps! Immerhin erfreulich, dass man nach wenigen Tagen das “alte Level” wieder erreicht :-)