Bevor einer einen neuen Arbeitsvertrag unterschreibt, wird erst einmal über das Gehalt verhandelt. Das ist auch gut so. Schließlich geht es dabei um ein faires Tauschgeschäft: Leistung gegen Bezahlung. Trotzdem ist es nicht gut, dieses Verhältnis allzu genau regeln zu wollen.

“Was???”, höre ich einige jetzt mosern. “Einfach Fünfe gerade sein lassen? Wo kommen wir denn da hin!” Beim Geld hört die Freundschaft auf, und der Arbeitgeber nimmt sich im Laufe der Zeit ohnehin meist mehr als ihm zusteht. “Fairness? Die existiert allenfalls auf dem Papier…”

Kann sein. Trotzdem ist so ein kompletter Vertrag, wie er auch genannt wird, erstens eine reine Illusion. Man kann im Vorfeld eben nicht alles haarklein und schriftlich regeln. Zweitens führt das zu einem klassischen Crowding-Out oder Verdrängungseffekt.

Der Verhaltensökonom und renommierte Autor Dan Ariely erzählt dazu gern zwei illustre Beispiele: Als er selbst beim MIT anfing, wurde von der Universität genau festgelegt, wie viel Zeit die Professoren zu lehren hatten. Dazu hatte die Uni eigens ein hoch komplexes Punktesystem entwickelt. Und am Jahresende hatten Ariely und seine Kollegen auf exakt 112 Punkte zu kommen. Mindestens.

Doch was passierte? Die Professoren machten mit der Zeit ein Spiel daraus, wie man es schafft, mit möglichst wenig Aufwand, möglichst viele Punkte zu erzielen. Dan Ariely sagt selbst über sich: “Ich war sehr gut darin – und lehrte sehr wenig.”

Die zweite Anekdote handelt von einer Beratungsgesellschaft, die ihren Consultants irgendwann versprach: Wer bis nach 20 Uhr arbeitet, darf sich auf Firmenkosten etwas zu essen bestellen und den kostenlosen Chauffeurdienst des Unternehmens nutzen, um nach Hause gefahren zu werden. Sie ahnen, was geschah. Mit einem Mal waren um 20 Uhr noch sehr viele Consultants im Büro. Um 20.05 Uhr aber kaum noch jemand. Crowding-Out – Sie erinnern sich?

Genau aus dem Grund ist es zwar gut und richtig das Verhältnis von Arbeit und Geld grob zu kalkulieren. Ansonsten aber sollten Arbeitgeber Ihren Mitarbeitern lieber mehr Freiraum und Verantwortung geben – und nicht versuchen, die hoffentlich ohnehin vorhandene Motivation durch Geld zu kompensieren.