In der aktuellen WirtschaftsWoche-Ausgabe schreiben wir über Eliten. Ein schwieriger Begriff. Er klingt schon verdächtig nach Ungleichheit und Ungerechtigkeit, nach denen da oben und dem Rest dort unten. Dabei geht es gar nicht ohne. Eliten, das sind Personen, die „qua Position maßgeblichen Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung ausüben können“, sagt Michael Hartmann von der Technischen Universität Darmstadt, der renommierteste Elitenforscher in Deutschland. Jedes Land braucht sie – und in jedem Land gibt es sie. Die entscheidenden Fragen lauten indes: Woher sollen diese Spitzenkräfte kommen? Wie werden sie identifiziert und gefördert? Und wie durchlässig ist das System?
In Deutschland ist letzteres alles andere als das. Wer aufsteigt und wer nicht, das hängt hierzulande nicht nur von der Leistung ab. Viel öfter spielt die soziale Herkunft eine Rolle. So schaffen es in die Chefetagen der Wirtschaft auffallend häufig Manager aus Akademiker-, Beamten- und Managerfamilien. Hartmann hat etwa festgestellt: Jeder zweite Manager hat großbürgerliche Wurzeln, stammt also aus Familien mit großem Wohlstand. Jeder Dritte stammt aus dem Bürgertum (höhere Einkommens- und Bildungsschichten, wie leitende Angestellte und Ärzte), aber nur rund 15 Prozent kommen aus der Mittelschicht (einfache Angestellte) oder der Arbeiterschaft. Das Gros der Manager verfügte damit vom Start weg über bessere Kontakte in die Wirtschaft und konnte sich zudem teure Bildung leisten. So studieren etwa 83 Prozent der Akademikerkinder, aber nur 23 Prozent der Kinder von Nichtakademikern.
Zudem besitzen solche Kinder und Jugendliche aufgrund ihres finanziellen und schulischen Hintergrunds oft über ein größeres Selbstbewusstsein, das sie mutiger macht und ihnen das verleiht, was die moderne Mediengesellschaft heute sucht und verehrt: Charisma. Wer in der Welt eines großbürgerlichen Kaufmanns aufwächst, entwickelt eben ein anderes Gespür für unternehmerische Ziele. So einer bewegt sich von Anfang an viel souveräner in einer Geschäftswelt, die anderen fremd vorkommt.
Soziale Aufsteiger dagegen sind selten. Von ganz unten nach ganz oben – wer das schaffen will, muss meist doppelt so hart schuften und wesentlich besser sein als die Privilegierten. Vor allem aber müssen diejenigen die richtigen Förderer finden und die subtilen Spielregeln der Macht erlernen, die andere bereits im Kinderzimmer inhalieren. Das ist nicht unmöglich, aber es bleibt die Ausnahme.
Zugegeben, die Debatte ist nicht neu. Aber sie bekommt gerade durch die jüngsten Steuerskandale in Deutschlands Beletage neuen Schwung. So wie es aussieht, haben mehrere Manager Geld am Fiskus vorbei nach Liechtenstein geschafft. Prompt fordert die SPD härtere Strafen für reiche Raffkes, die Gewerkschaft Ver.di gar eine 80-Prozent-Steuer für reiche Manager. Und bei allem schwingt die Frage mit: Spült unser System womöglich gar die Falschen an die Spitze? Fördert der Ausleseprozess eine Leistungselite, die auch zum Vorbild taugt und sich ihrer Verantwortung bewusst ist? Also eine Elite, die ihrem ursprünglichen Sinn zu Zeiten der französischen Revolution am nächsten kommt: „élite“, das waren Personen, die sich — im Gegensatz zu Adel und Klerus — ihre gesellschaftliche Position „verdient“ hatten. Oder wird so am Ende nur ein Machtelite-Kartell befördert, das vor allem eines interessiert: die eigene Bereicherung?
Die Frage klingt rhetorisch, sie ist aber alles andere als trivial. Denn womöglich ist es weniger der Ausleseprozess, der ohne Rücksicht auf den Charakter, nur den Willen zur Macht belohnt. Genauso könnte es die Macht selbst sein, die die Mächtigen eines Tages korrumpiert. Wer längere Zeit aus dem 41. Stock herab blickt, meint vielleicht irgendwann tatsächlich über allen Dingen zu stehen – auch über den Gesetzen von Moral und Anstand.
Vieles spricht dafür, das beides stimmt. Es zeigt sich aber auch: Da wo dem Gewebe der Macht der regelmäßige personelle Austausch fehlt – sei es in den Vorständen oder Aufsichtsräten –, da verfilzt es schnell und schafft zugleich den Humus für Parasiten im Elfenbeinturm.
Glücklicherweise sehen das inzwischen viele Manager selbst so. Das jedenfalls muss man auch dem Ergebnis des Managerpanels der Personalberatung LAB Lachner Aden Beyer & Company folgern, bei der rund 250 Manager der ersten bis dritten Ebene bundesweit befragt wurden: So bezweifeln aktuell vier von zehn Führungskräften, dass hierzulande prinzipiell jeder die Chance hat, an die Spitze zu gelangen. 70 Prozent sind gar davon überzeugt, dass bei Beförderungen das Netzwerk die entscheidende Rolle spielt. Und 88,8 Prozent der Manager wünschen sich eine stärkere Förderung intellektueller Eliten, die unabhängig ist von den individuellen finanziellen Möglichkeiten.
Einsicht ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung. Hoffentlich folgt darauf der zweite.







derherold
Netzwerk – weniger Familie. Da aber Familien häufiger ein Netzwerk haben, beißt sich die Katze in den Schwanz. ;-)
Eine sehr interessantes Thema, das man aber leider nicht so schnell/kurz kommentieren kann:
Vielleicht eine kleine Erinnerung an den Bundestagswahlkampf 2002: An der Spitze der (ostdeutschen, sozialistischen) PDS waren ein Diplomatensohn(?), Biesky (er und seine Kinder fest im Kulturestablishment verankert), und “the bonzenkind himself”, Gysi … während die Kandidaten aus dem kapitalistischen Westen, Schröder und Stoiber, sich medial darum prügelten, wer “von Hause aus” das ärmere Kind war. Bemerkenswert ?
Natürlich ist “Blutauffrischung” gut aber wie soll das “in Permanenz” geschehen ? Es gibt auch zu dem o.g. die Gegenthese, daß “Aufsteiger” erst recht “raffgierig” seien, weil sie innerhalb einer Generation alles erreichen müssen (mir würde jetzt gazprom einfallen).
Abgesehen davon, daß ich “Netzwerk” für entscheidend und desssen Einfluß für un-ausschalt-bar halte, müßte man ein Reglement haben, das “Leistung und Anpassung” auch ohne family&friends fördert. Eine Möglichkeit wäre die konsequente gesellschaftl. Verankerung von (nicht privaten) Eliteuniversitäten.. und bei der Förderung jenseits der “Familie” ist vllt. die französische ENA die erfolgreichste.
Für mich ist völlig klar: Ersetzt man “familiäre Kontakte” durch einen anderen “Förderkreis”, dann ist der Aufsteiger von DIESEM “Förderkreis” abhängig, der über sein Wohl und Wege entscheidet. Vllt. muß man “dynastischer” denken und in der ersten (Aufsteiger-)Generation nur den Steigbügel für die Folgenden sehen.
Aktionsprogramm: Karriere auf Teufel komm raus, Heirat einer Frau mit Kontakten+IQ (Aussehen egal), Anbiedern bei “Einflußreichen”, dem Förderkreis Vorteile verschaffen, Kind(er) nach Salem.. :-)
P.S. Ich glaube nicht an das “bessere Bildung kaufen”. Bildung spielt bei Karriere überhaupt keine Rolle. Der FH-Absolvent mit “kontaktfreudigem” Vater schlägt jeden Uni-TopAbsolventen, der seine Promotion mit 27 hinlegt.
Jochen Mai
@Herold: Doch, die Bildung hat erheblichen Einfluss. Als ich die 10. Klasse abschloss, gingen damals einige vom Gymnasium ab, weil sie eine Ausbildung zum Bankkaufmann oder Versicherungskaufmann dem Abitur vorzogen. Heute bekommt man ohne Abitur kaum noch eine bessere kaufmännische Ausbildung. Mit Hauptschulabschluss kann man froh sein, überhaupt eine Lehrstelle zu ergattern. Und wenn du dir anschaust, welche Leute auf dem Arbeitsmarkt hierzulande noch im größeren Umfang nachgefragt werden, dann sind es fast durchweg die Hochqualifizierten mit Hochschulabschluss. Kurzum: Bildung ermöglicht überhaupt erst den Zugang zum Arbeitsmarkt.
Nun setzt der Auswahlprozess allerdings schon sehr früh ein, nämlich bereits in der Grundschule. Das Lernpensum dort ist enorm, und immer mehr Stoff (Stichwort selbstständiges Lernen) wird aus der Klasse in den Nachmittag – spricht nach Hause – ausgelagert. Solange es aber keine flächendeckenden Ganztagsschulen gibt, bleibt die Hausaufgabenbetreuung und Lernförderung vor allem den Eltern überlassen. Wer aber kann sich das leisten? Nur jene Haushalte, die so viel verdienen, dass ein Elternteil zu Hause bleiben und die Kinder betreuen kann (oder die sich diese Dienstleistung entsprechend dazu kaufen). Dasselbe Prinzip setzt sich dann auf den weiterführenden Schulen, insb. auf dem Gymnasium fort, das inzwischen denselben Stoff wie vor Jahren in einem Schuljahr weniger unterbringen muss.
Die Auswahl findet in diesem Fall nicht über direkte Bildungskosten (Privatschulen) statt, sondern indirekt. Hohe Intelligenz mag sich in diesem System durchsetzen, aber nur wenn die betroffenen Kinder es auch schaffen, sich gegen alle Vorbehalte (“Junge, was willst du denn mit Abitur? Dein Vater hat auch nur eine Lehre gemacht!”) und ihr soziales Umfeld behaupten. Hinzu kommt: Viele Hausaufgaben oder Schulprojekte setzen heute eine finanzielle und technische Grundausstattung voraus, die kann sich auch nicht jeder leisten – egal wie intelligent er ist. Meine Sohn muss etwa in der Grundschule regelmäßig Internetrecherchen für seine Hausaufgaben machen. Und neulich gab es ein Bauprojekt für eine Art Elektro-Memory dessen Bauteile mal eben 30 Euro kosteten. Für manche Leute ist das sehr viel Geld.
Und zum Stichwort Netzwerk: Wir wissen doch beide, dass es nicht die familiären Beziehungen sind, die im Job nützen – es sind die weak ties, die entfernteren Kontakte, die das Vitamin B bilden. Und die sind umso wertvoller, je besser verdrahtet die Eltern sind, bzw. je höher diese in der Hierarchie stehen. Ein Arbeiter aus einer Großfamilie mag 50 Cousinen und Cousins haben und 100 Leute im persönlichen Netzwerk. Sein Sohn kriegt die Ausbildung aber umso leichter, wenn er auch den Chef eines Betriebes gut kennt. Und wie oft kommt das vor?
derherold
Ja, ich hielte es für sehr wichtig, wenn die “zuständigen” Zeitschriften und Zeitungen stärker über “Karriererbeschleuniger” berichten würden, u.a. mit dem Hinweis darauf, daß Ivy-League oder “Fontainebleau” weniger hinsichtlich Ausbildung, sondern eher wg. Kontakten bedeutsam sind. Es wird mE zu viel “populistisch lamentiert” als tatsächlich über das Wesen der Macht(-Verteilung) zu sprechen. Unrühmlich fällt mir da ein monatlich(!) erscheinendes Magazin ein, das regelmäßig darauf hinwies, daß der TopManager eines Ruhrkonzerns keine 1,85m sei und Kajo Neukirchens Vater Töpfer .. das wurde allerdings *überraschung* nicht positiv vermerkt. :(
Ansonsten sehe ich es ein bißchen anders:
Bei Ausb.plätzen kann der individuelle Kontakt wichtig sein, ein “gesellschaftlicher” Vorteil erscheint mir allerdings konstruiert. Im Gegenteil: der Sohn eines Gymanasiallehrers wird die Erfahrung machen, daß er weitaus schneller an Praktika und Lehrstellen bei “Großorganisationen” gekommen wäre, wäre dort seine Mutter Sekretärin oder der Vater “am Band”. Wieviel Hundert Beispiele soll ich bringen ? ;-)
Die Regel: Hauptschule – Handwerk, Realschule – kfm Ausbildung, Gymnasium – Studium ist doch deshalb durchbrochen, weil Abschlüsse “inflationiert” wurden.
Ich bin kein Pädagoge aber die Fakten sehen wohl so aus, daß trotz fehlender Flächendeckung durch Ganztagsschulen 1995-2004 der Anteil(!) von Abiturienten um 25% angestiegen ist und die Bundesländern mit ausgeprägter Gesamtschul”neigung” bei *PISA* ziemlich grottig abschnitten.
Die Ganztagsschule hat Vorteile, wo Förderkurse und Betreuung angeboten werden können. Ich bin (als altes Schlüsselkind) nur ein außenstehender Beobachter aber die Nachteile sind auch genannt worden:
1.) Es gibt keinen Nachmittagsunterricht für “die Armen, die Dööferen”. Wenn, dann alle
2.) Schon bei Kindern mit “Nine-to-Five”-Jobs anzufangen, hat wohl nirgendwo die Top-Leistungen hervorgerufen.
SELEKTION schon auf der Grundschule ? Falsch !
Die findet bereits VOR dem Kindergarten statt, ggfs. durch den Umzug der Eltern. Für ein Konzept der gemeinsamen Unterrichtung von “Überfliegern und BastlerInnen” gibt es jede Menge Beifalll .. von denen, die ALLES tun, um ihrem eigenen Kind das zu ersparen. (… auch in Schweden) :-)
Jochen Mai
@Herold: Ich erkenne in Deinen Ausführungen zum Netzwerk beim besten Willen keinen Widerspruch zu meiner Argumentation.
Zwar gabe es jüngst auch einen Anstieg der Abiturienten um 6 Prozent – dem steht aber ein deutlicher Rückgang in den vergangenen Jahren gegenüber. Und die Frage ist ja auch nicht wie viele machen Abitur, sondern besteht dabei Chancengleichkeit?!
Und von der Stufe Kindergarten zu Grundschule gibt es keine Selektion! Ich ahne zwar, was Du sagen willst. De facto hängt die Grundschulwahl aber allein vom Wohnort bzw. dem Einkommen (Privatschule) ab. Die Selektion setzt dann aber innerhalb der Grundschule bzw. durch die Benotung nach dem 4. Schuljahr ein. Vorher wird nicht selektiert. Die Grundschulen müssen aufnehmen, wer am Ort wohnt.
derherold
Nach einer Studie der OECD haben in D. 1995 33% eines Jahrganges Abitur gemacht – und damit Hochschulreife erlangt – 2004 42%. Das ist eine Steigerung von 25%.
Ich sehe zumindest nicht, daß eine mangelnde Chancengleichheit Hochbegabte am Studium hindert. KEIN Politiker, Pädagoge, Soziologe hat angemahnt, den 2. Bildungsweg (die Karriere Gerhard Schröders finde ich übrigens vorbildlich), auszubauen, weil Massen an Begabten via “Selektion” verloren gegangen seien. Offenbar existiert in D. “Benachteiligung ohne Benachteiligte”.
Man kann allerdings das Problem ganz einfach lösen: IQ-Test vor Einschulung. Allerdings wird man dann Ergebnisse erhalten, deren sozialpolit. Aussagen nicht wünschenswert sind.
Richtig, Grundschulen müssen aufnehmen, wer am Ort WOHNT. Es gibt “Gerüchte”, daß die “Szeneviertel” einer Stadt immerwiederkehrend einen Exodus von Besserverdienenden erleben – wenn deren Kindern in den Kindergarten kommen, spätestes zur Einschulung. Ich verlasse mich bei solchen Recherchen voll auf Frauen: gut ausgebildete, liberale Frauen wissen idR exakt, wo “man” seine Kinder in den Kindergarten schickt. ;-)
Jan Schmidt
Ich zitiere aus dem heutigen SPIEGEL: “Belohnt wird (in den Chefetagen) nicht, wer besonders moralisch, sondern wer besonders clever ist. Die Hemmschwelle zum unredlichen Handeln ist niedriger geworden.” (Michael Aßländer, Wirtschaftsethiker aus Kassel)
Jochen Mai
@Herold: Und was war zwischen 2004 und 2007?
Hochbegabte hindert das Bildungssystem nur dann nicht, wenn ihre Hochbegabung auch erkannt und gefördert wird. Sonst wird auch diese nichts nutzen. Davon abgesehen sprechen wir bei Abiturienten nicht nur von Hochbegabten, gell?! Das sind nämlich nur wenige (und noch weniger als ihre Eltern immer meinen). Es geht doch vielmehr um intelligente Kinder, die das Abitur schaffen und studieren könnten, um hinterher in hochqualifizierte Jobs zu streben, die etwa seit Jahren gesucht werden. Etwa Ingenieure. Deiner Argumentation (die Abiturienten nehmen zu) folgend frage ich mich: Warum kommen die in den Studienfächern und Unternehmen nicht an? Warum brechen so viele – offenbar ausreichend begabte – Studenten ab (etwa DESHALB)? Und warum gibt es dann so wenige Arbeiter- und Mittelschichtkinder im Management, wenn es hier achso chancengleich zugeht – alle doof???
Mit IQ-Tests löst man das Problem nicht. Die messen bekanntermaßen nur, was auch metrisch messbar ist. Nicht aber so etwas wie kreative, musische, soziale oder emotionale Intelligenz. Davon könnte die Beletage aber durchaus mehr vertragen (sic!).
derherold
@Jan, war da schon jemals anders ?
Wie ist das denn so im politischen Bereich ?
Nur nebenbei zum Thema “Ganztagsschule”:
http://droyssig.cjd.de/public/ueber_uns/index.php
Droyssig ist ein Ort, wo man nicht tot überm Zaun hängen will und sein Angebot macht man als “Evangelen” in der christlichen Wüstenei, genannt Ostdeutschland … und die werden mit Anmeldungen überrannt. Und der Bürgemeister des Ortes kann seinen die Kinder dort anmeldenden Parteifreunden von der Linkspartei noch nicht einmal zugute halten, der hohe Ausländeranteil zwinge, die städtischen Schulen zu meiden … die gibt es dort in der Region nämlich (so gut wie) nicht.
Jochen, wenn Du mal das Journalistenleben satt hast, laß´ uns eine Privatschule aufmachen. Wir versprechen ein “Pendant zum Jesuitenkolleg”, nächtliche Exertitien, rohrstocktragende LehrerInnen und die sich bewerbenden Eltern müssen Stammbaum, Einzugsermächtigung und polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. WIR WERDEN REICH !
Patrick
“Die Selektion setzt dann aber innerhalb der Grundschule bzw. durch die Benotung nach dem 4. Schuljahr ein.”
Dieser Aussage muss ich leider widersprechen. Ich konnte nun das dritte Jahr in Folge (also in drei aufeinanderfolgenden Fällen) aus nächster Nähe beobachten das die Selektion spätestens zu Begin der dritten Klasse (wohlgemerkt in einem Alter von ca. 7-9 Jahren) beginnt.
Da gibt es nämlich nette Grundschullehrerinnen, genau zwei ander Zahl in meinen Beobachtungen (aber diese Verhalten kenn ich aus meiner eigenen Schulzeit noch), welche “Ihre” Akademiker-, Beamten-, Ärzte- usw. Kinderchen stark bevorzugen. (Möchte damit diesen Berufsgruppen auf keinem Fall negativ nahetretten). An zwei unterschiedlichen Schulen ohne Bezug zueinander.
Da bekommt das Ärztetöchterchen in der dritten Klasse permanent zu hören das sie “bestimmt mal aufs Gymnasium geht” weil Papi und Mami ja auch waren, wärhrend der Sohnemann eines Selbstständigen links davon und die Tochter einer Krankenschwester rechts davon, trotz besserer Leistung (den engagierten Eltern sei Dank), nie solche Aussagen verwöhnt werden.
Was das in der Psyche der Kinder bewirkt, wenn die Leherin permanent Ihre Lieblinge fördert und den Rest links liegen lässte, kann sich jeder Selbst ausmalen. Spätestens wenn dann ein Siebenjähriger seine Tränen an Ihrer Schulter nicht mehr halten kann, weil er egal wie viel besser als die Klassenkameraden aus den besseren Familien er ist, kein Wort dieser “Förderung” genießen darf – da bekommen Sie langsam Zukunftängste.
So werden bereits in der dritten Klasse (unter Umständen sogar noch früher) bereits manche Kinder nach oben geholfen und andere unten gehalten. Dieser rote Faden zieht sich dann bis zur vierten Klasse, wo dann anhand der Übertrittszeugnissen richtig schön im Sinne des Stallgeruchs selektiert wird. Das diese Übertrittszeugnisse nicht objektiv sind und u.a. Akademikerkinder bessere Beurteilungen bei gleicher Leistung erhalten, wurde ja bereits bewiesen.
Den Lebenslauf eines Kindes könnte man nun beliebig weiterführen bis zur Diplomarbeit. Und dort hat man dann lauter junge Menschen die halt studieren damit Sie auch studieren weil Mami und Papi es so wollen und auch studiert haben. Dementsprechend effektiv ist diese Lebensentwicklung dann auch.
Und im Worst-Case studieren diese dann auch noch Lehramt (weil sie überall anders, dank der Motivationslosigkeit durchgerasselt sind) und selektieren dann fleißig selbst als liebevolle, lebensorientiert, weise Grundschullehrerin……
Schöne Grüße,
Patrick
(jemand der aus einer “normalbürgerlichen” Familie stammt und derzeit auf dem Weg nachoben ist, nur leider ohne Studium – “wer das schaffen will, muss meist doppelt so hart schuften und wesentlich besser sein als die Privilegierten” ;-) )
Jochen Mai
@Herold: Die Privatschulen boomen doch jetzt schon. Da kommen wir def. zu spät. Und Phorms war mit der Idee “Privatschulen für Jedermann” auch schneller – das ist das massentaugliche Pendant. Sorry, lose-lose für uns. Du könntest aber noch Journalist werden und damit dein Berufsimage deutlich verbessern!
derherold
Bevor ich Journalist werde, werde ich lieber “Taxiunternehmer” oder “Reinigungskraft”: deren Image ist deutlich besser als das von J. :-))
Quelle angeblich Statistisches Bundesamt: Auch prozentual stieg der Anteil der Abiturienten weiter an: 2006 hatten 43,1 % der Männer und Frauen Abitur oder Fachabitur. 2005 waren es 42,5 % und 1996 hingegen nur 36,2 %. Zahlen für 2007 liegen noch nicht vor.
Musische und soziale Kompetenzen sind für Karriere unwichtig; EQ wird überschätzt und sooo viele Kreative mit einem IQ.
Natürlich ist man mit “Netzwerk” begünstigt (ich habe übrigens praktisch keines), aber das regelt man doch nicht über Ganztagsschulen, sondern über Transparenz der Karrieren und der “Steigbügel”. An die Betrachtung der kleinen Seilschaften traut sich doch keine Zeitung, keine Zeitschrift ran. Zum Thema der “Begünstigung” von Leuten, die man (sozial) “mag”, verweise ich auf die Betriebspsychologie: Begriffe wie “pitchfork error” oder “halo effect” waren bei Personalgesprächen doch schon vor 15 Jahren bekannt. Irgendwie habe ich den Eindruck, daß man hier 10 Jahre gepennt hat. Dann sollte man erst recht auf quantifzierbare Methoden abstellen: Während des 2. Weltkriegs hat die Royal Air Force bei der Pilotenausbildung erfolgreich IQ-Tests eingesetzt, um weniger geeignete Kandidaten zu SELEKTIEREN und die Fehleinschätzungen/-förderungen von Prüfern zu unterbinden.
Jochen Mai
@Herold: Also der Vergleich mit der RAF hinkt ja wohl. Es braucht schließlich ganz andere Qualifikationen mit einem Jäger Bomber vom Himmel zu holen als Unternehmen zu lenken. Wirtschaft ist zuweilen zwar auch Krieg, aber die schießen da anders. Und wenn einer fliegt, dann raus – und nicht runter.
Soziale Kompetenzen (zu denen auch der EQ gehört) und Kreativität sind für die Karriere sogar enorm wichtig: Selbst der kaltblütige Intrigant muss auf seine Weise kreativ werden, ein Lügennetz spinnen und Spuren verwischen. Umgekehrt haben Führungskräfte ohne Sozialkompetenz keine Chance, hochqualifizierte Mitarbeiter, die zugleich Mangelware sind (und das wissen), bei der Stange zu halten. Die gehen dann nämlich einfach zu einem anderen Unternehmen.