9 Arten der Intelligenz
Schulwissen, Allgemeinbildung oder Bauernschläue? Die Frage Was ist Intelligenz? lässt sich nicht so leicht beantworten. Das liegt auch daran, dass Intelligenz für jeden Menschen etwas Individuelles bedeuten kann. Das Intelligenzmodell von Howard Gardner beschäftigt sich mit diesem Problem. Er stellt neun Arten der Intelligenz vor, die über die klassischen Bilder der Intelligenz, wie das logische Denken, hinausgehen. Wie die neun Arten der Intelligenz Ihren Erfolg beeinflussen können...

Kann man Intelligenz lernen?

Wird ein Kind bereits intelligent geboren oder entwickelt sich die Intelligenz beispielsweise erst in der Schulzeit? Hier wird viel Wert auf Sprache, Mathematik und Allgemeinbildung gelegt, doch fördert dies auch die Intelligenz? Dies soll nicht als Kritik am Schulsystem verstanden werden. Es geht lediglich darum, den Blickwinkel auf das Thema Intelligenz zu erweitern. Das gleiche Ziel verfolgt ein Intelligenzmodell eines amerikanischen Professors, das neun Arten der Intelligenz beinhaltet.

9 Arten der Intelligenz

IntelligenzIst jemand, der ein schlechtes Zahlenverständnis hat, weniger intelligent als ein guter Mathematiker? Nicht unbedingt, sagt Howard Gardner. Er ist Professor für Wahrnehmung und Bildung an der Harvard Graduate School of Education und unterscheidet beim Menschen insgesamt neun Arten der Intelligenz. Damit erweitert er das Verständnis von Intelligenz, das sich ansonsten stark auf logische Zusammenhänge, mathematische Kenntnisse und sprachliche Fähigkeiten beschränkt. Gardner entwarf ein Intelligenzmodell, das mit neun Arten ein deutlich breiteres Gebiet abdeckt:

  1. Sprachliche Intelligenz.

    Auch Gardner sieht in der sprachlichen Begabung eine Art der Intelligenz. Eine stark ausgeprägte sprachliche Intelligenz verleiht Ihnen gute rhetorische Fähigkeiten und die Gabe, Ihre Gedanken in die passenden Worte zu fassen und Ihren Standpunkt zu kommunizieren, ohne Missverständnisse hervorzurufen. Diese Gabe ist natürlich für beispielsweise Redner oder Autoren unverzichtbar, aber auch für Führungspersönlichkeiten relevant, die Ihren Mitarbeitern die Ziele deutlich machen müssen und für deren Motivation sorgen wollen.

  2. Logisch-Mathematische Intelligenz.

    Ein guter Umgang mit Zahlen, eine schnelle Auffassungsgabe und das Talent, logische Zusammenhänge zu erfassen, zeichnen diese Art der Intelligenz aus. Die logisch-mathematische Intelligenz ist auch erforderlich, um Hypothesen aufzustellen und deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Eine große Rolle spielt sie in mathematischen Berufen, beispielsweise in der Statistik oder auch im Controlling. Sie hilft aber auch allgemein dabei, Probleme zu erkennen und diese effizient zu lösen.

  3. Interpersonelle Intelligenz.

    Auch Empathie kann als eine Form der Intelligenz angesehen werden. Im Mittelpunkt steht bei der interpersonellen Intelligenz die Wahrnehmung anderer Menschen. Wie fühlt sich der Gesprächspartner, welche Ziele verfolgt er und was motiviert ihn? Die richtigen Fragen auf diese Antworten zu finden ist in Verhandlungen ein großer Vorteil, doch auch Führungskräfte und Projektmanager profitieren von einer ausgeprägten Empathie.

  4. Intrapersonelle Intelligenz.

    Wie Sie richtig vermuten geht es nun um die Wahrnehmung der eigenen Person. Kennen Sie Ihre eigenen Gefühle, Ängste und Träume? Können Sie diese auch verarbeiten? Dann können Sie sich über eine starke intrapersonelle Intelligenz freuen. Eine solche ist natürlich in jedem Bereich des Lebens vorteilhaft, doch besonders Gründer und Selbständige sollten darauf vertrauen können, sich selbst gut einschätzen zu können.

  5. Naturbezogene Intelligenz.

    Diese Art lässt sich wohl am besten mit dem grünen Daumen beschreiben. Über diese Art der Intelligenz verfügt, wer mit der Natur im Einklang ist. Eine starke naturbezogene Intelligenz zeigt sich in einem besonders guten Verhältnis zu Tieren, aber auch zu Pflanzen, die in Ihrer Umgebung wortwörtlich aufblühen. Von Vorteil ist dies selbstverständlich in den Berufen des Gärtners oder Tierarztes. Mit seiner Umwelt im Einklang zu schwingen, hilft auch dabei, gelassener zu werden und Stress besser zu verarbeiten.

  6. Musikalische Intelligenz.

    Auch ein Gespür für Musik, Töne, Klangfarbe und Rhytmus ist laut Howard Gardner eine Art von Intelligenz. Diese ist beispielsweise beim Spielen eines Instruments oder dem Einprägen einer Melodie erforderlich. In erster Linie profitieren von musikalischer Intelligenz natürlich Musiker aller Richtungen, doch auch in der Gesprächsführung kann es helfen, Emotionen am Klang der Stimme oder an der Sprechmelodie des Gegenübers zu erkennen.

  7. Körperlich-kinästhetische Intelligenz.

    Eine gute Koordination zwischen Körper und Geist - so könnte man die körperlich-kinästhetische Intelligenz zusammenfassen. Im Kern geht es um die bewusste Kontrolle der eigenen Bewegungen. Klingt im ersten Moment abstrakt, ist jedoch in künstlerischen Berufen von großer Bedeutung. Die Werke eines Malers oder Bildhauers können nur gelingen, wenn er seine Vorstellungen genau umsetzen kann.

  8. Räumliche Intelligenz.

    Das klassischste Beispiel für die räumliche Intelligenz ist das Einparken mit dem Auto. Für manche ein Kinderspiel, für andere ein Grund zur Verzweiflung. Wer über räumliche Intelligenz verfügt, ist dazu in der Lage, sich seine Umwelt dreidimensional vorzustellen und zu verstehen. Diese Fähigkeit ist beispielsweise in der Architektur oder im Design gefragt.

  9. Existenzielle Intelligenz.

    Warum leben und sterben wir? Sich mit diesen existenziellen Fragen auseinanderzusetzen ist Teil der neunten und letzten Art der Intelligenz nach Howard Gardner. Diese bezieht sich auf eine sehr tiefgründige Ebene, da sie sich um das Verständnis der eigenen Existenz dreht.

Jeder Mensch vereint mehrere Intelligenzen

Die neun Arten der Intelligenz dürfen nicht isoliert voneinander betrachtet werden. Vielmehr ergänzen sie sich und ergeben erst in der Summe ein vollständiges Bild der Intelligenz eines Menschen. Einzig die Ausprägung der unterschiedlichen Arten ist von Mensch zu Mensch verschieden. Auf diese Weise verfügt jeder über seine ganz eigene Form der Intelligenz, mit persönlichen Stärken und Schwächen in unterschiedlichen Bereichen.

Kritik an Gardner's Intelligenzmodell

Nicht jeder stimmt mit den neun Arten der Intelligenz überein. So sehen viele Kritiker in einigen der Arten eher Soft Skills, die sich jeder durch Lernen oder Übung aneignen kann. Ein viel kritisierter Punkt in diesem Zusammenhang ist die interpersonelle Intelligenz. Viele sehen hierin einen Punkt, der erst im Laufe des Lebens durch Erfahrungen entwickelt. Befürworter des Modells halten dagegen, dass es sich mit logisch-mathematischen Zusammenhängen oder sprachlichen Fähigkeiten ähnlich verhält.

Im Endeffekt bleibt es jedem selbst überlassen, ob er die Meinung von Howard Gardner und seinem Modell der 9 Arten der Intelligenz teilt. Doch auch wer der Ansicht nicht oder nur teilweise zustimmt, kann daraus lernen. Jeder hat Stärken, Talente und Fähigkeiten. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, diese zu finden, auszubauen und zu nutzen.

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