Dank der EU ist es heute verhältnismäßig leicht, für ein paar Jahre (oder dauerhaft) ins europäische Ausland zu emigrieren und dort zu arbeiten – sei es, um der Sonne näher zu sein, seine Sprachkenntnisse aufzubessern, oder um dem Partner zu folgen. Einer Umfrage der Welt zufolge kann sich jeder fünfte Deutsche vorstellen, auszuwandern.

Trotz der Globalisierung und zunehmend mobiler Arbeitnehmer sind die Gepflogenheiten auf den diversen Arbeitsmärkten jedoch immer noch recht unterschiedlich und Bewerber sind gut beraten, sich mit diesen auf jeden Fall vorab vertraut zu machen, bevor sie ihren Lebenslauf durch die Welt schicken.

Heben Sie Ihre Vorteile hervor

In den meisten Fällen haben Sie mit einer starken lokalen Konkurrenz zu kämpfen, es sei denn, Sie haben eine spezialisierte und viel gefragte Qualifikation. Diese ist bei der derzeitigen wirtschaftlichen Lage etwa in Spanien, wo es derzeit eine Rekordarbeitslosigkeit gibt, wichtiger denn je. Je nach Branche reicht es aber schon, die Deutschkenntnisse hervorzuheben und die Jobsuche auf den mehrsprachigen Sektor (Kundendienst, Tourismus, Verkauf …) zu konzentrieren. Dieser ist an einigen Orten ausgeprägter als anderswo – machen Sie also Ihre Recherche!

Erfolgsentscheidend ist aber auch, dass Sie Ihre jeweilige Landessprachen-Kompetenz unterstreichen, wenn irgend möglich mit einer Qualifikation – mit einem Sprachkurs etwa von der ESL Sprachschule oder einem Hochschulabschluss. Denn Sprachkenntnisse sind in dem Fall das A un O. Und Ihrem Lebenslauf ist leider nicht immer sofort anzusehen, ob Sie die Sprache nur bruchstückhaft oder fließend sprechen (er könnte von einem Native Speaker ja auch gepimpt sein). So mancher Personaler wird jedenfalls eher auf Nummer Sicher gehen und Sie aussortieren, wenn Zweifel bestehen. Etwas Schriftliches hilft also in jedem Fall, Zweifel zu zerstreuen.

Zudem müssen Sie sich überlegen, ob Sie Ihre Jobsuche lieber von zuhause aus führen oder direkt vor Ort. Auch im Ausland gilt die Regel, dass Sie als Arbeitnehmer attraktiver sind, wenn Sie noch angestellt sind.

Andererseits gestalten sich natürlich Vorstellungsgespräche schwieriger, wenn Sie dafür erst anreisen müssen. Einige Arbeitnehmer, die es gewohnt sind, aus dem Ausland zu rekrutieren, bieten zu diesem Zweck Telefon- oder Skype-Interviews an. Wenn Sie Glück haben, besteht sogar die Möglichkeit einer Umzugsprämie. Hier lohnt es sich auf jeden Fall, nachzufragen, auch wenn dies nicht explizit im Gespräch angeboten wurde.

Wie bewerbe ich mich?

Was der Arbeitsgeber in der Bewerbungsmappe erwartet, unterscheidet sich von Land zu Land. Selbst das hiesige Konzept einer „Bewerbungsmappe“ ist in den meisten anderen Ländern unbekannt, in der Regel reicht der Lebenslauf mit einem Anschreiben. Auch ein Foto erwarten Arbeitgeber nicht zwingend, teilweise ist dies sogar unerwünscht (um Diskriminierung zu vermeiden). Deshalb hier die wichtigsten Besonderheiten einiger ausgewählten Länder im Vergleich:

Bewerben in… Großbritannien

  • Anschreiben (Cover Letter) mit Lebenslauf (Curriculum Vitae oder CV – der Ausdruck „Resumé“ ist amerikanisch) reichen bei Standardbewerbungen aus. Oft wird dies elektronisch verschickt – das Anschreiben gehört dabei in den E-Mail-Text selbst, der Lebenslauf wird als .doc oder .pdf angehängt.
  • Das Anschreiben ist in seinem Inhalt dem deutschen nicht unähnlich. Beachten Sie aber im Falle einer Papierbewerbung die Formatierungsunterschiede – oben links steht die Adresse des Empfängers, nicht Ihre eigene, auch eine Betreff-Zeile ist nicht nötig. Ein anschauliches Beispiel (PDF) finden Sie auf der Info-Seite der britischen Regierung.
  • Der Lebenslauf wird anders als in Deutschland nicht unterschrieben und unterliegt auch sonst keinen strikten Formatierungsvorgaben. Er sollte allerdings nicht länger sein als zwei Seiten und natürlich übersichtlich und klar strukturiert sein. Es ist nicht ungewöhnlich, irrelevante Berufserfahrung auszusparen.
  • Die anglophone Welt steht auf „Power Words“ wie „achieved“ oder „demonstrated ability“. Auch wenn diese Ihnen abgeschmackt erscheinen, können Sie sich hiermit hervorheben!
  • Denken Sie daran, britische Schreibweise zu benutzen und nicht amerikanische! Also „prioritise“ anstatt „prioritize“ und „favour“ statt „favor“. Amerikanischer Jargon wird nicht gerne gesehen, auch wenn es einem Sprachaufenthalte USA gern so einprägen.
  • Zeugnisse werden nicht erwartet, dafür aber auf jeden Fall zwei professionell relevante Referenzen.
  • Weitere Tipps sowie zwei Beispiele finden Sie auf dieser Seite.

Bewerben in… Spanien

  • Ähnlich wie in Großbritannien besteht die Standardbewerbung aus einem Anschreiben (carta de presentación) und dem Curriculum Vitae.
  • Ein Foto ist in Spanien nicht zwingend notwendig, kann aber Ihre Chance deutlich verbessern.
  • Idealerweise sollte der Lebenslauf unter einer Seite bleiben. Strikte Formatierungsvorgaben gibt es ebenfalls keine außer der Übersichtlichkeit. Ein Beispiel finden Sie etwa hier. Unterschrieben wird der Lebenslauf auch in Spanien nicht.
  • Es werden keine Dokumente, Zeugnisse und ähnliches angehängt – es sei denn, dies wurde spezifisch in der Anzeige erwähnt.
  • Im Gegensatz zu Großbritannien sollten Sie ausschmückende Phrasen vermeiden und bei den nackten Tatsachen bleiben.
  • Weitere hilfreiche Tipps finden Sie auf der spanischen Monster-Seite.

Bewerben in… Frankreich

  • Auch in Frankreich bleibt der Standard Curriculum Vitae und Anschreiben (lettre de motivation).
  • Das Anschreiben wird ähnlich formatiert wie in Deutschland (Ihre Anschrift ist oben links). Einige Tipps finden Sie hier, diese ähneln aber den hiesigen und sollten keine großen Probleme bereiten.
  • Der Lebenslauf sollte komplett sein. Relevante Positionen werden mit mehr Details hervorgehoben, doch sparen Sie keine aus, denn Lücken fallen hier unangenehm auf!
  • Die Formatierung ist ähnlich frei wie in den vorherigen Ländern – die Schriftgröße sollte allerdings ein Minimum von 10 betragen. Eine Länge unter einer Seite sollte angestrebt werden, zwei Seiten sind noch vertretbar. Ein Foto ist optional, die Unterschrift unerwünscht.
  • Teilweise können Sie sich mit einem kreativeren Lebenslauf hervorheben als hierzulande – vor allem in entsprechend modernen Branchen. Für Buchhalter ist Kreativität weniger gefragt. Einige originelle und trotzdem übersichtliche Beispiele finden Sie bei aujourdhui.fr

In welchem Land Sie sich auch bewerben, stellen Sie sicher, dass Sie Ihren zukünftigen Arbeitgeber, Ihre relevanten Stärken sowie die Anforderungen der Stelle genau kennen. Hier unterscheiden sich die einzelnen Länder nicht voneinander. Zögern Sie zudem nicht, nach einer Absage um Feedback zu bitten. So lernen Sie die lokalen Gepflogenheiten besser kennen und steigern Ihre Chancen beim nächsten Mal.