Die Geschichte beginnt harmlos, es geht um ein Experiment mit Affen. Doch das sagt so viel über uns Menschen, über Traditionen und mangelndes Hinterfragen!
In einem Käfig sitzen vier Affen. In der Mitte des Käfigs steht ein Holzpfosten, darüber hängt eine reife Banane. Um sie zu bekommen, müssten die Affen auf den Pfosten klettern. Nach einer Weile wagt der erste Affe sein Glück. Kurz bevor er die Banane erreicht, spülen ihn Wissenschaftler mit einem kalten Wasserstrahl vom Pfahl. Gemein…
Es dauert eine Weile, doch dann versuchen auch die anderen Affen ihr Glück. Der Appetit auf den Leckerbissen ist einfach zu groß. Doch sie alle fegt der Wasserstrahl hinweg.
Das Experiment wiederholt sich einige Male, dann geben alle Affen im Käfig auf.
Was jetzt folgt, ist der eigentliche Clou: Nun ersetzen die Forscher einen der Affen. Der Neue weiß noch nichts von der kalten Dusche und sieht nur die Banane. Doch als er schon auf den Pflock steigen will, halten ihn die anderen drei Artgenossen mit lautem Gekreische und körperlicher Gewalt zurück. Im Grunde eine soziale Geste: Sie schützen ihn vor der nassen Überraschung.
Doch dann ersetzen die Wissenschaftler mit jedem weiteren Testdurchlauf einen Affen nach dem anderen. Solange, bis nur noch vier Affen im Käfig hocken, die niemals mit kaltem Wasser abgeduscht wurden.
Was passiert?
Nichts!
Kein Affe wagt jemals wieder den Pfosten zu besteigen.
Kommt Ihnen das bekannt vor?
Kein Wunder! Traditionen beginnen – und enden auch so. Irgendwann weiß niemand mehr, warum man die Dinge macht, wie man sie macht. Aber jeder ist davon überzeugt, dass es nur so richtig ist und nur so geht.
Schön blöd! Lassen Sie niemals zu, dass Affen Sie davon abhalten, die Erfolgsleiter hochzuklettern!
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Markus Möller
Man könnte das Ergebnis aber auch so deuten, dass es eine Gesellschaft schafft, Wissen über Generationen weiterzutragen.
Ich bringe beispielsweise meinen Kindern bei, dass sie sich keine Plastiktüten über den Kopf stülpen sollen. Und dass, obwohl ich selbst noch nie daran erstickt bin. Ich kenne noch nicht mal jemanden, der dem Plastiktütenerstickungstot zum Opfer gefallen ist. Und wenn ich länger überlege, kenne ich noch nicht mal jemanden, der jemanden kennt. Ich bin sozusagen eine Folgegenerationsaffe.
Und? Ist das schlimm? Sollte ich stattdessen eine Ach-probier’s-mal-aus-Einstellung haben?
Ich finde, der Affen-Versuch regt durchaus zum Nachdenken über festgefahre Traditionen an. Insofern taugt er sicherlich als kleine Parabel. Als wissenschaftlicher Versuch mit einem Ergebnis á la “Ach sind die doof” ist mir das aber zu kurz gedacht.
Jochen Mai
Hallo Markus, dein Vergleich hinkt: Sich eine Plastiktüte über den Kopf zu stülpen hat überhaupt keinen Sinn, ebenso wenig wäre es sinnvoll, herauszufinden, ob es eine gute Idee ist, sich eine Kugel in den Kopf zu jagen. Es gibt auch keine Tradition der Sich-keine-Plastiktüten-über-den-Kopf-Stülper. Sich eine leckere Mahlzeit zu nehmen, die obendrein direkt vor der Nase steht, ist dagegen etwas völlig anderes. Das ergibt sehr wohl Sinn. Die Banane einfach stehen zu lassen, obwohl man Appetit und Hunger hat, ist dagegen überhaupt nicht verständlich. “Warum soll ich das nicht essen?”, wäre eine logische Frage, um diese seltsame Affentradition zu hinterfragen. Aber wer würde schon hinterfragen, warum er sich KEINE Plastiktüte über Kopf stülpen soll?
Und genau das ist der Punkt des Experiments: Es geht darum zu hinterfragen – nicht festzustellen: “Ach sind die doof”. Wenn das dein Fazit aus dem Artikel ist, ist es wirklich zu kurz gedacht.