Xing (Linkedin aber auch) ist ja ein wunderbares Instrument, um vorab Kontakt zu Mitarbeitern seines Wunscharbeitgebers aufzubauen. Dank einer guten Suchfunktion sind die schnell gefunden und angemailt, sodass sich darüber leicht Informationen über das Unternehmen oder gar Vakanzen einsammeln lassen. Das Ganze funktioniert natürlich auch umgekehrt: Potenzielle Arbeitnehmer und gesuchte Fachkräfte können so gezielt ausgefiltert und an- beziehungsweise abgeworben werden. So verwundert es nicht, dass sich auch viele Headhunter die Suchfunktionen zunutze machen, um interessante Kandidaten anzusprechen. Leider gibt es dabei jene, die seriös arbeiten und jene, die es nicht tun.
Gestern hatte ich (mal wieder) so eine Anfrage der zweiten Art. Ich bekam über das Netzwerk eine E-Mail von einer norddeutschen Personalberatung für Direkt- und Onlinemarketing. Die allerdings strotzte nicht nicht nur vor Plattitüden und Standard-Floskeln, wie sie formulierfaule Personalberater immer wieder verwenden. Viel entscheidender war: Es handelte sich dabei überhaupt nicht um eine persönliche Ansprache. Tatsächlich mailte mir der Chef der Personalberatung eine Sammlung von Stellenanzeigen, Motto: Such dir was aus (siehe Auszug weiter unten).
Ein untrügliches Alarmzeichen: Finger weg! Ich kann vor solchen Beratern nur dringend warnen. Derlei E-Mails offenbaren einen Laien in dem Geschäft, der noch dazu unseriös arbeitet, das Geld seiner Klienten verschwendet und Ihre Karriere gefährdet.
Wie ich darauf komme?
Erkläre ich gleich. Vorher aber noch dies: Egal, wie sehr Sie vielleicht gerade einen Job suchen und sich über ein erstes virtuelles Angebot freuen oder sich geschmeichelt fühlen – prüfen Sie genau, von wem das Angebot kommt. Es geht um Ihre berufliche Zukunft, Ihre Karriere! Die sollte Sie nicht irgendeinem Hallodri anvertrauen, der sich zufällig Berater nennt, sondern sorgfältig Ihren Partner auswählen. Denn genau das ist das Ziel bei einer Zusammenarbeit mit einem seriösen Personalberater: ein partnerschaftliches, vertrauensvolles Verhältnis, in dessen Verlauf Sie mit seiner Hilfe womöglich mehrmals den Job wechseln – zu Ihrem Besten. Weil Sie sich beide gut kennen, wird der Headhunter Ihnen nur Stellen anbieten, die zu Ihnen und Ihren Fähigkeiten passen und Ihnen zugleich dabei helfen, sich weiterzuentwickeln. Deshalb pflegt man auch nicht wahllos solche Kontakte, sondern lernt sich erst einmal kennen.
Zur Kernkompetenz eines Personalberaters wiederum gehört nun mal die gezielte Auswahl von geeigneten Kandidaten. Die werden – stark verkürzt – erst identifiziert und dann immer feiner ausgewählt und erst im letzten Schritt dem Arbeitgeber vorgestellt. Dabei arbeitet der Headhunter zwar hauptsächlich für seinen Kunden, das suchende Unternehmen. Wenn er aber eben langfristig denkt, dann arbeitet er auch für die vermittelte Fachkraft. Scheitert die nämlich später im Job, weil Stelle und Fachkraft doch nicht zueinander passten, verliert der Personalberater gleich zwei Kunden: das Unternehmen und die Fachkraft. Auch daran lässt sich also ablesen, wie seriös ein Headhunter arbeitet: Denkt er nur an eine schnelle Besetzung oder den langfristigen Erfolg beider Klienten?
Massenmail statt persönlicher Ansprache
Doch zurück zum vorliegenden Fall. Der angebliche Personalberater hätte mein Profil (das online ja nun wirklich leicht zu ermitteln ist) vorab recherchieren können, um aus seinem Job-Potpourrie das passendste Angebot auszusuchen. Doch von Beratung keine Spur: Ohne sich vorzustellen (“Wir sind eine Personalberatung” – achso, ja nee, iss klar…) oder zu erklären, was ihn an meinem Profil konkret angesprochen hat (“Ihr Profil bei xing.com hat uns neugierig gemacht” – aber warum???), verschickt er eine typische Massenmail, bei der allein dem Empfänger überlassen bleibt, etwas Passendes auszusuchen. Und so sah das dann aus:
Sehr geehrter Herr xxx,
Ihr Profil bei xing.com hat uns neugierig gemacht.
Kurz zu uns: Wir sind eine Personalberatung und haben interessante Positionen im Online-& eCommerce-Umfeld zu besetzen.
Das Unternehmen:
Unser Auftraggeber ist ein etabliertes und renommiertes XXXXXunternehmen im Raum Köln/Düsseldorf.Die Aktivitäten im Marketing, sowohl im Online-Marketing/E-Commerce als auch im Direktmarketing, sind ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie. Unser Auftraggeber verfügt heute schon über einen Kundenbestand in Millionenhöhe. Der Einstieg in den E-Commerce steht bevor.
Steigen Sie ein als
1. Experte Internet/Online-Marketing (m/w)
- Verantwortung für die Website und die Weiterentwicklung der Onsite-Inhalte
- Verantwortung für Performance-Marketing (SEO, SEM, Affiliate, Display)
- Eigenverantwortliches Management von Projekten im Online-Umfeld
- Erschließung neuer und innovativer Marketing-Maßnahmen im Internet
- Auswertung und Analyse der Erfolgskennzahlen, Wettbewerbsbeobachtung
- Verantwortung für Planung, Budget und Marketing-Controlling sämtlicher Maßnahmen
- Steuerung und Briefing externer Agenturen und Dienstleister
- Enge Zusammenarbeit mit allen Unternehmensbereichen2. Web Analyst (m/w)
- Entwicklung einer Web Analyse- und Controlling-Strategie zur Unterstützung aller Online Marketing und Shop Management Aktivitäten
- Entwicklung und Verifizierung eines Taggingkonzeptes
- Definition der KPI‘s und Entwicklung und Umsetzung eines regelmäßigen Reporting zur Steuerung aller Online Aktivitäten (Management Reporting)
- Erstellung von Ad-hoc-Auswertungen und –Analysen zur Identifizierung von Performance- und Effizienzpotenzialen
- Entwicklung einer integrierten Sicht für alle Online Marketing Aktivitäten (Attribution Modelle für die gesamte Customer Journey)
- Unterstützung einer konstanten Usability Optimierung
- Entwicklung und Durchführung von multivariatem Testing
- Zusammenführung interner und externer Datenquellen (Web Analytics Tool, Google AdWords, Data Warehouse) zu einem ganzheitlichen Reporting3. SEM/SEO/Affiliate Specialist (m/w)
- Planung, Entwicklung, Umsetzung, Analyse und Optimierung von erfolgsorientierten SEM-Kampagnen unter Berücksichtigung der Multi-Channel Strategie
- Kontinuierliche Prozessoptimierung bzgl. Keyword-Entwicklung und Bid-Management
- Verantwortung für die strategische Entwicklung und operative Steuerung aller SEO-Maßnahmen
- Keyword-Analyse und -Research zur SEO-Optimierung des kompletten Website-Contents und Input des Shop Management und Content
- Management, Planung, Entwicklung, Steuerung, Optimierung und Ausbau der Affiliate-Aktivitäten
- Vermeidung von Affiliate Fraud
- Umsetzung der SEM und Affiliate-Aktivitäten entlang der Customer Journey unter Berücksichtigung von Attribution Modellen
- Management der SEM und Affiliate Agenturen
- Aufbau und Pflege geeigneter Trackingsysteme4. Experte eMail-Marketing (m/w)
- Strategische Konzeption von Newsletter-Kampagnen
- Entwicklung und Umsetzung zielgruppenspezifischer E-Mail-Kampagnen
- Konzeption von Tests, Auswertung und Ableitung von Optimierungen
- Steuerung von internen und externen Dienstleistern und Agenturen
- Entwicklung und Umsetzung von Permission-Marketing-Massnahmen (On- und Offline)
- Konzeption von Targeting, Retargeting und Performanceoptimierung
- Tracking, Auswertung und Reporting der Kampagnen
- Marktbeobachtung, Aufspüren neuer Trends im OnlinebereichDas Unternehmensumfeld:
Es erwartet Sie ein renommiertes Unternehmen mit breiten Entwicklungsmöglichkeiten und Aufgaben. Der Einstieg in den E-Commerce steht bevor. Sie können dabei maßgeblich neue Akzente setzen und Verantwortung übernehmen.Die finanziellen Rahmenbedingungen werden Sie überzeugen.
Interesse? Lassen Sie mir bitte in einem ersten Schritt Ihre vertraulichen Bewerbungsunterlagen zukommen. Ich komme dann auf Sie zurück.
Für Rückfragen vorab stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Sie merken schon: Das sind gleich vier Stellenanzeigen in einer. Keine davon ist zugeschnitten auf den Empfänger der Nachricht. Auch kein Wort darüber, warum er diesen ausgewählt hat und für geeignet hält. Stattdessen verlangt er gleich die Bewerbungsunterlagen…
Riesenfehler! Die sollten Sie nie so ohne Weiteres im Netz verteilen wie Kamelle zu Karneval. Wer weiß schon, wer die später zu Gesicht bekommt – womöglich gar Ihr aktueller Chef. Wie schon gesagt: Solange Sie den Personalberater nicht gut genug kennen, sollten Sie ihm auch nicht Ihre Unterlagen anvertrauen.
Und letztlich verrät diese Frage, dass der Mann seinen Job nicht beherrscht. Mit ein bisschen Online-Recherche (und die Kompetenz sollte eine spezialisierte Personalberatung für Direkt- und Onlinemarketing erst recht haben) braucht er zu diesem Zeitpunkt keine Unterlagen – alle relevanten Informationen zu mir und für die vier avisierten Stellen stehen im Netz. Diese Mühe macht er sich aber nicht, was wiederum zeigt, wie professionell er vorgeht und wie langfristig sein Interesse ist. Richtiger wäre gewesen, einen ersten Termin für ein persönliches Gespräch etwa am Telefon zu finden.
Tappen Sie also bitte nicht in die Xing-Falle. Frei nach einem Bonmot – Drum prüfe, wer sich ewig bindet – prüfen bitte auch Sie, von wem Sie sich beraten lassen – vor allem in Sachen Karriere. Die soll schließlich noch eine Weile anhalten.
PS: Ich habe mir allerdings noch den Spaß erlaubt, den Personalberater dezent auf seine, sagen wir, unorthodoxe Vorgehensweise aufmerksam zu machen. Es bestätigte sich prompt der Anfangsverdacht: Der Mann war eingeschnappt, wurde einsilbig und frech. Kurz: unseriös! Gut beraten ist, wer sich nicht in solche Hände begibt.







Christian
Personalberater beraten kein Personal, auch wenn es der Name suggeriert. Sie makeln mit Lebensläufen und werden mit Provisionen bezahlt. Natürlich muss man unterscheiden: Den CEO eines Konzerns wird man konzentrierter suchen als irgendeinen x-beliebigen Mitarbeiter auf unterer Ebene. Aber in der Masse lohnt sich halt kein Einsatz, wenn man ordentlich Kasse machen möchte.
Die meisten externen Recruiter schlagen Kapital aus der Tendenz von Firmen, möglichst alle Tätigkeiten auszulagern, die nicht unmittelbar zur Wertschöpfungskette gehören. Und da Mitarbeiter bekanntermaßen Kosten sind und keinen Wert darstellen, ist das suchen & finden durch den billigsten Anbieter zu leisten. Bei dem sitzen dann umgeschulte Pädagogen oder quereinsteigende Einzelhandelskaufleute und suchen zB Experten für SEO. Glaubst du, die verstehen auch nur ein Wort von den Lebensläufen, die sie weiterreichen?
Also regiert Masse statt Klasse und letztlich ist es dem Recruiter vollkommen wurscht, wer da eingestellt wird, solange der Mensch nur die Probezeit überlebt. Erst dann wird nämlich die Provision komplett fällig. Und nur darum geht es.
Jochen Mai
Das trifft sicher auf einige selbsternannte Berater zu. Umso mehr aber zeigt es, wie wichtig es ist, sich VORHER genau zu überlegen, wem man sich und seine Laufbahn anvertraut.
Peter
Ich habe mit Xing bislang nur positive Efahrungen gemacht. 1-2 Mal pro Monat erhalte ich Anfragen dieser Art und es sind schon einige interessante Kontakte und Gespräche dabei rausgekommen.
Axel Beckmann
Grundsätzlich kann ich den Tenor dieses Artikels nur unterstützen. Ich bin selbst Personalberater und bemühe mich Kandidaten per XING individuell anzusprechen und käme auch nie auf die Idee, wahrlos irgendwelche Vakanzen anzubieten.
Diejenigen die das machen, sind in aller Regel auch keine “Personalberater” oder Headhunter im klassischen Sinne, sondern die von meinem Vorkommentator benannten Recruiter. Die sind durch ihre Honorarstruktur gezwungen, nicht beratend tätig zu sein, sondern als “CV-Broker” zu fungieren. Leider ist das bei den Untrnehmen aus Kostengründen sehr belibet.
Auf der anderen Seite ist es für seriöse Personalberater sehr nervig, wenn Kandidaten auf Anschreiben einfach nicht reagieren, obwohl sie ansonsten bei XING sehr aktiv sind.
Pingback: Personalmarketing-Blog Sebastian Manhart | Lesestoff 08/2012
Bastian
Hach, wie ich das kenne. Unter Kollegen ist das immer ein großer Spaß, wenn jeder das gleiche Anschreiben gekriegt hat.
Neben dem Anschreiben gibt es übrigens gerade aus Xing ein gutes Indiz für Stümper unter den Personalberatern. Einfach mal gucken, wie diejenigen auf das angeblich ach so passende Profil gestoßen sind. Mein Favorit: Suche nach PLZ.