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Klare Ziele sind wichtig und sinnvoll, keine Frage. Doch im Arbeitsalltag, wenn der Aktenstapel wächst, die To-Do-Liste kein Ende nimmt und es hektisch wird, gehen Ziele schnell unter. Der Weg zum Fitnessstudio nach der Arbeit erscheint dann endlos lang, die eigentliche geplant Weiterbildung ist auf einmal zu anstrengend und die Arbeit am eigenen Projekt kann auch bis morgen warten. Wenn Ihnen auch nur eine dieser Situationen bekannt vorkommt, haben wir heute einen Trick für Sie. Der ist zwar ungewöhnlich, kann Ihnen jedoch dabei helfen, an Ihren Zielen festzuhalten...

Gewohnheiten führen nicht immer zum Ziel

Wollen Sie ein bestimmtest Ziel erreichen, brauchen Sie die dafür passenden Gewohnheiten. So heißt es zumindest. Doch oft werden Handlungen als Gewohnheiten bezeichnet, die gar keine sind. Eine Gewohnheit ist laut Wikipedia...

... eine unter gleichartigen Bedingungen entwickelte Reaktionsweise... die durch Wiederholung stereotypisiert wurde und bei gleichartigen Situationsbedingungen... automatisch nach demselben Reaktionsschema ausgeführt wird...

Gewohnheiten laufen automatisch ab und erfordern keine bewusst Aktion und vor allem keine Willenskraft mehr. Genau das ist bei vielen als Gewohnheit bezeichneten Abläufen jedoch der Fall.

Wollen Sie sich beispielsweise täglich 30 Minuten autodidaktisch weiterbilden, setzen Sie sich dafür vermutlich einen Termin im Kalender, bereiten alles vor und motivieren sich - vor allem nach einem langen Arbeitstag - bewusst dazu, die Weiterbildung anzugehen und zu lernen. Für eine Gewohnheit ist das schon viel zu aufwändig und erfordert viel zu viel bewussten Einsatz.

Solche Handlungen sind keine Gewohnheiten sondern Routinen. Im Gegensatz zu Gewohnheiten etablieren Sie Routinen meist sehr bewusst. Sie dienen dazu, ein bestimmtes Ziel durch kleine, jedoch konsequente Schritt zu erreichen.

Routinen sind auf dem Weg zum Ziel zweifellos wichtig, doch ihnen droht eine altbekannt Gefahr: Ausreden und Ablenkungen. Das geflügelte Wort: "Disziplin ist die Abwägung zwischen Ihren langfristigen und Ihren kurzfristigen Bedürfnissen" gilt auch für Routinen.

Mit einem einfachen, allerdings etwas radikalen, Trick können Sie Routinen festigen und an Ihren Ziele festhalten.

Kennen Sie Ihre Ziele?

Mathias Rosenthal/shutterstock.comGut strukturierte Routinen können Sie Ihrem Ziel näher bringen, schützen jedoch nicht davor, falschen Zielen nachzugehen.

Bevor Sie Ihre Routinen entwickeln, steht daher eine Frage an: Kennen Sie Ihre Ziel? Können Sie hier mit einem überzeugten Ja antworten, schließt sich eine zweite Frage an: Passen diese Ziele zu Ihnen?

Nicht selten entwickeln sich Ziele aus den - realen oder individuell interpretierten - Erwartungen anderer. Mit den folgenden drei Fragen können Sie herausfinden, ob Ihre aktuellen Ziele wirklich zu Ihnen passen und welche Veränderungen möglicherweise nötig sind.

  1. Was ändert sich, wenn Sie das Ziel erreichen?

    Die Antwort scheint möglicherweise einfach und klar zu sein. Doch bei genauer Betrachtung könnte sich herausstellen, dass sich gar nicht so viel ändert, wenn Sie Ihr Ziel erreichen. Stellen Sie die möglichen oder erhofften Auswirkungen des Ziels den Kosten und Entbehrungen, die Sie dafür erbringen müssen, gegenüber, kann das Ziel an Bedeutung verlieren.

  2. Machen Sie Ziel und Weg glücklich?

    Natürlich wird Sie nicht jedes Ziel - und schon gar nicht jeder Weg dorthin - glücklich und zufrieden machen. Doch wenn bei einem Ziel so gar keine Freude aufkommt und Sie nicht genau benennen können, wie dieses Ziel zu Ihrer Lebensqualität beträgt, sollte das ein Warnhinweis sein. Bei solchen Zielen dürfte auch der Weg nicht allzu angenehm werden.

  3. Wie viel ist Ihnen das Ziel wert?

    Die Formulierung ist ganz bewusst gewählt. Es geht nicht darum, wie wichtig Ihnen das Ziel ist. Entscheidend ist, was es Ihnen wert ist und was Sie dafür geben (werden), das Ziel zu erreichen. Diese Frage lässt Ziele nicht nur in anderem Licht erscheinen, sie hat auch direkt mit unserem heutigen Tipp zu tun.

  4. Wenn Sie sich noch weiter damit befassen wollen, wie Sie Ihre Ziele erreichen können, empfehlen wir Ihnen unseren Artikel zum Thema Zielstrebigkeit.

Dieser Trick führt zum Ziel

Andrei Korzhyts/shutterstock.comWir sagen es besser gleich: Dieser Trick ist zwar hoch effektiv, kann jedoch teuer werden. Für die Umsetzung brauchen Sie einen Kalender, Geldscheine mit einem Gesamtwert der Ihnen weh tut und ein Feuerzeug.

Setzen Sie sich ein klares Ziel und entwickeln Sie die dafür passende Routine. Wollen Sie beispielsweise Ihr professionelles Profil ausbauen und sich dazu weiterbilden, besteht Ihre Routine aus der täglichen Lernzeit.

Diese tragen Sie im Kalender als festen Termin ein. In Sichtweite des Kalenders oder Ihres Arbeitsplatzes liegen die Geldscheine und das Feuerzeug. Der Trick: Immer wenn Sie Ihre Routine nicht einhalten und sich Ihrem Ziel nicht nähern, verbrennen Sie einen der Geldscheine!

Disclaimer

Uns ist durchaus klar, dass eigenes Geld zu verbrennen, zwar legal, aber ziemlich final ist und dass man den Betrag genauso gut spenden könnte. Aber dann erfüllt das Geld am Ende noch einen guten Zweck. Und genau das soll verhindert werden: Es wird bei dieser Methode - sinnlos - vernichtet. Entsprechend abschreckend wirkt es. Und nicht zuletzt gehen wir davon aus, dass das nicht wiederholt vorkommt, sondern maximal ein Mal. Danach setzt schon der Vermeidungseffekt ein.

Was brutal oder verrückt klingt, funktioniert wunderbar - wenn Sie sich konsequent daran halten. Dann sorgt der Trick für eine finanzielle Verpflichtung und entfaltet so eine bindende Wirkung, die weit über den klassischen Belohnungssystemen liegt.

Die Wirkung dieser Methode wird auch durch die Untersuchungsergebnisse einer Raucherstudie belegt. Die Forscher teilten dazu die Probanden in zwei Gruppen ein. Einer Gruppe wurde eine Belohnung von 800 US-Dollar in Aussicht gestellt, wenn sie das Rauchen aufgab. Bei der anderen Gruppe lag die Belohnung bei lediglich 650 US-Dollar, die Probanden mussten jedoch 150 US-Dollar ihres eigenen Geldes hinterlegen, die im Fall des Scheiterns einbehalten wurden.

Wenig überraschend entschieden sich deutlich mehr Teilnehmer für das reine Belohnungsprogramm. Das Ergebnis war jedoch eindeutig: Nach sechs Monaten waren die Teilnehmer, die eigenes Geld investiert hatten, 13,2 Prozent erfolgreicher als die Teilnehmer, die lediglich durch eine Belohnung motiviert wurden.

Das Fazit der Forscher: Belohnungsorientierte Programme und Anreize werden zwar eher akzeptiert, doch wer eigenes Geld einsetzt - und sich damit finanziell verpflichtet - hält deutlich stärker an seinen Zielen fest.

Bleibt nur eine Frage: Werden Sie den Trick nutzen?

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