Digital Leadership-Digital Leader-Mitarbeiterführung
Die Digitalisierung hat nicht nur Produktionsprozesse verändert, sie beeinflusst auch den Führungsstil: Digital Leadership ist eine neue Art der Führung. Doch was ist daran jetzt so genau anders? Und ist der Führungsstil wirklich so revolutionär?

Definition: Der spezielle Führungsstil der Digital Leader

Definition: Der spezielle Führungsstil der Digital LeaderGoogelt man den Begriff Digital Leadership, fällt auf, dass es kaum eine griffige Definition gibt. Digital Leadership setzt sich zunächst einmal aus zwei Worten zusammen, nämlich digital und dem englischen Begriff für Führung. Es geht um einen Führungsstil, der für die Herausforderungen der Zukunft als unerlässlich angesehen wird, wenn Unternehmen sich am Markt behaupten wollen.

Ganz allgemein sollte jeder Führungsstil das Ziel haben, strategisch vorzugehen und die Stärken seines Unternehmens zu nutzen. Beim Digital Leadership kommt allerdings neu hinzu, dass digitale Tools genutzt werden, um die Digitalisierung auf allen Ebenen zu nutzen und um smarter zu arbeiten.

Hinter dem "smarter arbeiten" steckt indes die sogenannte S.M.A.R.T.-Formel. Das ist ein Akronym und die Abkürzung für...

SMART-Methode-Grafik

Letztlich geht es beim Digital Leadership darum, mittels klarer Überlegungen die Stärken eines Unternehmens zu nutzen, um wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Die Bedeutung des Internets ist dabei unumstritten, allerdings ist Digital Leadership viel mehr als nur der Umgang mit dem Internet.

Digital Leadership spiegelt Veränderungen in der Arbeitswelt

Um zu verstehen, was Digital Leadership bedeutet und was einen guten Digital Leader auszeichnet, ist es hilfreich, sich die Veränderungen im Arbeitsleben vor Augen zu führen.

Häufig ist in dem Zusammenhang von der digitalen Transformation die Rede. Wir befinden uns in einer Zeit, in der die Innovationszyklen immer kürzer werden – das lässt sich besonders gut im Produktbereich der Computer und Smartphones ablesen. Innerhalb immer kürzerer Abstände kommen neue Modelle auf den Markt. Für die produzierenden Unternehmen stellt das einen enormen Innovationsdruck dar, der sich zugleich in neuen Organisationsstrukturen und damit auch Führungsstilen spiegeln muss.

Hinzu kommen zahlreiche disruptive Geschäftsmodelle, die bestehende (und etablierte) Märkte teils radikal verändern, wenn nicht gar zerstören (jedoch kreativ und im Schumpeterschen Sinne). Man denke beispielsweise an Seiten wie Airbnb, Elektroautos oder Musikstreamingdienste, um nur einige zu nennen.

Viele Technologien wie zum Beispiel der 3D-Druck führen zu einer Veränderung der Arbeitswelt. Was ursprünglich als Erleichterung geplant war, hat zugleich manche Arbeitsplätze überflüssig gemacht. Auf der anderen Seite sind neue Arbeitsplätze entstanden. Da sich die Bedürfnisse der Kunden gewandelt haben, müssen Geschäftsmodelle und Produkte überdacht, unter Umständen verändert, aber ganz sicher angepasst werden.

Und eben diesen Transformationsprozess zu begleiten, zu organisieren, zu delegieren und zu managen ist Aufgabe der Digital Leader.

Digital Leadership: Eine Bestandsaufnahme in den Unternehmen

Geht es um Kompetenzen im Bereich Digitalisierung, sieht es in den deutschen Führungsetagen bisher eher düster aus. Allerdings gilt das nicht nur für Deutschland. Verschiedene Untersuchungen – sei es von der Hamburger Führungskräfteberatung CEB oder vom IT- und Beratungsunternehmen Crisp Research – zeigen, dass nur eine geringe Anzahl von Führungskräften für die digitale Revolution in den Unternehmen gerüstet ist.

Die CEB-Forscher bescheinigen gar nur zwölf Prozent von weltweit 5.000 befragten Personalleitern die derzeit nötigen Soft Skills und Managementkompetenzen zu besitzen.

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Die Untersuchung von Crisp Research wiederum konzentrierte sich auf die DACH-Region. Dort wurden über 500 Business- und IT-Entscheider dazu befragt, wie es um ihr Wissen und die Fähigkeiten, aber auch Denkweisen im Bereich digitale Transformation bestellt ist.

Das Ergebnis auch hier ernüchternd: Ganze 71 Prozent der Befragten besaßen nur eher dürftige Kompetenzen in Sachen Digital Leadership. Nur 17 Prozent wurden als "Technologie-Experten" eingestuft, lediglich drei Prozent als "Digitale Visionäre".

Auch das Center for Leadership and Behavior in Organizations (CLBO) der Goethe Universität Frankfurt, die Beratungsgesellschaft Groß & Cie., die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) und die Fachzeitschrift Personalwirtschaft haben in ihrer aktuellen Studie ein übergreifendes Phänomen ausgemacht: Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

Zwar kommen alle Befragten zu dem Ergebnis, dass die Bedeutung von Digitalisierung hoch ist. Auch die Führungsmethoden und -kompetenzen dazu werden als wichtig eingestuft. Wenn es allerdings darum geht, was bereits umgesetzt wurde, dann fällt das Urteil eher mau aus.

Immerhin gibt es ein paar Unterschiede in den jeweiligen Branchen und Abteilungen:

  • So schätzen Befragte in der IT- und Telekommunikationsbranche die Bedeutung von Digitalisierung und Digital Leadership höher ein als zum Beispiel Befragte im Dienstleistungssektor.
  • Dies ist umso überraschender, als vor allem in der Finanzbranche eine Digitalisierung der Geschäftsmodelle zu beobachten ist.
  • Auch in den Abteilungen gibt es Unterschiede; Marketing und Vertrieb messen dem Thema Digital Leadership zusammen mit Forschung und Entwicklung auch in Zukunft eine hohe Bedeutung bei. Deutlich geringer fällt die Bewertung bei Produktion und Einkauf aus.

Wer eignet sich zum Digital Leader?

Jeder kann Digital Leader werden. Das gilt allerdings oft nur theoretisch. Klassischerweise reklamieren den Titel für sich der CEO, der Geschäftsführer und CTO (Chief Technical Officer).

Aber stimmt das auch?

Digital Leadership bedeutet auch eine Abkehr von traditionellen Strukturen und traditioneller Führung. Hier sind vor allem Soft Skills gefragt. Auch wenn das klassische Führungskräfte nicht ersetzt, bedeutet das dennoch weniger Macht und Einflussnahme auf den Hierarchieebenen.

Gerade Vorstandsmitglieder scheinen dafür weniger geeignet zu sein. Sie sind in ihrem hierarchischen Denken oft zu sehr verhaftet. Die Praxis und Untersuchungen zeigen dagegen: Unternehmen, die die digitale Transformation erfolgreich meistern, haben zuvor allesamt die Position eines Chief Digital Officer (CDO) geschaffen.

Frank Kohl­-Boas, HR-Chef für Europa bei Google, drückt es so aus:

Letztlich bedeutet Führung das Erzielen von Ergebnissen durch andere.

Dieses partizipierende Führen (siehe Grafik oben) verlangt mitunter (aber nicht ausschließlich!) andere Kompetenzen als klassische. Bedeutet konkret:

  • Ein Digital Leader muss ein Unternehmen in die Digitale Transformation führen, das heißt den Wandel aktiv gestalten und dafür auch selbst offen sein.
  • Digitale Leader müssen insgesamt mehr Flexibilität zeigen, das heißt auf veränderte Situationen auch entsprechend reagieren können.
  • Ein Digital Leader sollte geschulte Medienkompetenz besitzen und in der Lage sein, dieses Wissen seinen Mitarbeitern zu vermitteln.
  • Eine digitale Führungskraft braucht ein gutes Gefühl für Teambuilding: Man muss als Chef nicht alles wissen, aber man muss sich die Leute ins Team holen, die das erforderliche Know-how mitbringen.
  • Damit einher geht ein Verständnis von Diversity: Im Unternehmen arbeiten verschiedene Generationen, Menschen mit unterschiedlichen Ideen und Hintergründen zusammen, die unterschiedliche Werte verkörpern und unterschiedliche Arbeitsweisen pflegen. Das muss organisiert werden, damit der Wandel nicht in Chaos und Anarchie mündet.
  • Digital Leader benötigen aber auch die nötige Kompetenz und Entscheidungsmacht, die Unternehmensstruktur insgesamt zu verändern und womöglich völlig neue Teams zu bilden.
  • Und Sie brauchen Budgets, Zeit, Geduld und Fingerspitzengefühl: So ein radikaler Wandel ist kein Sprint. Schon gar keiner, der nur verordnet werden kann. Die Mitarbeiter müssen dazu ermuntert werden, brauchen Vorbilder und ein klares und für sie ebenso lohnendes Ziel. Wer fürchten muss, dass er sich bei der Transformation nur selber abschafft, ist kaum zu motivieren.

Empathie und Haltung beweisen

Auf der einen Seite vereint ein Digital Leader also Innovationsgeist, begeistert sich für neue Technik und beschäftigt sich auch auf privater Ebene damit. Er hat keine Angst vor dem Einsatz neuer Tools.

Auf der anderen Seite erleben zugleich auch alte Tugenden eine Renaissance: Empathie, Haltung zeigen, Verantwortung fürs eigene Handeln übernehmen und Vorbild sein. Und nicht zuletzt spielt bei alldem immer auch die Vernetzung mit den Mitarbeitern eine entscheidende Rolle.

Bei aller Digitalisierung dürfen Digital Leader nicht den Kontakt zur Basis verlieren.

3 Merkmale für schlechtes Digital Leadership

  • Es gibt keine klaren Ziele.
  • Die Bereitschaft zur Veränderung ist nicht vorhanden.
  • Das Top-Management hält an alten Strukturen fest.

Wenn Sie wissen wollen, wie es nicht geht, wie Sie Ihr Unternehmen für die Zukunft nicht wappnen, dann sollten Sie den Ratschlägen des im letzten Jahr verstorbenen Psychologen Peter Kruse folgen. Der Experte für Trend- und Zukunftsforschung erklärt in diesem Video auf humorige Art, was in Unternehmen alles falsch laufen kann:

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