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Internet, Roboter, Vernetzung - die Arbeitswelt der Zukunft verspricht, alte Schemata auf den Kopf zu stellen. Aber welche Anforderungen stellt die schöne neue Welt an mich? Was erwarten die Unternehmen in Zukunft von mir? Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat in einem Policy Paper die „Anforderungen im Zeichen der Digitalisierung“ skizziert.

Anforderungen: Steigend

Befragt wurden dafür Geschäftsführer und Personalleiter von insgesamt 1.394 Unternehmen, welche wiederum in verschiedene Typen aufgeteilt wurden: Unternehmen mit hohem Digitalisierungsgrad, mit mittlerem und mit niedrigem. Unter Ersteren verstehen die Autoren Unternehmen, deren Geschäftstätigkeiten eng mit dem Internet verknüpft sind und die sich heute bereits intensiv mit dem Thema Digitalisierung befassen.

Zunächst wurden die Führungskräfte befragt, welche Kompetenzen sie heute, im Hier und Jetzt, von ihren Mitarbeitern einfordern. Das sind die wichtigsten ...

Diese Kompetenzen sind heute wichtig

  1. Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit

    81,1 Prozent der Unternehmen halten das für eine Schlüsselkompetenz. Von den Unternehmen mit hohem Digitalisierungsgrad fordern sogar 87 Prozent von ihren Mitarbeitern ein, angemessen mit Kollegen, Partnern und Kunden zu kommunizieren und gemeinsam Probleme lösen zu können.

  2. Planungs- und Organisationsfähigkeit/Selbstständigkeit

    Arbeitschritte planen und umsetzen, ohne jedes Mal den Vorgesetzten um Rat zu fragen - für 61 Prozent der Unternehmen ist das wichtig. Hier gibt es eine relativ große Diskrepanz zwischen den Firmentypen: So fordern 76,4 Prozent der Unternehmen mit hohem Digitalisierungsgrad Selbstständigkeit aktiv ein, von den Firmen mit niedrigem Digitalisierungsgrad dagegen nur 49,5 Prozent.

  3. Betriebliches/berufliches Erfahrungswissen

    Heutzutage kann man alles nachschlagen, betriebliches Fachwissen verliere daher an Wert - diese Hypothese wird von den meisten Unternehmen ausdrücklich nicht geteilt. 58,2 Prozent halten einen großen Wissens- und Erfahrungsschatz für unentbehrlich.

  4. Technisches Fachwissen

    Technisches Fachwissen benötigen Arbeitnehmer zum Beispiel, wenn sie vermehrt mit Maschinen und Geräten interagieren, technische Arbeitsschritte durchführen. 31,6 Prozent sehen darin schon heute eine unerlässliche Kompetenz - ein (noch) relativ geringer Prozentsatz.

  5. Handwerkliches Geschick

    Arbeitsschritte geschickt und gekonnt ausführen - das ist für 29,9 Prozent der Unternehmen wichtig. Die Studienautoren mutmaßen an dieser Stelle, dass die befragten Unternehmen handwerkliches Geschick im wörtlichen Sinne mit handwerklichen Tätigkeiten gleichsetzen - und weniger mit anderen, etwa im Dienstleistungsbereich. Vielleicht ein Grund, warum dieser Kompetenz weniger als ein Drittel der Befragten einen hohen Stellenwert beimessen.

  6. Kaufmännisches/betriebswirtschaftliches Fachwissen

    Aufgaben effektiv und ökonomisch effizient erfüllen - kaufmännisches Wissen hilft dabei. Für 23,9 Prozent der Befragten Unternemen ist diese Kompetenz wichtig. Dabei spielt es kaum eine Rolle, wie digital das Unternehmen aufgestellt ist.

  7. Online-Kompetenzen

    Die Fähigkeit, das Internet gezielt für berufliche Zwecke einzusetzen: 23,3 Prozent der Firmen fordern schon heute ausgeprägte Online-Kompetenzen von ihren Mitarbeitern ein - ein vergleichsweise geringer Wert. Bei Unternehmen mit hohem Digitalisierungsgrad sind es mit 43,6 Prozent zwar deutlich mehr - aber auch hier nicht einmal jedes zweite.

  8. IT-Fachwissen/Software-Programmierung

    Dazu zählen etwa der Umgang mit Datenschutzrichtlinien, Verschlüsselung von E-Mails, das Wissen um Virengefahren und der richtige Umgang mit E-Mail-Anhängen. Spezifische IT-Kompetenz erwarten die meisten Unternehmen nur von ihren Spezialisten, nicht von der breiten Masse der Belegschaft. Nur 7,4 Prozent der Firmen halten sie heute für wichtig.

Das war der Status quo. Aber die Anforderungsprofile verschieben sich in den kommenden Jahren, wenn die Digitalisierung voraussichtlich immer weitere Wirtschaftsbereiche durchdringt. Auch nach dem Bedeutungszuwachs- oder verlust dieser Schlüsselkompetenzen hat das IW in Köln die Führungskräfte daher gefragt. Die Rangliste sieht nun ein wenig anders aus.

Zwar stehen die Soft Skills auch hier an der Spitze, Kommunikationsfähigkeit bleibt die Top-Kompetenz, die auch in Zukunft nahezu jeder Arbeitgeber von seinen Leuten verlangen wird. Aber vor allem IT- und Online-Skills gewinnen an Wert. Während heute erst rund 23 Prozent der Unternehmen ausdrücklich Kompetenzen im Online-Bereich einfordern, rechnen über 60 Prozent damit, dass die Erwartungen diesbezüglich steigen.

Zwei Randnotizen: Unternehmen, in denen wenige Akademiker arbeiten, glauben nicht, dass „handwerkliches Geschick“ bald eine größere Rolle spielen wird. Und Unternehmen mit zahlreichen Azubis glauben eher, dass betriebliches und technisches Fachwissen an Bedeutung gewinnt.

Diese Komptenzen werden wichtiger

  • Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit: 77,5 Prozent der Unternehmen glauben, dass sie wichtiger wird. 34,8 Prozent sagen sogar, ihre Bedeutung werde "deutlich steigen".
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit/Selbstständigkeit: Liegt mit 76,4 Prozent nur knapp dahinter. Von einem "deutlichen" Bedeutungszuwachs gehen 30,1 Prozent aus.
  • Betriebliches/berufliches Erfahrungswissen: 65,9 Prozent rechnen mit wachsenden Anforderungen, die Mehrheit von ihnen glaubt aber nur, dass die Bedeutung "etwas steigen" wird.
  • Online-Kompetenzen: Sie werden wichtiger, darin sind sich viele Firmen einig. 61,8 Prozent glauben an einen höheren Stellenwert in der Zukunft, von den Digital-Unternehmen sogar 75 Prozent.
  • Technisches Fachwissen: 56,7 Prozent halten technisches Fachwissen für eine wichtige Kompetenz von morgen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, wie digital das befragte Unternehmen heute schon aufgestellt ist.
  • Kaufmnännisches/betriebswirtschaftliches Fachwissen: BWL-Grundwissen ist für 56,1 Prozent in Zukunft wichtig - den höchsten Wert erzielt es bei Unternehmen mit mittlerem Digitalisierungsgrad.
  • IT-Fachwissen/Software-Programmierung: Das Wissen um betriebliche IT-Sicherheit und Programmiersprachen: Diese "harten" Skills gewinnen ebenfalls deutlich an Stellenwert. Insgesamt sagen 51,8 Prozent, ihre Bedeutung werde steigen.
  • Handwerkliches Geschick: Das abgeschlagene Schlusslicht im Ranking. Nur 26 Prozent glauben an einen Bedeutungszuwachs. Vielleicht auch ein Hinweis, dass Routinetätigkeiten

Insgesamt kommt die IW-Studie also zu dem Schluss, dass die Digitalisierung der Arbeitswelt mit steigenden Kompetenzanforderungen einhergeht. Und dass Unternehmen, die heute bereits einen hohen Digitalisierungsgrad aufweisen, sehr viel bemühter sind, ihre Mitarbeiter auf die Zukunft vorzubereiten. Sie setzen häufiger auf altersgemischte Teams, auf systematische Potenzialanalyse und Wissenstransfersysteme, um ihr Personal adäquat weiterzubilden.

Auch die Job Rotation wird als geeignetes Mittel gesehen, eigene Mitarbeiter für die unterschiedlichen Tätigkeitsprofile von morgen zu schulen. Heute praktiziert das erst rund ein Viertel der befragten Unternehmen, weitere rund zehn Prozent planen damit für die Zukunft.

Ebenfalls auffällig: Nur 17,7 Prozent der Unternehmen gönnen dem Großteil ihrer Mitarbeiter Kommunikations-Trainings und Persönlichkeits-Seminare, in den meisten Firmen ist dies ausgewählten Mitarbeitern vorhanden.

Das Gleiche gilt für Weiterbildungen zu Projektmanagement und Führungsqualitäten - angesichts der steigenden Anforderungen hätte man vermuten können, dass die gesamte Belegschaft davon profitieren solle. Nur Seminare, die berufliches Fachwissen vermitteln, stehen in der Regel allen Mitarbeitern offen. Und eine letzte Erkenntnis: Kleine und mittlere Unternehmen sind diesbezüglich genauso engagiert wie größere.

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