Gut, sicher, klar, es ist bald Feierabend, Wochenende, Freizeit – und Sie möchten jetzt echt nicht mehr viel machen. Nun, eine Alternative ist: Sehen Sie möglichst beschäftigt aus. Engagierte und fleißige Mitarbeiter mag schließlich jeder Chef. Und wer die Attitüde eines Leistungsträgers pflegt, sichert nicht nur seinen Job – er tut auch was gegen die Langeweile, wird aktiv und kreativ. Kurzum: Das bisschen Show muss sein – und macht Spaß dazu.

In der New York Times gab es dazu mal eine hübsche Geschichte, was Angestellte derzeit so alles inszenieren, um möglichst gefragt, beliebt, beschäftigt auszusehen: Da gibt es zum Beispiel den 30-jährigen Portfolio-Manager aus New Jersey, der Akten auf seinem Schreibtisch stapelt und sich in der Mittagspause von seinen Freunden am Handy anrufen lässt, um möglichst vielgefragt zu wirken. Oder den New Yorker Anwalt, der das Licht abends lange im Büro brennen lässt, damit es so aussieht, als arbeite er bis spät in die Nacht. Weil das Bürolicht aber offenbar automatisch gesteuert und an eine Art Bewegungsmelder gekoppelt war, ließ er zudem einen Ventilator in seinem Büro laufen. Not macht erfinderisch.

Natürlich ist das alles nicht ungefährlich. Wer dabei auffliegt, sieht zwar nicht faul aus (Das anhaltende Vortäuschen falscher Tatsachen ist schließlich auch eine anstrengende Aufgabe), dafür aber reichlich illoyal und unkollegial. Erst recht, wenn in der so verschummelten Zeit andere Bürokräfte die eigentliche Arbeit erledigen mussten. Andererseits: Manch einer kann auf diese Weise vielleicht seinen Job retten. Deshalb – mit einem starken Augenzwinkern – so kurz vor Feierabend unsere…

Ultimative Anleitung zum Beschäftigtaussehen

  • Gehen Sie möglichst schnell durch die Büroflure und sehen Sie dabei unglaublich gestresst aus. Und haben Sie dabei immer (!) Zettel oder Aktenordner unter dem Arm. Wichtig: Schauen Sie unbedingt so drein, als hätten Sie ein Ziel! Wer wie Spaziergänger aussieht, beweist nur Langeweile und zu viel Zeit zu haben.
  • Setzen Sie, sofern vorhanden, permanent ein Headset auf. Um die Illusion perfekt zu machen, führen Sie ab und an ein paar (Selbst-)Gespräche.
  • Aktenberge sind immer gut. Setzen die Haufen jedoch Staub an, verkehrt sich die Wirkung: Das wirkt dann eher verschlampt als aktiv. Deshalb: Stapeln und sortieren Sie das Zeugs auf dem Schreibtisch regelmäßig um. Sichtbar inszeniert, sieht die Aufräumaktion obendrein sehr organisiert aus.
  • Nehmen Sie jeden Abend (natürlich spät) den Laptop mit und kündigen Sie an, dass Sie noch daheim weiterarbeiten. So sehen Leistungsträger aus: Nicht nur viel zu tun, sondern auch noch rund um die Uhr im Einsatz.
  • Gehen Sie in möglichst viele Meetings – oder besser: Erfinden Sie selbst Konferenzen. Damit lässt sich wunderbar Zeit tot schlagen, während man sich über die Zukunft des Unternehmens die Köpfe zerbricht. Manche Arbeitgeber sponsern den Elan sogar mit Kaffee und Keksen.
  • Stöhnen, jammern und seufzen Sie regelmäßig über die viele Arbeit. In der Kantine, in der Kaffeeküche, am Kopierer – überall. Hauptsache auf dramaturgisch hohem Niveau.
  • Hängen Sie einen Terminkalender gut sichtbar an die Wand und malen Sie ihn bunt aus. Je mehr Termine dort eingetragen sind, desto besser. Profis schmücken das Mimikry mit vielsagenden Titeln aus, wie “Geheimstrategiebesprechung”, “Vertrauliches Partner-Lunch”, “Branchentreff”. Definitiv verboten sind Einträge vom Typ “Friseur”, “Tischkickertunier”, “Lotto spielen”.
  • Bitten Sie Freunde bei Ihnen mehrmals am Tag anzurufen. Zeigen Sie sich von dem Gebimmel genervt, gehen Sie nicht dran, sondern meckern Sie lauthals: “Hier kommt man zu nichts! Ich kann so nicht arbeiten…!”
  • Überhaupt: Sehen Sie stets genervt und überlastet aus. Am besten schlafen Sie nachts wenig. Dann bekommen Sie auch noch Ringe unter den Augen.
  • Hängen Sie ein “Bitte nicht stören”-Schild an die Bürotür. Und falls doch jemand eintritt, deuten Sie hektisch auf Ihr Headset (siehe oben) und wimmeln Sie den Besucher mit dem Hinweis auf ein wichtiges Telefonat ab.
  • Essen Sie mittags direkt am Schreibtisch. Natürlich nur Fastfood!
  • Erfassen Sie in Word ständig irgendwelche Texte. Profis pflegen dabei heimlich Ihr Blog und verdienen an den Google-Anzeigen noch etwas nebenbei.
  • Schreiben Sie viele Mails an Bekannte oder Kollegen. Stellen Sie dabei unbedingt auch Fragen. Effekt: Sie erhalten Mails zurück. Wer jetzt das Gebimmel seines Posteingangs auf laut stellt, sieht unglaublich kommunikativ und gefragt aus.
  • Noch besser: Datieren Sie Ihre E-Mails vor. Einige Programme lassen das zu. So erhalten die Empfänger auch nach 21 Uhr noch Post von ihnen, was den Eindruck zementiert, dass Sie bis spät abends noch fleißig arbeiten.
  • Deuten Sie immer wieder an, dass Sie vertrauliche Informationen besitzen. Lassen Sie Namen von wichtigen Leuten fallen und erwecken Sie den Eindruck, mit ihnen regelmäßig zu konspirieren.
  • Machen Sie Listen: To-Do-Listen, Projektlisten, Sparlisten, Telefonlisten, … Und hängen Sie diese sichtbar auf. Nicht vergessen: Die Listen mit unterschiedlichen Stiften und Farben regelmäßig zu überarbeiten, Punkte abzuhaken, zu ergänzen oder zu streichen.
  • Machen Sie ein paar unnötige Kopien und vertrödeln Sie so etwas Zeit am Kopierer mit Warten. Die Variante funktioniert freilich auch vor dem Faxgerät: Da warten Sie dann eben auf wichtige Dokumente.

Jetzt Sie noch! Was machen Sie eigentlich gerade so (außer dieses Blog lesen)?