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Manche Menschen legen ein Verhalten an den Tag, das uns nur ungläubig staunen lässt. Die einen brausen fix in die Parklücke, obwohl Sie bereits blinkend davor standen. Die nächsten spielen sich auf der Arbeit auf, als ob sie der Chef persönlich wären und erteilen ungefragt Anweisungen. Dreistigkeit siegt, könnte man meinen. Denn viel zu selten lassen sich Konsequenzen gegenüber solchen Leuten beobachten. Mit welchen Tricks gearbeitet wird und wie Sie damit umgehen können...

Dreistigkeit: Unmoralische Wirtschaft oder Gesellschaft?

Dreistheit oder Dreistigkeit, Unverfrorenheit, Unverschämtheit - aber auch: Risikobereitschaft - sind allesamt Begriffe, die ein und dasselbe Verhalten meinen. Sie beschreiben eine Eigenschaft einer Person, keine Hemmungen und keine Zurückhaltung in Situationen zu zeigen, die anderen Menschen für gewöhnlich Respekt oder Mut abverlangt.

Das für viele Menschen Erschreckende daran ist: Dreistigkeit siegt - diese Leute kommen damit durch. Da stellt sich natürlich die Frage: Lohnt es sich noch, ehrlich zu sein? Zählen Werte wie Moral und Anstand noch, wenn andere sich einen Teufel darum scheren?

Offenbar scheint ein Großteil der Gesellschaft für sich die Frage mit nein beantwortet zu haben, glaubt man einer Studie der Kriminologen Susanne Karstedt und Stephen Farrall, die im British Journal of Criminology veröffentlicht wurde.

Ihren Beobachtungen zufolge ergaunern sich Menschen quer durch sämtliche Gesellschaftsschichten und altersunabhängig tagtäglich irgendwelche Vorteile. Begangen werden diese Betrügereien von Menschen, die sich selbst als respektable Mitglieder der Gesellschaft sehen und keinesfalls als Kriminelle.

Etliche Delikte fallen in rechtliche und moralische Grauzonen; unter den Dreistigkeiten sind Fälle wie:

  • Versicherungsbetrug
  • Bei rot über die Ampel fahren
  • Den Rundfunkbeitrag nicht bezahlen
  • Schwarzarbeit

Solche Delikte sind alltäglich und sagen womöglich weitaus mehr über den moralischen Zustand einer Gesellschaft aus als Gewaltverbrechen. Karstedt und Farrall machen das Verhalten vieler Wirtschaftsunternehmen dafür verantwortlich.

Das deckt sich auch mit den Untersuchungen des Juristen Kai Bussmann, der 2016 eine Studie zur Wirtschaftskriminalität (PDF) veröffentlichte.

Geldwäsche, Falschbilanzierungen, Patentdiebstahl - die Liste der Verfehlungen ist lang und gelangt immer mal wieder an die Öffentlichkeit. Das hat offenbar nachhaltigen Eindruck auf die Moral. Psychologen wie Georg Lind, Experte für Moralpsychologie an der Universität Konstanz hingegen sieht die Gründe für Dreistigkeit woanders.

Er beobachtet die Spaltung der Gesellschaft nach Schichten und Einkommensklassen. In der Folge würden die jeweiligen Gruppen unter sich bleiben und genau diese Entwicklung verhindere, dass sich eine Moralkompetenz bilden könne.

Die Wahrheit liegt vermutlich wie so oft dazwischen.

Dreistigkeit siegt: Zitate und Sprüche

Folgender Mini-Dialog illustriert Dreistigkeit von seiner humorvollen Seite:

"Das ist nur eine Kinderfahrkarte." - "Da können Sie mal sehen, wie lange der Zug schon wieder Verspätung hatte!"

Aber auch Literaten und Aphoristiker haben sich ihre Gedanken zu dreistem Verhalten gemacht:

  • Säume nicht, dich zu erdreisten, wenn die Menge zaudernd schweift! Alles kann der Edle leisten, der versteht und rasch ergreift. (Johann Wolfgang von Goethe)
  • Dreistigkeiten sind tadelnde Reden, deren Gegenstand man selber ist. (Ambrose Gwinnett Bierce)
  • Die Faulen und die Dreisten schreien am meisten. (Unbekannt)
  • Die Dreisten wirbeln den Staub auf - und die Feigen fegen den Boden! (Wolfgang Kreiner)
  • Wenn das Böse die Dreistigkeit hat, muss das Gute den Mut haben. (Unbekannt)

Dreistigkeit siegt bei diesen Tricks

Dreistigkeit siegt Zitat Dreistigkeit siegt Sprüche DreistheitJeder kennt aus dem Alltag Beispiele, in denen Dreistigkeit siegt. Es lohnt sich zu schauen, wie genau das vor sich geht. Je nach Situation kommen unterschiedliche Taktiken zum Einsatz:

  • So tun als ob

    Der Klassiker, wenn jemand in die angesagte Szene-Disko oder auf den Promi-Empfang möchte. Man tut einfach so, als ob man dazu gehört. So haben sich Leute auch schon auf Gästelisten geschmuggelt. Sehr hilfreich dabei ist schauspielerisches Talent, das dabei hilft, mit einem gewissen Habitus aufzutreten. Je sicherer Sie sich beispielsweise auf Galas bewegen und Stars begrüßen, desto weniger wird man Ihre Anwesenheit in Frage stellen.

  • Den anderen überrumpeln

    Sie schaffen einfach Fakten, indem Sie in die Parklücke fahren oder sich an der Kasse einfach vordrängeln. Dabei können Sie so tun, als ob Ihnen gar nicht auffällt, dass eine andere Person vor Ihnen stand. Auch sehr beliebt: Den leeren Einkaufswagen schon direkt neben der anvisierten Kasse parken und dann erst einmal losgehen und noch Dinge einsammeln, die "vergessen" wurden. Dann an der Schlange mit Verweis auf den lange zuvor abgestellten Einkaufswagen vorbeidrängeln.

  • Um Gefallen bitten

    Diese Methode ist noch eine der freundlichen. Sie bitten jemanden um einen Gefallen, beispielsweise für Sie etwas zu kopieren. Ach ja, und wenn er schon dabei ist, kann er auch den Toner auffüllen und von unterwegs noch den einen Ordner mitbringen. Der Gedanke dahinter ist: Wenn der erste Wunsch erfüllt wird, geht es auch mit größeren Sachen, dem anderen fällt es dann schwerer, die folgenden Wünsche abzulehnen.

  • Komplimente machen

    Deutlich manipulativer - wenngleich auf den ersten Blick auch nett - ist dieser Trick. Sie machen der Person erst Komplimente, die Sie in der Sympathie steigen lassen. Und dann erlauben Sie sich eine Dreistigkeit. Auch hier wird es dem anderen nicht leicht fallen, sich auf Anhieb gegen Sie zur Wehr zu setzen.

  • Mitleid erregen

    Ein Trick so alt wie die Menschheit. Keiner möchte sich als kaltherzig, brutal und unsozial sehen - all das würde allerdings derjenige in Form eines schlechten Gewissens erhalten, wenn er den Gefallen ablehnt. Weil der Kollege es ja auch wirklich schwer hat, mit der schlimm erkrankten Mutter, alleinerziehend mit den drei pubertierenden Kindern, den Krediten, die belasten und dergleichen mehr. Wer also schön auf die Tränendrüse drückt, darf sich der Unterstützung hilfsbereiter Menschen gewiss sein.

Umgang mit dreisten Menschen

Auch auf der Arbeit gibt es diesen Typus. Mal eben noch Aufgaben für den Kollegen übernehmen, weil er pünktlich Zuhause sein muss? Na klar. Sie gehören zu den Leuten, die immer die Spülmaschine einräumen, während ihre Kollegin ihre dreckige Tasse einfach auf der Arbeitsplatte abstellt? Auch das.

Was also tun, wenn man mit solchen Kollegen zu tun hat? Vorweg eins: Es geht nicht darum, selbst zum egoistischen Scheusal zu mutieren, um in bester Ellenbogenmanier wie ein Bulldozer seine Prinzipien durchzudrücken.

Aber vielleicht helfen Ihnen diese Punkte:

  • Lernen Sie zu beobachten. Ist es immer dieselbe Person, die Sie um einen Gefallen bittet, umgekehrt aber merkwürdigerweise nie Hilfe leistet? Sind andere Kollegen vielleicht auch betroffen? Es gibt den Spruch: Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt. Der bringt es ganz gut auf den Punkt. Sie dürfen sich nicht alles gefallen lassen. Wer sich ausnutzen lässt - und das ist der Fall, wenn Sie immer zu Ihrem eigenen Nachteil anderen einen Gefallen tun - trägt eine gewisse Mitschuld. Denn auch wenn das dreiste Verhalten vom anderen ausgeht, so bedarf es immer einer Person, die das trägt.
  • Lernen Sie nein zu sagen. Dies ist die direkte Konsequenz daraus, wenn Sie feststellen, dass jemand mit seinem dreisten Verhalten immer wieder Erfolg hat - und zwar auf Ihre Kosten. Nein zu sagen hat nichts mit Rücksichtslosigkeit zu tun, sondern ist gesunder Egoismus aus Selbstschutz.
  • Bleiben Sie konsequent. Lassen Sie sich nicht erweichen. Es kann gut sein, dass jemand, der bisher bei Ihnen mit bestimmten Anfragen immer Erfolg hatte, hartnäckig weiter sein Glück versucht. Sie senden allerdings falsche Signale, so dass Sie am Ende mit Ihren Wünschen nicht ernst genommen werden, wenn Sie wieder einwilligen zu helfen.
  • Konfrontieren Sie Ihren Kollegen. Sprechen Sie ihn auf sein Verhalten an. Idealerweise formulieren Sie es als Frage beziehungsweise in der Ich-Form. Dabei sollten Sie Ihre Beobachtungen schildern und von ihm eine Erklärung fordern. Das ist nicht unbedingt ganz leicht, sollte allerdings der erste Weg sein, bevor Sie sich an höherer Stelle beschweren oder durch ewige Lästereien zu einem schlechten Betriebsklima beitragen.
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