Down-Dressing-bunte-Socken
Ob Sie zu einer Hochzeit gehen oder zu einem Vorstellungsgespräch: In der Regel werden Sie sich dazu herausputzen, einen Anzug mit Krawatte, ein Kleid oder Kostüm anziehen und sich an den herrschenden Konventionen und Dresscodes orientieren. Eigentlich völlig richtig. Und trotzdem gibt es da immer diesen einen Typen, der zum Anzug pinke Socken trägt oder eine Krawatte deren Farben lauter schreien als Steven Tyler. Bisher hat man angenommen, solche Typen fallen zuerst negativ auf und dann durch. Denkste! Laut einer Studie hat diese Form des Dressing Down durchaus Erfolgspotenzial...

Die Macht der Nonkonformität

Die Harvard-Forscherinnen Silvia Bellezza, Francesca Gino und Anat Keinan entwickelten dazu fünf unterschiedliche Experimente. Bei einem davon sollten Studenten beispielsweise den professionellen Status eines Professors einschätzen, der entweder an einem College oder einem Top-Universität lehrt.

  • Mal sahen sie ein Bild von ihm - glatt rasiert und im feinsten Zwirn;
  • mal war er unrasiert und in einem T-Shirt abgebildet.

Wie erwartet, vermuteten die meisten Probanden, der olle Zottel sei Professor an der Top-Uni - eben weil er sich derlei Nachlässigkeit im Äußeren leisten könne.

Und so setzte sich das auch bei den anderen Experimenten fort: Unter bestimmten Umständen assoziierten die Beobachter ein eher untypisches und nonkonformes Outfit mit einem höheren Status der Person sowie mit mehr Kompetenz.

Nonkonformität: Der aus der Reihe tanzt...

Die meisten Psychologie-Studenten dürften die Experimente von Solomon Asch kennen. Er untersuchte seinerzeit die Wirkung des Gruppenzwangs - oder eben der Konformität. Die Mehrheit der Menschen fügt sich bereitwillig der Mehrheitsmeinung, selbst wenn diese der eigenen Wahrnehmung und Erfahrung widerspricht.

In bestimmten Berufen und Professionen aber erwarten wir das genaue Gegenteil: Kreativen Menschen oder Künstlern gestehen wir regelmäßig ihre Spleens, Marotten und Eigenwilligkeiten zu. Wir erwarten sie teilweise sogar. Ein Querdenker, der an keiner Stelle autonom oder unkonventionell auftritt, kann ein solcher irgendwie nicht sein.

Und so ist es auch in bestimmten Situationen: Alle Redner haben ebenso glatt gebügelte Hemden wie Präsentations-Folien - nur der eine in Jeans und T-Shirt hat gerade mal zehn Slides mit nur jeweils einem Wort darauf mitgebracht. Trotzdem hält er einen völlig freien, flammenden und erfrischend anderen Vortrag. Die Bestbewertung ist ihm gewiss.

So lässt sich beispielsweise auch der legendäre Social-Media-Schal erklären, den viele Szene-Promis ganz bewusst statt einer Krawatte getragen haben oder immer noch tragen.

Gut, ob Sie deswegen im schimmernden Smoking zum Vorstellungsgespräch erscheinen sollten, darf auch weiterhin bezweifelt werden. Aber womöglich geben die knallgrünen Socken, die zwischendurch frechmutig hervorblitzen, einen positiven Nachhall. Der kühne Kreative lässt grüßen...

Selbsttest: Wie viel Querdenker steckt in Ihnen?

Extra-Tipp-IconQuerdenker haben es schwer. Sie gelten als Unruhestifter, Außenseiter, Abweichler. Nicht umsonst ist wohl die sprachliche Verwandtschaft von Querdenker und Querulant so nah.

Doch weit gefehlt: Querdenker sind nicht nur außergewöhnliche Denkertypen - ohne Menschen wie diese gäbe es keinen Fortschritt. Sie bringen frischen Wind, sorgen für Neuerungen und Veränderungen. Damit sind Sie für Unternehmen ein wertvolles Gut - wenn diese sie zu schätzen wissen. Finden Sie also in diesem Selbsttest heraus, welcher Denkertyp Sie sind!

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