Duzen im Job? In großen Konzernen ist das eher die Ausnahme und das förmliche Sie auf der Tagesordnung. Aber muss das auch so bleiben? Nein, findet mehr als ein Fünftel der Angestellten (23,8 Prozent). Sie empfinden die zwar höfliche Anredeform des Sie für den Umgang im Büro als zu steif und nicht mehr zeitgemäß. Das Du sei angemessener, so das Ergebnis einer Online-Umfrage der Jobbörse Stellenanzeigen.de unter 1050 Nutzern. Von ihnen sagten aber auch 15 Prozent, dass sie sich weiterhin den Job als duzfreien Raum wünschen und die mit dem Sie verbundene Distanz schätzen. Der Rest von 61,2 Prozent neigte dagegen zu einer pragmatischen Position – und macht die Frage nach dem „Du“ oder „Sie“ auch weiterhin vom Einzelfall abhängig.
Das schreit natürlich nach einer eigenen, wenn auch nicht empirischen Umfrage unter den hiesigen Lesern: Wie halten Sie es im Büro und Job: Duzen Sie schon oder Siezen sie noch? Und vor allem: Was wäre Ihnen lieber?
Schreiben Sie uns einen Kommentar dazu!







Oliver Rumpf
Wertschätzung und Respekt haben für mich nicht wirklich mit der Anredeform zu tun. Ein “Du” drückt für mich mehr Vertrautheit bzw. Vertrauen aus. Je nach Intensivität der Kontakte wechsle ich gern ins “Du”.
Michael
Das beantworte ich ganz einfach:
Unter Kollegen: DU
Mit dem Chef: SIE. Ich finde gerade in dieser doch sehr wichtigen Beziehung profitieren beiden Seiten von der professionellen Distanz.
Simon
Ich für mich wünsche mir wieder ein “Sie”-Arbeitsumfeld
Wertschätzung verneine ich genauso wie Herr Rumpf ;-)
Einen respektvolleren Umgang sehe ich jedoch sehr wohl mit einer distanzierten Anredeform möglich.
Prinzipiell stimme ich mit Michael überein. Jedoch wäre bei dem einen oder anderen Team ein mehr-kollegiales Verhalten wünschenswert. Zumindest wenn die Ellenbogen zum Vorschein kommen. Da könnte es durchaus hilfreich sein ein wenig Distanz zu halten
Mia
Ich war Schüler und Lehrer, war Student und Dozent. Schulungen habe ich an der Uni und in der freien Wirtschaft gegeben. Vorgesetzte war ich – wie auch Untergebene (Mitarbeiter).
Meiner Erfahrung nach lässt es sich mit einem Du besser arbeiten – auch mit den Vorgesetzten.
Auf ein “Sie” bestehen vorwiegend jene, die wenig natürliche Autorität und ein geringes Selbstbewusstsein haben. Sie hoffen sich durch eine Sie-Distanz zu schützen.
Mit Respekt hat es rein gar nichts zu tun. Eher mit mangelnder Flexibilität und veraltetem Obrigkeitsdenken.
Je intelligenter und toleranter die Menschen im Kreise um so weniger “Sie-Kultur”.
Claudia
“Du” oder “Sie” ist für mich keine Frage des Respekts, der Autorität oder der Hierarchie, sondern einfach eine Frage der Distanz. Im Job wie in der Freizeit drückt ein “Du” im Normalfall Nähe oder Zusammengehörigkeit aus (z.B. Altersgruppen unter sich oder z.B. Kollegen, die sich auch privat sehen). In meiner aktuellen Firma ist das “Du” Firmenphilosophie und ich wünsche mir, doch bei dem einen oder anderen Kollegen das “Sie” anbieten zu können, einfach um die verspürte oder gewünschte Distanz verbal ausdrücken zu können.
DanielS
Ich mache das eher an der Distanz der eigenen Position im Unternehmen zur Unternehmensposition des Gegenübers fest. Je kleiner die ist, umso eher bin ich zum “Du” bereit. Nicht unwichtig sind für mich jedoch auch persönliche Sympathien und andere Faktoren (z.B. das Alter).
Beide Anredeformen haben Vor- und auch Nachteile, die man gut abwägen sollte.
Die richtige Wahl der Anredeform ist natürlich nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern auch zum Beispiel beim Umgang mit Kunden wichtig. Auch da kann ein gegenseitig akzeptiertes “Du” Barrieren abbauen.
Mia
Claudia und Daniel haben ganz zu Recht die Gefühlsebene explizit angesprochen. Du als Sympathie- und Ähnlichkeits-Indikator führt zu Gedanken wie “Ihiih, dem will ich nicht (via DU) nahe sein!” oder “Der aus der Generation meines Vaters liegt doch auf einer ganz fremden (Sie-)Wellenlänge!” oder auch “Der hat doch kein Sie-Respekt verdient!”
Aber: Ein SIE kann verletzend sein, wenn es (z.B. kein Du aus Altersgründen) ausgrenzt!
Bei !Kunden! sollte der Dienstleister auf ein angebotenes Du warten, wie der Mann bei der !Frau!. Ob man auf das DU eingehen sollte? Frage dich: Ist im Konfliktfall ein Du ebenso passend?
Jochen Mai
Ich finde, wenn ein DU in guten Tagen passt, muss es auch in schlechten Zeiten gelten und Krisen aushalten. Wer eine derartige Nähe davon abhängig macht, wie der Haussegen gerade hängt, beweist nicht wirklich Beziehungsreife. Meine Freunde sieze ich ja auch nicht, nur weil ich mit ihnen mal streite…
Mia
Jochen, falls sich deine Bemerkung auf mich bezieht, hast du meinen Text nur flüchtig gelesen und/oder mich falsch verstanden.
Ich sage ja gerade, dass man nicht schnell wieder zum Sie zurück-switchen kann (oder sollte) und deshalb sollte man schon vorher, vor dem Du, überlegen, ob die Beziehung in jeder möglichen Situation “du-verträglich” ist und nicht spontan oder gar in Bierlaune anbieten oder zustimmen.
Um von den Kunden aber wieder zu den Kollegen und näheren Vorgesetzten zu kommen: Mit zunehmender Globalisierung, Mobilitätszwang und Singletum gibt es immer mehr Menschen, die kaum Zeit und Gelegenheit haben für einen größeren Freundeskreis.
Wo die Firma fast Familienersatz ist, ist das Duzen mit den Kollegen fast der letzte Anker vor dem Einsamkeitsgefühl.
Interessant fände ich eine Umfrage, was das “Sie” bedeutet, bei verschiedenen Altersgruppen, Berufsständen und Branchen.
Meine Hypothese wäre, dass 1. Ältere, sagen wir über 40, das “Sie” mehr mit positivem Respekt und Jüngere es eher mit negativer Distanz verbinden; dass 2. Intellektuelle das Sie-/Du-Problem eher rational als emotional entscheiden; und dass 3. Kreative sich mit dem Du wohler fühlen als z.B. Buchhalter oder Bänker. Und 4. dass, wer das Siezen mag auch “Uniformen” wie Kragen + Krawatte im Beruf schätzt.
Oder weiß jemand von solcher Studie?
Michael
Während meiner Diplomarbeitszeit hatte ich einen Chef, den ich duzen durfte. Anfangs fand ich das als sehr sympathisch und freundlich. Zum Ende kristallisierte sich aber heraus, dass durch das “Du”, alles, was er von mir verlangte, zu einem Freundschaftsdienst wurde, den man schlecht ablehnen konnte. Das war eine sehr anstrengende Geschichte und heute bin ich froh, dass ich meinen heutigen Chef siezen darf.
Christa Schwemlein
Witzig, mit dieser Frage habe ich mich erst kürzlich auf unserem Firmenblog beschäftigt. “Sie” oder “Du” im Blog.
Ich war ja lange Zeit bei einem schwedischen Konzern beschäftigt. Nein, nicht dem mit den “Billy” Regalen. ;-) Mir ging es als junge Frau und Berufsanfängerin nicht gut damit, mit unseren Vorständen “per Du” zu sein.
Das “Du” ist für mich Ausdruck von Nähe und Vertrauen innerhalb der Familie oder Freunden. Das “Sie” drückt für mich Respekt und Achtung aus, den oder die ich im Idealfall meinen Vorgesetzten entgegen bringe. Es kann aber auch ein Instrument sein, das mich vor zu viel Nähe schützt. Die Wahl für das “Du” oder “Sie” ist vom jeweiligen Ort und Umgang abhängig.
Auch wenn ich mich noch jung fühle, so bin ich keine 20 mehr. Irgendwann habe ich mich entschieden Reife zu zeigen und dazu zählt für mich auch ein respektvolles “Sie”. Es darf durchaus von Herzen kommen. Was aber nicht ausschließt, wenn die Zeit reif ist, ich gerne auch auf ein “Du” anstoße.
Philipp
Ich komme aus dem Agentur-Umfeld und bin seit zwei Jahren nun in einem “klassischen”, zudem recht konservativen Unternehmen tätig. Hier wird abteilungsintern meist geduzt, hierarchieübergreifend jedoch nie. Meine Mitarbeiter sieze ich demtentsprechend und umgekehrt. Bis heute bin ich aus diesem Grund (neben anderen…) nie wirklich in diesem Unternehmen “angekommen”, eben weil mir das DU fehlt! In meinem eher kreativ orientierten Bereich passt für mich das Sie irgendwie nicht zur Arbeitsweise, zudem wirkt es für mich schlicht fremd, Menschen, mit denen ich mehr Zeit verbringe als mit meinen Freunden, durch das Sie auf eine künstliche Distanz zu halten.
Allerdings: Im Vorgesetzter-Mitarbeiter-Verhältnis gilt noch immer ein Grundsatz meines Vaters, der vom Bau kommend (mit duz-Normalität) Chef einer 40-Mitarbeiter-Firma wurde und feststellte: “Du A***loch geht den Leuten immer leichter über die Lippen als Sie A***loch!” ;-)
cPH
Ich bin mit Philipp ganz auf einer Linie auch wenn ich den Spruch vor langer Zeit durch einen Geistlichen anders kennelernen durfte: “Vom Du bis zum A***l**h ists nicht mehr weit”.
Ich bevorzuge eindeutig das Du, doch verwechseln Kollegen das kollegiale & professionelle Du zu gern mit einem kumpelhaften Du. Schade eigentlich
Raimund Milz
Respekt, Vertrauen und Toleranz ergeben sich m.E. nicht aus der Anrede per “DU” oder “SIE”. Die Treiber oder Hürden für diese Attribute ergeben sich vielmehr aus der allgemeinen Unternehmens- und Führungskultur bzw. dem Mikroklima im jeweiligen Team.
In Skandinavien oder im anglo-amerikanischen Sprachraum fällt bereits die sprachliche Unterscheidung zwischen “DU” und “SIE” sehr schwer. In entsprechend dominierten Unternehmen wird die scheinbar vertrauliche Anrede häufig einfach in den Umgangston auf Deutsch übertragen, ohne dass es damit zu einem sprachlichen Ausdruck besonderer Wertschätzung bzw. Distanz kommt.
Auch in unterschiedlichen Branchen wie der Kreativwirtschaft gegenüber z.B. Finanzdienstleistern wird ganz bewusst ein unterschiedlicher Umgangston oder Dress-Code gepflegt.
Alle Kommentare zeigen eigentlich eine sehr persönliche und subjektive Wahrnehmung hinsichtlich der Wohlfühlfaktoren.
Am Ende des Tages ist entscheidend, ob die (Führungs-) Kultur im Unternehmen bzw. Team von Respekt, Vertrauen, Toleranz und einer sachorientierten Streitkultur geprägt ist. Welche Anredeform dabei gewählt wird, ist nach meiner festen Überzeugung dann von untergeordneter Bedeutung.
Auch die Unterscheidung der Anrede nach Kollegen und Chefs wird spätestens mit der nächsten Beförderung ziemlich komplex.
Wenn die Unternehmenskultur aber nicht zu meinem Wohlbefinden beiträgt, muss ich mir wohl eher ein paar grundsätzliche Fragen stellen.
Getreu dem Grundsatz “Form folgt Funktion” ergibt sich die “wohlgefühlt richtige” Anrede aus der herrschenden Umgangskultur im Unternehmen und Team.