“Studieren will ich eigentlich schon, aber noch mal jahrelang nur pauken ist einfach nicht mein Ding.” – Solche und ähnliche Aussagen sind in Studentenberatungsstellen immer wieder zu hören. Viele Abiturienten wollen nach acht bis neun Jahren Schule Praxisluft schnuppern und ihre Zeit nicht nur im Hörsaal verbringen. Das kommt Ihnen bekannt vor? Dann ist ein duales Studium für Sie optimal. Denn die enge Verzahnung von Theorie und Praxis bietet einerseits das Wissen und die theoretischen Inhalte eines Studiums, ermöglicht es Ihnen andererseits jedoch von vornherein Berufserfahrung zu sammeln. Doch neben der praktischen Erfahrung bietet ein duales Studium noch weitere Vorteile.

So werden Sie als dualer Student in der Regel von Ihrem Praxisträger bezahlt und können sich das Studium dadurch teilweise finanzieren und sind versichert. Dazu kommt: Ein duales Studium ist im Durchschnitt nach sechs Semestern abgeschlossen. Dadurch haben Sie – im Vergleich zu nicht dualen Studenten – ein Semester Vorsprung beim Eintritt in den Arbeitsmarkt. In vielen Branchen sind die Bachelor-Abschlüsse dualer Studiengänge zudem außerordentlich beliebt. Da die Studenten bereits Berufserfahrung mitbringen, geht die Einarbeitung meist vergleichsweise schnell von statten.

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf staatliche und staatlich anerkannte duale Studiengänge. Verfahren und Gestaltung bei privaten Trägern können sich davon deutlich unterscheiden und sind nicht Thema dieses Artikels.

Die Voraussetzungen

Das passt dazu:

Die Zulassungsvoraussetzungen unterscheiden sich bei den meisten dualen Studiengängen nicht sonderlich von denen der Universitäten. Mit dem allgemeinen oder fachgebundenen Abitur sind Sie gut gerüstet, doch auch angehende Studenten, die über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen, haben gute Chancen. Der entscheidende Unterschied zu einem regulären Studium ist jedoch ein anderer: Die formalen Voraussetzungen sind nur ein Schritt auf dem Weg zum Studienplatz. Der wichtigere Schritt besteht darin, einen Praxisträger zu finden, der Sie für die Dauer des Studiums einstellt und den praktischen Teil des Studiums übernimmt. Dabei kann es sich um Unternehmen handeln, die ein solches Studium bereits erfolgreich durchgeführt haben. Es spricht jedoch nichts dagegen, ein neues Unternehmen von den Vorzügen des dualen Studiums zu überzeugen. Die Voraussetzungen, die ein solcher Praxispartner erfüllen muss, variieren von einer Dualen Hochschule zur anderen. Alle Bildungseinrichtungen halten entsprechende Informationen für Betriebe bereit.

Sie brauchen Argumente, mit denen Sie einen potentiellen Praxisträger überzeugen können? Dann habe ich da einige Vorschläge für Sie:

  • Der Betrieb bezahlt Sie in der Regel auf dem Niveau eines Auszubildenden, erhält dafür jedoch – vor allem in den höheren Semestern – das Wissen und die Fähigkeiten einer studierten Fachkraft.
  • Wenn der Betrieb Sie nach dem Studium übernimmt, ist eine Einarbeitung nicht mehr notwendig, da Sie die Abläufe bereits kennen.
  • Auch wenn Sie nur die Hälfte des Jahres im Betrieb sind, arbeiten Sie in dieser Zeit voll mit.
  • Die Dualen Hochschulen unterstützen ihre Praxispartner mit Fortbildungen und anderen Angeboten. Das Unternehmen kann seine Ausbilder so verhältnismäßig einfach schulen und auf dem aktuellen Wissensstand halten. Das kommt auch den Auszubildenden zu Gute.

Das Studium

Durchgeführt werden duale Studiengänge an den bereits mehrfach erwähnten Dualen Hochschulen. Diese hießen vor dem Bologna-Prozess Berufsakademien und wurden mit der Umstellung von Diplom auf Bachelor und Master umbenannt. Verschiedene duale Studiengänge werden inzwischen zwar auch an regulären Hochschulen angeboten, der größte Teil der dualen Studiengängen findet jedoch an Dualen Hochschulen statt. Die aktuellen dualen Studiengänge schließen mit dem Bachelor ab, in einzelnen Fachrichtungen gibt es jedoch noch – wie auch im universitären Bereich – Diplom-Abschlüsse. Aufbauende Master-Studiengänge werden seit wenigen Jahren ebenfalls – sowohl berufsbegleitend als auch in Vollzeit – angeboten. Um sich einen Studienplatz zu sichern, gilt die Grundregel: Wer die formalen Bedingungen erfüllt und den Ausbildungsvertrag mit einem Praxisträger unterschrieben hat, hat auch seinen Studienplatz sicher. Das bedeutet für Sie als angehenden dualen Studenten: Die Bewerbung läuft ähnlich ab wie für einen Ausbildungsplatz und wird direkt an die Unternehmen gerichtet. Das kann – wenn beispielsweise die Noten nicht überragend sind – ein Vorteil sein, bedeutet jedoch auf jeden Fall einen größeren Bewerbungsaufwand für Sie. Viele Duale Hochschulen bieten auf ihren Webseiten Listen der möglichen Praxispartner an, die als Orientierung dienen können und Ihnen die Suche nach Betrieben erleichtern.

Der große Vorteil eines dualen Studiums ist – neben der Bezahlung durch den Betrieb und die kurze Studiendauer – die enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Diese wird in den verschiedenen Studiengängen unterschiedlich umgesetzt. Die Bandbreite reicht dabei von Fachbereichen, in denen sich dreimonatig Theorie- mit dreimonatigen Praxisphasen abwechseln über Modelle, bei denen alle ein bis zwei Monate gewechselt wird, bis hin zu Studiengängen, bei denen die Studenten drei Tage im Betrieb und drei Tage an der Dualen Hochschule verbringen.

Die Anforderungen

An Hand der Beispiele für den Studienrhythmus wird bereits deutlich: Entspannt ist ein duales Studium in der Regel nicht. Da Sie den theoretischen Stoff eines regulären Hochschulstudienganges in etwa der Hälfte der dort üblichen Zeit absolvieren und gleichzeitig im Betrieb arbeiten, sind die Arbeitsumfänge und Anforderungen beachtlich. Sicherlich gibt es hier Unterschiede zwischen den verschiedenen Studiengängen, doch auch die Praxisbetriebe wollen für ihr Geld Leistung sehen und geben in bestimmten Fällen sogar Zwischenziele vor, die dann vom Studenten erreicht werden müssen. Studienarbeiten und Transfer-Aufgaben müssen beispielsweise oft in den Praxisphasen, parallel zur Arbeit im Betrieb, geschrieben werden. Zusätzlich ander jede oder zumindest jede zweite Theoriephase mit Prüfungen in den verschiedenen Fächern. Semesterferien gibt es nicht, als dualer Student haben Sie in der Regel zwischen 24 und 26 Tagen Urlaub, die Sie in den Praxisphasen nehmen müssen.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, dass soll Sie keinesfalls abschrecken. Doch aus meiner Sicht ist es wichtig, dass Sie im Vorfeld wissen, worauf Sie sich bei einem dualen Studium einlassen und womit Sie rechnen müssen. Ich habe selbst dual studiert und kann diese Art des Studiums klar empfehlen – wenn Sie bereit sind, mit wenig Ferien oder Urlaub zu leben und mit dem durchaus vorhandenen Leistungs- und Erwartungsdruck durch den Praxisträger klar kommen. Dann stellen die Bezahlung während des Studiums, der hohe Praxisanteil und die kurze Studiendauer Vorteile dar, die Sie nutzen sollten.

Duale Studiengänge im Überblick

Die Bandbreite der dualen Studiengänge ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Die Fachdatenbank von studis-online verzeichnet aktuell mehr als 350 duale Studiengänge, die in Deutschland angeboten werden. Diese verteilen sich auf die vier großen Fachbereiche

  • Ingenieurwissenschaften / Technische Fächer,
  • Wirtschaftswissenschaften,
  • Informatik / Wirtschaftsinformatik sowie
  • Pflege- und Sozialwesen.

Lassen Sie sich bitte nicht davon entmutigen, wenn Sie Ihren Wunsch-Studiengang nicht auf Anhieb in der Datenbank finden. Duale Studiengänge laufen teilweise unter anderen Titeln, als die universitären Pendants – bei gleichem Inhalt und Abschluss, wohlgemerkt. Daher sollten Sie sich die Zeit nehmen und die in Frage kommenden Studiengänge genau analysieren. Möglicherweise verbirgt sich Ihr künftiger Studiengang hinter einen nicht ganz offensichtlichen Bezeichnung.