Duales Studium Ratgeber StudiengängeDuale Studiengänge erfreuen sich in den letzten Jahren wachsender Beliebtheit und ziehen immer mehr Studieninteressierte an. Neben der – im Vergleich zu Fachhochschul-Studiengängen – teilweise kürzeren Studienzeit dürften hier auch die Vergütung sowie die enge Verzahnung von Theorie und Praxis eine wichtige Rolle spielen. Was vielen Studieninteressierten oft erst bei der näheren Beschäftigung mit dem dualen System klar wird: Die Bewerbung um einen Studienplatz ähnelt stark der um einen Ausbildungsplatz. Tatsächlich spielen die Bildungsträger hier kaum eine Rolle, die Bewerbung richtet sich gezielt an die Praxisträger und Unternehmen, bei denen die dualen Studenten später beschäftigt sind. Daher werden hier auch Studien- oder Ausbildungsverträge abgeschlossen. Und bei diesen gilt es einige Punkte zu beachten.

Künftige Studierende sollten sich an der Bezeichnung „Ausbildungsvertrag“ übrigens nicht stören. Die rechtliche Situation und Positionierung dualer Studenten war lange Zeit unklar, daher sind viele Unternehmen dazu übergegangen, sie der Einfachheit halber wie Auszubildende einzuordnen. Diese Bezeichnung macht auch das Verhältnis von Student und Praxisträger deutlich: In den Theoriephasen sind die Studenten an der Bildungseinrichtung verortet, in den Praxisphasen arbeiten sie jedoch – wie normale Auszubildende – im Unternehmen mit.

Klare Positionierung und Rahmenbedingungen

UnterschriftVertragunterschreibenDiese Unterscheidung ist mehr als eine sprachliche Spitzfindigkeit und hat in der Praxis reale Konsequenzen. Unternehmen erwarten von dualen Studenten in der Regel ähnliche – meist sogar bessere – Leistungen wie von Auszubildenden. Einen Studenten-Bonus – wie er lange Zeit unterstellt wurde – gibt es meist nicht. Duale Studierende sollten bei ihrem Studien- oder Ausbildungsvertrag jedoch ganz bewusst darauf achten, dass ihr Doppel-Status als Student und Auszubildender auch explizit erwähnt wird.

Denn einige wenige Unternehmen führen die Studierenden lediglich als Auszubildende auf, was im Verlauf des Studiums zu Problemen mit der Bildungseinrichtung führen kann. Wichtig ist die explizite Nennung des Status auch deshalb, weil dadurch Umfang und Qualität der Anleitung entsprechend angepasst werden. Die Anleitung muss zwar im Studien- oder Ausbildungsvertrag nicht detailliert geregelt sein. Ein entsprechender Hinweis auf Richtlinien der dualen Hochschule muss jedoch vorhanden sein.

Weitere Punkte, auf die angehende duale Studenten achten sollten, sind:

  • Vergütung – Diese orientiert sich in vielen Fachbereichen an den branchenüblichen Ausbildungsgehältern, liegt teilweise jedoch deutlich darüber. Idealerweise wird der Vergütungsbetrag explizit genannt. Ein Verweis auf die Richtlinien der dualen Hochschule ist nur möglich, wenn dort konkrete und verbindliche Zahlen angegeben sind.
  • Sozialversicherung – Dual Studierende sind aufgrund ihres Status als Auszubildende über das Unternehmen sozialversichert. Dies sollte im Vertrag genannt und ausgeführt werden.
  • Kündigung – Auch die Voraussetzungen und Fristen für eine Kündigung – von beiden Seiten – sollten explizit im Vertrag beschrieben werden. Dies schließt sowohl Regelungen zur Probezeit als auch zur ordentlichen und außerordentlichen Kündigung ein.
  • Beschäftigungsdauer – Auch wenn dieser Punkt klar zu sein scheint, muss er im Vertrag genannt werden. Ein bloßer Verweis auf die Studiendauer reicht dabei nicht aus, da einige duale Hochschulen – unter bestimmten Voraussetzungen – auch eine Verlängerung der Studienzeit ermöglichen.
  • Erwartungen – Dieser Punkt muss nicht zwingend vorhanden sein, wird von vielen Praxisträgern jedoch eingetragen. Hier geht es um die Mindeststandards, die Studierende im dualen Studium erfüllen müssen. Unternehmen wollen so ihre nicht unerhebliche Investition in die Studierenden absichern und geben daher Untergrenzen für Noten und Bewertungen vor. Studierende sollten darauf achten, dass die genannten Grenzen realistisch erreichbar und Härtefallregelungen möglich sind.
  • Urlaub – Die Zahl der Urlaubstage wird entweder im Vertrag oder – soweit vorhanden – in den Richtlinien der dualen Hochschule festgelegt. Im eigenen Interesse sollten Studierende darauf achten, dass auch Sonderurlaube für Bacherlorarbeit und ähnliches genannt werden.
  • Sonderleistungen – Auslandsaufenthalte, Wahl- und Orchideenfächer, finanzielle Unterstützung bei Sonderveranstaltungen – all das kann im Studien- oder Ausbildungsvertrag geregelt werden. Ob und in welchem Umfang solche Regelungen Einzug finden, ist meist Verhandlungssache.