Pressmaster/shutterstock.comGeld stinkt nicht – aber Erfolg duftet. Ob wir jemanden sprichwörtlich riechen können oder nicht, entscheidet meist unsere Nase. Besonders einflussreich sind die Haare. Ihre Duftoberfläche ist nicht nur riesig, wir kommen auch häufig mit ihnen in Berührung. Jedes Mal wenn wir unsere Freunde, Kollegen und Bekannten begrüßen oder beglückwünschen, sie dazu kurz in den Arm nehmen und vielleicht noch ein paar angedeutete Küsse links und rechts über ihre Schulter werfen, schnuppern wir am Schopf. Mit unterschiedlicher Wirkung. Wie Gerüche wirken…

Wie das Riechen funktioniert

Gerüche zielen direkt auf unser Gehirn. Über das Limbische System, der Schaltzentrale des Gehirns, können Aromen Instinkte wie Hunger oder Müdigkeit genauso beeinflussen wie das Sexualverhalten oder Sympathie – noch bevor wir einen Duft überhaupt bewusst wahrnehmen. Damit ist der Geruchssinn der unmittelbarste der fünf Sinne.

Jedes Lebewesen sondert einen Duft ab. Dabei handelt es sich um winzig kleine Moleküle, die durch das Einatmen ihren Weg über unsere Nasenhöhle bis zur Riechschleimhaut finden. Auf dieser befinden sich Millionen von Zellen, die die Duftmoleküle auflösen und registrieren. An den Zellen befinden sich Rezeptoren, die die Moleküle erkennen. Erkennt ein solcher Rezeptor ein Duftmolekül, wird ein Reiz ausgelöst. An den Riechkolben, dem Übergang zum Gehirn, wird der Reiz weitergeleitet. Dort wird er verarbeitet und löst bestimmte Reaktionen aus. Beispielsweise wird bei einem angenehmen Geruch der Speichelfluss ausgelöst. Über zehntausend verschiedene Gerüche kann der Mensch auf diese Weise wahrnehmen.

Selbst das Gedächtnis wird von Düften geleitet: Sie wecken beispielsweise Erinnerungen. Ein leichter Hauch von Gewürzbonbons oder Glühwein und schon denken wir an Weihnachten. Von anderen Odeurs weiß man, dass sie die Leistungsfähigkeit beeinflussen: Zitronenaroma (.pdf) etwa fördert die Konzentration, Lavendel hilft, mathematische Aufgaben schneller und fehlerfreier zu lösen, Vanille oder Ylang-Ylang können Stress abbauen, Pfefferminze soll den Geist beleben und Jasminduft angeblich besser schlafen lassen.

Ein Duft, der schlauer macht

Rosmarin macht schlauer – glaubt man den Untersuchungen von Mark Moss und Lorraine Oliver von der Northumbria Universität. Sie testeten die kognitiven Leistungen von 20 Probanden (zugegebenermaßen keine wirklich repräsentative Auswahl) und setzten Sie unterschiedlich starken Einflüssen eines bestimmten Aromas aus. Dabei zeigte sich, dass dieser Duft die Leistung der Probanden tatsächlich steigern konnte – sowohl in der Geschwindigkeit als auch in der Präzision.

Karrierefaktor Geruch: Wie Gerüche wirken und unsere Mitmenschen beeinflussen

Wesentlich stärker als künstliche Aromen wirken allerdings Dünste, die unser Körper über den Schweiß selbst ausscheidet. Mit ihm senden wir über so genannte Pheromone oder Soziohormone unsichtbare Botschaften. Tatsächlich reden wir, wenn wir schwitzen. Diese chemischen Chiffres sollen in erster Linie anziehen und verführen. Andere warnen oder abschrecken, während wieder andere direkt in Körperfunktionen wirken.

Pheromone beeinflussen unsere Urteilsfähigkeit. So wurden beispielsweise Testpersonen Fotografien von Frauen, Männern, Tieren und Gebäuden gezeigt, die sie mit verschiedenen Attributen belegen sollten. Unter Einfluss des Pheromons Androstenol (Hauptbotschaft: jugendliche Fruchtbarkeit) veränderte sich die Bewertung der Gebäude kaum, die Tiere galten bereits als unbesonnener, die Menschen aber wurden prompt als sensitiver, intelligenter, sexuell attraktiver, freundlicher und vertrauenswürdiger empfunden.

Pheromone: Dominanz ausstrahlen

lassedesignen/shutterstock.comDie Entsprechung zu Androstenol ist das Soziohormon Androstenon, das vornehmlich Aggression und Dominanz versprüht. Ein US-Kriminalpathologe fand bei der Überprüfung von Gefängnisinsassen heraus, dass besonders die schweren Jungs im Gewalttäterflügel sowie der Gefängnisdirektor viel davon verdufteten. Frauen finden diese dicke Luft übrigens anziehend. Während eines wissenschaftlichen Experiments in einem Wartezimmer setzten sich Probandinnen vornehmlich auf jene Stühle, die zuvor mit Androstenon besprüht wurden. Der Versuch wurde mit Telefonzellen wiederholt, und auch hier benutzten die Frauen die präparierten Zellen nicht nur häufiger – sie telefonierten auch länger. In beiden Versuchen reagierten die Männer genau umgekehrt. Offenbar wollten sie ein Territorium meiden, das von jemandem besetzt war, der dominanter ist als sie selbst, so der Schluss der Forscher.

Es ist das Gesetz des Alpha-Gens: An der Spitze kann es nur einen geben. Wer im Beruf Dominanz ausstrahlt, überzeugt leichter Kolleginnen, zwischen zwei ähnlich veranlagten Männchen aber sind Machtkämpfe programmiert. Zwischen ihnen stimmt die sprichwörtliche Chemie nicht – falls sie sich überhaupt riechen können! Nur etwa 60 Prozent der Bevölkerung nehmen Androstenon wahr, das Gros sind Männer. Frauen, die die Pille nehmen, reagieren schwächer bis gar nicht auf bestimmte Pheromone, denn der Dunstkreis dieser Lockstoffe beträgt oft nur wenige Zentimeter.

Der Proust-Effekt

Von dem Schriftsteller Marcel Proust wird erzählt, er habe eine Schwäche für Madeleines gehabt. Vor allem für ihren herrlich zitronig-rumigen Duft, wenn das muschelförmige Kleingebäck aus dem Ofen kommt. Für ihn war das Aroma jedoch mehr als Genuss – laut Legende war es für ihn zugleich kreative Stimulanz, weshalb man diese Art des olfaktorischen Dopings auch den Proust-Effekt nennt. Der Schriftsteller widmete dem Gebäck in seinem Werk “Auf der Suche nach der verlorenen Zeit” gleich mehrere Seiten. Auch Friedrich Schiller nutzte das nasale Doping: Er stellte sich immer einen fauligen Apfel auf sein Schreibpult, weil er nur schreiben konnte, wenn es nach Apfel roch. Gerüche wurden schon immer als Quelle der Inspiration genutzt, wofür auch die Bedeutung des Wortes im Sinne von einatmen spricht.

Karriere-Kick aus dem Flakon

Mit Gerüchen lässt sich hervorragend manipulieren. Dabei hat die Wissenschaft festgestellt, dass Männer für solche Stimulanzen nicht nur anfälliger sind als Frauen, sie reagieren auch heftiger darauf. In seiner Studie für die US-Universität Purdue untersuchte Professor Robert Baron die Wirkung von Parfüms in Bewerbungsgesprächen. Männliche Personaler, so das Ergebnis, stuften parfümierte Kandidaten zum Beispiel als weniger gepflegt, weniger intelligent, unfreundlicher und auch unattraktiver ein als diejenigen ohne Eau de Toilette. Die Frauen reagierten exakt umgekehrt.

Steuern kann man das kaum, denn die Assoziationen, die von einem Geruch geweckt werden, kann kein Mensch unterdrücken. Jung, stark, erfahren, souverän, verspielt, weich, sinnlich, maskulin: Der richtige Duft kann ihr persönliches Statement unterstreichen oder auch ruinieren.

Auch in einem Bewerbungsgespräch kann die Duftwahl entscheidend sein. Wie jeder Mensch entscheiden auch Personaler und Chefs spontan und unterbewusst, wen sie – im wahrsten Sinne des Wortes – gut riechen können.

Dabei wirkt jeder Duft individuell anders, denn die mit einem Geruch verbundene Erinnerung ist nicht bei jedem gleich. Eine generell gute Wahl für diesen weichenstellenden Anlass sind Düfte, die dynamische Eloquenz mit intuitiver Souveränität verbinden. Das schaffen Parfüms mit Zitrus in der Kopfnote und Holz in der Basisnote.

Zwei Beispiele für Bewerber:

  • Boss “Nuit pour Femme” bietet hier die perfekte Komposition für die Bewerberin.
  • Ihr männlicher Konkurrent könnte dagegen mit den olfaktorischen Reizen eines Armani “Acqua di Gio” punkten.

Gerüche beeinflussen die Hilfsbereitschaft

Was bringt andere Menschen dazu einem zu helfen? Das Forscher-Duo Roxane Saint-Bauzel und Valérie Fointiat von der Universität de Lorraine haben eine Versuchsreihe unternommen, um das herauszufinden.

Sie ließen eine junge Frau mit einem Stapel Papiere durch eine Fußgängerzone gehen. Sie sollte ein bisschen orientierungslos wirken und einige Passanten nach dem Weg fragen. Nur ein kleiner Gefallen, den ihr natürlich einige Fremde gerne gewährten. Doch sobald sie weiterging, passierte es: Der Papierstapel auf dem Arm purzelte ihr vom Arm. Was für ein Malheur! Würden ihr die Orientierungshelfer von vorher auch ein zweites Mal helfen?

Diesen Versuch führten die Forscher drei Mal durch und jedes Mal duftete die Frau anders. Mal roch sie nach Vanille, mal nach Kampfer (Kampfer ist ein Lorbeergewächs und riecht sehr scharf und eukalyptusartig). Beim dritten Kontrolldurchlauf fragte der Lockvogel nicht nach dem Weg, sondern ließ die Papiere gleich fallen. Doch umso erstaunlicher war, wie stark sich der Duft der Testerin auf die Hilfsbereitschaft der Passanten auswirkte.

Das Ergebnis: Roch die junge Frau nach Vanille, halfen ihr ganze 70 Prozent der ortskundigen Passanten beim Aufsammeln der Blätter. Dünstete sie hingegen nach Kampfer, halfen nur noch zehn Prozent. Und das war nicht einmal besser als bei der Kontrollgruppe.

Wie Sie einem Kollegen sagen, dass er unangenehm riecht

Maslowski Marcin/shutterstock.comKörperausdünstungen sind an sich völlig normal, die körpereigene Klimaanlage reguliert über den Schweiß unsere Temperatur und beugt so einer Überhitzung vor. Der Geruch, der dabei entsteht, ist allerdings ein unangenehmes Nebenprodukt. Und irgendwie auch ein Tabuthema. Jedenfalls traut sich kaum einer, dem Kollegen oder der Kollegin zu sagen, dass er oder sie unangenehm riecht – freundlich ausgedrückt. Es ist heikel das Thema anzusprechen, denn der Gesprächspartner bekommt es fast immer in den falschen Hals.

In einer repräsentativen GfK-Umfrage gab denn auch mehr als die Hälfte der Befragten an, sich nicht zu trauen, einen Kollegen auf dessen Körpergeruch oder gar Schweißgeruch anzusprechen. Umgekehrt sagten allerdings rund zwei Drittel, sie wären für diese Information durchaus dankbar. Schließlich nimmt man den eigenen Geruch selber meist kaum wahr. Ein Dilemma also.

Es braucht immer einen Mutigen, der die Wahrheit ausspricht. Nur ist das eben nicht leicht, weil so ein Hinweis schnell demütigend wirkt und damit zugleich der Sozialstatus des Kollegen in Frage gestellt wird.

Sagen ist in dem Fall der Schlüsselbegriff. Nonverbale Gesten wie das plötzliche Aufstellen von Raumparfüms werden in der Regel gar nicht oder gar missverstanden. Und tuscheln ist letztlich respektlos und gemein. Sprechen Sie das Problem also direkt und nicht durch die Blume an, jedoch mit allem nötigen Fingerspitzengefühl. Zum Beispiel so:

  • Das Wichtigste ist die Diskretion. Fragen Sie sich selbst: Wie würden Sie behandelt werden wollen, wenn Sie derjenige sind, der mieft. Auch wenn über den Dunst bereits jeder die Nase rümpft – sagen Sie es dem Betreffenden nur unter vier Augen (!) und so feinfühlig und höflich wie möglich. Das heißt nicht, dass Sie lange um den heißen Brei reden sollten. Schließlich ist es rücksichtslos, anderen mit seinen Ausdünstungen die Tränen in die Augen zu treiben. Aber unterstellen Sie vorerst nichts, was Sie nicht belegen können, wie etwa mangelnde Hygiene.
  • Lassen Sie dem Stinker die Chance, sein Gesicht zu wahren, etwa indem Sie Alternativen anbieten: “Der Geruch könnte von der Kleidung kommen. Vielleicht sollten Sie diese häufiger wechseln und waschen.” Es könnte aber auch eine medizinische Ursache haben. Dann könnten Sie dem Kollegen empfehlen, deswegen bald zum Arzt gehen. Entscheidend ist, dass Sie nicht wirklich eine Erklärung erwarten, sondern lediglich deutlich machen: Ich lehne dich persönlich nicht ab, der Grund ist auch egal, aber stell das ab!
  • Und formulieren Sie Ihren Eindruck stets als Ich-Botschaft. Niemals sollten Sie durchblicken lassen, dass Sie für die anderen Kollegen mitsprechen, Motto: “Wir alle finden, du stinkst…” Das ist nicht nur verletzten, es offenbart auch, dass Sie längst hinter dem Rücken des Betroffenen tratschen und sich gegen ihn verschworen haben. Ein klassischer Fall von Ausgrenzung. Wer so handelt, muss sich zurecht fragen lassen: Warum habt ihr nicht früher mit mir geredet?

Wissenswertes über das Parfum

Der Begriff “Parfum” hat seinen Ursprung im Lateinischen und bedeutet übersetzt “durch Rauch” und verweist auf die frühere Anwendung von Räucherstoffen. Bei einem Parfum handelt es sich um ein flüssiges Duftgemisch bestehend aus Alkohol, Wasser und ätherischen Ölen. Der Duft entsteht durch unterschiedliche Bestandteile, sogenannte Duftnoten. Die Grundstruktur der meisten Parfums sieht wie folgt aus:

  • Kopfnote: Dabei handelt es sich um jenen Duft, der unmittelbar nach dem Auftragen wahrgenommen wird. Sie ist der erste Eindruck und hat maßgeblichen Einfluss auf die Kaufentscheidung.
  • Herznote: Sie entfaltet sich nachdem die Kopfnote verflogen ist und bildet den Charakter des Parfums ab.
  • Basisnote: Sie entfaltet sich zum Schluss und bildet den Ausklang.

In dieser Szene aus Tom Tykwers Verfilmung des Romans “Das Parfum” erklärt es Dustin Hoffman sehr anschaulich:

Tipps für den perfekten Duft-Eindruck

Generell gilt: Setzen Sie Ihre duften Statements gekonnt ein, aber immer unaufdringlich! Und so gelingt das:

  • Wählen Sie für den Büroalltag und im Kundenkontakt leichte Düfte. Fruchtige, florale und holzige Noten eignen sich besser als schwere, orientalische Düfte.
  • Ausnahme: An kalten Herbst- und Wintertagen darf gerne das Parfüm für etwas Wärme sorgen. Daher sind zur dunklen Jahreszeit auch schwerere Düfte erlaubt.
  • Achten Sie auf die Konzentration und nutzen Sie im Job ein Eau de Toilette. Dieses enthält weit weniger Duftöl als ein Eau de Parfüm oder ein Elixir und wirkt schon deshalb leichter.
  • Probieren Sie einmal ein Natural Spray. Diese Art des Zerstäubers versprüht das Parfüm in einer breiteren Wolke sanft auf Ihrer Haut.
  • Setzen Sie Ihr Parfüm in Maßen und nicht überall am Körper ein. Auch die Anwendung einer kompletten Duftserie aus Duschgel, Body Lotion, Deo und Parfüm kann in Ihrer Umgebung leicht als störend empfunden werden.
  • Wechseln Sie von Zeit zu Zeit Ihr Parfüm, sonst gewöhnt sich Ihre Nase zu sehr an den Duft. Die Gefahr: Überdosierung.
  • Durch den natürlichen Fettgehalt der Haut verfliegt der Duft nach einer gewissen Zeit. Geben Sie einen Spritzer in Ihre Haare, so hält das Parfüm den ganzen Tag.
  • Ebenfalls länger haltbar wird der Duft, wenn Sie Ihn auf den Handrücken anstatt auf die Innenseite der Handgelenke sprühen. Gerade bei Arbeiten am Computer reibt das Produkt sich so nicht mehr ab.

PS: Ein Duft entwickelt sich erst so richtig in Kombination mit Körperwärme. Seien Sie also sparsam mit dem Produkt und geben Sie ihm Zeit, sich voll und ganz zu entfalten.

[Bildnachweis: Pressmaster, lassedesignen, Maslowski Marcin by Shutterstock.com]