Geld stinkt nicht – aber Erfolg duftet. Ob wir jemanden sprichwörtlich riechen können oder nicht, entscheidet meist unsere Nase. Besonders einflussreich sind die Haare. Ihre Duftoberfläche ist nicht nur riesig, wir kommen auch häufig mit ihnen in Berührung. Jedes Mal wenn wir unsere Freunde, Kollegen und Bekannten begrüßen oder beglückwünschen, sie dazu kurz in den Arm nehmen und vielleicht noch ein paar angedeutete Küsse links und rechts über ihre Schulter werfen, schnuppern wir am Schopf. Mit unterschiedlicher Wirkung.
Gerüche zielen direkt auf unser Gehirn. Über das Limbische System, der Schaltzentrale des Gehirns, können Aromen Instinkte wie Hunger oder Müdigkeit genauso beeinflussen wie das Sexualverhalten oder Sympathie – noch bevor wir einen Duft überhaupt bewusst wahrnehmen. Selbst das Gedächtnis wird von Düften geleitet: Ein leichter Hauch von Gewürzbonbons oder Glühwein und schon denken wir an Weihnachten. Von anderen Odeurs weiß man, dass sie die Leistungsfähigkeit beeinflussen: Zitronenaroma (.pdf) etwa fördert die Konzentration, Lavendel hilft, mathematische Aufgaben schneller und Fehler freier zu lösen, Vanille oder Ylang-Ylang können Stress abbauen, Pfefferminze soll den Geist beleben und Jasminduft angeblich besser schlafen lassen.
Die Wirkung von Aromen war übrigens schon in der Antike bekannt. Kleopatra zum Beispiel ließ die Segel ihrer Schiffe mit Parfüm einsprühen, um sich frühzeitig anzukündigen und ihre Wirkung auf Männer zu verstärken. Selbst Friedrich Schiller nutzte das nasale Doping: Er stellte sich immer einen fauligen Apfel auf sein Schreibpult, weil er nur schreiben konnte, wenn es nach Apfel roch. Heute gibt es Reisebüros, die Sonnencremearomen einsetzen, um ihre Kunden bereits gedanklich auf den sonnigen Sandstrand einzustimmen. In Bäckereien animiert zarter Vanilleduft zum Kauf und am Frankfurter Flughafen wirbelt die Klimaanlage Pfefferminz und Rosmarin in die Verbindungstunnel zwischen Gate A und B, um bei den Passagieren Angst abzubauen.
Mit Gerüchen lässt sich hervorragend manipulieren. Dabei hat die Wissenschaft festgestellt, dass Männer für solche Stimulanzen nicht nur anfälliger sind als Frauen, sie reagieren auch heftiger darauf. In seiner Studie für die US-Universität Purdue untersuchte Professor Robert Baron die Wirkung von Parfüms in Bewerbungsgesprächen. Männliche Personaler, so das Ergebnis, stuften parfümierte Kandidaten zum Beispiel als weniger gepflegt, weniger intelligent, unfreundlicher und auch unattraktiver ein als diejenigen ohne Eau de Toilette. Die Frauen reagierten exakt umgekehrt.
Wesentlich stärker als künstliche Aromen wirken allerdings Dünste, die unser Körper über den Schweiß selbst ausscheidet. Mit ihm senden wir über so genannte Pheromone oder Soziohormone unsichtbare Botschaften. Tatsächlich reden wir, wenn wir schwitzen. Diese chemischen Chiffres sollen in erster Linie anziehen und verführen. Andere warnen oder sollen abschrecken, während wieder andere direkt in Körperfunktionen wirken: Das Steroid Androstandion etwa reduziert schon in einer Menge von einem billionstel Gramm Nervosität und negative Gefühle.
Pheromone beeinflussen unsere Urteilsfähigkeit. So wurden beispielsweise Testpersonen Fotografien von Frauen, Männern, Tieren und Gebäuden gezeigt, die sie mit verschiedenen Attributen belegen sollten. Unter Einfluss des Pheromons Androstenol (Hauptbotschaft: jugendliche Fruchtbarkeit) veränderte sich die Bewertung der Gebäude kaum, die Tiere galten bereits als unbesonnener, die Menschen aber wurden prompt als sensitiver, intelligenter, sexuell attraktiver, freundlicher und vertrauenswürdiger empfunden.
Die Entsprechung zu Androstenol ist das Soziohormon Androstenon, das vornehmlich Aggression und Dominanz versprüht. Ein US-Kriminalpathologe fand bei der Überprüfung von Gefängnisinsassen heraus, dass besonders die schweren Jungs im Gewalttäterflügel sowie der Gefängnisdirektor viel davon verdufteten. Frauen finden diese dicke Luft übrigens anziehend. Während eines wissenschaftlichen Experiments in einem Wartezimmer setzten sich Probandinnen vornehmlich auf jene Stühle, die zuvor mit Androstenon besprüht wurden. Der Versuch wurde mit Telefonzellen wiederholt, und auch hier benutzten die Frauen die präparierten Zellen nicht nur häufiger – sie telefonierten auch länger. In beiden Versuchen reagierten die Männer genau umgekehrt. Offenbar wollten sie ein Territorium meiden, das von jemandem besetzt war, der dominanter ist als sie selbst, so der Schluss der Forscher.
Es ist das Gesetz des Alpha-Gens: An der Spitze kann es nur einen geben. Wer im Beruf Dominanz ausstrahlt, überzeugt leichter Kolleginnen, zwischen zwei ähnlich veranlagten Männchen aber sind Machtkämpfe programmiert. Zwischen ihnen stimmt die sprichwörtliche Chemie nicht – falls sie sich überhaupt riechen können! Nur etwa 60 Prozent der Bevölkerung nehmen Androstenon wahr, das Gros sind Männer. Frauen, die die Pille nehmen, reagieren schwächer bis gar nicht auf bestimmte Pheromone, denn der Dunstkreis dieser Lockstoffe beträgt oft nur wenige Zentimeter.
Bei manchen Essenzen ist das besser so: Konzentriertes Androstenon riecht nach Urin.







Norbert Glaab
Kompliment an Ihr Blog.
Es hat einen großen Nachteil – Es macht süchtig :-)
Schade um jeden Beitrag den man versäumt.
Sie haben sehr viele Dinge, die eine Verbesserung der Lebensqualität bewirkten.
Ich hoffe und wünsche, dass Sie viele Leser anziehen.
Herzliche Grüsse
Norbert Glaab
Norbert Glaab
Eine Anmerkung:
In der Entwicklung unseres Gehirns hat die Gedächtnisleistung, das Gefühl: „es fühlt sich gut an, es schmeckt gut“ zu speichern und zu aktivieren, sowie das Gefühl des wohligen Sattseins, also die Befriedigung eines Bedürfnisses.
Dieses – nennen wir es instinktives Verhaltensmuster“ – wird automatisch freigesetzt ohne unsere kritische Intelligenz. In diesem alten Gehirn laufen mehrere solche Reiz-Reaktionsmuster ab.
Neben dem Suchen auch die Furcht, die Flucht und der Kampf und all diese Reaktionen laufen immer schneller ab, als jede geplante Handlung.
Die Amerikaner nennen diese Bahnen F-F-F Bahnen (fright–flight-fight) und jede dieser Bahnen ist immer 1,5 Sekunden schneller als jede zielgerichtete Handlung nach Überlegen!! Diese Bahnen hatte der Neandertaler und die haben wir heute genauso unverändert in unserem Gehirn.
Das ist natürlich eine Herausforderung für das Marketing!!
Im psychotherapeutischen Bereich wäre eine Nachahmung der Düfte, die der Mensch in traumatischen Situationen gespeichert hat (teilweise auch irrational Ängste damit erzeugt) eine sehr hilfreiche Möglichkeit.
Jochen Mai
das öffnet allerdings auch manipulationen tür und tor. denn viele dieser aromen wirken schon, bevor wir sie bewusst wahrnehmen – wenn überhaupt.
Norbert Glaab
Das ist leider richtig.
Es ist mit dem Hammer genau so, mann kann einem den Kopf einschlagen oder ein schönes Haus zimmern.
Dem Hammer ist es schlichtweg egal.
Bachmann
Eine Frage über die man in dieser Hinsicht diskutieren muss ist, ob das VNO beim Menschen überhaupt noch genügend ausgesprägt ist, um Pheromone wahrnehmen zu können. Die Evolution passt sich ja bekanntlich den Bedürfnissen an und beim Menschen ist es nicht mehr nötig, so wie bei Tieren, mit der Hilfe von Pheromonen Partner zu finden, da andere Dinge überwiegen. So sei festgehalten, dass nur 80% der Menschen Pheromone überhaupt noch wahrnehmen können. Bei den anderen ist das VNO schon zu sehr degeneriert!
Sascha Ballweg
Guten Tag und vielen Dank für Ihren gut recherchierten Blog. Selten habe ich bislang derart gut sortierte und detaillierte Informationen gesehen.
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