Dummes Verhalten
Dummes Verhalten hat meist nichts mit der Intelligenz und dem IQ eines Menschen zu tun. Doch was veranlasst uns dann eigentlich dazu, einen anderen Menschen als "dumm" zu bezeichnen? Zum einen ist das nicht die feine englische Art, doch manchmal drängt sich dummes Verhalten regelrecht auf und lässt keinen anderen Schluss zu. Forscher von der Uni Budapest wollten es genau wissen. Sie ließen das Verhalten von Menschen wissenschaftlich beurteilen - als richtig dumm oder weniger dumm. Wenn Sie Ihren Kollegen gegenüber clever wirken wollen, sollten Sie folgende Verhaltensweisen lieber nicht an den Tag legen...

Dummes Verhalten: Bist du dumm, oder was?

Wie misst man die Helle eines Köpfchens? Man könnte die Intelligenz mit einem IQ-Test vermessen. Sie einfach am Gesicht ablesen. Das Abitur-Zeugnis zu Rate ziehen. Die Aufnahmeprüfung in Oxford. Oder auch die Geschwindigkeit beim Lösen des Kreuzworträtsels. Klar ist, dass nichts klar ist. Für Intelligenz - und damit auch für Dummheit - gibt es einfach keine wirklich greifbare Definition.

Was uns selbstredend nicht daran hindert, Mitmenschen gerne mal als dumm zu titulieren. Im Büro, zuhause, im Supermarkt. Manchmal laut ausgesprochen, viel häufiger in den eigenen Gedanken.

Ein Alltagsphänomen, das auch die ungarischen Wissenschaftler um Balazs Aczel von der Eötvös-Loránd-Universität Budapest beschäftigte. Ihre grundlegende Einschätzung: Menschen werden als dumm diffamiert, wenn sich ihr Verhalten nicht mit unseren Erwartungen deckt. Ihre konkrete Aufgabenstellung, mit der sie sich auseinandersetzten: Was muss ich eigentlich anstellen, damit mich andere als dumm einschätzen?

Dummes Verhalten in Theorie und Praxis

Zunächst mal macht es aber einen Unterschied, intelligent zu sein und intelligent zu handeln. Dumm ist der, der Dummes tut, glaubte Forrest Gump zu wissen. Eben nicht. Der amerikanische Psychologe Jonathan Baron fasste das schon vor 30 Jahren so zusammen: Wenn wir eine Person wegen ihres Verhaltens als dumm bezeichnen, zum Beispiel einen Politiker, dann meinen wir in der Regel nicht, dass er zu langsam handelt oder dass er nicht so gehandelt hätte, wenn er ein größeres Arbeitsgedächtnis hätte. Wenn wir jemanden als dumm bezeichnen, dann sagen wir damit, dass er irrational handelt, nicht, dass er zurückgeblieben wäre.

Auch sein Kollege Robert Sternberg, Autor des Buches "Why smart people can be so stupid", wies Anfang der Nullerjahre darauf hin, dass es eine große Diskrepanz zwischen Weisheit und praktischer Intelligenz gebe. Praktische Dummheit, nennen wir sie Torheit, entstehe, wenn intelligente Menschen ihr großes Wissen falsch anwenden.

Vor allem Führungsfiguren sind offenbar anfällig. Die Melange aus gefühlter Allmacht, Allwissenheit und übersteigertem Selbstvertrauen führe in der Praxis oft zu törichten Entscheidungen. Eine Beobachtung, die vor dem Hintergrund des VW-Skandals gerade neuen Schwung bekommen hat.

Dummes Verhalten: Risikofaktoren

Auch Ray Hyman schlägt in die gleiche Kerbe. Der Psychologe der Universität Oregon stellte in Sternbergs Buch sogar die steile These auf, dass kluge Menschen dumm sein können, eben weil sie klug sind.

Was er damit meint: Intelligenzbestien nutzen ihre intellektuellen Fähigkeiten bisweilen, um komplexe theoretische Modelle aufzustellen, die aber von der Realität völlig losgelöst sind, nur um damit ihre eigenen Theorien und Meinungen zu unterfüttern. Ihnen geht also oft der gesunde Menschenverstand ab. Stattdessen versuchen IQ-Bestien, ihre Intelligenz eins zu eins auf den Alltag zu übertragen - ein Fehler.

Auf dieser Basis recherchierte das Team um Balazs Aczel nun skurrile und kuriose Begebenheiten, wühlte sich im Netz durch Nachrichtenseiten und Blogs wie die Huffington Post, TMZ, Engadget, die New York Times und diverse Foren. Die Artikel legte man den Probanden vor, die sie umfassend bewerten sollten. Die entscheidende Frage: Hatten die Protagonisten in den Artikeln dumm gehandelt?

Was dabei herauskam: Faktoren, die dummes Verhalten begünstigen, können ausgeprägte Risikobereitschaft, fehlendes Wissen, mangelhafte soziale Kompetenzen und geringe Erfahrung sein. Die drei Faktoren aber, die am schlechtesten bewertet wurden, waren diese ...

Top 3: Das macht dummes Verhalten aus

  1. Selbstüberschätzung

    Wenn zwischen Selbsteinschätzung und Realität Welten liegen, dann ist das ein klassischer Fall von Selbstüberschätzung. Und tatsächlich: Wer sich selbst maßlos überschätzt, wirkt auf andere nicht nur arrogant, sondern auch besonders dumm.

  2. Fehlende Selbstkontrolle

    Wenn sich jemand nicht im Griff hat, wenn jemand zwanghaftes Verhalten an den Tag legt oder gar Suchtverhalten, dann empfinden das die meisten als dumm.

  3. Geistige Abwesenheit

    Gemeint ist: Wenn jemand entweder nicht aufmerksam genug ist - oder wenn er etwas Wesentliches über die Materie, mit der er sich auseinandersetzt, nicht weiß und sein Wissen falsch anwendet. Dieser Punkt wurde allerdings deutlich milder bewertet als die anderen beiden.

Verstärkt wurde die Einschätzung als dumm noch, wenn der Protagonist erstens eine besonders große Verantwortung trug und wenn zweitens die Konsequenzen schwerwiegend waren. Das erklärt offenbar auch, warum viele Menschen besonders gerne ihren Chef im Stillen herabwürdigen.

Man könnte es also so zusammenfassen: Vorgesetzte, die sich selbst überschätzen, haben das größte Risiko, auf den Rest des Teams dumm zu wirken. Was wohlgemerkt keineswegs bedeutet, dass die Person tatsächlich einen Mini-IQ oder eingeschränkte Geistesfähigkeiten haben.

Allerdings können, darauf wiesen die Forscher ebenfalls hin, auch äußere Umstände dummes Verhalten begünstigen. Routinetätigkeiten oder Multitasking etwa führen nicht selten zu geistiger Abwesenheit. Übermäßiger Zuspruch oder gar Drogengebrauch können wiederum das Selbstbewusstsein derart steigern, dass es in Selbstüberschätzung ausartet. Und damit dummes Verhalten nach sich zieht.

Darum kann dummes Verhalten Ihnen schaden

Darum kann dummes Verhalten Ihnen schadenNiemand möchte als dumm wahrgenommen werden. Eine solche Einschätzung kann gewaltig am Ego kratzen. Und obendrein ist es eine Beleidigung, einen anderen Menschen für dumm zu halten.

Eine solche Unterstellung ist immer auch ein Angriff - ob nun direkt auf die Intelligenz und die Fähigkeit des logischen Denkens oder auf das allgemeine Verhalten bezogen. Schon aus diesem Grund kann es nur von Vorteil sein, von Freunden und Kollegen als intelligent eingeschätzt zu werden. Schließlich will sich niemand mit dem Gefühl konfrontiert sehen, seine Mitmenschen würden ihn für intellektuell unterlegen halten.

Aber ein intelligentes Verhalten hat auch weitere Nutzen:

  • Mehr Kompetenz. Intelligenten Menschen wird mehr Kompetenz auf ihrem Gebiet unterstellt. Sie können also sogar Ihre Karrierechancen steigern, wenn Ihr Verhalten nicht als dumm, sondern als clever eingeschätzt wird.
  • Mehr Selbstbewusstsein. Von der Umwelt für intelligent gehalten zu werden, beeinflusst direkt das eigene Selbstbild. Selbst wer ansonsten eher zurückhaltend ist, wird sich anschließend selbstbewusster fühlen - hoffentlich nicht soweit, dass es in Selbstüberschätzung ausartet.

Dummes Verhalten: Das lässt Sie blöd aussehen

PathDoc/shutterstock.comZusätzlich zu den oben beschriebenen Eigenschaften und Verhaltensweisen, gibt es auch ganz konkrete Beispiele und Situationen, die eine Person dumm aussehen lassen. Den Drucker nicht bedienen können, die IT-Abteilung anrufen, wenn der Monitor den Bildschirmschoner aktiviert oder den Telefonhörer falsch herum halten - sicherlich fallen Ihnen noch einige Punkte ein, die jemanden dumm aussehen lassen können.

In diesen Situationen sind Sie sich jedoch im Klaren darüber, dass Sie sich gerade nicht von Ihrer besten Seite präsentieren. Es gibt aber auch eine ganze Reihe an Verhalten, die Sie bei Kollegen oder Freunden weniger intelligent wirken lassen, ohne dass Sie etwas davon mitbekommen. Das Gemeine: Meist handelt es sich dabei um ganz alltägliche Dinge, die wahrscheinlich jeder von Ihnen schon einige Male selbst erlebt oder auch gemacht hat. Damit das kein zweites Mal passiert, stellen wir sechs dumme Verhalten vor, die Sie besser nicht an den Tag legen sollten.

  1. Lautstarkes Fluchen am Arbeitsplatz

    Wenn der Chef nervt oder ein Kunde mit dem zwölften Änderungswunsch ankommt, der unbedingt noch am gleichen Tag bearbeitet werden muss, möchte man gerne aus der Haut fahren und dem angestauten Frust mit nicht jugendfreien Wörtern Luft machen. Dies können Sie auch tun und es ist sehr befreiend, aber bitte nicht direkt am Arbeitsplatz.

    Ziehen Sie sich zurück oder warten Sie, bis Sie in den eigenen vier Wänden angekommen sind. Denn eine Umfrage zeigte, dass Fluchen am Arbeitsplatz nicht nur unprofessionell wirkt, sondern auch die wahrgenommene Intelligenz mindert.


  2. Unfreundliche und finstere Blicke

    Niemand kann jeden Tag vor Freude über den Flur springen, doch sollten Sie trotzdem versuchen, nicht von morgens bis abends griesgrämig aus der Wäsche zu gucken. Mit solch finsteren Blicken wirken Sie auf der einen Seite unsympathisch - und auf der anderen Seite weniger intelligent.

    Lächelnde Gesichter werden mit einer höheren Intelligenz assoziiert, während der IQ einer schlecht gelaunt wirkenden Person tendenziell niedriger beurteilt wird.


  3. Direkten Augenkontakt zu Gesprächspartnern vermeiden

    Nicht nur ein freundlicher Blick, sondern auch der direkte Augenkontakt mit dem Gesprächspartner wirkt sich positiv auf die wahrgenommene Intelligenz aus. Gerade wenn Sie selbst sprechen, sollten Sie den Blick nicht schweifen lassen, sondern Ihren Gegenüber fokussieren.

    So das Ergebnis einer Studie aus den USA. Der Blickkontakt ist also nicht nur ein Zeichen von Respekt und Aufmerksamkeit, sondern hinterlässt auch einen intelligenten Eindruck.


  4. Besonders eloquente Begriffe benutzen

    Einige sind der Ansicht, Ihre Intelligenz demonstrieren zu müssen, indem Sie mit besonders ausgefallenen Begriffen um sich werfen und Ihre Sprachfertigkeit zur Schau stellen. Dieses Verhalten geht aber nach hinten los, denn eine Studie konnte zeigen, dass das genaue Gegenteil der Fall ist.

    Wer unnötigerweise lange und besonders komplizierte Worte benutzt, wirkt dümmer. Oder wie schon Albert Einstein sagte: Wenn man etwas nicht einfach erklären kann, hat man es nicht verstanden.


  5. Langweilige und monotone Sprache

    Einem Redner zu lauschen, der von Anfang bis Ende die immer gleiche Tonlage benutzt, ist nicht nur ermüdend und anstrengend, sondern lässt diesen auch blöd wirken. Dabei brauch es gar nicht viel, um diesen Eindruck zu verbessern.

    Nutzen Sie beim Sprechen verschiedenen Tonlagen und auch Lautstärken. Gerade bei Vorträgen sollten Sie verstärkt darauf achten, um von Ihrem Publikum richtig wahrgenommen zu werden.


  6. Alkoholische Getränke halten

    Betrunken wirken wohl die meisten Menschen blöd. Interessanterweise zeigte eine Studie jedoch, dass es gar nicht nötig ist, den Alkohol überhaupt zu trinken, um diesen Effekt zu erzielen.

    Es reicht bereits aus, eine Flasche Bier oder ein Glas Schnaps nur in der Hand zu halten, um auf andere Menschen dümmer zu wirken. Die Forscher erklären diese Wirkung durch den engen Zusammenhang, der in den Köpfen der Menschen zwischen Alkohol und dummen Verhalten besteht.

[Bildnachweis: TeddyGraphics, PathDoc by Shutterstock.com]