Mit der wachsenden Zahl von Studenten in Fernstudiengängen nimmt die Bedeutung des E-Learning stetig zu. Doch auch in Präsenzstudiengängen werden die Vorlesungen mehr und mehr durch E-Learning-System und -Module ergänzt. Für die Studenten bedeutet das eine neue Lern- und vor allem Organisationsform, auf die sie sich einstellen müssen. Damit Ihnen das optimal gelingt, haben wir heute definitiv alle Tipps, die Sie für erfolgreiches E-Learning brauchen.

E-Learning – Eine Definition

Doch bevor ich mit Ihnen in das Thema einsteige, definiere ich zuerst, was ich unter E-Learning verstehe. Die Formulierung “eine Definition” ist bewusst gewählt, denn “die” allgemein anerkannte Definition des Begriffs gibt es nicht. Meine Definition des E-Learnings schließt Online-Kurse, vorbereitete Lektionen, Module und interaktive Test mit ein. Video-Konferenzen oder Gruppenchats nehme ich hier jedoch explizit aus. Gerade die Chatfunktion ist zwar in vielen E-Learning-Plattformen integriert, doch aus meiner Sicht ist das etwas anderes. Denn bei Chats und Video-Konferenzen handelt es sich schlicht um Kommunikationskanäle für Lehrer und Lernende. E-Learning ist für mich jedoch der Prozess der Wissensvermittlung durch vorbereitete Inhalte und Lernangebote. Von dieser Definition gehe ich im Folgenden aus.

Die Vorteile – Zahlreich und überzeugend

Nachdem Sie wissen, was ich mit E-Learning meine, habe ich für Sie die Vorteile dieser Lernform zusammengetragen.

  1. Völlig Ortsunabhängigkeit – Ein offensichtlicher Punkt: Wo immer Sie Strom und Internet haben, können Sie E-Learning nutzen.
  2. Eigener Rhythmus – Lernende können sich die Module und Angebote nach ihrem ganz eigenen Rhythmus erarbeiten, ohne auf Kommilitonen oder Referenten Rücksicht nehmen zu müssen.
  3. Dauernde Verfügbarkeit – So lange die Server laufen, sind die Kursinhalte verfügbar. Wenn Sie also nicht schlafen können, spricht nichts gegen eine Lerneinheit um drei Uhr morgens. Ernsthaft, für Arbeitnehmer mit einem Vollzeitjob ist dieser Faktor Gold wert.
  4. Einfache Aktualisierbarkeit – Referenten können das E-Learning-Material jederzeit aktualisieren und den Lernenden so die neuesten Inhalte problemlos bereitstellen.
  5. Unkomplizierte Distribution – Noch ein Vorteil für Referenten: Inhalte lassen sich einfach und schnell an viele Studenten verteilen. So bald das Material in das System eingepflegt ist, reicht eine Nachricht an alle Mitglieder der Lerngruppe und schon haben alle Zugriff auf das neue Material.
  6. Interaktive Lerninhalte – Module und Lektionen lassen sich interaktiv gestalten und erzielen so einen höheren Lerneffekt. Videos, Tests und animierte Inhalte stellen dabei nur einen kleinen Teil der Palette dar.
  7. Hohe Mobilität – Je nach System lassen sich E-Learning-Kurse auch auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets einsetzen. Für Pendler kann das – wenn es die Umgebung zulässt – sehr praktisch sein.
  8. Geringe Kosten – Okay, die Administratoren und Verwaltungen mancher Universität werden jetzt die Augen verdrehen, doch E-Learning-Systeme können sehr viel günstiger sein traditionelle Lernformen. Gerade in Zeiten wachsender Studienzahlen können Räume und Gebäude besser ausgelastet werden, wenn ein Teil des Studiums von zu Hause aus stattfindet. Und für Arbeitnehmer die ein Fernstudium absolvieren oder sich autodidaktisch weiterbilden, ist E-Learning ohnehin günstiger als Präsenzveranstaltungen mit teilweise langen Anfahrtswegen. Diesen Kostenfaktor machen sich übrigens auch die boomenden Online-Nachhilfe-Services wie zum Beispiel Tutoria zunutze. Sie können – dank E-Learning – bundesweit und standardisiert Nachhilfe zu deutlich geringeren Kosten als früher anbieten.
  9. Einfacher Zugang – Zugegeben, die verschiedenen Plattformen für E-Learning-Systeme sind nicht übertrieben benutzerfreundlich, doch wirklich schwer ist kein System zu bedienen. Der Umgang mit der eingesetzten Software lässt sich meist in wenigen Minuten – maximal Stunden – lernen.
  10. Mehrsprachiges Material – Je nach Kurs und Inhalt können die Lernmaterialien in verschiedenen Sprachen angeboten werden. Das stellt zwar zusätzlichen Aufwand dar, kann für Lernende jedoch ein wahrer Segen sein.
  11. Niedere Hemmschwelle – Sich für einen Präsenzkurs oder -Studiengang anzumelden, stellt vor allem für Arbeitnehmer eine hohe Hemmschwelle dar. E-Learning-Angebote mit wenigen bis keinen Präsenztagen – die möglicherweise durch Video-Konferenzen ausgeglichen werden – senken diese Hemmschwelle drastisch.
  12. Attraktive Lernform – Schon der Begriff E-Learning klingt für viele Menschen deutlich attraktiver als ein klassisches Studium oder eine Vorlesung. Das liegt einerseits an den interaktiven Lerninhalten, andererseits jedoch auch einfach an der Tatsache, dass Online-Dienste längst zum Alltag vieler Menschen gehören und es daher nur konsequent ist, auch Lerninhalte – zumindest teilweise – online zu rezipieren. E-Learning-Angebote stoßen daher oft auf eine sehr hohe Akzeptanz bei den Lernenden.

Bei all diesen Vorteilen ist mir wichtig zu betonen: E-Learning ergänzt die menschliche Interaktion meiner Meinung nach hervorragend, ersetzt diese jedoch nicht. Viele Inhalte lassen sich über E-Learning optimal erfassen, doch es wird immer Fragen und Themen geben, bei denen das Gespräch und der Austausch mit einem Menschen die beste Form des Lernens darstellt. Dabei müssen sich die Menschen gar nicht persönlich sehen, virtuelle Lernräume mit Video-Konferenzen reichen meines Erachtens nach völlig aus, doch die Interaktion mit einem Menschen ist einfach nicht zu ersetzten.

E-Learning – nicht zu unterschätzen

Auch wenn E-Learning viel Freiheit und Flexibilität bietet: Sie sollten den Lern- und Arbeitsaufwand nicht unterschätzen. Markus Jung – Inhaber des Portals Fernstudium-Infos und Autor des Buches “100 Fragen und Antworten zum Fernstudium” – sagt dazu:

Wer sich vorab informiert, wird schnell herausfinden, dass für ein akademisches Fernstudium 15 bis 20 Stunden pro Woche aufzubringen sind. Zahlreiche Anbieter weisen auch selbst darauf hin. Trotzdem glauben viele Fernlerner, dass sich der zusätzliche Zeitaufwand noch leicht im Wochenplan unterbringen lässt – und müssen dann in der ersten Phase eines Fernstudiums kräftig nachjustieren.

Wie Sie sehen lässt sich auch ein Fernstudium oder E-Learning-Kurs nicht mal eben nebenbei absolvieren. Doch wie können Sie im Vorfeld heraus finden, ob ein Fernstudium für sie in Frage kommt? Unser Selbsttest hilft Ihnen dabei.

Selbsttest für Fernlerner

Haben Sie das Zeug zum Fernstudium? – Finden Sie es heraus:

    [ ] Ich kann neben dem Beruf mindestens 15 Stunden pro Woche für das Studium aufbringen.
    [ ] Ich möchte in Vollzeit studieren und kann etwa 50 Stunde pro Woche investieren.
    [ ] Ich bin bereit, private Aktivitäten während Prüfungsphasen drastisch einzuschränken.
    [ ] Ich nehme lange Wegstrecken und frühes Aufstehen für Präsenzprüfungen in Kauf.
    [ ] Ich habe Familie und Freunde über die Zusatzbelastung informiert und ihre Zustimmung.
    [ ] Ich kann jederzeit einen Semesterbeitrag von bis zu 300 Euro aufbringen.
    [ ] Ich verfüge auch in finanziell schwierigen Zeiten über etwa 200 Euro monatlich extra.
    [ ] Ich verfüge über einen ungestörten Rückzugsort an dem ich konzentriert lernen kann.
    [ ] Ich würde im Notfall auch Nachhilfe in Anspruch nehmen.
    [ ] Ich kann gut prüfungsrelevante von -unrelevanten Themen trennen.
    [ ] Ich kann mich Tag für Tag selbst motivieren und mit der Freiheit umgehen.
    [ ] Ich kann mir Lernstoff selbständig durch lesen und aufschreiben aneignen.
    [ ] Ich strebe den Abschluss nicht ausschließlich aus monetären Gründen an.
    [ ] Ich bin der festen Überzeugung, dass ich es schaffen werde.
Den Karrierebibel-Quickcheck (pdf) können Sie auch herunterladen und ausdrucken.

Sie haben bei der Mehrzahl dieser Punkte ein Kreuzchen gemacht? Gut, dann können Sie sich ruhig für ein Fernstudium anmelden. Die wichtigsten Voraussetzungen stimmen.

E-Learning-Anbieter – von weißen und schwarzen Schafen

Wenn Sie sich für ein Fernstudium entschieden haben, stehen Sie vor der gleichen Frage wie alle anderen Interessierten auch: Woran erkenne ich einen seriösen Anbieter?

Eine Patentantwort gibt es dafür leider nicht, denn mit der wachsenden Nachfragen an E-Learning-Angeboten ist auch die Zahl der Anbieter rasant in die Höhe geschossen. Doch es gibt einige Kriterien, an die Sie sich halten können. Markus Junge sagt dazu:

In Deutschland ist der Verbraucherschutz sehr gut. Privatwirtschaftliche Angebote müssen von der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zugelassen werden, akademische Fernstudiengänge dürfen nur von staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschulen angeboten werden. Im akademischem Fernstudium erworbene Abschlüsse sind gleichwertig zu Abschlüssen, die im Präsenzstudium erworben wurden.

Zusätzlich sollten Sie auf folgende Punkte achten:

  • Seriöse Anbieter versprechen Ihnen niemals schnelle und leichte Erfolge ohne eigenes Engagement.
  • Wenn sich das E-Learning-Angebot oder die Module seit mehr als einem Jahr nicht verändert haben, sollten Sie misstrauisch werden.
  • Bei zu günstigen Angebote – beispielsweise ein komplettes Fernstudium unter 1000 Euro – ist Vorsicht geboten. Entweder ist die Qualität genau so niedrig wie der Preis, oder es warten versteckte Kosten im Kleingedruckten.
  • Eine Recherche zum Anbieter Ihrer Wahl sollte überwiegend positive Erfahrungsberichte zu Tage fördern. Fehlen kritische Meinungen jedoch vollständig, sollten Sie vorsichtig sein.

E-Learning – Die besten Strategien für Ihren Erfolg

Ist der passende Anbieter gefunden, kann es losgehen. Mit den folgenden Strategien werden Sie Ihr Fernstudium garantiert erfolgreich absolvieren.

  • Zu einem ernsthaft betriebenen Studium gehört auch, dass Sie sich Zeiten für das Lernen einplanen. Oft wird der Tipp gegeben, dass Sie dafür immer die gleiche Zeit reservieren sollen. Das halte ich zwar für eine gute Idee, in der Praxis habe ich das jedoch oft scheitern sehen. Wenn es Ihnen so geht wie mir, haben Sie viele verschiedene Projekte und Verpflichtungen. Daher ist es oft nicht möglich, immer zur gleichen Uhrzeit zu lernen. Das muss auch gar nicht sein, solange Sie sich Ihre Lernzeit konsequent nehmen.
  • Unabhängig davon, wann Sie lernen, sollten Sie diese Phasen vorbereiten. Teilen Sie Ihrer Familie mit, für welchen Zeitraum Sie nicht gestört werden wollen, stellen Sie sich Kaffe, Tee, Wasser und Ihr Arbeitsmaterial bereit. Bereiten Sie sich so vor, als würden Sie jetzt eine Vorlesung zum anstehenden Thema besuchen. Denn nichts anderes tun Sie, nur eben in Ihrem Rhythmus und von zu Hause aus.
  • Für E-Learning-Kurse brauchen Sie – Überraschung – einen Computer und eine Internetverbindung. Schalten Sie während des Lernens jedoch bitte Ihr Mobiltelefon ab und schließen Sie alle Programme und Browser-Tabs, die Sie nicht für das E-Learning brauchen. Nur so können Sie Ablenkungen auf ein Mindestmaß reduzieren.
  • Bevor Sie sich tief in einen E-Learning-Kurs vergraben, sollten Sie sich die Zeit nehmen und die Software kennen lernen. Meist gibt es ein Video-Tutorial oder Sie werden interaktiv durch die ersten Schritte geführt. Im schlechtesten Fall müssen Sie sich durch das Handbuch oder die Hilfe wühlen, im besten Fall gibt es eine Einstiegsvorlesung oder Informationsveranstaltung zu dem System.
  • E-Learning-Kurse sind – so lange die Server laufen – rund um die Uhr verfügbar. Das bedeutet: Sie können grundsätzlich so lange lernen, wie Sie wollen. Sinnvoll ist das allerdings nicht, denn bereits nach 30 bis 45 Minuten lässt Ihre Aufmerksamkeit nach und nach mehr als zwei Stunden ist Lernen nur noch schwer möglich. Teilen Sie sich deshalb Ihren Stoff und Ihre Module ein und machen Sie zwischendrin Pausen. Zu viel auf einmal bringt Ihnen gar nichts, teilen Sie das Lernpensum lieber auf mehrere Einheiten auf.
  • Manchen Lernenden fällt der Lernprozess an sich nicht schwer, doch wenn es darum geht eine gestellte Aufgabe zu bearbeiten oder eine Studienarbeit zu schreiben, finden sie tausend interessantere Dinge. Natürlich können Sie sich – wenn Sie zu dieser Gruppe gehören – selbst Ziele setzen und versuchen, diese einzuhalten. Das ist – meiner Erfahrung nach – jedoch meist nicht verbindlich genug. Legen Sie Ziele daher mit einem Kommilitonen, Freund oder Coach fest. Diese Person muss Sie dann immer wieder an den gemeinsam vereinbarten Abgabetermin erinnern und auf dessen Einhaltung bestehen. Es sollte sich dabei um jemanden handeln, den Sie entweder nicht enttäuschen wollen, oder dessen Arbeitszeit Sie Geld kostet, also ein Coach. Beide Faktoren sind dazu geeignet, Sie zur Einhaltung des Abgabetermins zu motivieren.
  • Bei den meisten Lernenden gibt es im Lauf eines Kurses Tiefphasen, in denen absolut nichts klappen will und in denen sie beim lernen einfach nicht weiter kommen. Hier kommt die Ortsunabhängigkeit von E-Learning zum Tragen, denn Sie können sich einfach Ihren Laptop schnappen und sich in ein Café oder eine Bibliothek mit WLAN – gibt es inzwischen zu Hauff – zurückziehen. Der Ortswechsel wirkt oft belebend und kann dazu beitragen, Lern- oder Schreibblockaden zu überwinden.
  • Einige Lernblockaden sind jedoch auch schlicht auf Überlastung zurückzuführen. Wenn alle Tipps und Strategien nichts bewirken, sollten Sie sich ein oder zwei Tage Auszeit gönnen. Danach werden Sie dafür frisch gestärkt und aufnahmefähig wieder an den Lernstoff gehen können.
  • Diese Strategie gilt für jeden Lernprozess, da Sie beim E-Learning jedoch primär alleine lernen, gewinnt sie hier besondere Bedeutung. So bald Sie der Meinung sind, ein Modul oder ein Themengebiet wirklich verstanden zu haben, sollten Sie sich mit Ihren Kommilitonen treffen und diesen den gelernten Stoff vermitteln. Beim Lehren merken Sie oft erst, ob sie etwas wirklich verinnerlicht haben und der Stoff prägt sich Ihnen noch besser ein. Sehen Sie es einfach als Lernkontrolle mit Zusatznutzen für die gesamte Lerngruppe.
  • Beim E-Learning sitzen Sie den größten Teil der Zeit vor dem Computer. Vergessen Sie bei allem Lerneifer nicht, ab und zu aufzustehen, sich zu bewegen und auch mal nach draußen zu gehen um das – hoffentlich – herrliche Wetter zu genießen. Lernen ist nicht alles.