“Wie können wir Sie bei Fragen erreichen?” Bei mehrteiligen Seminaren höre ich diese Frage immer wieder. Die Teilnehmer sind hoch motiviert und wollen die Zeit zwischen den Terminen nutzen, um weiter an der Seminarthemen zu arbeiten. Natürlich haben die Teilnehmer meine Kontaktdaten, doch wer als Referent oder Coach arbeitet weiß: Wenn Sie jede Frage einzeln beantworten ist das erstens zeitaufwändig und zweitens werden Sie oft die gleiche Frage mehrfach beantworten. Bei Firmenseminaren ist das kein Problem, denn viele Firmen verfügen bereits über interne Kommunikationswerkzeuge und -plattformen, auf denen sich Teilnehmer und Referenten austauschen können. Im Bildungsbereich – etwas bei Hochschulen oder Universitäten – ist die E-Learning-Plattform Moodle weit verbreitet.
Und für Seminare außerhalb von Institutionen gibt es eine Vielzahl von Diensten und Tools, die allesamt für Gruppen ausgelegt sind.Doch auch Facebook eignet sich hervorragend als E-Leraning-Plattform für Ihr Seminar.
Warum Facebook?
Eines vorneweg: Facebook eignet sich natürlich nicht für jedes Seminar. Wie Eingangs erwähnt verfügen Firmen oft über eine entsprechende Infrastruktur, die für das Seminar genutzt werden kann. Selbst wenn diese nicht vorhanden ist, kommt Facebook für die meisten deutschen Unternehmen auf Grund des Datenschutzes nicht in Frage, firmeninterne Informationen haben auf Facebook nichts zu suchen. Zudem gibt es jede Menge anderer Dienste wie Doodle, Mixxt, Wikis und CO., die sich als E-Learning-Plattformen oder für einzelne Aufgaben anbieten. Warum also Facebook nutzen?
Die Antwort ist einfach: Weil es fast jeder kennt und nutzt. Facebook hat inzwischen eine solche Reichweite entwickelt, dass die meisten Seminarteilnehmer bereits ein Konto dort haben und das Netzwerk privat nutzen. Daher ist die Hemmschwelle niedrig und die Bedienung bekannt. Außerdem loggen sich viele Teilnehmer privat fast täglich bei Facebook ein und sehen daher die Nachrichten und Termine zum Seminar zeitnah.
Facebook als Seminarplanungstool
Okay, Facebook ist also schon etabliert und Ihre Teilnehmer sind damit einverstanden, das Netzwerk für das Seminar zu nutzen. Erfahrungsgemäß bietet sich die Seminar- und Zeitplanung als erstes Einsatzgebiet an. Erstellen Sie Auf Facebook für jeden Seminartermin eine Veranstaltung. Diese legen Sie natürlich privat und nicht öffentlich an. Fügen Sie alle Teilnehmer des Seminars zur Veranstaltung hinzu und schon sind alle informiert. Die Pinnwand der Veranstaltung können Sie optimal als Feedback-Kanal nutzen. Wenn ein Teilnehmer an einem Termin nicht anwesend sein kann, schriebt er einfach einen Kommentar und Sie als Referent sowie alle anderen Seminarteilnehmer sind informiert.
Facebook als Kommunikationszentrale
Facebook eignet sich auch hervorragend für seminarinterne Diskussionen. Dazu legen Sie eine private Gruppe an, in die Sie alle Seminarteilnehmer einladen. Fragen können hier in einem geschützten Rahmen gestellt und diskutiert werden. Auch wenn die Gruppe privat ist liegen die Daten doch immer noch bei Facebook auf US-amerikanischen Servern. Das muss kein Problem sein – privat tauschen die Teilnehmer vielleicht sensible Daten über Facebook-Nachrichten oder den Chat aus – wichtig ist nur, dass die Situation allen bewusst ist.
Facebook als E-Learning-Plattform
Doch Facebook-Gruppen lassen sich auch für das klassische E-Learning – also Aufgabenstellung und -bearbeitung online – nutzen. Aufgaben können Sie als Referent bequem als Pinnwandeintrag in die Gruppe stellen. Die Ergebnisse geben die Teilnehmer dann entweder als Kommentare zu diesem Eintrag oder als Nachricht an Sie bekannt. Auch Frage-und-Antwort-Runden lassen sich mit Gruppen realisieren. Dazu vereinbaren Sie mit Ihren Teilnehmer einen festen Zeitraum – die Planung können Sie natürlich wieder als Veranstaltung in Facebook anlegen – in dem Sie online und in der Gruppe erreichbar sind. Fragen seitens der Teilnehmer werden dann an die Pinnwand geschrieben und Sie antworten in Form eines Kommentars. Das ist deutlich effektiver als Fragen im Chat zu beantworten, denn die Fragen und Antworten sind so für alle einsehbar und können auch im Nachhinein eingesehen werden. Damit eine solche Frage-und-Antwort-Runde funktioniert, ist es wichtig, diese zu moderieren. Legen Sie fest, wie viel Zeit für die Bearbeitung einer Frage zur Verfügung steht und gehen Sie danach konsequent zur nächsten Frage über. Ansonsten können einzelne Fragen zu viel Zeit beanspruchen oder es werden mehrere Fragen auf einmal gestellt und es entsteht Chaos.
Facebook als Seminarplattform – Fazit
Im Vergleich zu anderen Diensten und Tools vereint Facebook alle wichtigen Funktionen für die Planung und Kommunikation innerhalb eines Seminars. Alle Aktionen können innerhalb eines Netzwerks stattfinden, das die Seminarteilnehmer oft bereits nutzen und kennen. Wenn Facebook aus Sicht des Datenschutzes für Ihr Seminar in Frage kommt, steht Ihnen hier eine vielseitige E-Learning- und Seminarplattform zur Verfügung.
Haben Sie Facebook bereits bei einem Seminar eingesetzt? Ist diese Anwendung für Sie denkbar? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.







Ivan Blatter
Das habe ich noch nie probiert, ist aber für mich durchaus denkbar, wenn auch eher bei Firmenseminaren. Dort kann ich vorher abklären, ob das von den Sicherheitsbestimmungen her möglich ist.
Bei offenen Seminaren ist es eher etwas schwierig. Gestern hatte ich gerade den Fall, dass ein Teilnehmer nicht mal den elektronischen Evaluation-Bogen der Weiterbildungsfirma – in deren Auftrag ich das Seminar gab – anzeigen lassen konnte. Der käme bestimmt auch nicht bis Facebook.
Bei offenen Seminaren würde ich also vermutlich immer ein paar Teilnehmer ausschliessend, was nicht geht.
Christian Mueller
Hallo Ivan,
ich denke das kommt darauf an, warum der Teilnehmer den Bogen nicht anzeigen lassen konnte. Rein technisch sehe ich bei Facebook keine Limitierung, zumindest vom Privatrechner aus.
Grundsätzlich stimme ich die verwendeten Tools aber immer zu Beginn eines Seminars mit den Teilnehmern ab und setze das ein, was die Teilnehmer auch verwenden oder zumindest ausprobieren wollen.
Danke dir für den Kommentar.
Gruß,
Christian
Spomenka
Hallo,
das ist eine schöne Idee. Leider nutzen noch nicht alle Teilnehmer Facebook.
Lieben Gruß!
Spomenka Kolar
Christian Mueller
Klar, nicht alle nutzen Facebook, aber der Ansatz lässt sich ja auf andere Netzwerke übertragen.
Gruß,
Christian Müller
Mirus Fitzner
Hallo Herr Müller,
tatsächlich wird Facebook auch im universitären Bereich häufig dafür benutzt, Seminare zu organisieren. Allerdings leistet Ihr Argument auch dem Vorschub, dass man Arbeit und Privatleben zunehmend konvergieren lässt. Schauen Sie sich bei Gelegenheit mal unsere Plattform iversity an. Zwar sind sicherlich noch lange nicht alle Menschen mit einem Account bei iversity, aber dafür ist das Tool eigens dafür konzipiert,
– kostenlos
– ohne Spezialkenntnisse
– und übersichtlich
eine erfolgreiche Veranstaltung zu organisieren.
Einer der großen Nachteile von Facebook ist, dass Sie kein Material hochladen können. Dies geht bei einer Hochschulplattform natürlich, wo Sie darüber hinaus auch – ähnlich wie bei MS Word – Texte und Dokumente online kommentieren können.
Entschuldigung für den Spam, aber das ist zu nah an unserem Kerngeschäftsfeld, als dass ich die Chance habe verstreichen lassen können.
Mit freundlichen Grüßen
Mirus Fitzner
Christian Mueller
Hallo Herr Fitzner,
danke für den Hinweis, iversity kannte ich noch nicht. Aus dem Hochschulbereich kenne ich hauptsächlich Moodle als Platzhirsch unter den E-Learning-Lösungen.
Iversity schaue ich mir mal an.
Gruß,
Christian Müller
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Marco De Micheli Redaktor HR-Blog
Ein sehr interessanter und ausgewogener, sich an der Praxis orientierender Artikel, der sich mit meinen HR-Erfahrungen und meiner Sicht der Dinge voll und ganz deckt und dessen Aussagen ich in jeder Beziehung unterstreichen kann. Schade, dass dies in der HR-Berichterstattung nicht häufiger thematisiert wird und in der Agenda von HR-Leuten nicht weiter oben steht.
Klaus Vorkauf
Zum Thema Platzhirsch unter den E-Learning-Lösungen:
Ich empfehle einen Blick auf die Umfrage des ZKI-AK E-Learning.
http://www.doodle.com/uyvcg2wz6s4bwv6v
Diese Umfrage vermittelt eine schöne Übersicht, welche Learning Management Systeme im Hochschulsektor eingesetzt werden.
Des Weiteren findet sich im Moment nur eine Lernplattform unter den Top 100 des t3n Open-Source-Ranking. Es handelt es sich dabei nicht um moodle, sondern um ILIAS auf Platz 89. http://t3n.de/opensource/top100/
Unter Platzhirsch verstehe ich etwas anderes.