Bei seiner Einführung war die Aufregung groß, die Einschätzungen reichten von “sinnvoller und notwendiger Maßnahme” bis hin zu “künstliche Beschränkung der Reichweite und Bevormundung der Nutzer”. Kaum eine Änderung wurde in Fachkreisen so intensiv und kontrovers diskutiert – die Rede ist von Facebooks EdgeRank-Algorithmus. Facebook selbst vertritt den Standpunkt, dass dieser Algorithmus den Stream im Sinne der Nutzer sortiert und so nur qualitativ gute und relevante Inhalte angezeigt werden. Bis zu einem gewissen Grad ist diese Argumentation sogar nachvollziehbar, doch Facebook wäre nicht Facebook, wenn es den Seitenbetreibern nicht auch die Möglichkeit bieten würde, die Sichtbarkeit und Reichweite der Beiträge durch Geld zu erhöhen. Mit den Promoted Posts ist genau das möglich – ein Schelm wer hinter diesen beiden Entwicklungen eine Strategie vermutet. Ernsthaft: Seit der Einführung des EdgeRank-Algorithmus werden die Beiträge von Facebook-Seiten längst nicht mehr allen Fans angezeigt. Mit einigen Tipps und Tricks können Sie die Sichtbarkeit Ihrer Inhalte jedoch deutlich erhöhen.

Erwarten Sie jetzt bitte keine Geheimrezepte oder Patentlösungen, denn die gibt es auch auf Facebook nicht. Bei den im Folgenden dargestellten Strategien und Verhaltensweisen handelt es sich meist um relativ kleine Änderungen. Werden diese jedoch konsequent umgesetzt und miteinander kombiniert, kann sich die Sichtbarkeit der Beiträge spürbar erhöhen. Dass dafür etwas Arbeit nötig ist, dürfte bereits jetzt klar sein.

EdgeRank: Affinität, Gewichtung, Zeit

Bevor wir jedoch zu den Tipps und Tricks für eine höhere Sichtbarkeit kommen, ist es wichtig, die Funktionsweise des EdgeRanks zu verstehen. Dieser basiert grundsätzlich auf drei Faktoren:

  1. Affinität
    Hier spielt vor allem die Beziehung eines Facebook-Nutzers zur konkreten Seite eine Rolle. Ist der Nutzer beispielsweise oft auf der Seite und gefällt diese auch zahlreichen Freunden, ist die Affinität zur Seite logischerweise hoch.
  2. Gewichtung
    Die Gewichtung eines Beitrags wird primär über die Art der Inhalte und Medien bestimmt. Sogenannte Rich-Media-Inhalte – also Bilder, Videos und ähnliches – werden in der Regel höher eingestuft, als reine Textbeiträge. Auch die Nutzung neuer Facebook-Funktionen kann die Gewichtung eines Beitrags erhöhen.
  3. Zeit
    Dieser Aspekt ist simpel: Je älter ein Beitrag ist, desto weniger sichtbar ist er auch.

Klurig Analytics hat den EdgeRank im folgenden Video gut erklärt und zusammengefasst.

Qualität und Engagement sind Trumpf

Wie erhöhen Sie also die Sichtbarkeit Ihrer Beiträge? Kurz gesagt: Durch qualitativ gute Inhalte und hohes Engagement der Fans. Konkret bedeutet das: Die Qualität der Inhalte bildet auch mit dem EdgeRank die Basis der Fanpage-Reichweite und -Sichtbarkeit. Nur wenn die Beiträge einer Seite für die Fans Mehrwert bieten und Interesse wecken, können alle anderen Tipps wirklich funktionieren. Das gilt beispielsweise auch für die Frequenz, mit der Beiträge und Postings auf Ihrer Fanpage erscheinen.

An diesem Punkt gehen die Meinungen auseinander: Manche Seiten lassen zwischen zwei Beiträgen mindestens acht Stunden vergehen, während andere fünf, sechs oder mehr Beiträge am Tag posten. Festzuhalten ist: Die Frequenz spielt nicht die entscheidende Rolle, wichtig ist, dass Sie immer sinnvolle Inhalte haben und den richtigen Zeitpunkt abpassen. Dieser hängt einzig und allein von Ihrer Zielgruppe ab, daher gibt es für den optimalen Zeitpunkt keine allgemein gültige Regel, lediglich einige Daten und Anhaltspunkte. Klar ist jedoch: Wenn Sie populäre und tagesaktuelle Themen aufgreifen, erhöht sich die Sichtbarkeit der Inhalte definitiv. Das liegt dann jedoch nicht primär am Zeitpunkt, sondern am enormen Interesse der Fans an dem aktuellen Thema und dem dadurch gesteigerten Engagement.

Apropos: Was das Engagement der Fans steigert, schadet auch der Sichtbarkeit der Beiträge nicht. Das Posten von Bildern und Videos, die Verlinkung viel gelesener und interessanter Artikel und der Einsatz von Umfragen sind einige bekannte Wege, mit denen sich – neben dem Engagement – auch die Sichtbarkeit von Inhalten erhöhen lässt. Außerdem scheinen inspirierende Zitate und motivierende Leitsätze bei Facebook-Fans gut anzukommen. Solche Beiträge werden in der Regel massiv geliked und geteilt – und erhöhen so die Sichtbarkeit des Beitrags.

Einstellungen, Promoted Posts und Werbung


Der oben stehende Screenshot zeigt eine selten genutzte, jedoch durchaus sinnvolle Funktion: Das Targeting von Beiträgen. Damit können Seitenbetreiber sehr genau festlegen, wer einen Beitrag zu Gesicht bekommt. Prozentual erhöht sich die Sichtbarkeit eines Beitrags dadurch zwar nicht, doch er wird so nur den wirklich relevanten Fans angezeigt.


Eine weitere Option zeigt der zweite Screenshot: Bitten Sie Ihre Fans darum, die oben zu sehende Einstellung vorzunehmen und die Seite bewusst zu den Neuigkeiten hinzuzufügen. Dieser Aufforderung wird natürlich nur ein Bruchteil der Fans nachkommen, doch die Sichtbarkeit wird sich so ein wenig erhöhen.

Zu guter Letzt bietet Facebook Seitenbetreibern natürlich auch noch die Option, Geld gegen Sichtbarkeit und Reichweite zu tauschen. Zugegeben, das ist ein wenig überspitzt, doch Promoted Posts und die zahlreichen Werbeformate von Facebook bieten genau diese Möglichkeit. Bei den Promoted Posts ist jedoch Vorsicht geboten: Ohne eine klare Einschränkung der Zielgruppe und der Reichweite können solche Maßnahmen schnell nach hinten losgehen und Fans aus für Sie völlig irrelevanten Regionen anziehen. Hier sollten Sie exakt auf die Einstellungen des Promoted Posts achten.

Natürlich kann die Sichtbarkeit und Reichweite auch über die klassischen Werbeformate erhöht werden. Facebook bietet hierzu zahlreiche Möglichkeiten an, die für Seitenbetreiber allesamt relevant sein können. Für den Einstieg in das Thema Facebook Ads empfehlen wir Ihnen an dieser Stelle den hervorragenden Artikel von Thomas Hutter.

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