Ollyy/shutterstock.comEhrenamtliches Engagement hat in Deutschland einen erstaunlich ambivalenten Ruf. Einerseits werden Menschen für freiwilliges Engagement in Vereinen und sozialen Einrichtungen bewundert, andererseits wird unbezahlte Arbeit leider nach wie vor ein wenig belächelt. Der gesellschaftliche und ideelle Wert ehrenamtlichen Engagements wird zwar hoch geschätzt, doch echte Bedeutung wird ihm kaum beigemessen. Diese Einschätzung greift jedoch deutlich zu kurz, denn im Rahmen ihres ehrenamtlichen Engagements eignen sich Menschen zahlreiche Kompetenzen und Erfahrungen an, die sie in allen Lebensbereichen nutzen können - auch in der Bewerbung. Wie ein Ehrenamt für einen Bewerber ein echtes Alleinstellungsmerkmal werden kann...

Ehrenamt: Immer ein Bewerbungsvorteil?

Zu Beginn steht natürlich die Frage, ob Sie Ihr ehrenamtliches Engagement überhaupt in Bewerbung und Lebenslauf erwähnen sollten. Eine häufige Antwort lautet hier: "Warum nicht? Es schadet auf keinen Fall." Klingt zwar logisch, doch etwas konkreter sollte es schon werden. Sicher kann ehrenamtliches Engagement als Beleg für soziale Kompetenzen, hohes Engagement und weitere persönliche Fähigkeiten und Eigenschaften dienen.

Und ja, Sie können sich durch Ihr ehrenamtliches Engagement auch Kompetenzen und Kenntnisse aneignen, die Sie im beruflichen Bereich brauchen können und die Sie positiv von anderen Bewerbern abheben. Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten.

Im konkreten Fall ehrenamtlichen Engagements sollten Sie sich vor der Integration in die Bewerbung einige Fragen stellen:

  • Wie wirkt das Ehrenamt auf Menschen, die sich nicht mit dem Thema befassen?
  • Wird mein ehrenamtliches Engagement gesellschaftlich akzeptiert und geschätzt?
  • Gibt es eine Verbindung zwischen meinem Ehrenamt und meinem Job?
  • Kann und will ich auch im Anschreiben positiv auf das Ehrenamt eingehen?

Selbst das sozialste und ehrenwerteste Engagement kann zum Problem werden, wenn der erste Eindruck unklar oder potenziell unangenehm ist. So ist die ehrenamtliche Arbeit in Jugendgruppen oder ähnlichen Kontexten beispielsweise weitgehend akzeptiert und angesehen. Die ehrenamtliche Arbeit in einer Suchtberatungsstelle kann jedoch einen unangenehmen Nachklang haben und bei manchem Personaler negativ ankommen.

Bitte differenzieren Sie hier: Das Beispiel trifft keine Aussage über den Wert des ehrenamtlichen Engagements - dieser ist in beiden Fällen hoch und verdient Respekt - sondern lediglich über die potenzielle Wirkung auf Dritte. Je nach Branche kann es daher sinnvoll sein, manche ehrenamtlichen Aktivitäten nicht im Lebenslauf aufzuführen.

Ehrenamt: Die Intention entscheidet

Ein Wort der Warnung: Wer sich nach der Lektüre des Artikels umgehend ehrenamtlich engagieren will, um seine Bewerbungschancen zu verbessern, kann sich den Aufwand in der Regel sparen. Ehrenamtliches Engagement ist an sich kein Vorteil, dazu wird es erst durch die bei dieser Arbeit erworbenen Kompetenzen und die gesammelten Erfahrungen.

Ehrenamtliches Engagement sollten Sie als Bewerber für sich daher nur dann in Betracht ziehen, wenn die Sache an sich Sie anspricht und zum Mitmachen motiviert. Die Vorteile für die Bewerbung sind dann ein angenehmer Nebeneffekt, dürfen jedoch nie zur Hauptsache werden.

Ehrenamt in der Bewerbung: Wann ist es besonders gut geeignet?

Für die sinnvolle und gezielte Präsentation in der Bewerbung kommt es also darauf an, welche Art des Ehrenamts Sie ausgeübt haben oder ausüben. Da die Spannbreite des ehrenamtlichen Engagements nahezu grenzenlos ist, unterscheiden sich auch die Wirkung und die jeweils notwendige Strategie in der Bewerbung deutlich. Optimal ist ehrenamtliches Engagement, das...

  • ... thematisch nah an Ihrem Job und Ihren beruflichen Aufgaben ist.
  • ... strukturell in einer unternehmensähnlichen Organisation stattfindet.
  • ... Ihnen Erfahrungen ermöglicht, die Sie relativ direkt auf Ihren Job übertragen können.
  • ... einen gesellschaftlich akzeptierten Wert hat und auch von Personalern geschätzt wird.
  • ... nicht mit Tabu-Themen zu tun hat und sich auch als Gesprächsthema eignet.
  • ... Kompetenzen erfordert, die offensichtlich Ihrem Job zu Gute kommen.

Ehrenamt: Gezielter Einsatz im Lebenslauf

Ollyy/shuitterstock.comKönnen Sie ehrenamtliche Aktivitäten nennen, die einen Bezug zu Ihrem Job aufweisen oder als Nachweise für soziale Kompetenzen dienen können, sollten Sie diese auch in Ihrer Bewerbung nutzen. Konzentrieren Sie sich dabei bitte auf zwei Ehrenämter und bauen Sie diese dafür aktiv auch in Ihr Anschreiben ein.

Eine zu große Zahl an ehrenamtliche Aktivitäten kann bei Arbeitgebern schnell Zweifel daran aufkommen lassen, ob Sie Ihren Job wirklich ernst nehmen und sich voll im Unternehmen einbringen. Außerdem können zu viele verschiedene Interessen und Aktivitäten - im Extremfall - auch den Eindruck der Unstetigkeit und Sprunghaftigkeit hervorrufen.

In den Lebenslauf bauen Sie Ihr ehrenamtliches Engagement erst nach den beruflichen Stationen unter der Bezeichnung "Soziales Engagement", "Interessen und Engagement", "Ehrenamtliche Aktivitäten" oder "Persönliche Kompetenzen" ein. Stellen Sie dabei bitte sicher, dass...

  • ... Sie klar und deutlich beschreiben, welcher Tätigkeit Sie genau nachgehen.
  • ... Sie Ihr Engagement auch schriftlich nachweisen können.
  • ... Sie die wichtigsten Stichworte zum Engagement in den Lebenslauf integrieren.
  • ... Sie auch angeben, seit wann Sie das Ehrenamt ausüben.

Der letzte Punkt ist entscheidend, denn als Ehrenamt sollten Sie wirklich nur Aktivitäten angeben, die Sie bereits mehrere Monate ausüben und hinter denen Sie voll stehen. Widerstehen Sie bitte der Versuchung, einmalige Aktionen oder wenige Wochen lange Episoden als Ehrenamt anzugeben und so Ihren Lebenslauf zu schönen. Solche kosmetische Schönfärberei erkennen die meisten Personaler problemlos - und sind davn meist wenig begeistert.

Muss ich dem Arbeitgeber eine ehrenamtliche Tätigkeit melden?

Wenn im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag nichts anderes geregelt ist, bedarf jede entgeltliche oder unentgeltliche Nebentätigkeit der Genehmigung des Arbeitgebers.

Wenn es sich nicht um Konkurrenztätigkeit handelt und die Arbeitskraft durch den Umfang der Nebentätigkeit nicht beeinträchtigt wird, steht der Genehmigung nichts im Weg. Ohne Genehmigung riskiert der Arbeitnehmer eine Abmahnung, denn er hat sich nicht an seine arbeitsvertraglichen Verpflichtungen gehalten.

Ist die Nebentätigkeit hingegen gar nicht genehmigungsfähig, weil zum Beispiel eine Konkurrenztätigkeit vorliegt, so kann der Arbeitgeber sogar fristlos kündigen.

Kleine Ehrenämtern, wie Elternbeirat in der Schule, Elternvertreter im Kindergarten oder anderes kulturelles und karitatives Engagement gilt indes nicht als Nebentätigkeit, wenn keine Arbeitskraft zur Verfügung gestellt wird. Dann braucht das auch nicht beim Arbeitgeber angezeigt werden.

Tipps für die richtige Präsentation des Ehrenamtes

Ollyy/shutterstock.comJe offensichtlicher der Zusammenhang zwischen Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit und dem angestrebten Beruf, desto einfacher ist die richtige Darstellung in der Bewerbung. Sind die Vorteile weniger offensichtlich, müssen Bewerber konkreter werden und sich genau überlegen, wie sie ihr Ehrenamt in der Bewerbung angeben wollen. Diese Tipps helfen Ihnen dabei, Ihr Ehrenamt in der Bewerbung richtig zu präsentieren.

  • Bauen Sie das ehrenamtliche Engagement sowohl im Lebenslauf als auch im Anschreiben ein.
  • Machen Sie im Anschreiben deutlich, welche Kompetenzen Sie sich durch das Engagement angeeignet haben.
  • Nutzen Sie dafür am besten Beispiele, die möglichst nah an Ihren beruflichen Aufgaben sind.
  • Formulieren Sie die Vorteile des Ehrenamts für Ihren Job idealerweise durch Beispiele.
  • Machen Sie deutlich, dass das Ehrenamt für Sie Teil Ihres Ausgleichs ist und Ihnen gut tut.
  • Stellen Sie gleichzeitig klar, dass Ihr Job vorgeht und Ihr ehrenamtliches Engagement Ihre Arbeitsleistung nicht negativ beeinträchtigen wird.

Zentral ist hier natürlich die Auswahl der individuell passenden Beispiele. Diese sollten nicht nur eine hohe Affinität und Ähnlichkeit zu Ihren beruflichen Aufgaben aufweisen, sondern auch für Menschen verständlich sein, die sich nicht mit dem Thema auskennen.

Extratipp: Keine Zusammenhänge erfinden

Wenn Sie Ihr Ehrenamt wirklich zu einem Bewerbungsvorteil machen wollen, sollten Sie es, wie bereits erwähnt, nicht nur um Lebenslauf nutzen, sondern dann auch im Anschreiben erwähnen.

Aber: Nicht immer gibt es einen konkreten Bezug zum Job. Bitte versuchen Sie nicht, mit aller Gewalt einen Zusammenhang zu konstruieren. Oft ist es besser, die soziale und persönliche Komponente des Ehrenamts deutlich zu machen, als auf Biegen und Brechen einen völlig abstrusen Zusammenhang zum Beruf herzustellen. Ein solches Konstrukt kann das Ehrenamt sogar eher entwerten.

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