Ehrenamt-im-Lebenslauf-Nachdenken-Zweifel
Ehrenamtliches Engagement hat in Deutschland einen erstaunlich ambivalenten Ruf. Einerseits werden Menschen für freiwilliges Engagement in Vereinen und sozialen Einrichtungen bewundert, andererseits wird unbezahlte Arbeit leider ein wenig belächelt, Motto: Hat der denn sonst nichts zu tun? Der gesellschaftliche und ideelle Wert ehrenamtlichen Engagements wird zwar geschätzt, doch echte Bedeutung wird ihm kaum beigemessen. Zu Unrecht. Dabei eignen sich die Menschen zahlreiche Kompetenzen und Erfahrungen an, die sie in allen Lebensbereichen nutzen können - auch im Job oder bei der Bewerbung. Wie ein Ehrenamt für Bewerber ein echtes Alleinstellungsmerkmal werden kann...

Ehrenamt: Immer ein Bewerbungsvorteil?

Am Anfang steht die Frage, ob Sie Ihr ehrenamtliches Engagement überhaupt in Bewerbung und im Lebenslauf erwähnen sollten. Die Frage ist einfach - die Antwort ist es nicht.

Ehrenamtliches Engagement kein ein guter Beleg für soziale Kompetenzen, für die Soft Skills und für hohes Engagement sein. Und nicht zuletzt können sich Betroffene dadurch auch viele neue Kompetenzen und Kenntnisse aneignen, die Sie später im Beruf brauchen können und die Sie positiv von anderen Bewerbern abheben. Einerseits.

Andererseits kann ehrenamtlicher Engagement immer auch Subbotschaften transportieren, die Sie sich wenigstens bewusst machen sollten. Idealerweise stellen Sie sich dazu vorab die folgenden Fragen:

  • Wie wirkt das Ehrenamt auf Menschen, die sich NICHT mit dem Thema befassen?
  • Wird ehrenamtliches Engagement in diesem Bereich gesellschaftlich akzeptiert und geschätzt?
  • Kann und will ich auch im Anschreiben positiv auf das Ehrenamt eingehen?
  • Gibt es eine Verbindung zwischen meinem Ehrenamt und meinem Job?

Insbesondere die letzte Frage ist entscheidend: Der Lebenslauf in der Bewerbung dient nicht dazu ein vollständiges Chronogramm all Ihrer bisherigen Aktivitäten minutiös aufzulisten, sondern vielmehr Ihre Eignung für die Stelle zu dokumentieren. Folglich gehört dort nur hinein, was diesem Zweck dient - insbesondere in den freiwilligen Zusatzinformationen, wie "Interessen", "Hobbys", "Engagegement".

Selbst das sozialste und ehrenwerteste Engagement kann dann zum Problem werden, wenn der Eindruck entsteht, Sie seien sonst nicht ausgefüllt und Ihr Leben besteht vor allem daraus. Während etwa das Engagement in sozialen und kirchlichen Trägern oder in der Jugendarbeit in der Regel kein Problem darstellt, kann zum Beispiel das Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr negative Assoziationen wecken: So sinnvoll das auch ist - Feuerwehrarbeit ist mit viel Zeit verbunden (Ist das vielleicht der eigentliche Traumberuf?), Betroffene leben gefährlich (Fällt der Mitarbeiter später womöglich für längere Zeit aus?) oder suchen gar den Kick (Von Beruf Gefahrensucher?).

Ähnlich ist es mit einem Ehrenamt in einer Gewerkschaft. Das kann - je nach Job - bei manchem Arbeitgeber Zweifel wecken. Und die sind bei vielen gleichartigen Bewerbern eher ein Ausschlusskriterium.

Bitte verstehen Sie uns richtig: Es geht uns nicht um den Wert des Ehrenamts - der bleibt unbestritten. Es geht lediglich um die potenzielle Wirkung auf Dritte. Je nach Branche und Position kann es daher sinnvoll sein, manches Ehrenamt nicht im Lebenslauf aufzuführen.

Ehrenamt: Gut für die Gesundheit

Extra-Tipp-IconAls Forscher der Universität von British Columbia die Auswirkungen von freiwilligem Helfen und sozialem Engagement untersuchten, stellten sie fest: Das Ganze hat positiven Einfluss auf die physische Gesundheit der Helfer.

Die Wissenschaftler rekrutierten für ihre Studie mehr als 100 Studenten für freiwillige karitative Dienste. Ein Teil der Gruppe engagierte sich sofort über einen Zeitraum von 10 Wochen hinweg jeweils eine Stunde pro Woche beispielsweise in einer Grundschule in der Nachbarschaft. Die anderen Studenten standen auf einer Art Warteliste (Kontrollgruppe). Sie halfen also nur, wenn gerade Not am Mann beziehungsweise Frau war.

Parallel zeichneten die Forscher die medizinischen Daten der Probanden auf - angefangen beim Body-Mass-Index (BMI) bis hin zum Cholesterinspiegel vor und nach dem Experiment. Ebenso wurden Interviews geführt, um psychologische Veränderungen zu messen, etwa das Selbstvertrauen, die Stimmung und Motivation oder Empathie der Helfer. Resultat: Die Teilnehmer der ersten Gruppe, also der regelmäßigen Helfer, waren nach zehn Wochen wesentlich gesünder als die Kontrollgruppe, hatten niedrigere Cholesterinlevel und auch den besseren BMI. Zudem verzeichneten die Forscher - was jetzt weniger überrascht - bei ihnen hinterher Höchstwerte in Sachen Empathie und mentaler Gesundheit.

Ehrenamt: Gezielter Einsatz im Lebenslauf

Ollyy/shuitterstock.comKönnen Sie ehrenamtliche Aktivitäten nennen, die einen Bezug zu Ihrem Job aufweisen oder als Nachweise für soziale Kompetenzen dienen, sollten Sie diese in Ihrer Bewerbung erwähnen. Konzentrieren Sie sich dabei bitte auf maximal zwei Ehrenämter. Bei einer zu großen Anzahl stellt sich - wie schon erwähnt - die Frage, wie Sie das mit einem Fulltimejob (für den Sie ja laut Anschreiben vor allem brennen) verbinden wollen. Außerdem können zu viele verschiedene Interessen und Aktivitäten - im Extrem - auch den Eindruck der Unstetigkeit und Sprunghaftigkeit erzeugen.

In den Lebenslauf bauen Sie Ihr ehrenamtliches Engagement erst nach den beruflichen Stationen unter der Bezeichnung "Soziales Engagement" oder "Interessen und Hobbys" oder "Persönliche Kompetenzen" ein. Stellen Sie dabei bitte sicher, dass...

  • Sie deutlich beschreiben, welcher Tätigkeit Sie genau nachgehen.
  • Sie angeben, seit wann Sie das Ehrenamt ausüben.
  • Sie das Engagement auch nachweisen können (manche Arbeitgeber prüfen das).

Der letzte Punkt ist wichtig, denn als Ehrenamt sollten Sie nur Aktivitäten angeben, die Sie schon längere Zeit ausüben. Widerstehen Sie bitte der Versuchung, einmalige Aktionen oder ein paar Episoden soziale Hilfe als Ehrenamt anzupreisen. Solch kosmetische Schönfärberei erkennen die meisten Personaler - und sind davon meist wenig begeistert.

Extra-Tipp: Keine Zusammenhänge erfinden

Extra-Tipp-IconWenn Sie Ihr Ehrenamt zu einem Bewerbungsvorteil machen wollen, sollten Sie es nicht nur im Lebenslauf, sondern dann auch im Anschreiben erwähnen. Dann fallen die Kompetenzen mehr auf. Aber eben nur dann. Bitte versuchen Sie nie, mit Gewalt einen Zusammenhang zu konstruieren. Oft ist es dann besser, die soziale und persönliche Komponente des Ehrenamts deutlich zu machen, als auf Biegen und Brechen Qualifikationen für den Job abzuleiten.

Muss ich dem Arbeitgeber eine ehrenamtliche Tätigkeit melden?

Wenn im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag nichts anderes geregelt ist, bedarf jede entgeltliche oder unentgeltliche Nebentätigkeit der Genehmigung des Arbeitgebers.

Wenn es sich nicht um Konkurrenztätigkeit handelt und die Arbeitskraft durch den Umfang der Nebentätigkeit nicht beeinträchtigt wird, steht der Genehmigung nichts im Weg. Ohne Genehmigung riskiert der Arbeitnehmer jedoch eine Abmahnung, denn er hat sich nicht an arbeitsvertraglichen Verpflichtungen gehalten.

Ist die Nebentätigkeit hingegen gar nicht genehmigungsfähig, weil zum Beispiel eine Konkurrenztätigkeit vorliegt, kann der Arbeitgeber sogar fristlos kündigen.

Kleine Ehrenämter, wie der Elternbeirat in der Schule, Elternvertreter im Kindergarten oder anderes kulturelles und karitatives Engagement gilt indes nicht als Nebentätigkeit, wenn keine Arbeitskraft zur Verfügung gestellt wird. Dann braucht das auch nicht beim Arbeitgeber angezeigt werden.

[Bildnachweis: Ollyy by Shutterstock.com]

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