„Nennen Sie mir doch bitte eine Ihrer Schwächen!“ Auf diesen Klassiker in Vorstellungsgesprächen antworten erstaunlich viele Bewerber mit „Ungeduld“. Irgendwann muss dieser unselige Tipp in einem Karriereratgeber gestanden haben: „Sagen Sie, Ungeduld sei Ihre Schwäche. Das ist in Wahrheit eine Stärke!“ Wer nach oben strebt, zeichnet sich dadurch aus, dass er die Dinge nach vorne bringt, nicht lange fackelt. Ein Machertyp eben. Geduld ist die Sache solcher Leute nicht.

Schwachsinn! Ungeduld ist eine Schwäche – eine große sogar, die häufig mit übertriebenem Ehrgeiz korreliert. Und beide haben schon so manches aufstrebende Nachwuchstalent zu Fall gebracht. Die Ich!-Alles!-Jetzt!-Attitüde erschafft nur Instant-Typen, die zu schnell und zu viel auf einmal wollen, dieser Aufgabe aber (noch) nicht gewachsen sind. Man kann nicht drei Jahre Erfahrung in einem absolvieren. Es ist die Übung, die den Meister macht. Noch immer.

Es erfordert Geduld ein schwieriges Projekt und erst recht andere Menschen zu führen. Abwarten zu können, kann sogar eine Tugend sein. Manches Problem erledigt sich von allein oder man bekommt im Laufe der Zeit Informationen und Ideen, die eine bessere Lösung ermöglichen. Der Expresslift zur Karriere ist ein Mythos. In der Ruhe liegt viel mehr Kraft. Außerdem ist nichts frustrierender, als die Karriereleiter im Sauseschritt emporzuklettern, nur um oben festzustel-len, dass man sie an der falschen Wand angelegt hat.