Eigensinnig? Versuchen Sie bloß nicht, von jedem gemocht zu werden!
Viele Menschen sind von Natur aus sehr harmoniebedürftig. Wir bemühen uns um ein angenehmes Miteinander, wollen zu einer Gruppe dazugehören und Streit möglichst vermeiden. Kurz gesagt: Am liebsten würden wir von jedem gemocht werden - und umgekehrt. In der Realität funktioniert das allerdings nicht und das ist gar nicht mal schlecht. Dahinter versteckt sich keine Aufforderung, möglichst oft einen Streit vom Zaun zu brechen, aber es gibt einige gute Gründe, nicht von jedem gemocht zu werden. Sollten Sie das Gefühl haben, dass jemand Sie unsympathisch findet, brauchen Sie sich deshalb nicht schlecht fühlen. Vielleicht haben Sie ja vielmehr Grund, stolz darauf zu sein, nicht gemocht zu werden...

Warum wollen wir, dass andere uns mögen?

Egal ob in der Schule, im Beruf oder im Sportverein: Wir sind fast immer sehr darauf bedacht, von anderen gemocht zu werden. Dafür sind wir bereit, uns anzupassen, um den Einstieg in eine Gruppe zu finden. Aber warum wollen wir, dass andere uns mögen? Soziale Akzeptanz oder - anders formuliert - die Angst vor sozialer Ablehnung ist ein wichtiger Faktor des menschlichen Zusammenlebens.

Das Gefühl, zu einer Gruppe zu gehören und von den Mitgliedern akzeptiert zu werden, stärkt das eigene Selbstbewusstsein ungemein. In einigen Fällen wird dieser Ansatz aber auch übertrieben. Es ist nicht nötig, von jedem gemocht zu werden.

Verständlicherweise fühlt man sich komplett alleine einsam, ausgeschlossen und beginnt Selbstzweifel zu entwickeln. Was denken die anderen nur von mir? Habe ich was falsch gemacht? Wieso finde ich keinen Anschluss? Wichtige Bezugsgruppen wie Freunde und Familie können dem entgegenwirken. Es ist schlichtweg ein verbreiteter Irrglaube, von jedem gemocht zu werden, um sich selbst besser zu fühlen.

Stattdessen gibt es sogar einige gute Gründe, die dagegen sprechen.

Warum es gut ist, nicht von jedem gemocht zu werden

  1. Sie müssen sich nicht für andere verbiegen

    Prallen unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander, kommt es früher oder später zu Reibungen, die zu Meinungsverschiedenheiten oder Streitigkeiten führen können. Nicht von jedem gemocht zu werden zeigt deutlich, dass Sie sich nicht verbiegen, um jegliche Konfrontation zu vermeiden und sich aalglatt hindurchschlängeln.

    Ohnehin lohnt es sich meist nicht, es allen anderen krampfhaft recht machen zu wollen, weil dabei die eigene Persönlichkeit auf der Strecke bleibt.

    Ihre Authentizität zahlt sich vielfach aus. Sie können Sie selbst sein, ohne anderen etwas vorzuspielen, werden von ihrem Umfeld als ehrlicher und vertrauenswürdiger eingeschätzt und entwickeln ein größeres Selbstvertrauen.

  2. Sie sind bereit, Risiken einzugehen

    Sie sind bereit, Ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und die damit verbundenen Risiken zu tragen? Dann werden Ihnen auf diesem Weg Fürsprecher, aber auch negative Stimmen begegnen. Manche werden Sie für arrogant halten, andere Ihr Scheitern prognostizieren.

    Wer damit klar kommt, dass nicht jeder mit den Risiken einverstanden ist oder die Entscheidungen nachvollziehen kann, wird auf lange Sicht viele Hindernisse aus dem Weg räumen und davon profitieren.

    Je mehr Kritik Ihnen entgegenkommt, desto schwieriger ist es, durchzuhalten, doch wenn der Rückhalt von Familien und Freunden gegeben ist, kann man es verkraften und sich umso mehr darüber freuen, wenn die Anstrengungen sich ausgezahlt haben.

  3. Sie sind nicht auf die Bestätigung anderer angewiesen

    Das eigene Selbstwertgefühl hängt natürlich auch von den Reaktionen der Umwelt ab. Allerdings sollte man nicht jedem einen so großen Wert einräumen, dass dessen Wertschätzung Ihr Selbstbild bestimmt. Einen solch großer Einfluss sollte wenigen Menschen vorbehalten sein, die Ihnen besonders nahe stehen.

    Verstehen Sie hingegen, dass es für Ihre Persönlichkeit und Ihre Leistungen nicht auf das Urteil anderer ankommt, werden Sie sich nicht nur besser fühlen, sondern auch motivierter agieren. Sie geben sich damit die Chance, das eigene Selbstwertgefühl zu steigern, ohne die Bestätigung anderer zu benötigen.

  4. Sie können Ihre Meinung auch bei Widerspruch zu vertreten

    Unterschiedliche Ansichten sind einer der häufigsten Gründe für Abneigungen. Wir sind darauf bedacht, uns mit Menschen zu umgeben, die uns ähnlich sind, gleich ticken und die uns verstehen. Das bedeutet aber auch, dass wir unsere Meinung in einigen Situationen für uns behalten, um Diskussionen zu vermeiden und im Ansehen der anderen nicht zu sinken.

    Wer seine Standpunkt verleugnet, tut sich selbst jedoch Unrecht. Besser ist es zu akzeptieren, dass die eigene Meinung vielleicht nicht bei jedem gut ankommt, diese aber dennoch selbstbewusst zu vertreten.

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