Eigentlich ist Verlieben eine feine Sache: Das Kribbeln im Bauch, die Aufregung, wenn man das Objekt der Begierde sieht und noch viel schöner, wenn es auf Gegenseitigkeit beruht. Problematisch wird es, wenn es der oder die eigene Vorgesetzte ist: Ein Chef zum Verlieben kann viel Ärger bedeuten. Sei es, dass Sie etwas in harmlose Gesten hineininterpretieren, sei es Stress mit Kollegen, die eine Bevorzugung wittern. Aber natürlich auch, wenn es nach einer Liaison zur Trennung kommt. Warum Sie in solchen Fällen besser nicht der Schwärmerei nachgeben sollten...

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Ein Chef zum Verlieben: Thema unzähliger Komödien

Beziehungen am Arbeitsplatz sind keine Seltenheit: Einer Umfrage von 2016 zufolge zum Thema "Liebe am Arbeitsplatz" haben rund 34 Prozent der befragten Frauen sich schon einmal am Arbeitsplatz verliebt. Überraschenderweise zeigt diese Umfrage auch, dass das Klischee von der ständig schwärmenden Frau und dem sachlich-kühlen Mann offenbar auch nur genau das ist: Denn bei den befragten Männern lag der Anteil mit rund 42 Prozent deutlich höher als bei den Frauen.

Die Filmindustrie greift dieses Thema gerne auf und strickt daraus ganz eigene Geschichten - um eine kleine Auswahl zu zeigen:

  • Ein Chef zum Verlieben (Two Weeks Notice) - mit Sandra Bullock und Hugh Grant
  • Selbst ist die Braut (The Proposal) - mit Sandra Bullock und Ryan Reynolds
  • Secretary - mit Maggie Gyllenhaal und James Spader
  • Marnie - mit Tippi Hedren und Sean Connery

Pikanterweise zeigt die Entstehungsgeschichte zu Marnie, wohin es führen kann, wenn eine Person sich unglücklich in eine andere verliebt, die im Abhängigkeitsverhältnis zu ihr steht: Alfred Hitchcock war geradezu vernarrt in seine Darstellerin; da diese allerdings seine Gefühle nicht erwiderte, endete die Zusammenarbeit.

Verliebt in den Chef: Wie es dazu kommt

Liebe am Arbeitsplatz ist offensichtlich sehr beliebt: Immerhin jede dritte Ehe hat dort ihren Ausgangspunkt gefunden. Die Gründe dafür sind naheliegend: Man lernt sich unter völlig unverfänglichen Bedingungen kennen, arbeitet Tag für Tag miteinander.

So hat jeder die Gelegenheit, den anderen unverstellt zu erleben, zu sehen, ob auf jemanden Verlass ist, wie er mit Stress umgeht - all die sozialen Kompetenzen, die die Zusammenarbeit so wichtig machen, sich aber natürlich auch in romantischen Beziehungen ganz gut machen. Auf der Arbeit wird Menschen also die Gelegenheit gegeben, sich zu bewähren.

Würden sich die gleichen Menschen unter anderen Bedingungen über den Weg laufen, beispielsweise auf einer Party oder in einer Kontaktbörse, wären die Fühler gleich bereits in eine bestimmte Richtung gegangen. Jeder würde sich entsprechend positiv präsentieren, wie er oder sie sich aber wirklich unter bestimmten Bedingungen verhält, bliebe offen.

Soweit, so menschlich. Kritisch wird es, wenn sich ein Arbeitnehmer in einen höherrangigen Angestellten im gleichen Unternehmen verguckt: Hier sind es überwiegend Frauen, die für ihren Chef schwärmen, immerhin 24 Prozent.

Konflikte vorprogrammiert bei gegenseitiger Anziehung

Wenn es zu einer Affäre kommt, sind die Probleme vorprogrammiert: In der Anfangsphase halten viele Paare ihre Beziehung geheim, meist aus Angst vor der Reaktion der anderen Kollegen. Würden die wissen, dass der Chef und die Angestellte miteinander ausgehen, gäbe es sofort Vermutungen, sie würde bevorzugt behandelt, hätte bestimmte Aufgaben nur bekommen, da sie Chefs Liebling ist.

Neben fehlender Objektivität fürchten die Kollegen ebenfalls, dass etwas von dem, das sie der Kollegin erzählen, plötzlich bei der Führungskraft landet. Das Vertrauensverhältnis wäre also gestört.

Diese Geheimhaltung ist auf Dauer natürlich anstrengend und verursacht vermeidbaren Beziehungsstress. Daher wird zumeist die Maske fallen gelassen, wenn das Paar für sich beschließt, die Beziehung als etwas Ernstes zu definieren. Ab diesem Punkt wechselt idealerweise einer der beiden Partner die Abteilung, um Vorwürfe über Bevorzugung vorzubeugen.

Manche Chefs sind sich durchaus der Problematik eines Abhängigkeitsverhältnisses bewusst. Denn solange Beziehungen auf derselben Hierarchieebene stattfinden, sehen die wenigsten Unternehmen ein Problem darin. So werden manche Angestellten in der Tat solange gefördert, bis sie in einer vergleichbaren Position sind. Dann steht einem ethisch unbedenklichen Kennenlernen wenig im Wege.

Konfliktpotenzial entsteht aber auch dadurch, dass beide Partner zusammenarbeiten, denn hier sollte die Arbeit strikt vom Privaten getrennt werden. Teilweise werden jedoch Beziehungsprobleme mit auf die Arbeit genommen und umgekehrt belastet die Arbeit mitunter Beziehungen.

Besonders bei Trennungen kann die nun umständehalber erzwungene gemeinsame Zeit in purem Horror enden: Jeden Tag läuft man sich im Büro über den Weg, muss versuchen, sich erwachsen zu verhalten und es darf die Umgebung nichts mitbekommen. Auch dies ist eine Zerreißprobe für die Nerven, allerdings weitaus weniger prickelnd als vielleicht noch zu Beginn der Beziehung.

Je nachdem, wie negativ das Verhältnis nun zueinander ist, sollte spätestens jetzt eine Versetzung in eine andere Abteilung oder Standort angegangen, zur Not das Unternehmen komplett verlassen werden. Für den Chef endet eine Trennung in der Regel mit Doppelverlust: Er verliert sowohl die Freundin als auch die Mitarbeiterin.

Beziehung am Arbeitsplatz: Kündigungsgrund?

Ein Chef zum Verlieben Beziehung zwischen Chef und MitarbeiterinAuch wenn Beziehungen gerade zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiterin aus den geschilderten Gründen sehr heikel sind, besteht in Deutschland kein generelles Verbot. Das ließe sich auch gar nicht durchsetzen, denn es verstößt gegen das Persönlichkeitsrecht. Somit sind also auch offen formulierte Forderungen von Arbeitgebern, die solche Beziehungen nicht wünschen und eine Kündigung androhen, unwirksam.

Anders beispielsweise in Amerika: Never fuck the company ist zur geflügelten Redewendung geworden, wenn man es kurz und knapp umschreiben will. Dort darf tatsächlich eine Klausel in den Arbeitsvertrag aufgenommen werden, die private Beziehungen am Arbeitsplatz untersagt.

Allerdings gibt es im deutschen Arbeitsrecht die Regelung, dass das Verhalten der Angestellten sich nicht negativ auf die Firma auswirken darf - somit ist klar, dass private Probleme nicht während der Arbeitszeit geklärt werden sollten, genauso gut ist aber natürlich auch Bevorzugung verboten.

Ebenfalls kritisch ist eine Beziehung zwischen unterschiedlichen Hierarchieebenen auch deshalb, weil Betriebsinterna unbedingt gewahrt werden müssen. Sollte nachweislich zuwidergehandelt worden sein, darf der Arbeitgeber eine Abmahnung aussprechen.

Konflikte vorprogrammiert bei einseitiger Anziehung

Mindestens ebenso unschön wie eine beendete Liaison ist jedoch, wenn der Chef der Verehrer ist, die Angestellte jedoch keinerlei Interesse zeigt. Beide Parteien haben durch ihre Position auf der Arbeit klar definierte Rollen, aus denen sich die Machtbefugnisse des Chefs, aber auch die Aufgaben und Pflichten der Angestellten ergeben. Eigentlich. Denn kommen Gefühle ins Spiel, wird es schnell irrational und die Ebenen miteinander vermischt.

In dem Moment, wo der Chef abblitzt, sieht er zumeist seine Position - auch wenn das Nein seiner Rolle als Verehrer gilt. In dieser Situation kommt es durchaus vor, dass verschmähte Liebhaber ihre Macht ausnutzen und Druck ausüben.

Ihnen stehen Mittel und Wege zur Verfügung, die nicht ohne Weiteres nachweislich als Bestrafung zu deuten sind, in Wirklichkeit aber Schikane darstellen: Eine unnötig schlechte Leistungsbeurteilung, zusätzliche Arbeitsaufträge, Überstunden.

Durch solch unmittelbare Aktionen, aber auch ein breites Netzwerk kann er die beruflichen Perspektiven der Angestellten nachteilig beeinflussen. Aber nicht nur beruflich kann das Ganze eine sehr unschöne Wende nehmen, auch Fälle sexuellen Mobbings kommen immer wieder vor.

Oftmals ist für die Angestellte nicht sofort erkennbar, welche Absichten der Vorgesetzte verfolgt - wenn etwa zu Einzelbesprechungen ins Büro gebeten wird oder ein als Geschäftsessen deklarierter Restaurantbesuch plötzlich zum Candlelight-Dinner mutiert. Die eigentliche Intention mag zwar nicht ausgesprochen worden sein, aber das Setting ist eindeutig.

Für Frauen gilt es hier, genauso eindeutig zu sein: Machen Sie klar, dass Sie gerne für Ihren Chef arbeiten und ihn respektieren und das auch in Zukunft gerne so halten wollen - und damit das möglich ist, solle er weitere Annäherungsversuche unterlassen.

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